Das Neunkircher Kaufhaus Joseph Levy Wwe Teil 3

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Vom Kaufhaus alter Tradition zu modernen Shopping-Centern  
 
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Konsum Reden mit zwei Verkäuferinnen
Quelle: Archiv Wilhelm
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Lehrmädchen bei der Firma Levy
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Ausbildungsjahrgang 1919
Quelle: Archiv Wilhelm
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Lehrvertrag für Frl. Hedwig H.
Quelle: Archiv Wilhelm
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Vertrag über Entschädigung
bei vorzeitiger Auflösung des Lehrvertrages oder vorzeitiger Arbeitsaufnahme bei einem Konkurrenzunternehmen
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Zeugnis Ausscheiden wegen Verheiratung
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Das brennende NK am 22. März 1945
Quelle: Archiv Schlicker
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Das NK 1969 nach dem Wiederaufbau
Quelle: Archiv HVSN
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Kaufhofgebäude 2015
Quelle: Archiv Wilhelm
 
Levy’s – wichtiger Arbeitgeber und Ausbilder für weibliche Arbeitssuchende

Neben der Bedeutung als Warenhaus wurde das Haus Levy durch die Schaffung von Arbeitsplätzen vor allem für weibliche Arbeitssuchende schon bald zu einem wichtigen Arbeitgeber in der Region. Als um das Jahr 1920 das Kaufhaus zu boomen begann, entschlossen sich die Besitzer, Ausbildungsstellen für Frauen als Verkäuferinnen anzubieten. Dadurch, so hoffte man, würde sich hier eine große Chance für junge Mädchen eröffnen, zu einer soliden Berufsausbildung zu kommen. Der Arbeitsmarkt hatte nicht allzu viele solcher Möglichkeiten für weibliche Beschäftigte anzubieten. Die Söhne von Bergleuten hatten es in den Zeiten, als die Gruben an der Saar florierten und die Kohle ein gefragtes Energieprodukt war, nicht schwer, nach der Schulentlassung zu einer Berufsausbildung zu kommen. Sie wählten in aller Regel den Beruf des Bergmanns, so wie der Vater und der Großvater. Ab dem 16. Lebensjahr konnten sie nach entsprechender Ausbildung mit ihrem Lohn einen Teil zu den Lebenshaltungskosten im elterlichen Haushalt beitragen. Die Töchter hatten es erheblich schwerer. Während ihrer Schulzeit und danach konnten sie sich in Näh- und Kochkursen, die von Grubenverwaltung und Knappschaft angeboten wurden, zwar perfektes Wissen für ihre zukünftige Bestimmung als Ehe- und Hausfrau aneignen, dieses Wissen reichte aber allenfalls für die Tätigkeit als Dienstmädchen in Pastoren-, Steiger-, Lehrer-, Beamten- und Kaufmannhaushalten. „Ich diene!“ hieß das, wenn sie nach ihrem Beruf gefragt wurden. Die Tätigkeit als Haushaltshilfe hatte allerdings den Vorteil, in die Welt zu kommen. Couragierte Mädchen waren nämlich durchaus bereit, sich außerhalb des Heimatortes, ja sogar im Ausland – zum Beispiel im ehemaligen Reichsland Elsass-Lothringen, in Luxemburg oder in Frankreich – als Haushaltshilfen oder auch als Kindermädchen zu verdingen. Nach der Arbeits-Lebenszeit verbrachten sie dann den Rest ihres Lebens zu Hause mit der Pflege von bedürftigen Angehörigen. Staatliche finanzielle Hilfe oder eine eigene Rente gab es wegen der freihändigen Art der Anstellung nicht. Die monostrukturierte Industrie an der Saar war nicht in der Lage Arbeits- und Ausbildungsplätze für Frauen anzubieten, wie es etwa andernorts möglich war, wie zum Beispiel dort, wo die Textilindustrie, Spinnereien, Wäsche- und Konfektionsproduktionsbetriebe u.ä., ihre Schwerpunkte hatte. Auch die meist familienzentrierte Einzelhandelsstruktur erlaubte es kaum, eine bedeutende Zahl von Stellen vorzuhalten. Großkaufhäuser waren noch sehr dünn gesät. Erst die Gründung der Konsumvereine (z.B. GeG, Asko) schaffte erstmals die Möglichkeit eine größere Zahl junger Mädchen für eine Lehre als Verkäuferin einzustellen. Erst mit der Gründung der ersten Großkaufhäuser in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ergaben sich Chancen für junge Frauen, in einem solchen Kaufhaus eine Lehrstelle mit späterer Anstellung zu erhalten. Es entwickelte sich ein regelrechter Run auf dreijährige Ausbildungsstellen (Lehrlinge) bei der Firma Levy. In den Lehrverträgen wurden die eingestellten Lehrmädchen zum Besuch der kaufmännischen Fortbildungs-Schule verpflichtet. Nach Abschluss der Lehre erhielten die Absolventen Anstellungsverträge als Verkäuferinnen – Gehalt „nach Tarif“. Mit dem Tag der Hochzeit endete allerdings die Beschäftigung entsprechend der damaligen Gesetzeslage, die eine gleichzeitige Beschäftigung von Ehepartnern untersagte (eine Maßnahme gegen die hohe Arbeitslosigkeit in der Zeit der Weimarer Republik, die von der Regierungskommission des Saargebietes zeitweise übernommen wurde). Den Ausgeschiedenen sicherte die Geschäftsleitung Aushilfejobs zu besonderer Anlässen zu – so zum Beispiel am jährlichen „Mantelsonntag“ im Oktober, während der „Weißen Woche“ im Frühjahr und während der Ausverkaufsperioden, heute Sale genannt, im Frühjahr und Herbst. Nach ihrer aktiven Zeit fanden sich die ehemaligen NK-Frauen noch bis in die 60er Jahre allmonatlich zu Treffs – zum Beispiel im Café Bennoist auf der Scheib – zusammen und schwärmten von ihrer Zeit bei Levys – Beweis eines hohen Grades an Corporate Identity (Identifikation mit der Firma).
 
Das Ende des Kaufhauses Levy
Die Zeitläufte der Nachkriegsjahre und des aufkommenden Nationalsozialismus gingen nicht spurlos an dem jüdischen Kaufhaus vorbei, das zuletzt über 300 Mitarbeiter/innen beschäftigte. Bereits 1919 wurden im Saargebiet während des Spartakus-Aufstandes zahlreiche jüdische Kaufhäuser, so wie in Neunkirchen neben Levy auch Hennoch, Lachmann und Wronker, geplündert und zum Teil erheblich beschädigt. 5
Im Jahr 1929 hatte Arnold Levy, ein Enkel von Josef und Sohn von Gustav und Clementine Levy, ein Teil der Verantwortung für das Neunkircher Geschäft übernommen. Er hatte in Neunkirchen Volksschule und Realgymnasium besucht und war mit seinen Eltern 1906 nach Berlin verzogen. Jetzt sollte er für die Zukunft des Geschäfts Verantwortung übernehmen. Nach der Machtübernahme der Nazis im „Reich“ engagierte er sich im Abstimmungskampf für die „Status Quo“-Bewegung und geriet schon bald ins Visier der Nazis. Als die Neunkircher Volks-Zeitung einen Tag nach der Volksabstimmung vom 13. Januar 1935 mit der „triumphalen“ Schlagzeile „Wir haben gesiegt“ das Ergebnis – 90% für die Rückgliederung – verkündete, war dies der Anfang vom Ende der jüdisch geführten Neunkircher Kaufhauses AG. Die Aktien ging an das Passage Kaufhaus Saarbrücken (PK) und an Privatpersonen aus dem Dunstkreis der Saarbrücker Nazis. 1936 kam das Ende des Kaufhauses Levy, das 1922 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden war. Die jüdischen Eigner, Aktienhalter und Beschäftigten waren bereits entlassen, als am 31. Januar 1936 in der Saarwirtschaftszeitung „die abgeschlossene Arisierung“ verkündet wurde. Durch einen politischen Deal war die Aktienmehrheit von 80% an die Passage-Kaufhaus AG Saarbrücken übergegangen. Die Firma „Josef Levy Wwe.“ wurde unter dem Namen „Neunkircher Kaufhaus AG“ in ein „arisches“ Warenhausunternehmen umgewandelt. Die Familienangehörigen der Firma Josef Levy Witwe AG hatten Deutschland zum Teil mit Hilfe gefälschter Papiere verlassen. Else Herzberger, die in Südamerika überlebt hat, bemühte sich nach dem Krieg um Rückgabe ihres früheren Eigentums. 1948 verpflichteten sich die Passage-Kaufhaus AG und die Neunkircher Kaufhaus GmbH zu regelmäßigen Entschädigungszahlungen an die früheren Besitzer der Josef Levy Witwe AG. Das vorläufige Ende des Kaufhauses kam 1945. Am 21. März war mit dem Einmarsch der US-Truppen für die Stadt Neunkirchen der Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen. Freigelassenen russischen Kriegsgefangenen war es vorbehalten, dem Haus den Todesstoß zu versetzen. Der Neunkircher Heimatforscher Armin Schlicker beschreibt den letzten Akt: „Der 21. März 1945 hatte für Neunkirchen mit dem Einmarsch der US-Truppen das Ende des Krieges gebracht. Schon einen Tag später brannte das Neunkircher Kaufhaus. Es war von freigelassenen und plündernd umherziehenden russischen Kriegsgefangenen angezündet worden. Es brannte völlig aus. Zwei der Plünderer fanden in den Flammen den Tod“. 6
Das brennende Haus wurde fotografisch von einem Aufklärungsflugzeug einer Recon-Einheit der 9. USAF beim Überflug in 22000 ft (6.800 m) Höhe erfasst.
 
Neuanfang
Nach dem Brand stand das Kaufhaus nach dem Einmarsch der US-Truppen als traurige Ruine leer bis zum Jahr 1951, als es wieder in der alten Form aufgebaut wurde.
Im Jahr 1960 wurde er Grundstein für einen Neubau gelegt und das neue Haus bereits 8 Monate später seinen Bestimmungen übergeben. Die Fassade ist bis heute erhalten geblieben. Aus dem „NK“ wurde eine Filiale der „Kaufhof AG“.
 
Dr. Horst Wilhelm
    Ende

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