Borussia II: Hoffnung im Abstiegskampf

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Bild mit Symbolcharakter: Zwei gegen einen – Borussias Lionel Schmidt weiß sich,
wie die gesamte Mannschaft,
trotz Unterzahl zu behaupten!

Borussias U23 mit hochverdientem 3:1-Auswärtssieg beim SC Heiligenwald

Kito Alabid war untröstlich. „Es war doch keine Absicht“, sagte der Torwart von Borussias U23, den Tränen nahe, mit flehendem Blick Richtung Schiedsrichter Thorsten Philippi. Der hatte gerade im Bezirksligaspiel von Borussias U23 beim SC 07 Heiligenwald die rote Karte gezückt, blieb unerbittlich. Kito Alabid war der Ball bei einer Rettungsaktion nach einem langen Ball des Gegners an die Hand gesprungen.

Außerhalb oder noch knapp innerhalb des Strafraums? Borussen-Coach Attila Serr vermochte es von der Seitenlinie aus nicht zu beurteilen. Eine Zentimeter-Entscheidung. Regelkonform, dennoch umstritten. Eine Szene, in der die Partie im Sachsenkreuzstadion hätte kippen können. Dass sie es nicht tat, sondern dass Borussias U23 trotz fast einstündiger Unterzahl mit einem letztlich souveränen 3:1-Auswärtssieg, dem vierten in dieser Saison, drei wichtige Punkte im Abstiegskampf der Bezirksliga Neunkirchen einfuhr, hatte mehrere Gründe: Mannschaftliche Geschlossenheit, Teamspirit, Kampfgeist und natürlich auch der schwache Gegner, der – ohne Borussias Leistung zu schmälern – eine ziemlich desolate Vorstellung bot.

Dass der Geist im Team von Attila Serr stimmt, zeigte die Szene nach der roten Karte: Der vom Platz gestellte Kito Alabid hielt sich nicht lange mit Klagen auf, eilte sofort hinter das Tor, um dem eingewechselten Mohamad al Mohamad praktische Tipps und vor allem moralische Unterstützung zu geben. Mit Erfolg! Al Mohamad, ansonsten Feldspieler von Borussia III, war zwar später am Gegentor beteiligt, machte aber seine Sache insgesamt sehr gut, auch deshalb, weil der Offensivverbund stabil stand und die Gastgeber kaum zu gefährlichen Abschlüssen kommen ließ. Immer war noch ein Borussen-Bein dazwischen, schon bei der Ballannahme wurde der Gegner konsequent gestört, so dass der SC aus Heiligenwald keinen Spielfluss entwickeln konnte. Auf der anderen Seite versprühten die Schützlinge von Attila Serr von Beginn an viel Spiellaune. Davon, dass die Mannschaft aufgrund der Tabellensituation quasi zum Siegen verdammt war, war nichts zu spüren. Diese Marschroute hatte Attila Serr den Jungs auch mit auf den Weg gegeben: „Lasst Euch nicht verrückt machen, geht raus und habt Spaß am Spiel“, lautete die Losung. „Vielleicht war das der Schlüssel zum Erfolg“, sagte der Spielertrainer nach dem Spiel.

Borussia war während der 90 Minuten total präsent, hielt die Heiligenwalder weitestgehend vom eigenen Strafraum fern und entwickelte einige gute Spielzüge, war allerdings im Abschluss oft zu zögerlich oder ungenau. So dauerte es bis zur 43. Minute, als der wieder starke Arber Rrustemi die Borussen mit einem sehenswerten Freistoß in Führung brachte: Der Torjäger zirkelte das Leder zu seinem neunten Saisontreffer zentimetergenau in den rechten Torgiebel, für Heiligenwalds Torwart Marvin Kanserske gab es da nichts zu halten! Die Freude bei den Borussen über das unmittelbar vor der Pause zu einem psychologisch günstigen Zeitpunkt erzielte Tor war groß. Als Lionel Schmidt, „Leihgabe“ aus Borussias Saarlandliga-Kader, kurz nach der Pause von einem Heiligenwalder Fehlpass in der eigenen Hälfte profitierte und kalt wie eine Hundeschnauze das 0:2 markierte (53.), konnte man fast schon von einer Vorentscheidung sprechen, denn bei den Gastgebern war selbst nach dem Anschlusstreffer, den Benjamin Bauer geradezu aus dem Nichts nach fehlender Abstimmung in der Borussen-Abwehr markierte (60.), ein ernsthaftes Aufbäumen kaum festzustellen. So ließ sich Borussia auch in der Folge nicht mehr vom eingeschlagenen Erfolgsweg abbringen, fuhr immer wieder vielversprechende Konter und hätte den Deckel eigentlich früher draufmachen müssen als in der 88. Minute, in der der eingewechselte Attila Serr auf Vorlage von Benny Braun aus kurzer Distanz einnetzte. Apropos Benny Braun: Mit Seitenwechsel für Jan Georg eingewechselt, sorgte der wieselflinke Angreifer mit gekonnten Dribblings immer wieder für Verwirrung in den Heiligenwalder Reihen und war oft genug nur durch Foulspiel zu bremsen. Angesichts dieser Leistung schade, dass der junge Stürmer, der zu Saisonbeginn auch auf vier Einsätze in der Saarlandliga gekommen war, in der kommenden Saison zur SVGG Hangard wechselt.

Borussias 3:1-Erfolg war am Ende hochverdient. „Spielerisch und läuferisch eine Klasse besser“, urteilte der „Saar.Amateur“ in seiner Spielnachlese. Das sah auch Spielertrainer Attila Serr so, der sich „hochzufrieden mit den Jungs“ zeigte: „Die Mannschaft hat wie schon letzte Woche bei der unglücklichen 2:3-Heimniederlage gegen den SV Altstadt Charakter bewiesen. Wir haben uns weder durch die unglückliche rote Karte noch durch den unnötigen Anschlusstreffer aus dem Konzept bringen lassen und dabei vor allem in der zweiten Halbzeit einige Konterchancen liegen lassen, so dass das Ergebnis letztlich noch hätte deutlicher ausfallen können.“ Ganz anders dagegen die Stimmungslage bei den Gastgebern, die angesichts der gezeigten Leistung froh sein können, das für den Klassenerhalt nötige Punktepolster bereits angelegt zu haben. Heiligenwalds Trainer Rainer Bier, der schon während der 90 Minuten seinen Unmut zum Ausdruck brachte („Das ist ja zum Heulen!“), war jedenfalls total bedient. „Wir haben ohne Einstellung und Zweikampfverhalten agiert und nie unseren Rhythmus gefunden. So kann man sich nicht präsentieren.“

Auf Borussen-Seite weiß Attila Serr aber auch, dass aufgrund der Tabellensituation in den letzten beiden Spielen beim Tabellensiebten SV Bubach-Calmesweiler und im finalen Heimspiel gegen die bereits als Absteiger feststehende DJK Elversberg Siege unerlässlich sind: „Da im worst case vier Team absteigen, müssen wir, um auf Nummer sicher zu gehen, am Ende auf Platz zwölf landen.“ Den belegt momentan die SG Lebach-Landsweiler III mit vier Punkten Vorsprung vor Borussias U23. Trotz des schwierigen Unterfangens bleibt Attila Serr optimistisch: „Die Jungs sind gut drauf, spielen in den letzten Wochen viel besser als in den Wochen und Monaten vorher. Wir werden alles raushauen, um noch die sechs Punkte zu holen. Dann müssen wir sehen, was tabellarisch dabei herauskommt. Ich bin überzeugt, dass wir es noch schaffen können!“                                                                                                                                                               Foto und Text: jf