Das Hofgut Menschenhaus bei Neunkirchen 1. Teil

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Geschichte und Chronik des Hauses und der Gaststätte     
 
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Menschenhaus vor 1900,
aus Richtung Neunkirchen
Fotoquelle: Heimatverein Spiesen
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Menschenhaus vor 1900
aus Richtung Kirkel
Fotoquelle: Heimatverein Spiesen
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Ähnliches Motiv wie zuvor,
mittleres Gebäude jetzt umgebaut
Fotoquelle: Archiv Schwenk
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Grenzstein
Seite Nassau
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Grenzstein
Seite „Pfalz“
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Grenzsteinweg – Fotoquelle: HVSN
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Ausflügler zur neuen Schankwirtschaft
Fotoquelle: Archiv Schwenk
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Etwa 1910, Villa Schmidt mit Hauspersonal
Fotoquelle: Archiv Schwenk
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Ackerbau bei der Villa Schmidt
Fotoquelle: HVSN
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Grenzsituation bei Menschenhaus
 

Die Geschichte dieses Hauses ist nicht nur die Chronik einer Gaststätte, sondern auch die eines Waldbauerngeschlechtes, einer Familie Mensch, nach der Menschenhaus seinen Namen hat und die 140 Jahre dort einen Gutshof betrieb. Die Etymologie des Wortes „Menschenhaus“ besagt danach nicht, dass hier einmal ein Mensch seine Behausung hatte, sondern dass der Ursprung dieses Gehöftes auf Johann Nikolaus Mensch zurückgeht, der sich urkundlich nachweisbar im Jahre 1754 hier niederließ. Der Name Mensch wurde als Zweitname im Mittelalter gebräuchlich, ebenso wie die Namen aus Handwerksbezeichnungen z.B. Bäcker, Müller, Fischer, Schuster. Er war die Bezeichnung für den einfachen Arbeitsmann, den Knecht in dienender Stellung bei einem Landesherrn.


Das Hofgut liegt mit seinen Ackerflächen auf der lang gestreckten Hochfläche des Faulenberges, südöstlich des so genannten Weidmessers, einer kleinen waldigen Anhöhe zwischen Neunkirchen und Kirkel. Deshalb hieß die Parzelle, auf der dieser Hof liegt, „Am Faulenberg“ bzw. „Am Füllenberg“. Beides sind Flurnamen, wie aus den Grenzbeschreibungen der Gemeinde Spiesen aus dem Jahre 1538 hervorgeht. In der damaligen Zeit begann auch die Agrargeschichte des Faulenberges. Das Weide- und Ackerland gehörte im Mittelalter zum Hofgut Sitz­weiler in der Nähe der Spiesermühle, von dem aus die Nutzfläche auf dem Faulenberg bewirtschaftet wurde.
In Menschenhaus stehen wir an einer 6-Dörfer-Ecke. Die Banne von Neunkirchen, Kohlhof, Limbach, Rohrbach, Kirkel und Spiesen stoßen hier zusammen und demzufolge durchzieht ein Geflecht von Waldwegen den Wald.
Diese Tatsache ist allerdings für die Gründung des Hofgutes Menschenhaus ohne Bedeutung gewesen. Wohl aber die geschichtliche Tatsache, dass über den Faulenberg die ehemalige Grenze zwischen Preußen und der bayerischen Pfalz verlief bzw. vorher die Grenze zwischen Pfalz-Zweibrücken und der von der Herrschaft Nassau-Saarbrücken. Lange Zeit lagen die Wiesen von Menschenhaus auf bayerischem und die Äcker auf preußischem Boden. Diese Grenze ist übrigens recht alt, sie ist in der Tilemann-Stella-Karte von 1564 aufgezeichnet, und die Grenzsteine dieser Trennung stehen teilweise heute noch. Allerdings ist auf den Grenzsteinen teilweise das Jahr 1756 vermerkt, das Jahr der letzten Grenzvermessung. Entlang dieser Grenze ist auf Initiative von Günther Gensheimer vom HVSN von Menschenhaus bis zum kleinen Hirschberg bei Kohlhof ein Grenzsteinweg angelegt worden an dem noch 22 dieser alten Grenzsteine zu sehen sind. Jenseits der Kirkeler Straße ging dieser alte Grenzweg früher weiter in Richtung Spiesermühle.
Entlang dieser späteren preußisch-bayerischen Grenze hatten die Grafen und späteren Fürsten von Nassau-Saarbrücken einen Kilometer langen hohen Wildzaun aus Eichen­holz errichten lassen, um das Entweichen und das willkürliche Hinüberwechseln der Hirsche, Rehe und anderen Wildes in das Hoheitsgebiet von Pfalz-Zweibrücken zu verhindern. Als leidenschaftliche Jäger waren die Fürsten der damaligen Zeit ängstlich darauf bedacht, ihren Wildbestand nicht nur gegen die vor Hunger wildernden Bauern zu schützen, sondern auch die Flucht des Wildes zu verhindern. An der Straße von Neunkirchen nach Kirkel hatte das Wildgatter am Faulenberg ein Tor, das von einem Falltorknecht bewacht und geschlossen wurde. Im Jahre 1754 übernahm ein Zimmermann namens Johann Nikolaus Mensch die Betreuung dieses Falltores, das oft auch Eschweilerhoftor genannt wurde, und auch die Kontrolle und gegebenenfalls die Ausbesserung des kilometerlangen Wildzaunes, der hier durch ein sehr großes auch heute noch beachtliches Waldgebiet führte. Er wohnte in einer Hütte neben dem Tor, die dann Menschenhütte genannt wurde.
Diese Grenze trennte nach dem Wiener Kongress ab 1816 die Königreiche Preußen und Bayern bis zum Inkrafttreten des Versailler Vertrages nach dem 1. Weltkrieg am 10. ­Januar 1920. Neben dem Hofgut stand bis dahin ein mit den königlichen Hoheitszeichen und Farben geschmückter gusseiserner Grenzpfahl, der dann dem Versailler Vertrag zum Opfer fiel. Ein weiteres Tor durch dieses Wildgatter im Bereich Neunkirchens befand sich am Übergang vom späteren preußischen Kohlhof zum bayerischen Kohlhof (daran erinnert heute dort der Torhausweg).
Der erste Name des neuen Hofes erscheint in den Kirchenbüchern unter dem Taufregister als der „Neuhof auf dem Weitmesser“. Das Wort Weitmesser ist abzuleiten aus dem mittelhochdeutschen „Weid“ = Weide und dem „Mussea“ = Moos bezeichnet also ein mit Weiden bestandenes Moos- und Sumpfgelände. Auf der nassauischen und später preußischen Seite der Grenze gehörte Menschenhaus seit jeher zur Gemarkung Spiesen und ist erst seit der Gebiets- und Verwaltungsreform von 1974 Teil des Neunkircher Stadtgebietes.
Zur Regierungszeit des Fürsten Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken-Ottweiler, eines Mannes, der sich nicht nur durch großen Kunstverstand, sondern auch durch die Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung unserer Saarheimat auszeichnete, waren viele fremde Handwerker in der Gegend sesshaft gemacht worden. So auch der Zimmermann Mensch, geboren 1717 in Homberg (Glan), der aus Nahbollenbach bei Idar-Oberstein zuzog. Der Grund, weshalb es den Zimmermann Mensch an die Blies verschlug, war der vom Fürsten in Angriff genommene Bau eines Jagd- und Lustschlosses in Neunkirchen, des Barockschlosses ­„Jägersberg“. Fürst Wilhelm Heinrich, dem die Einführung höfischer Kultur nach dem Vorbild des französischen Königs am Herzen lag, verfolgte nach Fertigstellung des Saarbrücker Residenzschlosses den Plan, in Neunkirchen an Stelle des aus dem 16. Jahrhundert stammenden alten Jagdschlosses ein Prunkschloss im Barockstil zu errichten. Dieses Vorhaben wurde sofort nach Anfertigung der Pläne durch den Baumeister Friedrich Joachim Stengel in die Tat umgesetzt. Der Bau wurde 1753 begonnen und dauerte bis mindestens 1765, da aus diesem Jahr noch eine Handwerkerrechnung existiert.
Da geeignete Handwerker in der Gegend rar waren, war der Zuzug aus anderen Regionen willkommen, und der Landesfürst bot den Tüchtigsten auch nach Beendigung des Schlossbaus weitere Arbeit an. So übernahm Nikolaus Mensch die Stelle des Hüters des Falltores am Faulenberg. Er richtete zunächst das zerfallene und unbewohnte Torhaus wieder her, so dass es beim Einzug 1754 als einfache Behausung dienen konnte, für die sich der Name Menschenhütte einbürgerte. Für seine verschiedenartigsten Dienstleistungen erhielt er bald vom Fürsten die Erlaubnis, am Faulenberg eine große Waldparzelle von ca. 22 Morgen zu roden und dort eine Bauernschaft einzurichten. Nach 15-jähriger harter Rodungs- und Feldarbeit unter schwersten Bedingungen mit seiner Frau und seinem heranwachsenden Sohn, wobei das Amt als Faltersknecht nicht vernachlässigt werden durfte, war Mensch die einfache Behausung zu klein und er ging an einen Neubau. 1771 wird dann in der „Grentz und Bannbeschreibung der Gemeindt Spiesen“ schon von einem Hofgering auf dem Faulenberg gesprochen. Seit dieser Zeit wurde die Bezeichnung Menschenhaus für das Anwesen üblich.

Quellen:
- Ahnenarchiv Dr. Paul Reuter
- Beiträger zur Ortsgeschichte Spiesen,
Heft 2, Heimatverein Spiesen, 1964
- Heimatkundliche Plaudereien, Heft 1, von Bernhard Krajewski, 1975
- Vortrag zur Geschichte einer Waldbauernsippe von Dr. P. Reuter, 1972
- Neunkircher Stadtbuch von Rainer Knauf und Christof Trepech, 2005
- Arnold Nikolaus Wagner:
Chronik zur Waldgeschichte des saarländischen Raumes, Elm 1998
- Holda Schulter: Das Hofgut Menschenhaus, in Hefte des Histor. Vereins Stadt Neunkirchen, 2006
- Geschichte des Menschenhauses, Chronik von Hermann Bartschmidt, 1998
- Hugo Geppert: Hotel-Restaurant Hofgut Menschenhaus, 1950
- Saarbrücker Zeitung vom 29.03.2016
- Werbebroschüre Grunder Gourmet aktuell vom 26.09.2016
- Stadtarchiv Neunkirchen, Bestand Karten und Pläne, Nr. 97, 247
- Stadtarchiv Neunkirchen, Amtsblatt des Saarlandes Nr. 14 vom 29.04.1981
- Saarland Stadtatlas, Reise- und Verkehrsverlag, Berlin1988
- Saarbrücker Zeitung vom 10.12.2016

 
Fortsetzung folgt
Armin Schlicker

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