Das Neunkircher Kaufhaus Joseph Levy Wwe. Teil 2

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Vom Kaufhaus alter Tradition zu modernen Shopping-Centern
 
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Das Geschäft in Friedrichsthal
Quelle: R. Berwanger: Zeitreise Friedrichsthal im Wandel der Zeit, 2005
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Französisches Militär marschiert auf, um Aufstände gegebenenfalls niederzuschlagen
Quelle: Archiv HVSN
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Werbeprospekt der Fa. Levy von 1928
Quelle: Stadtarchiv Neunkirchen
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Liniennetz der Neunkircher Straßenbahn
zwischen 1907 und 1943
Quelle: Scheiber Nachrichten 12/2007
 
Quellenangabe
3) Rosemarie Berwanger: Friedrichthal …im Wandel der Zeit, in Zeitreise, 2005
4) Fuchs, Tobias: Die Freundin des Philosophen, in: Saargeschichten 1/2015, S. 4 ff. Darin werden die Verbindungen der zur Unternehmerfamilie Levy gehörenden Else Herzberger zu Theodor Adorno und Walter Benjamin und teilweise auch die Geschichte der Familie und des Unternehmens Levy beschrieben.
 
Sohn Gustav Levy übernimmt Neunkircher Dependance
1897 eröffnete Sohn Gustav zusammen mit seiner Ehefrau Clementine geb. Herzberger in der Stadt Neunkirchen, die jetzt bereits 30.000 Einwohner zählte, eine Dependance, die schon bald unter dem Namen Joseph Levy Wwe zum Hauptgeschäft mit Sitz der Geschäftsleitung wurde. Während Sohn Lazarus das Dudweiler Stammhaus weiter führte, entstanden im Jahr 1911 bereits früh Filialen in Sulzbach und in Friedrichsthal.
Da sich Neunkirchen in den folgenden Jahren aus der allgemeinen Aufwärtsentwicklung, insbesondere auch durch die Ausdehnung des Bergbaus und des Eisenwerks, besonders hervorhob, wuchs die Bedeutung dieser Niederlassung. Und so musste bereits im Jahr 1901 das Geschäftshaus wie auch das Sortiment erheblich erweitert werden. Auch in den folgenden Jahren waren mehrfach Erweiterungen notwendig geworden. Im Jahr 1906 hatte Gustav Levy das Neunkircher Geschäft an seine Schwägerin Else Herzberger und deren Brüder Julius und Alfons übergeben. Mit dieser Übernahme hatte eine neue fruchtbare Phase des Neunkircher Kaufhauses begonnen.
 
Krieg und Unruhen
Der 1. Weltkrieg brachte Rückschläge. Nach den schwierigen Kriegsjahren hatte die Folgezeit schwere Erschütterungen durch Besetzung, Zollschranken, und Währungsumstellung gebracht. Die Zeitläufte der Nachkriegsjahre und des aufkommenden Nationalsozialismus mit der Anti-Juden-Politik gingen nicht spurlos an dem jüdischen Kaufhaus vorbei, das zuletzt über 400 Mitarbeiter/innen beschäftigte. Im Jahr 1919 gerieten alle vier Geschäfte in den Strudel des sog. Spartakus-Aufstandes. Als Spartakus bezeichnete sich eine Gruppe extrem linksgerichteter Sozialisten, die für die Fortsetzung der in Russland begonnenen kommunistischen Revolution im Deutschen Reich kämpften. Wegen der bedrückenden sozialen Verhältnisse nach dem 1. Weltkrieg, bedingt durch Hunger, Arbeitslosigkeit, politische Instabilität, Wucherei und Schiebertum, organisierten daher die Spartakisten mit der USPD (Union der sozialistischen Parteien Deutschlands) und Teilen der Metallarbeiter am 5./6. Januar 1919 eine Massendemonstration in Berlin. Die sogenannten „Freikorps“ (ehemalige Kriegsteilnehmer, zumeist Offiziere) setzten der Demonstration, in deren Verlauf Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordet wurden, ein blutiges Ende. Landesweite Unruhen und Streiks – so auch im Saargebiet, wo der Generalstreik in Verbindung mit sog. Hungerdemonstrationen ausgerufen wurde, was zu den Plünderungen der großen jüdischen Warenhäuser, - in Neunkirchen neben Levy zum Beispiel auch Hennoch, Lachmann, Voss und Wronker – führte. Am schwersten war dabei die Friedrichsthaler Niederlassung des Kaufhauses Levy betroffen, die total ausgeplündert wurde. 3
 
Aufschwung in den frühen „Zwanzigern“
Erst ab 1921 ging es aufwärts. In diesem Jahr wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. „Das Neunkircher Haus entwickelte sich bald zum größten Geschäft am Platze, und die Firma mit ihren Zweiggeschäften zu einem der bedeutendsten Unternehmen der Branche im Saargebiet“ – so in dem erwähnten Artikel in der SZ vom 25.11.1928 und weiter: „Heute nach 75 Jahren sind die vier Geschäfte noch im Besitz der Familie des Gründers. Dieser zur Seite stehen mehr als 400 Mitarbeiter, von denen viele zehn und zwanzig Jahre, einzelne sogar noch länger, an dem Aufbau der Firma mitgearbeitet haben. Vom ersten Tag ab war der Leitsatz vorherrschend nur gute Waren zu führen und den Käufer in jeder Weise zufriedenzustellen.
Damit hat sich die Firma einen großen Stamm treuer Kunden erworben und ihre heutige Größe und Bedeutung erreicht… Möge sie (die Firma) diesem Grundsatz auch in der Zukunft treu bleiben, dann wird sie einen weiteren Aufschwung nehmen“. In der 1925er Ausgabe des Handbuches „Handel und Industrie im Saargebiet“ wird das Kaufhaus wie folgt beschrieben:
 „25 große Spezialabteilungen bieten dem Käufer eine reiche Auswahl aller Mode- und Bedarfsartikel in Damen-, Herren- und Kinderbekleidung, Schuhen, Gardinen, Teppichen, Wäsche und allen Textil-, Weiß- und Wollwaren“. 4
 
Das Neunkircher Haus entwickelte sich schnell zu einer universellen Einkaufstätte für Neunkirchen und die umliegenden Ortschaften. Im Angebot standen „Bekleidung, Ausstattung, Stoffe, Wäsche und Möbel“. Bereits 1901 mussten die Geschäftsräume in dem vierstöckigen Haus  erheblich erweitert werden. Das Kaufhaus Levy, kurz auch NK (Neunkircher Kaufhaus) genannt, wurde „allen Ansprüchen gerecht“, hieß es in einer Werbeschrift. Die einzelnen Abteilungen boten eine reiche Auswahl an Damen, Herren und Kinderkleidung. Das Waren-Angebot reichte von Schuhen, über Gardinen, Stoffen und Teppichen bis hin zu Weiß- und Wollwaren und sonstigen speziellen Textilien jeder Art eingeschlossen spezielle Arbeitskleidung. Das Haus entwickelte sich schnell zu einem gefragten Einkaufszentrum in Neunkirchen, vergleichbar dem heutigen Saarpark-Center, nicht nur für Neunkircher Käufer, sondern auch für alle umliegenden Ortschaften, soweit sie verkehrsmäßig angeschlossen waren. Die Eisenbahn und seit 1931 die Straßenbahnlinien in Richtung Neunkirchen boten den Bewohnern der unmittelbaren Nachbaren aus Landsweiler-Reden, Heiligenwald, Wemmetsweiler und Schiffweiler, Spiesen und Elversberg bequeme Möglichkeiten, das Einkaufszentrum Neunkirchen zu erreichen.
 
Ende des 2. Teils, Fortsetzung folgt
Dr. Horst Wilhelm

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