150 Jahre Gasversorgung in Neunkirchen Teil 2

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Vom Gasglühstrumpf bis zum modernen Kugelglasbehälter  
 
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Bunsenbrenner
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Neunkirchen mit Eisenwerk um 1860
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Erstes Gaswerk von Krechel
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Gaswerk mit Bliesbrücke
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Gaslaterne in der oberen Bahnhofstraße

Quelle: Strohm

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Gasrohrverlegung in der Gasstraße
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§3 der Arbeitsordnung
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§4 der Arbeitsordnung
 
Lange bevor sie Wasser- und Elektrizitätswerke, Straßenbahnen und Schlachthöfe errichteten, entschieden sie sich für eine Gasbeleuchtung. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts beherrschten ausländische Unternehmen die Gasversorgung in Deutschland. Erst danach setzte ein starker Wettbewerb zwischen deutschen und ausländischen Firmen in der Gasversorgung ein. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte ein regelrechter Boom in der deutschen Gaswirtschaft ein. Waren am Anfang die privaten Gasanstalten deutlich in der Überzahl, setzte sich im letzten Viertel des Jahrhunderts die kommunale Gasversorgung immer mehr durch. Auch gingen immer mehr Kommunen dazu über, die privaten Gasanstalten zu kommunalisieren. Während 1850 in Deutschland erst 35 Gasanstalten in Betrieb waren, wurden in den darauf folgenden 20 Jahren weitere 530 Anlagen eröffnet. In diesen Zeitraum fällt auch die Inbetriebnahme der ersten Gasversorgung an der Saar. Den Anfang machten hier einige Industriebetriebe, wie die Firma Adt oder die Steingutfabrik Villeroy & Boch. Dagegen hielten sich die Gruben, vor allen Dingen die staatlichen, und auch die Hüttenbetriebe mit einer eigenen Gasversorgung anfänglich noch deutlich bedeckt. Ähnlich zögerlich verhielten sich auch die Städte und Gemeinden an der Saar mit der Erteilung von Konzessionen. Generell erleichtere es jedoch die Entscheidungsfindung, wenn ortsansässige Unternehmer von sich aus die Errichtung eines lokalen Gaswerkes in Angriff nahmen. Die Unternehmer waren üblicherweise hoch angesehen, arbeiteten in den örtlichen Gemeindegremien mit und besaßen gute Kontakte zur Verwaltung. Obwohl Neunkirchen in der Mitte des 19. Jahrhunderts schon die zweitgrößte Ortschaft der Region war, verfügte die Gemeinde über keinerlei Straßenbeleuchtung. Seit 1831 existierte zwar eine Polizei-Verordnung, die die Gastwirte verpflichtete, „abends vom Dunkelwerden ab in den Hausfluren oder den Oberlichtern der Haustüre Laternen anzubringen“, doch war damit noch keine systematische Beleuchtung der Straßen sichergestellt. Es herrschte außer bei Mondschein tiefe Dunkelheit. Erst 1853 stellte der Gemeinderat von Nieder-Neunkirchen eine Summe von 30 Thaler für die Straßenbeleuchtung in den Gemeindehaushalt ein, in der Hoffnung, dass auch die übrigen Orte der Bürgermeisterei sich für eine solche Neuerung erwärmen könnten. Noch im gleichen Jahr ging in Neunkirchen eine Liste in Umlauf, die zu einer Subskription zur Einführung einer Straßenbeleuchtung aufrief. Die Unterzeichner erklärten sich darin bereit, in den Jahren 1853, 1854 und 1855 einen bestimmten Betrag aufzubringen, mit dem Laternen und Brennmaterial bezahlt werden sollten. In der Eingabe heißt es: „Das Bedürfnis einer Straßenbeleuchtung zu Neunkirchen hat sich umso fühlbarer gemacht, als bei der zunehmenden Bevölkerung da selbst, dem vielfältigen Verkehr von Fremden in den Straßen, insbesondere in der sehr bergigen, zu allen Zeiten viel frequentierten Hauptortstraße, bei Nacht und Dunkel Unglücke fast unvermeidlich und bei Regenwetter sowie bei Winter–
frösten die Straßen an Stellen nur mühsam und unbequem zu passieren sind. Überdies dürfte eine Straßenbeleuchtung die finanziellen Zustände von Neunkirchen nicht gefährden, sondern gerade geeignet sein, dem Flecken vor anderen eine Bedeutung zu geben, dessen kommerzielle Verhältnisse zu heben und überhaupt demselben in allen Teilen einen wesentlichen Aufschwung zu geben.“ Da die Stadt Trier in der Zwischenzeit eine Gasbeleuchtung erhalten hatte, fragte der damalige Bürgermeister Bartz in Trier an, ob die Stadt die alten ausgedienten Öllampen möglichst preiswert abgeben könne. Am 9. Januar 1854 antwortete der Trierer Bürgermeister, dass man bereit sei, 86 alte Öllampen zum Preise von je vier Vereinsthaler abzugeben. Der Gemeinderat von Neunkirchen war aber zu einer solchen Investition nicht bereit und hielt eine Straßenbeleuchtung vorerst nicht für nötig. Eine solche Einrichtung war jedoch langfristig nicht aufzuhalten. In den 1860er Jahren erweiterte die ortsansässige Hütte ihre Produktionsanlagen um fünf Hochöfen und eine eigene Koksanlage, ferner siedelten sich im Ort mehrere Industriebetriebe an. Nachdem bereits in Saarbrücken-St. Johann und in Saarlouis lokale Gaswerke bestanden, kam es auch in der aufstrebenden Gemeinde Neunkirchen zur Errichtung eines Gaswerkes. Der aus der Gegend um Koblenz stammende Maurermeister und Bauunternehmer Anton Krechel hatte sich 1852 in der Gemeinde Neunkirchen angesiedelt und war zunächst als Maurermeister, dann als Bauunternehmer und Bahnhofsvorstand tätig. Im Laufe des Jahres 1863 trat Krechel an die Verwaltung mit dem Vorschlag heran, eine Gasbeleuchtung einzuführen. Am 10. Juni 1863 schloss er mit der Gemeinde Neunkirchen einen Vertrag über die Errichtung eines Gaswerkes innerhalb eines Jahres ab. Die Gemeinde war aber laut Vertrag keineswegs zur Abnahme von Gas für die öffentliche Beleuchtung verpflichtet, hatte aber das Recht, zu jeder Zeit Gas anzufordern. Die Dauer des Vertrages war auf 26 Jahre festgelegt, gerechnet vom Zeitpunkt der Inbetriebnahme an. Nachdem der Gemeinderat am 5. Juli 1864 seine Zustimmung zum Vertrag gegeben hatte, erteilte auch der Königliche Landrat in Ottweiler seine Genehmigung. Er forderte den Gemeinderat aber auf, vor allem den unteren Teil des Ortes vom Bahnhof bis zur Blies stärker mit Laternen auszustatten, „weil es der am meisten frequentierte ist, weil die Signal-Lichter des Bahnhofs blenden und verleiten, weil für Fußgänger hier ein erhöhtes Trottoir angebracht ist und -wie ich aus Erfahrung weiß - ein Fehltritt von sehr unangenehmen Folgen sein kann.“ Anton Krechel gab die Gasanstalt bei den Fachleuten Bannet und Raupp (Saarbrücken) in Bau. Die Anlage mit insgesamt 11 Retorten und einem Gasbehälter von knapp 300 Kubikmeter ging nur wenige Monate nach der Konzessionserteilung durch den Königlichen Landrat in Ottweiler im Oktober 1864 in Betrieb. Noch im selben Jahr beschloss der Gemeinderat die Aufstellung von Gaslaternen am Heusners Weiher (heute Mantes-la-Ville-Platz). Da sich die Gemeinderäte jedoch nicht sicher waren, ob die Verlegung der Gasrohre rechtzeitig fertig sein würde, beschloss man alternativ eine Beleuchtung mit Öllaternen. In den folgenden Jahren wurden immer mehr Straßen nachts beleuchtet. Dabei wurden jedoch deutlich mehr Öllaternen wie Gaslaternen errichtet. Dennoch steigerte sich der Gasverbrauch von Jahr zu Jahr. Neben vielen kleinen Betrieben war in den ersten Jahren nach Inbetriebnahme der Hauptabnehmer des erzeugten Gases das Neunkircher Eisenwerk. Viele Neuerungen und Erfindungen im Bereich der Gasnutzung in der zweiten Hälfte des 19.ten Jahrhunderts kurbelten die Gasnutzung weiter an. Neben der Gasbeleuchtung richtete die Gemeinde in all den Straßenzügen, die nicht verrohrt waren, eine Petroleumbeleuchtung ein. 1877 verfügte Neunkirchen über 31 Gas- und 18 Petroleumlaternen, die Zahl der Lampen erhöhte sich in den kommenden Jahren entsprechend der baulichen Ausdehnung des Ortes. Die Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Unternehmer verlief ohne größere Auseinandersetzungen; der Gasabsatz lag 1876 bei etwa 240 000, 1885 schon bei 450 000 Kubikmetern. Am 21. September 1885 starb der Gaswerksbesitzer Anton Krechel völlig überraschend. Zunächst führte seine Witwe Katharina Krechel geb. Bochholtz das Gaswerk weiter. 1888 wandte sie sich  mit der Forderung an den Gemeinderat, den bis 1890 laufenden Vertrag um zwanzig Jahre zu verlängern. Nur bei einer längeren Laufzeit seien die Kosten für die Erweiterung und den Umbau des Gaswerks angemessen zu amortisieren. Im Gegenzug erklärte sie sich bereit, den Gaspreis von 25,9 Pfg. (Private) bzw. 22,6 Pfg. (Gemeinde) auf 16 Pfg. pro Kubikmeter zu reduzieren. Der Gemeinderat gab sich jedoch mit diesen Zugeständnissen keineswegs zufrieden. Er forderte neben weiteren Preisnachlässen bis zu 12 Pfg. pro Kubikmeter, den Ausbau des Leitungsnetzes, die Beseitigung von Leckagen und die alten Rohre nach und nach durch neue zu ersetzen. Nach längeren Verhandlungen erklärte sich die Witwe Krechel zu weiteren Zugeständnissen bereit, u.a. war sie auch mit einem Gaspreis von 14 Pfg. bei einem Jahresverbrauch von 250 000 Kubikmetern einverstanden. Am 30. Juli schlossen die Gemeinde und die „Witwe und Rechtsnachfolgerin des verlebten Gaswerksbesitzers Herrn Anton Krechel“ einen neuen Vertrag ab. Im selben Jahr errichtete die Gasanstalt eine Drahtseilbahn bis zum Bahnhof um den Kohlentransport zu rationalisieren. In Folge der deutlichen Preissenkungen des Gases nahm der Absatz erheblich zu: alleine zwischen dem 1. Oktober 1889 und dem 1. Oktober 1890 setzte das Gaswerk 150 000 Kubikmeter zusätzlich ab. Offenbar hatte die Witwe Krechel aber an einer Weiterführung des Gaswerks nur geringes Interesse; die Thüringer Gasgesellschaft kaufte ihr die Anstalt ab und trat zum 20. November 1890 in den bestehenden Vertrag zwischen der Witwe Krechel und der Gemeinde ein. Eine entscheidende Rolle für den Verkauf dürfte auch gespielt haben, dass das Gaswerk in der Zwischenzeit vollkommen veraltet und den Ansprüchen einer expandierenden Großgemeinde nicht mehr gewachsen war. Eine Modernisierung wäre mit einem hohen finanziellen Aufwand verbunden gewesen. Die Thüringer Gasgesellschaft baute in den folgenden Jahren das Gaswerk völlig um. 1891 errichtete sie zwei neue Generator–
öfen, 1892 baute sie das Apparatehaus und den Regenerierraum aus, 1893 stellte sie neben einer Dampfmaschine einen Exhaustor auf, 1894 kam noch einmal ein Generatorofen mit 9 Retorten hinzu. Immer mehr Gemeindestraßen wurden in diesen Jahren befestig. Dabei entstand auch die Forderung der Gemeinde Neunkirchen vor der Herstellung des Straßenbelags die Gasrohre zu verlegen. Als erstes größeres Projekt stand 1891 der Ausbau der Bahnhofstraße an. Außerdem erweiterte die Firma das Leitungsnetz und ersetzte die alten schmiedeeisernen Leitungsrohre durch neue aus Gusseisen. Die Zahl der Straßenflammen erhöhte sie von 61 (1890) auf 307 (1900). Insgesamt investierte das Unternehmen binnen sechs Jahren fast 200 000 Mark. Trotzdem regte sich in der Bevölkerung Missfallen über den langsamen Fortschritt der Arbeiten:
„Man kann nicht umhin zuzugestehen, dass die ersehnte Lichtvermehrung mit einer beispiellosen Lässigkeit ins Werk gesetzt wird, und dass letztere höchstens noch durch die Geduld und Nachsicht der Gemeinde Neunkirchen übertroffen wird. Was übrigens die jetzige Straßenbeleuchtung anbelangt, so wird uns niemand bestreiten, dass dieselbe durch eine erhebliche Verkleinerung der Flammen wesentlich verschlechtert worden ist, und dass diese Verringerung des Gaslichtes durch die vermehrte Zahl der Laternen kaum kompensiert werden kann. Es macht den Eindruck, als habe unsere Kommunalverwaltung, mit schlechtem Willen der Gasgesellschaft zu kämpfen, und wäre demgegenüber das elektrisch leuchtende Beispiel der Kreishauptstadt Ottweiler nachahmenswert“, heißt es in einem zeitgenössischen Zeitungsbericht. Beschwerden wurden auch laut, dass die Straßenlaternen nach dem Brennkalender bei Vollmond zwar nicht brennen müssten, die dichten Wolken die Straßen aber in Dunkelheit hüllen würden und somit eine Beleuchtung erforderlich machten. Auch seien die Gasflammen um Mitternacht bereits erloschen, bevor die mit dem letzten Zug ankommenden Reisenden am Bahnhof eingetroffen seien. Solche vereinzelten Kritikpunkte wirkten sich jedoch auf den Gasabsatz nicht aus. 1891 lag die Gasproduktion bei 750 000 Kubikmeter, 1895 überschritt sie erstmals die Millionengrenze. Während in den ersten Jahren nach der Übernahme der Schwerpunkt auf der Gasbeleuchtung lag, und die Zahl der Privatflammen von 3801 (1890) auf 5620 (1895) anwuchs, zielten die Initiativen in den folgenden Jahren vor allem darauf, den Gasabsatz für technische Zwecke, also für Kochen, Heizen und Motoren, auszuweiten. Zu diesem Zweck senkte die Thüringer Gasgesellschaft den Preis des Gases für diese Anwendungsarten im Januar 1895 von 12 auf 10 Pfg. pro Kubikmeter. Die Strategie des Unternehmens ging auf: 1895 betrug der Gasabsatz in diesem Absatzbereich 41 000 Kubikmeter, 1901 knapp 332 000 Kubikmeter 1901 gab es in Neunkirchen 381 Gaslaternen und 93 Petroleumlampen. Um die Gemeindeverwaltung in Hinblick auf den im Jahre 1903 auslaufenden Vertrag positiv zu stimmen, senkte die Gaswerksverwaltung zweimal, im März 1898 und im Oktober 1899 die Preise für die Straßenbeleuchtung von 3 bzw. 5,6 Pfg. (Doppellicht) auf 2 1/4 bzw. 4 Pfg. pro Kilowattstunde. Mit dazu beigetragen haben dürfte auch die Drohung der Verwaltung, auf Elektrizität für die öffentliche Beleuchtung zurückzugreifen. Die Thüringer Gasgesellschaft drängte ihrerseits auf eine Verlängerung des Vertrages über das Jahr 1900 hinaus. Die Gemeinde machte jedoch von ihrem in den Verträgen von 1864 und 1888 festgelegten Recht Gebrauch, nach Ablauf der Vertragsdauer das Gaswerk gegen einen gütlich zu vereinbarenden oder durch eine vereidigte Expertise festzustellenden Preis käuflich zu übernehmen. Für 450 000 Mark kaufte die Gemeinde 1903 der Thüringer Gasgesellschaft den Betrieb ab, am 1. Januar 1904 ging das Gaswerk in den Besitz der Gemeinde über. Das Unternehmen blieb jedoch als Pächterin bis zum 31. Dezember 1910 weiterhin verantwortlich. Der Pachtzins lag bei 8 Prozent des Ankaufspreises und 6 1/2 Prozent der Erweiterungskosten. Die Thüringer Gasgesellschaft war verpflichtet, alle Unterhaltungs- und Instandsetzungsarbeiten an den Gebäuden, den Betriebseinrichtungen und dem Leitungsnetz auf ihre Kosten auszuführen. Der Besitzwechsel hatte auf die Absatzentwicklung des Gaswerkes keine negativen Auswirkungen: 1908 erreichte die Gaserzeugung erstmals die 2-Millionen-Grenze, erst in den beiden folgenden Jahren war der Gasabsatz rückläufig. Neunkirchen hatte 1907 ein eigenes Elektrizitätswerk errichtet. In diesem Zeitraum wurde der neue Gasometer fertig gestellt und eine wesentliche Erweiterung des Gasleitungsnetzes durchgeführt. 1907 wurde die Friedrichstraße mit Gas versorgt, ab 1908 die Bahnhofsbrücke mit Gas beleuchtet und Gasleitungen in der Prinz Heinrich-Straße, (heute Willi-Graf-Straße) der Kaiser Wilhelm-Straße (heute Ringstraße) bis zur Kronprinzenstraße, (heute Parallelstraße) dann durch die Heizengasse und den Steinbrunnenweg verlegt. 1909 erfolgte die Gasbeleuchtung der höheren Mädchenschule. Aus dem Beschlussbuch der Gemeinde Neunkirchen haben wir auch entnommen, dass der Gemeinderat feststellte, dass sieben Gaslaternen in der Lindenallee zuviel sind, zwei würden reichen, ferner lesen wir dort, dass 1908 die Gemeinde Wellesweiler erneut einen Antrag stellte mit Gas versorgt zu werden und dass der Gastwirt Christian Fried eine höhere Entschädigung für Flurschäden an seiner Wiese beim Verlegen der Gasleitung verlangte. 1910 beschlossen die Scheiber statt mit Strom zuerst mit Gas versorgt zu werden. Im selben Jahr stellte sich die Frage, ob das Gaswerk auch in den kommenden Jahren an die Gasgesellschaft vermieten werden sollte. Nach längeren Verhandlungen lehnte der Gemeinderat eine weitere Verpachtung ab, da das Unternehmen nur 77 000 Mark für eine weitere Verpachtung zahlen wollte, die Gemeindeverwaltung jedoch mindestens 85 000 Mark jährlich forderte. Am 16. Oktober 1910 beschloss die Gemeindeverwaltung in einer knappen Abstimmung von 14:12 Stimmen nach Ablauf des Pachtvertrages mit der Thüringer Gasanstalt das Gaswerk ab dem 1. Januar 1911 in den eigenen Betrieb zu übernehmen.
Gleichzeitig gab sich das Gaswerk 1912 eine für die damalige Zeit fortschrittliche Arbeitsordnung:
§ 3 – Verhalten der Arbeiter
§ 4 - Branntweinverbot
§ 7 - Arbeitszeit
Bereits im ersten Jahr der Übernahme der Gasversorgung durch die Gemeinde Neunkirchen erfolgten umfangreiche Arbeiten zur Herstellung einer Gasversorgung auf der Scheib. Gleichzeitig beschlossen die Anwohner von Werners Eck sowohl auf die Versorgung mit Gas als auch auf die Versorgung mit elektrischem Strom zu verzichten. Infolge der Kriegseinwirkung 1914-18, der mangelhaften Kohlenversorgung und der Konkurrenz durch die Elektrizität nahm der Absatz des –inzwischen- städtischen Gaswerks in den folgenden Jahren nicht mehr zu. Dazu kam die bittere Armut der Bevölkerung, die zuerst ans Überleben dacht und erst in zweiter Linie den Komfort einer Gasversorgung benötigte. So beschloss der Stadtrat am 22.12.1922 den etwa 100 Minderbemittelten, die weder Gas noch Elektrizität haben, wird ein Betrag in Franken entsprechend einer Gasmenge von 6 cbm im Oktober, 8 cbm im November, 10 cbm im Dezember und Januar, 6 cbm im Februar und 6 cbm im März, zur Beschaffung von Petroleum zu zahlen. Nach dem Krieg wurden im Zuge von Notstandsprogrammen die Erweiterungsarbeiten am Gasrohrnetz wieder aufgenommen. Als eine der ersten Arbeiten erfolgte die Verlegung von Gasleitungen in der Hermannstraße 1919. Erst 1923 überschritt der Gasabsatz wieder die 2-Millionen-cbm-Grenze. Die Rohrnetzlänge lag inzwischen bei über 55 Kilometern, die Zahl der Hausanschlüsse bei 7068. 1925 hatte das alte Gaswerk seine Leistungsgrenze erreicht, es wurde außer Betrieb gesetzt und durch eine neue Anlage ersetzt. Nach dem Abschluss der Neubauarbeiten stieg der Absatz weiter an, im Geschäftsjahr 1927/28 lag er bereits über 3,5 Mio. Kubikmeter. Das städtische Gaswerk ging dazu über, zusätzlich zur Eigenproduktion, Kokereigas von der Neunkircher Hütte zu kaufen. Nachdem die Hütte das Gas in den Anfangsjahren noch zu einem Preise von 8 Cts. pro Kubikmeter abgegeben hatte, verlangte sie von 1928 an 22 Cts. für das Gas.
 

Fortsetzung folgt

Manfred Stöhr

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