Das Hofgut Menschenhaus bei Neunkirchen Teil 2

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Geschichte und Chronik des Hauses und der Gaststätte   
 
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Jacob Lauer versucht ein Kurhaus
in Menschenhaus zu etablieren
Fotoquelle: Archiv Schwenk
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In den 1920er Jahren
Fotoquelle: Archiv Schwenk
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In den 1940er Jahren
Fotoquelle: Archiv Schwenk
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In den 1950er Jahren im Schnee
Fotoquelle: Archiv Schwenk
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Hugo und Lina Geppert
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Ponyhof
Fotoquelle: Schlicker
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Luftaufnahme ca. 1990
Fotoquelle: H. Bartschmidt
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Werbebroschüre für den Ponyhof
Fotoquelle: Archiv Schwenk
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Menschenhaus heute von oben
Fotoquelle: Google Earth
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Links das Hauptgebäude, rechts das Chalet
Fotoquelle: Grunder-Gourmet
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Hofseite links Hauptgebäude,
rechts die Orangerie
Fotoquelle: Grunder-Gourmet
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Biergarten an der Straßenseite
Fotoquelle: Grunder-Gourmet
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Eine gedeckte Tafel im Hof
Fotoquelle: Grunder-Gourmet
 
Dieses neue Hofgut bestand aus „Hauß, Stall und Hofgering mit Garten und Ackerland“ und war gegen Pachtzins in Erbbestand gegeben. Dies bedeutete, dass auch die Nachkommen des Johann Nikolaus Mensch das gerodete Land gegen Entrichtung des Pachtzinses behalten und wieder vererben konnten. Allerdings durfte der Hof nicht geteilt werden, was der Wirtschaftlichkeit dienlich war. Es erbte also nur ein Kind ohne Rücksicht auf das Geschlecht das gesamte Gut. Die übrigen mussten aus der beweglichen Habe abgefunden werden; sie konnten auch auf dem Hof bleiben.

Obwohl Johann Nikolaus Mensch Erbbestandsbauer war, blieb er der Sage nach vor landesherrlicher Willkür nicht verschont. Die nachfolgende Geschichte, die nicht authentisch, aber doch wahrscheinlich ist, wird hier nach der Zeitschrift „Die Heimat“, dem Mitteilungsblatt des Heimat- und Verkehrsvereins Ottweiler, Nr. 1/1951, wiedergegeben. Sie trägt den Titel

„Die Treibjagd bei Menschenhaus“
„Einst lebte auf dem Hofe im Kirkeler Wald ein Bauer namens Mensch. In mühsamer Arbeit hatte er aus dem Waldboden Ackerland gemacht und Korn gesät. Eines Tages arbeitete er auf dem Felde und freute sich auf die baldige Ernte. Da kam aus dem Wald ein großer starker Hirsch gerannt und lief mitten durch sein Getreide. Bald kam der Fürst von Saarbrücken, der gerade auf seinem Schloss in Neunkirchen weilte, angesprengt und mit ihm eine Schar Jäger zu Pferde. Sie fragten den Bauern, wohin der Hirsch gelaufen sei. Aus Angst, die vielen Jäger würden sein Getreide zertrampeln, gab er eine falsche Richtung an. Diese merkten jedoch bald, dass der Mann sie hintergangen hatte. Sie kamen zurück und prügelten den Mann mit ihren Reitpeitschen durch, dass er drei Tage im Bett liegen musste. Sein Getreide zertrampelten sie dennoch. Aber den Hirsch bekamen sie an diesem Tag nicht mehr“.

Es kam die Revolution von 1789 in Frankreich. Während beim Einmarsch der französischen Revolutionstruppen in den Wäldern rund um Menschenhaus blutige Gefechte ausgetragen wurden, gelang dem Fürsten von Nassau-Saarbrücken von seinem Neunkircher Jagdschloss aus die Flucht. Es war das Jahr 1793, dasselbe Jahr, in dem der erste Waldhofbauer und Begründer von Menschenhaus starb, nachdem er bereits 1776 den Hof an seinen Sohn Johann abgetreten hatte.
Im Verlauf der kriegerischen Auseinandersetzungen im September 1793 beim Einmarsch der französischen Revolutionstruppen und später 1814 im Zuge der Befreiungskriege gegen Napoleon spielten sich in den Wäldern zwischen Menschenhaus und der Spieser Höhe einige Gefechte zwischen Franzosen einerseits und Preußen mit seinen Verbündeten, darunter auch Russen, andererseits ab. Spuren dieser Kämpfe fanden sich noch 100 Jahre später beim Fällen alter Buchen. Zahlreiche Kugeln, tief im Holz verwachsen, zeugten von der Vergangenheit.

Nach dem Sieg der Franzosen und dem nachfolgenden Baseler Frieden von 1795 wurde das gesamte linksrheinische Gebiet 1797 in vier Departements, darunter auch ein Departement de la sarre, eingeteilt und Frankreich einverleibt. Die Hauptstadt des Saardepartements war Trier. Zu ihm gehörte der Bereich des heutigen Saarlandes, der westliche Hunsrück, das Moseltal zwischen Trier und Trarbach und die westliche Eifel bis zur Region Prüm. Unsere engere Heimat kam mit 6 Mairien als Kanton Ottweiler zum Arrondissement Saarbrücken.
Nach der endgültigen Niederlage Napoleons wurden die vier Departements im 2. Pariser Frieden (1815) wieder dem Deutschen Reich zugeschlagen, die Herrschaften Nassau-Saarbrücken und Pfalz-Zweibrücken durch den Wiener Kongress aber nicht mehr errichtet.
Johann Mensch, der Sohn des Begründers von Menschenhaus, erwarb in dieser Zeit von den Franzosen den Hof seines Vaters als Eigentum. Er vergrößerte die Hoffläche durch Zukauf auf 80 Morgen. Dabei wurde er von dem berühmten Saarbrücker Hofmaler ­Johann Friedrich Dryander unterstützt, der ihm eine Summe von 700 rhein. Gulden lieh. Es kann angenommen werden, dass der Künstler auf seinen Malerstreifzügen, die er von Schloss Jägersberg in Neunkirchen aus unternommen haben mag, öfter auf dem Waldhof eingekehrt ist.

Von Johann Mensch ging das Anwesen an seinen Sohn über, der auch Johann hieß, und dann in der vierten Generation auf den Urenkel des Gründers Georg Daniel Mensch (1811 – 1869). Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits 21 Hofbewohner. Georg Daniel Mensch war 1814 als dreijähriger Junge von einer betrunkenen Kosakenpatrouille so misshandelt worden, dass er zeitlebens hinkte.

Aus der Ehe des Georg Daniel Mensch, die 1834 mit einer Cousine geschlossen wurde, die ebenfalls eine geborene Mensch war, gingen nur Töchter hervor. Und so erlosch im Jahre 1869 mit dem Tod des Georg Daniel Mensch das männliche Geschlecht auf dem Hofgut. Eine der Töchter erbte den Hof und verheiratete sich mit dem Landwirt Hussong, der den Hof lange bewirtschaftete, bis ihn seine Witwe 1895 verkaufte. Inzwischen war das Gut durch Erbteilungen und Verkäufe bis auf 25 Morgen zusammengeschmolzen. Der Resthof wurde an den Gerbermeister Scholz aus St. Ingbert verkauft. Er hielt ihn nur 10 Jahre und dann erwarb ihn im Jahre 1905 die Schlossbrauerei Neunkirchen, also vor ca. 110 Jahren. Von dem anfänglichen Plan des neuen Besitzers, durch Anlagen und Ausbau eine Art Sommerfrische zu schaffen, wurde nur die Errichtung einer Gastwirtschaft ausgeführt, die danach besonders im Sommer ein gern besuchtes Ausflugsziel wurde. Um dem landwirtschaftlichen Teil des Gutes eine bessere Grundlage zu geben, vergrößerte die Brauerei durch Ankäufe angrenzender Felder und Wiesen von verschiedenen Besitzern aus Kirkel und Eschweilerhof das Gut um etwa 55 Morgen. Gast- und Landwirtschaft ließ sie durch Pächter betreiben.
Kurze Zeit später ließ sich einer der Hauptgesellschafter der Schlossbrauerei Dr. Otto Schmidt mit seiner Frau Else an der Straßenseite ein großzügiges Landhaus im so genannten französischen Stil bauen. Sie liebten die ländliche Stille von Menschenhaus sehr. Nach dem Tod von Frau Else Schmidt wurde die Gastwirtschaft in die so genannte Villa Schmidt verlegt.
Die Brauerei ihrerseits verpachtete in den folgenden Jahren Hof und Lokal an die verschiedensten Interessenten, so folgten zeitlich aufeinander: Einsiedler, Lauer, Jenewein und dann für mehr als dreißig Jahre wurde das Gut von Vater und Sohn Kliver bewirtschaftet. Jacob Lauer versuchte sogar in Menschenhaus ein Kurhaus zu betreiben. Am 20. Juni 1942 wurde der Gaststättenbetrieb von Hans Kreimer, dem Besitzer des von Bomben zerstörten Cafe Vomwalde übernommen, während die Landwirtschaft von Herrn Kliver von Furpach aus weiter betrieben wurde. Als Herr Kreimer nach dem Krieg in sein wieder aufgebautes Kaffeehaus ziehen konnte, führte ein Herr Drunzer Menschenhaus bis 1950.

Im Jahre 1950 wechselte Menschenhaus erneut seinen Besitzer. Das gesamte Hofgut mit Gaststätte ging an Familie Geppert aus Neunkirchen über.
In den folgenden achtzehn Jahren, in denen das Ehepaar Geppert das Gasthaus führte, konnte es den Rut einer exzellenten Speisegaststätte erwerben. Und auch der kleine aber feine Hotelbetrieb in idyllischer Waldlage zog viele Gäste an. Auch der neu gegründete Rotaryclub Neunkirchen hielt seine Meetings in der Speisegaststätte ab. Zahl­reiche Prominente übernachteten in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts im Hofgut Menschenhaus und trugen sich dort ins Gästebuch ein. Allgemein bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Sport und Showgeschäft wie z.B. Zarah Leander, Marika Rökk und Max Schmeling verewigten sich darin mit Dankesworten und Grüßen. Es existieren noch zwei Gästebücher, eins aus den 1950er und eines aus den 1960er Jahren mit Grußadressen, teils mit Fotos, von bundesweit bekannten Künstlern und Sportlern (Bundesligamannschaften).

Nachdem das Ehepaar Geppert aus Altersgründen aufgeben mussten, wurde das Anwesen verkauft, d.h. die Gastronomie an Frau Sophie Berger aus München und die Landwirtschaft an die Firma Möst. Aber das war letztlich keine gute Lösung. Und obwohl die Schlossbrauerei ab 1970/71 wieder als Pächter auftrat und erheblich investierte (z.B. eine Kegelbahn baute) und das Haus insgesamt rustikal umgestaltete, sah sie sich bald personell überfordert. Die Besucherzahl wuchs beträchtlich und so wurden Unterpächter gesucht.

Diese betrieben das Restaurant in häufigem Wechsel:
Werner Vogler
Walter Lothar
Aug. 1972 bis Nov. 1976
Monika Burgwedel
Dez. 1976 bis Aug. 1977
Karsten Bach
März 1978 bis April 1979
Heinz Triem
April 1979 bis Okt. 1979
Jan Hofer
Nov. 1979 bis Juni 1981
Thekla Schmidt-Fouguet
Nov. 1981 bis Aug. 1985
Cornelis Tymstra
Mai 1987 bis Okt. 1991
Norbert Garatton
Feb. 1992 bis Juni 1992
Kurt Klein
Okt. 1994 bis Mai 2008
Katrin Decker-Lichtenthal
Sept. 2008 bis Okt. 2008
Mark Hoffmann
Nov. 2008 bis Juni 2010
Holger Ruffing
Juli 2010 bis Nov. 2011

Wie aus der Aufstellung erkennbar ist, waren die Eheleute Klein außer dem Ehepaar Geppert die einzigen, die als Betreiber des Hofgutes länger als ein Jahrzehnt durchhielten. Es fanden jetzt Bier- und andere Feste statt und wieder regelmäßige Tanzabende und in lauen Sommernächten auch Tanz im Freien.
Als das Ehepaar Klein das Restaurant betrieb, richtete ihr Sohn Timo Klein von 1990 bis 2003 im Stallgebäude einen Ponyhof ein und bot Reitstunden und Ausritte auf Island- und Shetlandponys an.

Schließlich erwarb Familie Grunder, Inhaber der Firma Grunder-Gourmet, im August 2014 das Hofgut von Peter Lichtental.
Sie richteten in einem Anbau an das Hauptgebäude, wo bis dahin Kegelbahnen waren, nach entsprechendem Umbau einen Veranstaltungsraum für ca. 150 Personen ein, die „Orangerie“, und im Hof errichteten sie ein neues Gebäude mit Platz für bis zu 400 Personen, das „Chalet“. Das bisherige Restaurant wurde danach renoviert und im Frühjahr 2016 als „Kaminlounge“ mit ca. 80 Sitzplätzen wieder eröffnet. Zu dem Restaurant gehört ein Biergarten vor dem Haus mit der Möglichkeit weitere 200 Sitzplätze im Außenbereich hinter dem Haus zu schaffen.

Die neuen Besitzer haben weitere Baumaßnahmen vor. Deshalb wurde eine Änderung des Flächennutzungsplanes beantragt. Damit befassten sich Stadt- und Ortsrat Neunkirchen mit dem Ergebnis, dass diese Änderung beschlossen wurde. Nach dem Antrag sollen zu dem vorhandenen Anwesen ein Hotel, ein Veranstaltungsraum und Pferdestallungen entstehen. Außerdem wird der vorhandene Parkplatz erweitert. Es werden bis zu 500 Parkplätze für Großveranstaltungen benötigt. Der Stadtrat hat in den letzten Wochen die Teiländerung des Flächennutzungsplans und den Entwurf des Bebauungsplans Menschenhaus gebilligt.

Quellen:
- Ahnenarchiv Dr. Paul Reuter
- Beiträger zur Ortsgeschichte Spiesen, Heft 2, Heimatverein Spiesen, 1964
- Heimatkundliche Plaudereien, Heft 1, von Bernhard Krajewski, 1975
- Vortrag zur Geschichte einer Waldbauernsippe von Dr. P. Reuter, 1972
- Neunkircher Stadtbuch von Rainer Knauf und Christof Trepech, 2005
- Arnold Nikolaus Wagner: Chronik zur Waldgeschichte des saarländischen Raumes, Elm 1998
- Holda Schulter: Das Hofgut Menschenhaus, in Hefte des Histor. Vereins Stadt Neunkirchen, 2006
- Geschichte des Menschenhauses, Chronik von Hermann Bartschmidt, 1998
- Hugo Geppert: Hotel-Restaurant Hofgut Menschenhaus, 1950
- Saarbrücker Zeitung vom 29.03.2016
- Werbebroschüre Grunder Gourmet aktuell vom 26.09.2016
- Stadtarchiv Neunkirchen, Bestand Karten und Pläne, Nr. 97, 247
- Stadtarchiv Neunkirchen, Amtsblatt des Saarlandes Nr. 14 vom 29.04.1981
- Saarland Stadtatlas, Reise- und Verkehrsverlag, Berlin1988
- Saarbrücker Zeitung vom 10.12.2016
 
Ende
Armin Schlicker

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