Philippe Perschs Ratschlag: „Nicht zu viel nachdenken!“

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Philippe Persch fliegt wieder! Wie im Spiel gegen den SC Friedrichsthal (re.) will Borussias Keeper, ganz fokussiert auf seine Aufgabe (li.), dem Gegner das Toreschießen schwer machen. (Fotos: Jan Sebastian Bach/-jf-)

Borussias Torwart ist zurück zwischen den Pfosten: „In Homburg kann sich einiges entscheiden!“

Philippe Persch ist wieder da! Anders als der tapfere Achilles, der vor den Toren Trojas kämpfend durch einen Pfeilschuss seines Gegenspielers Paris in die nach ihm benannte Sehne an der Ferse auf dem Schlachtfeld den Heldentod starb, ist Borussias Torwart auf das Spielfeld zurückgekehrt und will seinen Gegenspielern das Toreschießen so schwer wie möglich machen.

Erstmals seit seinem Achillessehnen-Abriss am 7. Oktober im Heimspiel gegen den SV Bübingen stand der 25jährige wieder zwischen den Pfosten. „Es war einfach großartig, wieder auf dem Platz zu sein, der Mannschaft helfen zu können und wieder im Kollektiv aktiv zu werden, nachdem ich in der Reha ja eher als Einzelkämpfer unterwegs war“, beschreibt der Keeper seine Gefühlslage während der 90 Minuten gegen den FV Schwalbach.

Ehrgeizig und selbstkritisch, wie Philippe Persch nun mal ist, war er allerdings mit der Gesamtleistung in dieser Partie nicht zufrieden: „Spielerische Qualität können wir derzeit nicht richtig auf den Platz bringen, konnten aber zeigen, dass man mit Willen viel bewegen kann“, lautet sein Fazit. Je näher die Entscheidung rücke, so Philippe Persch weiter, spüre man aber auch den wachsenden Druck. Dagegen hat der Torhüter für sich ein recht einfaches Konzept entwickelt: „Man sollte sich nicht zu viele Gedanken machen, am besten den Intellekt mit Anpfiff auf stand-by schalten. Es ist letztendlich nur ein Fußballspiel. Die dauern alle gleich lang, man will immer ein Tor mehr schießen als der Gegner. Man will gewinnen und sollte danach sehen, was mit 3 Punkten oder auch ohne passiert ist“, sagt Philippe Persch, der dieses auf ganz viel Gelassenheit aufbauende Konzept für sich persönlich konkret wie folgt umzusetzen versucht: „Ich bereite mich darauf vor, die Bälle, die aufs Tor kommen, abzuwehren und die, die man mir zuspielt, an meine Mitspieler weiterzuleiten. Mit dieser einfachen Sichtweise bin ich bisher ganz gut gefahren und lasse auch nicht viel Druck aufkommen.“ Das Ergebnis: Ein viel Ruhe und Souveränität ausstrahlender Torwart zwischen den Pfosten des Borussen-Tores!

Dabei sieht Philippe Persch, der auch Mitglied des Mannschaftsrates und immer ein Freund des offenen Wortes ist, seine Rolle im Team darin, „die Mannschaft auch von hinten heraus zu pushen, die Mitspieler anzusprechen und mitzunehmen.“ Auch wenn ihm bewusst ist, dass der Torwart, wie es „Titan Olii Kahn“ einmal formuliert hat, eher ein Einzelkämpfer ist, dessen Fehler natürlich viel mehr ins Gewicht fallen, so ist für Philippe Persch doch der Teamgeist letztlich das Ausschlaggebende: „Fehler werden nun mal gemacht, auf jeder Position. Aber wichtig ist es, dass der eine versucht, den Fehler des anderen wettzumachen, um gemeinsam als Mannschaft erfolgreich zu sein.“

Dass er dabei jetzt zum Ende der Saison hin noch mithelfen kann, damit hatte er eigentlich gar nicht mehr gerechnet. „Ich musste nach der Operation teilweise nochmal neu gehen lernen und hatte zeitweilig das Gefühl, der Fuß ist ein Fremdkörper, der nicht so funktioniert, wie man will. Die erste Zeit war die schlimmste: Noch mit Gehstützen laufen, jeden Tag Reha, dazu viele Zusatzschichten im Fitness-Studio, parallel dazu die schulische Ausbildung – da war ich schon sehr belastet und habe nicht viel Schlaf gehabt“, erzählt Philippe Persch, der sein Referendariat am Gymnasium in Hermeskeil in den Fächern Sport und Sozialkunde trotz Verletzung konsequent durchgezogen hat. Schmerzen hat er kaum noch, auch vom Kopf her gibt es keine Sperren: „Schon im ersten Training bin ich richtig in die Zweikämpfe gegangen, habe weite Sprünge und Ausfallschritte gemacht. Man muss da einfach Vertrauen zu sich selbst und seinem Körper haben, den man schließlich am besten kennt.“ Da klingt es wieder an, sein Konzept: Nicht zu viel nachdenken!

Nicht viel nachdenken muss er auch, wenn es um seine sportliche Zukunft geht. Er wird Borussia auch im nächsten Jahr treu bleiben. „Den Verein werde ich nicht wechseln, es kann aber sein, dass ich während der im Herbst anstehenden Examensprüfungen etwas kürzer trete, denn die sind für meine berufliche Perspektive sehr wichtig“, so Philippe Persch, der schon in der Borussen-Jugend gespielt hat und deshalb weiß, wie der traditionsreiche Verein emotional tickt: „Für Borussia wäre eine Rückkehr in die Oberliga wichtig, auch wenn es eine Herausforderung, eine andere Hausnummer ist.“ Fußballerisch groß geworden ist Philippe Persch in Marpingen. Mit Spielern von dort hat Borussia schon immer gute Erfahrungen gemacht: 1957 kam Torjäger Rudi Dörrenbächer aus dem Bergarbeiterort ins Ellenfeld, ihm folgten 1958 Läufer Erich Leist und 1959 Erwin Glod – Spieler, die mit Borussia den Bundesliga-Aufstieg schafften. „In Marpingen wurde immer schon gute Jugendarbeit betrieben. In der B-Jugend haben wir im Saarlandpokalfinale den damaligen Bundesligisten 1. FC Saarbrücken mit 5:0 besiegt“, erinnert sich Philippe Persch, der – ins Ellenfeld gekommen und von Adetunji Adeyemi unter die Fittiche genommen – parallel A-Jugend und zweite Mannschaft spielte und gleichzeitig unter Kurt Knoll im Kader der ersten Mannschaft mittrainierte. Unter Dieter Ferner verbrachte er als Nummer zwei hinter dem damals unumstrittenen Sebastian Flauss noch ein Jahr bei Borussia, ehe er sich zu einem Wechsel nach Wiesbach entschloss: „Dort habe ich dann mehr Spielpraxis bekommen und große Schritte nach vorne gemacht.“ 2016 die Rückkehr ins Ellenfeld. Michael Petry, neuer Coach in Wiesbach, wollte Philippe Persch unbedingt zum Bleiben überreden – vergebens. „Borussia war und ist für mich einfache eine Herzensangelegenheit“, war die Entscheidung schnell gefällt.

Dass es im Ellenfeld dann nicht rund lief und am Ende sogar der Abstieg in die Saarlandliga stand, hatte er allerdings nicht erwartet. „Ich dachte, ich sei im falschen Film. Dabei lag es nicht einmal an der Stimmung in der Mannschaft. Doch sobald es auf den Platz ging, hat jeder sein eigenes Süppchen gekocht. Dazu kamen die verschiedenen Trainer, ganz unterschiedliche Typen. Es hat einfach nicht gepasst. Und so bekam die Geschichte am Ende eine Eigendynamik. Es entwickelt sich eine Negativspirale, aus der man nur noch herauskommt, wenn man Typen in der Mannschaft hat. Doch die fehlten uns“, resümiert Philippe Persch eine insgesamt frustrierende Saison. Geändert habe sich das erst mit Björn Klos. „Er hat den Nerv der Mannschaft getroffen!“

Doch mit der Vergangenheit will sich Borussias Torwart nicht mehr lange aufhalten, will lieber nach vorne schauen. Nach vorne heißt: Von Spiel zu Spiel. Zunächst: Das Derby am Samstag in Homburg. „In dieser Partie kann sich einiges entscheiden – in beide Richtungen“, glaubt Philippe Persch, dem aber die Schwere der Aufgabe durchaus bewusst ist: „Die Homburger schwimmen derzeit auf einer Erfolgswelle. Sie hatten auch vorher ein gutes Team, es fehlte die Stabilität. Das hat sich geändert. Wie gut sie fußballerisch sind, konnten sie beim 2:2 im Hinspiel im Ellenfeld unter Beweis stellen“, erwartet Philippe Persch im Waldstadion alles andere als ein Honigschlecken. Als Kenner der Fan-Szene weiß Borussias Torwart aber auch genau um die Bedeutung des Derbys für die Anhänger: „Wenn ich aus Fan-Sicht draufschaue, muss ich sagen: Da dürfen wir eigentlich nicht verlieren!“ Vielleicht hilft bei diesem Vorhaben Philippe Perschs persönliche Marschroute: „Nicht zu viel nachdenken!“ Oder wie es „Kaiser“ Franz Beckenbauer mal formuliert hat: „Geht´s raus und spuilt Fußball!“                                                                                                                                                                           JF