2:2 verloren?!

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Borussia gab den Sieg gegen Primstal in den Schluss-Sekunden aus der Hand!
180404 nachleseKämpferisches Vorbild auch gegen den VfL Primstal: Kapitän Yannick Bach (21). (Foto: -jf-)Mucksmäuschenstill war es im weiten Rund des sonnenüberfluteten Ellenfelds, als Schiedsrichter Julian Marx die Saarlandliga-Partie zwischen der Borussia und dem VfL Primstal nach 95 Minuten abpfiff. Kurz zuvor war noch ein regelrechter Jubelsturm losgebrochen, der jäh im Keim erstickt wurde. Was war passiert? In der dritten Minute der Nachspielzeit hatte Momo Diallo einen feinen Pass in die Schnittstelle der Gäste-Abwehr aufgenommen und das Leder über VfL-Keeper Arend ins Netz gelupft. 2:1 – Borussia hatte das Spiel doch tatsächlich gedreht!
Keine zwei Minuten später stimmte bei einem Freistoß aus dem linken Halbfeld die Zuordnung in Borussias Defensive nicht. Prompt war Primstals Kapitän Marc Pesch per Kopf zur Stelle und raubte Borussia den in letzter Sekunde den Sieg. 2:2, und das in Überzahl! Eine gefühlte Niederlage. 2:2 verloren. Momo Diallo, Yannick Bach, Marco Dahler sanken zu Boden. Enttäuscht, frustriert. „Geburtstagskind“ Kamil Czeremuzynski (er wurde am Spieltag 26 Jahre alt) malträtierte vor Wut die Werbebande, schlug dann die Hände vors Gesicht. Björn Klos saß wie versteinert vor der Auswechselbank. Paralysiert, konsterniert. Dabei hatte er gerade eben noch einen High-Speed-Sprint hingelegt, um sich in die Traube seiner jubelnden Schützlinge vor dem Fan-Block einzureihen. Doch Borussias Coach fand seine Worte schnell wieder. Im Mannschaftskreis richtete er seine Jungs auf. „Wir müssen positiv bleiben! Ich weiß, dass ihr Charakter habt. Jetzt gilt es, noch enger zusammenzurücken und weiter hart zu arbeiten. Dann wird es auch wieder gelingen, uns für den Aufwand, den wir in der zweiten Halbzeit betrieben haben, zu belohnen. Aber ihr wisst auch, dass wir keine gute erste Halbzeit gespielt haben.“ Mit dieser Kurzanalyse traf Björn Klos den Nagel auf den Kopf. Borussia brauchte fast zehn Minuten, um im Spiel anzukommen. „Wir verlieren jeden Ball in der Vorwärtsbewegung! Spielt doch mal über drei Stationen Fußball!“ versuchte Björn Klos die Männer in Weiß wachzurütteln, die sich zunächst forsch nach vorne orientierten Gästen gegenübersahen. Tom Finks Hereingabe, die allerdings im Zentrum nicht genutzt werden konnte, sorgte dann nach elf Minuten zum erste Mahl für Gefahr vor dem VfL-Tor. Borussia erarbeitete sich jetzt bessere Gelegenheiten. Nach einer Kurzpass-Kombination zwischen Yannick Bach, Marcel Jung und Jannik Nagel konnte ein Primstaler Abwehrbein das Leder in letzter Sekunde abblocken (16.), Kamil Czeremurzynski köpfte nach Ruschmann-Ecke knapp vorbei (20.) und kam mit einem Ausfallschritt nach einem Ruschmann-Freistoß nur Sekunden zu spät, um den Ball aus kurzer Distanz im Tor unterzubringen (23.). Nachdem VfL-Keeper Larson Arend einen Distanzschuss von Tom Fink mit Mühe zur Ecke lenkte, verfehlte auch Marco Dahlers Kopfball nur knapp das Ziel (28.). Die größte Chance vor der Pause hatten aber die bei Kontern stets gefährlichen Gäste: Kamil Czeremurzynski grätschte einen Lupfer von Tom Roob auf den letzten Zentimetern noch von der Torlinie (31.). Für die Primstaler Führung musste dann allerdings ein Missverständnis zwischen Jonas Merhej und Marco Dahler herhalten – Pascal Limke war der Nutznießer und legte der Borussia kurz vor der Pause zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt ein vorösterliches Ei ins Netz. Borussias Trainer war die Unzufriedenheit anzusehen: „Wir haben zu viele Akteure, die bis jetzt noch gar nicht richtig auf dem Platz sind!“ Auf dem Weg in die Kabine bereits ein erster Blickkontakt zwischen Björn Klos und Jens Kirchen, der mit muskulären Problemen vorsichtshalber auf der Bank Platz genommen hatte: „Kannst Du?“ Und Jens Kirchen konnte! Tatendurstig kam er bereits einige Minuten vor seinen Kameraden aus der Kabine. Aufmunternder Beifall der Fans empfing die Borussen, die den Rückstand offensichtlich gut verdaut hatten und nun entschlossener zu Werke gingen. Jens Kirchen erwies sich als Initiator einiger guter Chancen. So verpassten der eingewechselte Momo Diallo (56.) und Marco Dahler (61.) bei zwei Kirchen-Hereingaben den Ball in günstiger Position nur ganz knapp. Dennoch blieb auch Primstal nicht ungefährlich, weil Borussias Absicherung gelegentlich unsicher wirkte und Kamil Czeremurzynski zweimal in höchster Not mit geschicktem Tackling klären musste. Es dauerte bis zur 76. Minute, ehe Jens Kirchen einen an ihm selbst erwirkten Foulelfmeter zum 1:1 verwandelte. Björn Klos forderte nun energisch den „lucky punch. Glaubt daran!“ Die Borussen bauten nun – erst recht nach der gelb-roten Karte für Primstals Karsten RAuber (78.) – allmählich einen regelrechten Belagerungszustand um den Primstaler Strafraum auf. Tim Klein traf den Pfosten, ehe Marco Dahler die Lederkugel  im Gewühl aus kürzester Distanz über das VfL-Tor jagte. Erleichterung pur, als Momo Diallo in der Nachspielzeit Borussia in Führung brachte. Der Rest ist bekannt. „Das ist natürlich ein Nackenschlag, den man erst mal sacken lassen muss“, so Björn Klos in seiner Spielwertung, der sich erneut vorkam wie das Murmeltier, das täglich grüßt: „Die alte Leier – wieder eine schlechte und eine gute Halbzeit!“, stellte Borussias Trainer fest, der den Jungs aber eine „gute Moral“ attestierte, „für die wir uns am Ende aber einfach belohnen müssen. Aber auch ganz klar: In der ersten Halbzeit haben wir – trotz Chancenplus – nicht so agiert, wie ich mir einen Spitzenreiter vorstelle. Darauf müssen wir unter der Woche jetzt hinarbeiten.“ Spitzenreiter bleibt Borussia zunächst nur bis Ostermontag, wenn die Konkurrenten aus Auersmacher und Quierschied ran müssen, die die Borussen beide mit Siegen überholen können. Doch die Tabelle interessiert Björn Klos nur am Rande: „Alles Momentaufnahmen.“ Eines will Borussias Trainer an diesem am Ende eher gebrauchten Tages aber doch noch klarstellen: „Schuldzuweisungen für die eine oder andere Situation akzeptiere ich nicht. Wir gewinnen als Mannschaft und verlieren als Mannschaft!“ Dabei hatte Borussia gar nicht verloren. Aber: 2:2, eine gefühlte Niederlage. Eben doch eher: 2:2 verloren.
Jo Frisch