Ausgrabungen und historische Funde Teil 1

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Auf den Spuren von Kelten und Römern in Fürth i. O.
 
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Verbreitung keltischer Völker und Sprachen
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Armbänder mit Radnadel gefunden
an der Ortgrenze zu Lautenbach
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Schale aus dem Fürstengrab
in Schwarzenbach
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Schmuck aus dem Fürstinnengrab
in Rheinheim
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Bronzener Kanne aus Grab in Rheinheim
Quellennachweis:
    • Funde römisch:
      Saarl. Landesdenkmalamt
    • Funde keltisch:   Rheinisches Landesmuseum Trier,
      Jahresberichte 1904 – 1909
    • Literatur:
      Cüppers, Die Römer in Rheinland-Pfalz
    • Fotos: Joachim Culmann, Neunkirchen
       
      Einleitung
      Das heutige Saarland und der Westrich gehörten einmal zu den Stammesbereichen der keltischen Stämme der Mediomatriker und der Treverer. Die Kelten, auch Galli, waren ein uneinheitliches Volk, das große Teile West- und Mitteleuropas bewohnte. Die erste Erwähnung stammt von 500 v. Chr., da begann auch ihre Ausbreitung. Das Stammland der Kelten war der heutige südwestliche Teil Deutschlands und der östliche Teil Frankreichs. Später begannen sie  sich durch Eroberungen nach Westen, Nordwesten aber auch der Donau entlang nach Südosten auszudehnen. Sie wanderten aus ihren Ursprungsgebiet am Oberrhein nach Frankreich, Spanien, auf die britischen Inseln und nach Süden der Donau entlang. 385 v. Chr. belagerten sie sogar das Kapitol in Rom, zogen aber nach Zahlung eines Lösegeldes wieder ab. Im 3. Jh. v. Chr. reichte die keltische Kultur von Britannien bis nach Anatolien. Anders als bei anderen Völkern, die der Nachwelt schriftliche Aufzeichnungen hinterlassen haben, sind die Archäologen und Historiker bei den Kelten auf die Deutung der Ausgrabungen und Überlieferung fremder historischer Quellen, allen voran der Griechen und der Römer, angewiesen. Die Kelten waren ein Volk das hervorragende Waffen anfertigte. Durch den Besitz eiserner Waffen sicherten sie sich lange vor den Römern eine militärische Vormachtstellung. Die Stämme standen unter der Führung einer kriegerischen Aristokratie. Der große Einfluss der Priesterschaft (Druiden) beruhte darauf, dass nur sie opfern und in allen Rechtsfragen entscheiden durften. Weil sie keine schriftlichen Zeugnisse hinterlassen haben, kann man ihre hohen künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten nur anhand von Funden ermessen. Als im letzten Jahrhundert v. Chr. von Norden her die gefürchteten germanischen Stämme der Kimbern und Teutonen und von Süden her die Römer sie zunehmend bedrängten, ging die Hochzeit der Kelten langsam zu Ende. Der Niedergang der keltischen Macht wurde durch die Eroberung Galliens durch Cäsar (58 - 51 v. Chr.) besiegelt. Wer vor den Eroberern nicht fliehen konnte, wurde in den Folgejahren vom römischen Kulturkreis assimiliert.

      Keltische Funde aus der Spätlaténe-Zeit (ca. 500 – 100 v. Chr.) im Raum Fürth
      Die Hochzeit der Kelten fällt nach der vorausgegangenen Bronzezeit in die Eisenzeit und wird in zwei hauptsächliche Kulturstufen, die Hallstattzeit (750 bis 500 v. Chr.) und die Latènezeit (480 v. Chr. bis Christi Geburt), nach den ersten Fundorten archäologischer Entdeckungen unterteilt (Hallstatt im Salzkammergut und La Tène am Neuenburger See in der Schweiz). Zu dem großen südwestdeutschen La Tène-Kreis gehört auch die Hunsrück-Eifel-Kultur. Sie offenbart sich in einer Menge aufschlussreicher Grabfunde. Über die große Zahl von Grabhügeln, die ein unerschöpfliches Reservoir an Kulturgut dieser Epoche bergen, berichten die Funde von Reinheim, Marpingen, Remmesweiler, Freisen, Theley, Weiskirchen und Nonnweiler-Schwarzenbach. In Schwarzenbach, Luftlinie ca. 25 km nordwestlich von Fürth, waren 1849 zufällig zwei Fürstengrabhügel entdeckt worden. In den Gräbern fanden sich zahlreiche Beigaben an Waffen, Goldschmuck und Metallgefäßen. Die Grabhügel lagen in Sichtweite des keltischen Ringwalls (fälschlich oft Hunnenring genannt). Ca. 30 km südlich von Fürth stieß man in Reinheim/Bliesgau in den 1950er Jahren beim Abbau von Kies und Sand auf ein Hügelgrab einer keltischen Fürstin. In dem Grab fand sich Goldschmuck und Gebrauchsgegenstände, darunter eine bronzene Röhrenkanne, als Grabbeigabe. Die Toten des Hunsrücks und des Hunsrückvorlandes ruhten einzeln oder zu dritt in Baumsärgen mit Steinkisten unter der schützenden Decke der Erdhügel. In Gruppen von 5, 10 bis 100 Hügeln haben sie sich im Schutze der ausgedehnten Waldungen des Hunsrücks erhalten.

      Auf dem Bann der früheren Gemeinde Fürth im Ostertal gibt bzw. gab es:
      • 3 keltische Funde, ca. 500 v. Chr.
      • 2 römische Siedlungen, ca. 2. Jh. n. Chr.
      • 1 Gräberfeld, das über drei Jahrhunderte genutzt wurde, ca. 2. – 4. Jh. n. Chr.
      • 1 römisches Heiligtum auf der Platt, früher Götzenberg, aus dem gleichen Zeitraum
      • Römische Funde beim Bau der Ostertalbahn 1938
      • Römische Funde beim Bau der evang.-lutherischen Kirche 1960
      • Desweiteren weist der alte Turm in Fürth in seinem Sockel romanische Strukturen auf

      Die Toten in der keltischen Epoche, die auch Hügelgräber-Bronzezeit genannt wird, wurden unverbrannt unter Erdhügeln bestattet. Der einzige bronzezeitliche Grabfund des Trierer Museums mit Schmuckgegenständen einer Frau stammt aus dem südlichen Hunsrückvorland bei Fürth. Auf der Gemarkung Fürth in der Nähe von Lautenbach wurden 1881 beim Bau eines Waldweges folgende Gegenstände gefunden: Zwei bronzene Armbänder mit Spiralenden und eine als Haarzier getragene bronzene Radnadel, heute ausgestellt im Rheinischen Landesmuseum in Trier, Raum 3, Vitrine 14. Die Radnadel wurde auch in das Wappen von Lautenbach übernommen.

      Zu einem zweiten Fund aus keltischer Zeit in Fürth schreiben die Trierer Jahresberichte Nr. 118 + 119 aus dem Jahr 1904:
      In der Nähe des Wetschhauser Hofes (Krs. Ottweiler) wurden bei der Besichtigung einer Stelle, wo 1904 ein Gefäß der Spatlaténe-Zeit gefunden worden war, Reste von weiteren Gefäßen aus demselben Grab und ein wohlerhaltener Armring aus blauem Glas aufgesammelt. Der Glasring stammt aus einer Kiesgrube. Aus zerstörten keltischen Gräbern wurden von dort ins Trierer Museum eingeliefert:
      • eine hohe Urne
      • eine eiserne Fibelnadel
      • Scherben mehrerer Gefäße und
      • der Glasring, in zwei Stücke zerbrochen, die aber genau zusammen passten. Er besteht aus dunklem kobaltblauen Glas, Durchmesser 9 cm, 16 mm breit.
      • Solche Glasarmreife sind Exportware aus den klassischen Ländern.


       
      Manfred Ruffing
      Fortsetzung folgt

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