Tilemann Stella, Mathematiker und Astronom Teil 1

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Er brachte Neunkirchen schon 1564 auf die Landkarte   
 
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Philipp Melanchthon
(Portrait von Albrecht Dürer)
hvsn 02
Karl V. Kaiser des heiligen römischen
Reiches deutscher Nation
(Portrait von Christoph Amberger)
hvsn 03
Renaissanceschloss Neunkirchen 1617
(nach Hör)
hvsn 04
Renaissanceschloss Ottweiler 1645
(nach Merian)
 
Einleitung
Als sich zu Beginn des 16. Jahrhunderts aus den mittelalterlichen Lehensstaaten Territorialstaaten in festen Grenzen herausbildeten, war es erstmals Aufgabe der Landmesser und Kartographen, genaue Informationen über den Grenzverlauf und den geographischen Inhalt des jeweiligen Landesgebietes in Karten festzuhalten.
Mit steigendem Interesse an geschichtlichen Zusammenhängen und zunehmender Beschäftigung mit der Vergangenheit gewinnen heute Karten älterer Landesaufnahmen immer mehr an Bedeutung. Die modernen Reproduktions- und Drucktechniken eröffnen zudem die Möglichkeit, alte Karten in hervorragender Qualität zu faksimilieren. Damit können die unersetzbaren Originale in der Obhut der Archive und Bibliotheken verbleiben.
Die Landesaufnahme der Ämter Zweibrücken und Kirkel wurde von Tilemann Stella auf Anregung des Landesherren gefertigt.
 
Biographischer Überblick
Tilemann Stella (eigentlich Tilemann Stoll, Stolz oder Stoltz), geb. am 15. April 1525 in Siegen, gest. am 18. Februar 1589 in Wittenberg, war ein deutscher Gelehrter in der Zeit der Renaissance. Er betätigte sich unter anderem als Bibliothekar, Mathematiker, Geometer, Kartograph und Astronom.
Der Sohn eines Schmiedes besuchte das Pädagogium seiner Heimatstadt an dem zu dieser Zeit einige gute Lehrer wirkten. Dort wurde der Sekretär des Landesherrn, Graf Wilhelm von Nassau, auf ihn aufmerksam und empfahl ihn seinem Herrn, der Stellas weitere Studien förderte.
1542 verließ er auf Anraten seiner bisherigen Lehrer Erasmus Sarcerius und Georg Aemylius Siegen und immatrikulierte sich an der Universität Wittenberg. Hier blühte die Theologie unter Luther und Melanchthon und Studenten aus aller Herren Länder strömten hierher. Daneben waren aber Schwerpunkte auch die Mathematik, die Astronomie und die Geografie.
1544 im Sommer wechselte er zur Universität Marburg, wo ihm sein Landesherr, Wilhelm von Nassau, ein Stipendium gewährte. Er war vermutlich Schüler von Johannes Dryander, der eine Karte von Hessen entworfen hat.
Schon im Winter 1544 kehrte er wieder nach Wittenberg zurück, wo er durch Philipp Melanchthon und andere führende Gelehrte gefördert wurde. Melanchthon (1459 – 1508), ein in der damaligen Welt bekannter Philologe, Philosoph, Theologe und Lehrbuchautor, der auch „Praeceptor Germaniae“ (Lehrer Deutschlands) genannt wurde, schrieb über seinen Schüler Stella: “Ein solcher Mann ist sicher ein Segen für die Allgemeinheit und würdig des Wohlwollens weiser Fürsten“. Mit ihm stand Stella bis zu dessen Tod 1560 in regem Gedankenaustausch.
Auf den Rat Melanchthons hat Stella seinen Namen latinisiert und die Herkunftsbezeichnung „Sigensis“ zugefügt. Als „Tilemann Stella Sigensis“ ist er in die Kartographiegeschichte eingegangen. In der Zeit des Humanismus war es unter Gelehrten und Aristokraten beliebt, Namen ins Griechische oder ins Lateinische zu übertragen. So hieß Melanchthon vor der Gräzisierung seines Namens eigentlich Schwartzerdt. Einige dieser Namensänderungen haben sich als Familiennamen durchgesetzt. Beispiele für Latinisierung von Namen durch Übersetzung sind: Müller zu Molitor, Schmied zu Fabricius, Bäcker zu Pistorius, Schneider zu Sartorius usw.
Unter dem Einfluss von Melanchthon begann Stella seine kartographischen Konzepte zu entwickeln. Er befasste sich mit verschiedenen Kartenprojekten u. a. einer Karte von Palästina (1552), einer Karte des römischen Reiches und einer Karte von Deutschland. Trotz der Empfehlungen Melanchthons bei Fürsten und Städten waren es Jahre der beruflichen Ungewissheit.
Ab etwa 1552 war Stella auf Empfehlung Melanchthons in Rostock, wo er die Bekanntschaft des jungen Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg machte, der im gleichen Jahr die Regentschaft antrat. Diese Verbindung sollte für Stellas weiteres Leben bestimmend werden. Er trat 1552 als Mathematicus in die Dienste des jungen Herzogs, der für Kunst und Wissenschaft besonders aufgeschlossen war. Zum Einstand widmete er dem Herzog seine Deutschlandkarte. Dieser habe ihn darin gefördert und dazu angehalten, eine Beschreibung des ganzen „Teutschen Landes“ zu bearbeiten. Der Herzog setzte sich für die kartographischen Pläne Stellas ein. Seine Karte von Mecklenburg, die 1552 in Rostock gedruckt wurde, ist die älteste Karte über dieses Land. 1554 heiratete er die zwanzigjährige Tochter Helena Rothermund des Rostocker Bürgermeisters, die aber schon 1561 starb, während er auf Reisen war. Aus der Ehe sind drei Söhne hervorgegangen.
Als Reisebegleiter des Herzogs besuchte Stella 1560 Wien und Ungarn. Beide betrieben dabei kartographische und Architekturstudien. Stella führte auf dieser Reise ein Tagebuch, in dem 60 Kartenskizzen enthalten sind, die bis heute nicht veröffentlicht wurden
Stella konnte weitere ausgedehnte Reisen unternehmen, um seine Kenntnisse zu erweitern. Bei diesen Reisen schuf er auch zahlreiche Karten für andere Herrschaften. Leider ist von Stella keine Abbildung überliefert.
 
Politische und wissenschaftliche Lage zur Zeit Stellas
1556 dankte Kaiser Karl V. ab. Ihm folgte sein Bruder Ferdinand I. Dieser regierte im Heiligen römischen Reich deutscher Nation bis zu seinem Tod im Jahre 1564. Ihm folgte sein Sohn Maximilian II. auf dem Thron.
1560 starb in Wittenberg der Humanist und Reformator Philipp Melanchthon, der Lehrer und Wegbereiter von Stella.
1566 auf dem Augsburger Reichstag übernahmen Kaiser Maximilian II. und die katholischen Stände des Reiches offiziell die Beschlüsse des Reformkonzils von Trient.
Es begann die Gegenreformation. Die Pfalz wurde calvinistisch.
1555 berechnete der wittenberger Mathematik-Professor Erasmus Reinholt die ersten Planetentafeln auf der Grundlage der kopernikanischen Lehre.1559 starb Adam Riese.
1554 – 1563 wurde im süddeutschen Raum die erste systematische Landesaufnahme von Bayern durch Philipp Apian zum Vorbild für andere Territorien.
1564, also gleichzeitig mit Stellas Tätigkeit in Zweibrücken, nahm Gerard Mercator eine Landesaufnahme in Lothringen auf und 1567 sein Sohn Arnold Mercator das Kurfürstentum Trier.
1547 beantragte Philipp II. von Nassau-Saarbrücken bei einem Besuch Kaiser Karl V. den Bau einer Brücke über die Saar. 1550 wurden in seinem Herrschaftsbereich zwei weitere Brücken errichtet:
eine über die Blies bei Oberlinxweiler und eine über die Oster in Fürth. 1570 – 76 wurde die Festung Homburg ausgebaut und ab 1570 – 1585 durch Graf Johann IV. von Nassau-Saarbrücken ein neues Jagdschloss (Renaissanceschloss) in Neunkirchen errichtet.
Auch das Schloss in Ottweiler wurde von 1574 bis 1583 unter Albrecht von Nassau-Weilburg durch den bekannten Baumeister Christian Stromeyer weiter ausgebaut.
 
Die Landesaufnahme der Ämter Zweibrücken und Kirkel
1563 erhielt er von Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken (1526 – 1569) „aus beger, befehls und Verordnung“ den Auftrag, eine Beschreibung der zu Pfalz-Zweibrücken gehörenden Ämter Zweibrücken und Kirkel zu erstellen.
Das Ergebnis der Arbeit Stellas ist ein Kartenwerk und eine geographisch-statistische Landesbeschreibung.
 
Ende des 1.Teil
Fortsetzung folgt in der nächsten Ausgabe
Quellenangaben finden Sie im letzten Teil
Bericht von Manfred Ruffing

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