Tilemann Stella, Mathematiker und Astronom Teil 3

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Er brachte Neunkirchen schon 1564 auf die Landkarte  
 
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Blatt 5 mit Neunkirchen, Wiebelskirchen,
Wellesweiler und Furpach
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Ausschnitt aus Blatt 6
Galgen und Limbacher Wag
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Ausschnitt aus Blatt 5
Lichtenkopf und Grenzsteine
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Ausschnitt aus Blatt 10 Blieskastel mit
Gollenstein (Guldenstein oder Primastein)
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Ausschnitt aus Blatt 5
Ortschaft Furpach am Weiher
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Wappen von Nassau-Saarbrücken
 
Der Erfolg der Stella’schen Arbeiten beruht auf dessen systematischer Vorgehensweise, vor allem aber auf eigener Wahrnehmung basierender Bestandsaufnahme und seinem Streben nach Genauigkeit und Vollständigkeit. Zudem wurde das gesamte Datenmaterial mit einem übergreifenden Erfassungsschema katalogisiert und ausführlich beschrieben.
Besondere Aufmerksamkeit schenkte Stella der Hydrographie. Die Gewässer zählten für Stella, nicht zuletzt wegen seiner früheren hydrographischen Arbeiten für seinen Mecklenburger Landesherrn, zu den wichtigsten Elementen der Landschaft und wurden daher in seinen Arbeiten besonders dargestellt.

Die kartographische Wiedergabe
Die Geländedarstellung erfolgt bildhaft aus der Vogelschauperspektive und hat eine formenplastische Wirkung. Stella hat sein Kartenwerk in einer überlegten Signaturensprache gestaltet. Es gibt zwar keine Zeichenerklärung, aber das Kartenwerk ist so anschaulich, dass man es auch so auswerten kann.
Das beginnt schon mit der Kolorierung. Der Wald wird in grün als Flächenfarbe mit zusätzlichen Baumsignaturen in schwarz und dunklem grün dargestellt, Die waldfreien Flächen erscheinen in rötlichen Tönen, die Weideflächen in Tälern in dunklem gelbgrün. Die nicht zu Pfalz-Zweibrücken gehörenden Gebiete werden in anderer, jedoch ähnlicher Farbgebung dargestellt. Man kann sagen, dass Stellas Arbeit zugleich auch als Forstkartenwerk für das Land von Bedeutung gewesen ist. Damit entsprach er einem besonderen Auftrag des Fürsten, dem an einer flächenmäßig verlässlichen Wiedergabe der Forsten sehr gelegen war.
Die Gewässer (Quellen, Bäche und Weiher) hat Stella exakt in Form und Lage wiedergegeben. Die Flüsse sind in großen Windungen gut kartiert. Sie sind in blauen Linien gezeichnet. Auch die Seen und Stauweiher sind einer blauen Grundfarbe ausgemalt, letztere jedoch mit einem schwarzen Strich abgeschlossen. Einer der größten Weiher war der Limbacher Wag.
Auch einige Berge sind in der Karte hervorgehoben, obwohl er hier offensichtlich nicht mit der gleichen Genauigkeit arbeitete wie beim Gewässernetz. Nur an wenigen Stellen sind Hügel oder Berge namentlich ausgezeichnet. So findet man den Hirtzberg (heute Hirschberg) westlich von Niederbexbach, den Kirchberg (heute Kirschberg) nordwestlich von Altstadt oder den Lichtenkop (heute Lichtenkopf) zwischen Bexbach und dem Ostertal.
Wege und Straßen werden in schwarzen Linien dargestellt. Ihre meist gerade Führung verrät, dass sie nicht exakt vermessen sein können. Das gilt vor allem in fremden Herrschaften. Die Grenzen sind als rote Linien erkennbar. Grenzsteine sind als aufrecht stehende rote Rechtecke mit einem aufgesetzten kleinen Kreuz dargestellt. Die Darstellung der Ansiedlungen vermittelt eine Vorstellung vom Aussehen der Dörfer in der damaligen Zeit. Stella bemühte sich, mit der Form der Turmhaube seiner kleinen Kirchenbildchen den Dörfern eine individuelle Note zu geben. Die kleinen Kirchenzeichnungen zeigen mit wenigen Ausnahmen gotische Spitzhelme. Er bemühte sich auch, die Kirchen in den Orten an der richtigen Stelle einzuzeichnen (das ist z. B. bei Wiebelskirchen deutlich erkennbar). Bei Städten und größeren Ansiedlungen wurde eine Grundrissähnlichkeit angestrebt. Ortschaften sind teils mit Einzäunungen gezeichnet.
Burgen und Schlösser sind bei allen durch den Maßstab bedingten Vereinfachungen dem Vorbild ähnlich.

Stella hat erstmals in seiner Karte auch Wüstungen, also untergegangene Dörfer und Höfe eingezeichnet.
Einige der Siedlungen des 16. Jahrhunderts sind heute aus der Landschaft verschwunden. Das ist am Beispiel Furpachs erkennbar. Das auf der Karte östlich des heutigen Gutsweihers liegende Dorf mit einer Kirche, etwa im Bereich des heutigen Friedhofsparkplatzes, befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits im Niedergang. Kurze Zeit später blieb nur der spätere Gutshof. Der heutige Stadtteil Furpach entwickelte sich erst im 20. Jahrhundert wieder neu und zwar jetzt westlich und nördlich des Gutsweihers.
Stella ist auch den Resten aus alten Zeiten, der Römerzeit und der vorgeschichtlichen Zeit, nachgegangen. Er hat aber nur wenige davon in der Karte aufgenommen, im Gegensatz zu der Beschreibung.
Aufgenommen wurde z.B. der Menhir – der Gollenstein – bei Blieskastel.
Auch Richtstätten wurden mit der Signatur Galgen oder Rad aufgenommen z.B. je einen Galgen nördlich von Altstadt und einen südwestlich von Limbach sowie nordöstlich von Gersheim einen Galgen mit Rad. Wie es damals üblich war, hat Stella angrenzende oder von pfalz-zweibrückischem Besitz umschlossenes fremdes Territorium durch Wappen gekennzeichnet z.B. das nassau-saarbrückische und das Blieskasteler Gebiet.
Die Beschriftung ist sorgfältig und gut lesbar ausgeführt. Enthalten sind Siedlungsnamen, Wald- und Flurbezeichnungen, Geländenamen und Gewässerbezeichnungen. Es ist das Bemühen erkennbar durch die Größe der Buchstaben die Bedeutung der entsprechenden anzuzeigen. Die beiden Hauptorte werden in Großbuchstaben geschrieben. Bei bedeutenden Orten wie Hornbach wird der Name mit großem Anfangsbuchstaben und mit größerer Schrift, Wiesennamen z.B. im Bliestal werden besonders klein geschrieben.
Einige der damaligen Ortsnamen sind nicht auf den ersten Blick zu identifizieren.

Einige Beispiele aus dem heute saarländischen Raum:
• Adwiler für Kleinottweiler
• Alte Stat für Altstadt
• Blisencastel für Blieskastel
• Buppach für Bubach i. Ostertal
• Bürbach für Bierbach
• Einett für Einöd
• Hechen für Höchen
• Homberg für Homburg
• Inweiler für Ingweiler
• Kirckel für Kirkel
• Mittelbexbach für Bexbach
• Weibenheim für Webenheim
• Werswiler für Wörschweiler
• Wipswiler für Websweilerhof
• Wurswiler für Werschweiler

Weitere Arbeiten Stellas
Nachdem Stella nach Beendigung der Arbeiten in Zweibrücken 1564 nach Schwerin zurückgekehrt war, übertrug ihm Herzog Johann Albrecht auch die Planung seines großen Projektes eines Elbe-Ostsee-Kanals. Zu diesem Zweck unternahm Stella Reisen in Norddeutschland und in den Niederlanden, um moderne Techniken des Kanalbaus zu studieren. Der Kanal sollte von der Elbe bei Dömitz über die Elde und den Schweriner See nach Wismar führen.
Die folgenden 18 Jahre seines Lebens opferte er dieser Aufgabe. Um für dieses Projekt die neuesten Erfahrungen auf dem Gebiet des Kanalbaues verwerten zu können, schickte ihn der Herzog zunächst auf Reisen damit er sich damit im Ausland vertraut machen konnte. Nach seiner Rückkehr begann Stella mit den Vermessungen und Planungen.

Zur Planung und Durchführung dieses Kanalprojektes sind umfangreiches Kartenmaterial, Skizzen und Rissen der Schleusenanlagen im Staatsarchiv in Schwerin überliefert. Die Planung des Kanals war in erster Linie wirtschaftspolitischen Erwägungen geschuldet.
 
Ende des 3.Teil
Fortsetzung folgt in der nächsten Ausgabe
Quellenangaben finden Sie im letzten Teil
Bericht von Manfred Ruffing

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