Wo aus einer staubigen Kappensitzung die große Show wird

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„So war noch nix“ feiert im ausverkauften Ottweiler Schlosstheater eine rauschende Party!


180205 woFoto: Manfred Marx/VereinSchlag auf Schlag reihte sich ein Programmpunkt an den nächsten. Da blieb kaum Zeit, um Luft zu holen. Eben erst nach einem Lied, bei dem alle im Saal mitsangen, wieder Platz genommen, reißt ein weiterer Schautanz die Massen erneut von den Stühlen. Statt mancherorts zäher Ordensverleih-Prozeduren und langatmiger Begrüßungsorgien aller vermeintlich wichtigen Menschen, startete der „So war noch nix 1847 Ottweiler“ am Samstag (3. Februar 2018) mit einer mehr als vierstündigen Party ohne Pause durch.


Über 120 Aktive aus den Reihen des Karnevalsvereins rockten Bühne und Schlosstheater gleichermaßen. Dabei überwältigte bereits der Einmarsch aller Darsteller das Publikum. Die Akteure zogengemeinsam zwischen den Tischreihen ein, während Sitzungspräsident Thomas Jahn die Fastnachter mit „Jetzt geht’s los“ singend gleich zu Beginn das erste Mal von den Stühlen holte. Das sollte sich viele Mal an diesem Abend wiederholen.

Die eigentlich recht ordentlich große Bühne – sie stieß, was ihre Kapazitäten betrifft, an ihre Grenzen. Wenn beispielsweise die Prinzengarde mit ihrem Schautanz 24 Tänzern die militärische Revolution unter anderem zum fetzigen Michael-Jackson-Sound übernahm. Eher unüblich beim „So war noch nix“, um zeitlich nicht aus dem Ruder zu geraten, erstritt das stehende Publikum eine Zugabe. Oder die mitgliederstarken Nachwuchsgarden ein imposantes Bild boten. Schon bei der Generalprobe wenige Tage zuvor hatte sich gezeigt: Platzmangel auf der Bühne – ein Luxusproblem des Ottweiler Vereins.
Zwischen den zahlreichen Tänzen auch der Funkenmariechen standen Büttenreden. Darunter unter anderem die von Susanne und Andy Hinsberger, die im Vorjahr einen erfolgreichen Einstand hingelegt hatten. Sie zogen erneut Jubel und Applaus auf sich. Als Ehepaar wie im wahren Leben. Aber eben nicht mit einer Aneinanderkettung klischeebehafteter Altherrenwitze, sondern ein teils musikalisch, teils im Dialog präsentierten Dialog. Diesen unterbrachen die Zuhörer etliche Male mit Szenenapplaus. Debütant am Rednerpult war diesmal Jannik Rosinus, der als weitgereister Pirat mit allerlei Seemannsgarn auftrat.
Er ist zudem Sänger in der Vokalgruppe Plaschderschisser-Symphoniker, die mit bekannten Schlagern es vermochte, die Leute mitgrölen zu lassen. Dieses Ensemble kam ebenfalls nicht um eine Zugabe herum.
Stimmgewaltig bewies sich die Löffelgarde. Die Schutzmacht des Prinzen Karneval, die seit 1888 besteht, schmetterte ihr eigenes Lied durchs Theater. Der leicht zu merkende Refrain, seit dem närrischen Jubiläum des Vorjahres, wurde in der Narrhalla lauthals mitgesungen.
Bejubelt wurde das Prinzenpaar Marc II. und Prinzessin Ivonne I. Das Paar Ritterböck rückte verschrobene Projekte der Stadt in den Fokus ihrer Tollitäten-Rede. So spotteten sie über die neue Fußgängerbrücke, die über den Bahnhof führt. Sie hat nun, anders als ihr altersschwacher Vorgänger statt einer Rollrampe endlos viele Treppenstufen. An einen Aufzug ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht gedacht. Ein perfekter Anlass für Seitenhiebe.
In den nächsten Stunden ließ die Schautanzgruppe der Musketiergarde Teufel erscheinen und ging das Männerballett „Die Lumumbas“ mit der Titanic unter. Wechselten sich Märsche mit weiteren Vorträgen ab.
Weg von abgedroschenen Schunklern, hin zur Partymusik: Dies ist das Rezept, mit dem die Playbackshow kurz vorm großen Finale noch einmal die Massen toben ließ. In fast minütlicher Folge sprangen deren Darsteller hinter dem Vorhang in gewandelten Kostümen ins Rampenlicht, um Stars und Sternchen zu imitieren. Währenddessen stiegen noch einmal alle auf die Showbühne.
Ein Wandel zeigt sich beim ältesten Karnevalsverein bereits seit einigen Jahren ab: weg von den Kappensitzungen alter Prägung mit Tusch und Narrhalla-Marsch hin zu einer modernen Show, die klassische Elemente bewahren will. Mit Erfolg: Denn die Karten für die Prunksitzung waren binnen kürzester Zeit vergriffen.


Die Aktiven

Sitzungspräsident: Thomas Jahn
Tollitäten: Prinz Marc II. und Prinzessin Ivonne I. (beide Ritterböck)
Büttenredner: Denise Drawer und Christopher Drawer, Moritz Meyer, Christa Meyer, Andy und Susanne Hinsberger, Marie Thull und Jaqueline Nätzer, Jannik Rosinus
Löffelgarde unter General Markus Walter
Minigarde und Jugendgarde (Trainerinnen: Andreas Schreiner, Natalie Thull, Yvonne Ebersold)
Juniorengarde (Trainer: Daniela Behr, Domink Lessel, Dianka Lauermann)
Prinzengarde (Trainerin: Lisa Sick, Nadja Luuk)
Funkenmariechen Sandra Rahn, Lena Hinsberger, Emma Neuhaus, Noemi Reiß (Trainerinnen: Anna Lena Trapp, Melanie Biehl, Franziska Müller, Tosha Governali, Lisa Sick)
Showtanzgruppe der Musketiergarde (Trainerin: Melanie Biehl/Kostüme: Olivia Flaccus)
Playbackshow (Trainerinnen: Daniela Reiß, Olivia Flaccus)
Männerballett Die Lumumbas (Trainerin: Daniela Reiß)
Gesangsgruppe Plaschderschisser-Symphoniker
Sponheimer-Hexen (Oberhexe: Conny Rammo)


hgn/Verein


 

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