100 Jahre Ellenfeldstadion Teil 3

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Vom - Borussia-Sportplatz - zum Erinnerungsort
 
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Tribüne im neu ausgebauten Stadion 1964
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Das Ellenfeld-Stadion ist und bleibt
ein Erinnerungsort mit herausragender Bedeutung
 
1964
Am 20. August 1964 veranstaltet Borussia Neunkirchen eine Generalversammlung, wie es sie lange nicht gab. Rund 500 Mitglieder sitzen dicht gedrängt an langen Tischen beisammen und hören, nachdem Neunkirchen im Juni in die Bundesliga aufgestiegen ist, nur Gutes von Norbert Engel, dem Vereinsvorsitzenden. Eines stehe felsenfest, sagt Engel. „Borussia Neunkirchen wird vom ersten Spiel an in der Bundesliga seine Heimspiele in Neunkirchen und nirgendwo sonst austragen.“ Beifall brandet auf, denn in wenigen Tagen soll Borussia Dortmund ins Saarland kommen, und das Ellenfeld-Stadion ist noch immer eine Baustelle. 1,8 Millionen D-Mark fließen in den Ausbau des Stadions, der im Grunde ein Neubau ist. 900.000 D-Mark übernimmt die Landesregierung, eine halbe Million die Sportplanungskommission. Die übrigen 400.000 Mark werden über ein Darlehn finanziert, dessen Tilgung und Zinsen die Stadt Neunkirchen übernimmt.
Ausgeführt werden die Arbeiten von einer Arbeitsgemeinschaft Neunkircher Baufirmen. An der Stelle des einstigen Erdstadions erwächst bei laufendem Spielbetrieb ein moderner Bau aus Stahlbeton. Die alten Stehplätze werden abgebrochen, neue Erdmassen aufgeschüttet. Sie bilden das Fundament für die umlaufenden Betonstufen. Die Linien­führung der Zuschauerplätze behält man bei, sie umschließen das Spielfeld weiterhin in einem abgerundeten Rechteck. Um ein Fassungsvermögen von 35.000 Zuschauern zu erreichen, treibt man den Bau an zwei Seiten des Stadions nach oben. 15 Meter ragen die überdachte Haupttribüne, die eine der Längsseiten einnimmt, und die seitlich an den Tribünenbau anschließenden Ränge in die Höhe. Eindrucksvoll ist vor allem die Spieser Kurve, die beim ersten Heimspiel gegen Dortmund (1:2) am 29. August 1964 längst noch nicht vollendet ist. 25.000 Zuschauer zwängen sich bei der Bundesliga-Premiere ins Ellenfeld-Stadion. Anhand der Bilder des bekannten Sportfotografen Ferdi Hartung lassen sich die Baufortschritte der folgenden Monate nachvollziehen.

Am 12. September 1964 besiegt Neunkirchen den Hamburger SV durch Tore von Paul ­Pidancet (6. Minute), Elmar May (37.) und Achim Melcher (54.) mit 3:1. Uwe Seeler hatte zwischenzeitlich auf 1:2 verkürzt (22.). Auf den Spielfotos sind die unteren Ränge des Ellenfeld-Stadions und die Tribüne aus dem Jahr 1930 zu sehen, die nach und nach umbaut wird und in Teilen erhalten bleibt. Vermutlich im März 1965 fotografiert Gerhard Krausch mit seiner Kamera den Fortschritt der Bauarbeiten im Neunkircher Stadion.
Nach einem Jahr ist das Ellenfeld-Stadion fertig. Trotz der Bauarbeiten verfolgen in der ersten Saison im Schnitt 18.755 Zuschauer die Heimspiele der Borussia in der Bundesliga. Insgesamt drei Jahre spielt Borussia Neunkirchen in der Eliteklasse des deutschen Fußballs. Fünfmal nimmt Neunkirchen bis 1974 an der Aufstiegsrunde zur Bundesliga teil. Es ist schwer, für diese Zeit einen Zuschauerrekord zu ermitteln. Angeblich 35.000 Zuschauer sehen am 26. Mai 1971 ein 1:0 über den 1. FC Nürnberg.

Schluss
Mein Freund Jens Kelm berichtete mir einmal, dass sein Großvater während des Stadionbaus im Frühjahr 1965 jeden Freitag mit ihm zum Heusnersweiher spaziert sei, um zu sehen, wie die Ränge des Ellenfeld-Stadions in die Höhe wachsen. Bei diesen Spaziergängen erzählte der Großvater immer wieder von der Partie gegen MTK Budapest am 14. Juli 1920, von der 5. Spielminute, in der das 1:0 für Neunkirchen fiel. Als Jens Kelm mit dem Großvater auf die Ränge blickte, war das Ellenfeld-Stadion ein halbes Jahrhundert alt. Der Stadionneubau markierte den Beginn einer großen Zukunft. Ein halbes Jahrhundert später, 2012, hat das Ellenfeld-Stadion noch immer einen festen Platz im kollektiven Gedächtnis des Saarlandes. Nur verbindet man es heute mit der Bundesliga und Zeiten, die lange vergangen sind. Was nicht heißen soll, dass das Ellenfeld-Stadion ein Ort von gestern wäre. Das Ellenfeld-Stadion ist und bleibt ein Erinnerungsort mit herausragender Bedeutung für die kulturelle Identität unserer Region.

Mehr zum Thema bietet ein opulenter Text-Bild-Band, der im Buchhandel erhältlich ist: Tobias Fuchs/Jens Kelm: 100 Jahre Ellenfeld-Stadion. Vom „Borussia-Sportplatz“ zum Erinnerungsort. Gastbeiträge von Paul Burgard, Paul Georg, Till Hust, Philipp Kerber, Michael Kipp, Craig-Maikel Kunz, Gerd Lemmes, Gerd Meiser, Wolfgang Rausch und Bernd Reichelt. Ottweiler: Ottweiler Druckerei und Verlag 2012. 192 Seiten. 26×21 cm. Hardcover. Durchgehend farbig, über 260 Abbildungen. ISBN 978-3-938381-59-5. Preis: 24,90 Euro.
Der Text basiert auf einem Vortrag, den Tobias Fuchs vom 9. Feb. 2012 beim Historischen Verein Stadt Neunkirchen gehalten hat.

Mehr zu dem Thema bietet der umfangreiche Text-Bildband von Tobias Fuchs und Jens Kelm: „100 Jahre Ellenfeld-Stadion – Vom Borussia-Sportplatz zum Erinnerungsort“, der im Buchhandel für 24,90 € erhältlich ist, ISBN 978-3-938381-59-5.
Die übrigen Fotos stammen aus dem Vereinsarchiv Borussia Neunkirchen
 
Ende
Tobias Fuchs

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