Vom Schwarzpulver bis zu Windbüchsen Teil 3

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Die Geschichte der Vorderlader- und Druckluftwaffen  
 
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Deutsche-Beschusszeichen
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Teile einer Girardoni-Büchse
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Abart der Girardoni-Büchse (Nazi-Schreck)
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Werbebroschüre für Luftgewehre 1908
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Leistungsdaten von Geschossen
 
Um 1900 musste mancher Schütze entdecken, dass er die richtige Patrone aber mit der falschen Pulverladung gekauft hatte, da war es manches Mal zu spät. Jedenfalls gab es die kleine Stiftpatrone in der Mitte bereits vor der Erfindung des RCP von 1884, sie gehörte zu einem deutschen Revolver für Schwarzpulver. Für die Patrone wies die Trommel eine Ausbuchtung wegen des Zündstifts auf und die Bewegung des Hahns erfolgte etwas von oben herab um den Stift senkrecht in die Zündmasse zu stoßen. Es gibt aus der Zeit nach 1850 ein paar wilde Geschichten wie die von einem Wirtshausbesucher der seine Schlüssel beim Bezahlen der Zeche zuerst auf die Theke legte um sie danach schwungvoll wieder in die Hosentasche zu versenken in der er auch eine Handvoll dieser Patronen verstaut hatte woraufhin die schweren Schlüssel auf ein paar Zündstifte trafen und die hochgehenden Patronen den Mann zerrissen hätten. Es kursiert fast dieselbe Geschichte, in der passierte es, nachdem er seine Haustüre aufgesperrt hatte und die Schlüssel wieder in seine Tasche zurücksteckte.
Abschließend eine Formulierung aus dem Waffengesetz von 1891, das damit beginnt: „Gesetz, betreffend die Prüfung der Läufe und Verschlüsse der Handfeuerwaffen. Vom 19. Mai 1891. Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen etc. verordnen im Namen des Reichs, nach erfolgter Zustimmung des Bundesraths und des Reichstags, was folgt: „Deutsche Beschusszeichen gibt daher seit 1891, es wurde gleich schon im Gesetz geregelt dass ausländische Beschussmarken insoweit auch auf deutschem Gebiet gültig bleiben, wenn sie untereinander gleichwertig (anerkannt) sind und an Verschluss und Kaliber der Waffen keine Veränderungen erfolgten Die Abbildung zeigt nicht alle Stempel der heute tätigen Beschussämter, sie entstammt einem Buch aus der Zeit vor der Wiedervereinigung.“

2.) Die Geschichte der Druckluftwaffen
Durch Überlegungen, die Nachteile des Schwarzpulvers zu umgehen, könnten auch die Windbüchsen entstanden sein. An diesen Schusswaffen versuchten sich etwa seit Beginn des 17. Jahrhunderts einige kreative Köpfe, die ständige Einflussnahme der katholischen Kirche auf jede Art von Forschung aber auch das Fehlen geeigneter Werkstoffe sorgten dafür, dass ihnen der Erfolg versagt blieb. Bartolomäus Girardoni aus Südtirol gelang es sich 1779 eine Windbüchse patentieren zu lassen. Ihre Lauflänge betrug 832 mm, das Kaliber 12,8 mm und die Geschwindigkeit der Kugel betrug an der Mündung 300 m/Sek. (V0) mit der theoretischen Schussfolge von 1 Schuss/s aus einem 20 Schuss-Magazin. Der Luftvorrat war in einem Druckbehälter im Kolben (Hinterschaft) des Gewehres gespeichert und wurde mit einer Handpumpe bei etwa 1500 Hüben erreicht. Angaben über Genauigkeit, Reichweite und Druckverhältnisse im Vorratsbehälter ließen sich keine finden, originale Waffen sind vermutlich in einigen Museen zu finden. Um die Girardonibüchse zu erproben hat ein amerikanischer Waffenexperte eine solche zerlegt und jedes Teilchen untersucht.
Bekannte Fakten sind aber jedenfalls, dass die Kaiserliche Armee Österreichs nach 1780 das als „M 1780“ bezeichnete Gewehr in einer Stückzahl von über 1000 und ca. 11 Jahre später weitere 500 Stück empfangen hat. Im Krieg gegen Frankreich benutzen die Österreicher nur wenige dieser Windbüchsen da sie sogar bei den eigenen Offizieren nicht gut ankamen. In dem Bericht eines General Mortimer (Mortier) an General Thornton, der sich damals in Paris aufgehalten haben soll, notierte dieser, dass die Franzosen jeden Gefangenen töteten (hängten? -geschichtlich nicht gesichert) der eine Windbüchse M 1780 dabei hätte. Im letzten Weltkrieg fand sich eine von Partisanen benutzte Abart der Girardonibüchse mit einer geänderten Anlage des Luftbehälters die angeblich Nazi-Schreck genannt wurde, zu sehen auf der Beeman-Seite im Internet. Im beginnenden 20. Jahrhundert gab es ein wachsendes Interesse an Luftwaffen, als es in Mode kam im Wettstreit mit Freunden in einem Zimmer oder im Garten auf Scheiben oder andere Ziele anzulegen.
Vielen war es nicht möglich bei diesem neuen Freizeitvergnügen mitzuhalten, einmal ganz abgesehen von den langen Arbeitszeiten, verdienten Arbeiter im Jahr 1908
a) im Textilgewerbe mit etwa 645,- M/Jahr (53,75/Monat) am wenigsten
b) im Baugewerbe waren es um 1140,- M/Jahr (95,-/Monat)
c) am meisten wurde in der Druckindustrie verdient, hier ca. 1400,- M. pro Jahr (116,66/Monat).
d) damit verdiente ein Arbeiter durchschnittlich 993,- Mark im Jahr (82,75/Monat).

Zur selben Zeit kostete ein
1 Kg Brot 0,50 M,
1/2L Bier 0,12 M,
1 Kg Butter 4,24 M,
1 Ei 0,07 M,
1L Milch 0,19 M,
für 1 Kg Schweinefleisch mussten 6,00 M auf die Theke des Metzgers gelegt werden.

Im Jahr 1910 kostete ein Bügelspannerluftgewehr mit 6,2 mm Lauf je nach Ausstattung 30,- bzw. 32,- oder 34,- Mark.
Die „Eureka“-Bolzengewehre für Kinder gab es noch lange Zeit nach 1948 auf fast jeder Kirmes. In einigen Gaststätten gab es auch wieder Schießbahnen. Schützenvereine hatten nicht selten in Deutschland eine mehr als 500 Jahre lange Tradition, im Laufe der Geschichte auch immer wieder mal mit wehrsportlichem Charakter. Bereits zu den Ersten Olympischen Spielen der Neuzeit 1896 in Athen waren entsprechende Disziplinen für Gewehr (2) und Pistole (3) eingerichtet, allerdings nicht für Luftwaffen. Nach dem 2. Weltkrieg waren alle Kampfsportarten darunter auch das Schießen in den alten Schützen-Gilden und -Vereinen erst mal verboten. Als dann irgendwann nach Gründung der Bundesrepublik die Deutschen langsam wieder das Steuer in die eigenen Hände nehmen durften, waren durch die alliierten Beschränkungen noch eine Zeitlang nur glattläufige Luftgewehre gestattet. Viele Vereine hatten in den Jahren zuvor für ihre ersten Schützenfeste nach dem Krieg zu Pfeil und Bogen oder zur Armbrust gegriffen. Doch das stark einschränkende Verbot der Schusswaffen verlangte von den Schützenvereinen auch für die nächsten Jahre erst einmal glattläufige Luftwaffen zu akzeptieren.

Mit der Zeit entwickelte sich ein sportlicher Charakter an dessen Entstehung die Vereine selbst und zu einem Teil auch die deutschen Luftgewehrhersteller mit ihrem Einfallsreichtum mit Unterstützung deutscher Spitzenschützen beteiligt waren. Auf breiter Basis wird der Schießsport mit Luftwaffen betrieben, zu Anfang der 50er Jahre benutzten viele Schützen einfache Knicklaufgewehre, wie sie schon seit „ewigen“ Zeiten zuhause irgendwo in einer Ecke oder im Schrank standen. Heute werden in den Vereinen die Jugendlichen mit überaus guten, wenn auch etwas älteren Vereinsgewehren an das sportliche Schießen herangeführt. Den 1960er Jahren entsprangen sehr erfolgreiche Matchgewehre mit Federspeicher. Spät in den 1980er Jahren wurden diese durch Luftwehre abgelöst in denen über eine Hebelpumpe mit einer aufeinander folgenden Zug- und Druckbewegung eine bestimmte Luftmenge auf etwa 120-140 atü komprimiert wurde, mit dem Begriff Vorkomprimierer werden sie ganz gut beschrieben. Die System-Nachfolge der Hebelpumpe trat ein langer, walzenförmiger Pressluftzylinder an, der mit einem Durchmesser bis 35 mm und 340-500 mm Länge ziemlich unauffällig unter dem Lauf eingeschraubt wird. Diese heutigen Sportgewehre sind ungewöhnlich weit auf ihren eigentlichen Zweck hin entwickelt, gleichwohl wurden erfolgreiche Konzepte, wie das Pumpenmodell, aber wahlweise auch mit Alu-Schaft fortgesetzt. Von den Vorgängermodellen wurden haltbare Bauteile oder modifizierte Baugruppen übernommen, wie etwa der Lauf mit Mantel, die Abzugsgruppe, Diopter und Korntunnel sowie Ladeschacht und die Sicherungen gegen eine unbeabsichtigte Schussabgabe.

Quellenangaben:
Nachweis der Herkunft von Fotos und Zeichnungen
• R. Horlacher, H. Schankliss: Vorderlader, Schwäbisch Hall, 1980
• Hans-Dieter Götz: Vorderlader, Entwicklung Technik Laden Schießen, 1984. Das Buch ist seit Juli 2016 als 52,2 MB starke PDF-Datei im Internet frei verfügbar.
• Major F. Myatt: Enzyklopädie der Feuerwaffen des 19. Jahrhunderts, Köln, 1984
• Hans Sachs, Jost Amman: Der Büchsenschmidt in: Eygentliche Beschreibung aller Stände auff Erden, Frankfurt am Main, 1568
• Jonas Friedrich: Waffenfunde, Bauteile und Projektile von Fernwaffen (Armbrüste, Musketen, Arkebusen) am Beispiel Hamburg-Harburg, Bacheler-Arbeit vom 07. 04. 2014 an der Christian-Albrechts-Universität Kiel, Martrikel-Nr. 2822
• Wilfried Tittmann: Die Eltzer Büchsenpfeile von 1331/3, Teil 1 Waffen- und Kostümkunde, 1994 (korrigierte Fassung mit Nachtrag – Stand 2011)
• Test und Technik/Gatto-Radschlosspistole/Wie gerädert, entnommen der Zeitschrift Visier, Ausgabe Februar 2013
• Technik-Daten der Firma Feinwerkbau, Westinger & Altenburger GmbH, 78727 Oberndorf am Neckar
• Katalog der Fa. August Stukenbrok, Einbeck von 1908. Leider kein Original, es ist ein Nachdruck von Frankonia aus den 1980. Jahren
• Webseite von Beeman entnommen der die Girardoni-Geschichte und seiner Windbüchse. Welche Pumpe Beeman verwendet hat, ist nicht bekannt. Eine Zeichnung stammend von 1935 bei Link: www.beeman.net/Austrian%20airguns.htm
• Ulrich Bretcher: Eine „etwas andere“ (einleuchtende und verständliche) Darstellung der Schwarzpulver-Geschichte, dazu ein Video über die Handhabung einer Handkanone auf der Seite/Link www.musketeer.ch/blackpowder_geschichte.pdf

Für die Funktion der aufgeführten Links kann leider keine Haftung übernommen werde, zuletzt am 29.10.16 überprüft.
 
Ende
Ein Bericht von Dieter Schmidt