Vom Schwarzpulver bis zu Widbüchsen Teil 1

Zugriffe: 15
1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Bewertungen 0.00 (0 Abstimmungen)
Die Geschichte der Vorderlader- und Druckluftwaffen  
 
hvsn 01  
Reiter mit Feuerwaffe
„Die ersten Feuerwaffen“ da fällt auf, dass der Künstler hier ein eher ruhiges Bild gezeichnet hat, die Szene wirkt fast wie die Seite eines Kataloges. Schaut man etwas genauer hin, so erkennt man, dass die Handkanone des Reiters schon allein wegen der manuellen Luntenzündung kaum so mühelos zu handhaben war, wie die Zeichnung auf den ersten Blick vermittelt.
hvsn 02
Die Losheult-Büchse, die älteste bekannte Feuerwaffe in Europa. Bodenfund von 1861 aus Loshult
im ehemals dänischen Schonen, ca. 1330 (Statens historiska Museum, ­Stockholm, Inv.-Nr. 2891
hvsn 03
Büchsenschmiede
hvsn 04
Schnitt durch einen Vorderlader-Lauf, schematisch dargestellt. Die Schwanzschraube (l.) ist ausgebaut. Über dem Lauf: Kimme und Korn, unten: Öse zur Befestigung im Schaft
hvsn 05
Schwanzschrauben, verschiedene Formen.
Oben links: normale S. mit Nase (n) und ­Kimme.
Durch das Loch (s) geht die hintere Schlossschraube. Oben rechts: Hakenschwanzschraube mit Pulverkammer ­(gestrichelt). Unten: Kammerschwanz­schraube mit halbkugelförmigen Zündkanal nach französischer Art
hvsn 06
Radschloss
hvsn 07
Radschlossbüchse
Gefertigt von Johann Michael Maucher
(Schwäbisch Gmünd, 1645)
hvsn 08
Abbrennen des Zündpulvers
beim Radschloss
hvsn 10
Steinschloß-Revolvergewehr, Signiert:
Georg Ernst Peter (Carlsbad, 1700–1725)
hvsn 11
Englische Steinschlossmuskete mit dem Monogramm
von William und Maria zur Thronbesteigung
im Jahre 1688 versehen
 

1) Die Geschichte der Vorderlader
Als etwa 1955 in meiner Schule das Zeitalter der Alchemisten auf den Lehrplan kam, ließ unser Geschichtslehrer diese Zeit sehr lebendig werden mitsamt ihren „seltsamen“ Versuchen Gold herzustellen, irgendwie kam er auch zur Erfindung des Schwarzpulvers.
Vor allem wir Jungen waren beeindruckt, als wir hörten, dass ein Mönch mit Namen Berthold Schwarz das Schießpulver erfunden haben soll. Bei einem seiner vielen chemischen Versuche sei er während einer kleinen Pause überrascht worden, als die verhältnismäßig geringe Menge des zubereiteten Pulvergemischs unter heftigem Blitz und Donner den Stößel seines Mörsers tief in die Decke des Labors geschleudert habe. Heute wissen wir allerdings, dass sich in derselben Zeit auch mehrere Gelehrte in anderen Ländern mit dem Pulver befassten, wobei das Pulver wohl schon längst erfunden war. Hier ging es vermutlich eher um genaue Mischungsverhältnisse und die Reinheit der notwendigen Zutaten.

Lange Zeit haben verschiedene Nationen an ihrer eigenen Darstellung der Erfindung des Pulvers festgehalten. Doch in den letzten Jahrzehnten führten Untersuchungen und Vergleiche alter Schriften zu einem anderen historischen Sachstand. Die vorherrschende Meinung besagt, dass das Schießpulver auf verschlungenen Wegen aus Asien zu uns gekommen sein könnte. Liest man jedoch den sehr interessanten Webartikel eines Schweizer Chemikers der seit vielen Jahren Historiker ist und sich aktiv mit Vorderladern befasst, so erfährt man das aus seiner Sicht die wirkliche Geschichte des Schießpulvers (Schwarzpulver) noch immer im Dunkeln begraben liegt. Er glaubt nicht an „die neuen Interpretationen“ und begründet sehr sachlich warum er der Hypothese nicht folgen kann, dass das Schwarzpulver im 12. oder im 13. Jahrhundert über die Seidenstraße und den Nahen Osten nach Europa gekommen sein soll.

Das Schwarzpulver wird aus Salpeter, ca. 15% Holzkohle und etwa 10% Schwefel zusammen gemischt. Der Verkauf in Deutschland ist nur an Personen zulässig die nach Vorlage einer Feststellung ihrer Unbedenklichkeit in Fach- und Gesetzeskunde geprüft wurden und dann in den Besitz einer gültigen Erlaubnis nach § 27 des Sprengstoffgesetzes gelangt sind. Damit ist auch eine Erwerbsgenehmigung für Schwarzpulver und die Festsetzung einer bestimmten Menge verbunden, der Inhaber der Genehmigung darf auch Pulver unter Beachtung einiger Regeln transportieren. Gleichzeitig ist auch die Erlaubnis für den Umgang mit Schwarzpulver erteilt. Der Genehmigungsinhaber darf einen einläufigen Vorderlader mit Schwarzpulver laden, sowie mit Kugel und Zündmittel bestücken und an einem dafür eingerichteten Ort auf ein Ziel anlegen. Er darf die geladene Waffe aber auch einem anderen Schützen überreichen, dieser darf damit schießen, selbst wenn er keine Erlaubnis nach § 27 SpgG besitzt. Allerdings darf der Schützenfreund ohne diese Genehmigung keine Waffe mit Schwarzpulver laden und er darf auch nicht mit dem Pulver in irgendeiner Weise hantieren oder es sogar besitzen. Der Genehmigungsinhaber gehört damit einer Gruppe an, deren Rechte und Pflichten im Umgang mit Waffen oder Munition durch das Waffengesetz geregelt sind.

Die bekanntesten Organisationen sind in der Reihenfolge der Personenzahlen* des Jahres 2015 aufgezählt:
1.) Die Schützen (DSB) etwa 1,4 Millionen insgesamt.
2.) 2015 gab es etwa 375.000 Jagdscheininhaber.
3.) 310.970 Polizisten.
4.) Zur selben Zeit hat die Bundeswehr mit fast 180.000 Soldaten und 80.000 Reservisten nur 167.000 Gewehre (G 36) zu ihrer Verfügung gehabt.
5.) Die Gruppe der Zöllner ist hier mit etwas über 35.000 Waffenträgern die Kleinste.

Unbekannt ist die Zahl der Vorderlader-Schützen die folgerichtig nur Schwarzpulver benutzen. Es wird ebenfalls in großer Menge für Feuerwerk oder zum Böllerschießen verwendet, aber kaum noch für industrielle Sprengungen. Hier stehen für fast jeden Zweck moderne Sprengmittel bereit.

Private Versuche, Schießpulver herzustellen, sind übrigens streng verboten. Die Komponenten des Schwarzpulvers der „Frühzeit“ konnten durch einfaches Zusammenmischen nicht so fest (Mehlpulver) miteinander verbunden werden wie wir das heute kennen, so dass es sich während eines Transportes oft wieder entmischen konnte. Es lagerte sich dann Schicht für Schicht (gemäß der Wichte) in seinem Behältnis ab und war dadurch zunächst unbrauchbar. Doch schnell stellte man sich darauf ein und mischte das Pulver erst kurz vor Gebrauch an Ort und Stelle.
Um 1420 konnte das bisherige Verfahren in der Richtung verbessert werden, als es gelang, das Pulver in die Form haltbarer Körnchen zu bringen. Nach dem ersten Mahlen und Mischen wurde die so entstandene Grundsubstanz entweder mit Wasser, Ammoniak, Urin, Essig sogar mit Wein, Weinbrand oder anderem Alkohol angefeuchtet, danach wird es in irgendeine Form (z.B. kuchenähnlich) gebracht und getrocknet. Nach der Trocknung wurden die Kuchen gebrochen, dann gestampft oder gemahlen bis am Ende die Masse in kleine Kügelchen umgewandelt war. Diese konnten dann durch verschiedene Siebe in die gewünschten Körnungsgrößen sortiert werden. In jedem Körnchen waren die Bestandteile im exakten Verhältnis zusammengebacken. Dadurch war das Pulver um vieles leistungsfähiger geworden. Es hatte eine sehr gleichmäßige Qualität erhalten und konnte auch besser gelagert und transportiert werden. Die damals in größerer Zahl entstandenen Pulver-Mühlen und Pulver-Lager (Türme) waren durchaus problembehaftet und stellten wegen der Explosions- und Brandgefahr des Pulvers vor allem innerhalb befestigter Städte ein großes Risiko dar. Immerhin sorgte an vielen Orten die Obrigkeit dafür, dass die Pulverfabrikation in unbewohntes Gebiet oder vor die Stadtmauern verlegt wurde. Bei einigen schrieben die dafür Zuständigen, etwa ein Fürst oder ein verantwortlicher Baurat oder Stadtrat in die Genehmigungen hinein, wie hier im Beispiel: „… nicht weniger als 500 (1000 oder 3000) Schritte bis zur nächsten Behausung... (und ist ein Halbwall um jede Mühlen auf zu schütten)“. In einer rheinischen Stadt wurde nach einem verheerenden Brand das gesamte Areal nach kurzer Zeit wieder für denselben Zweck freigegeben. Die gesamte Anlage wurde moderner und größer wiederaufgebaut. Ein ehemaliger hoher Offizier hatte für die Pulverfabrik von seinem Fürsten einen Pachtvertrag erhalten, der ihm nach dem Tod des kinderlosen Grafen den uneingeschränkten Besitz der Anlage sicherte.

Kaum war das Schießpulver in Europa bekannt, machten sich einfallsreiche Köpfe daran, seine Kraft zum Schleudern von Steinen, Kugeln oder Pfeilen in irgendeiner Weise auszunutzen. Ab wann genau es in der damaligen Welt Kanonen und Handfeuerrohre gegeben hat weiß man auch heutzutage wohl immer noch nicht, indes bestätigen Objektfunde, Schriften und Zeichnungen, dass uns im Gebiet des heutigen Deutschland so ziemlich gegen Ende des ersten Drittels im 14. Jahrhundert die Feuerwaffen beschert wurden. Allerdings gibt es Meinungen für einen früheren Zeitpunkt. Die ersten „Feuerrohre“ und Kanonen waren meist aus Bronze hergestellt, weil Eisen in der damaligen Zeit noch nicht die erforderlichen Eigenschaften aufwies und viele eiserne Geschütze (Steinmörser, Bombarden) nicht selten schon beim ersten Schuss zerbarsten, deshalb wurden häufig Glockengießer mit der Fertigung von Feuerwaffen aus Bronze betraut.

Natürlich beherrschten die damaligen Meister und Gesellen ihr erlerntes Handwerk aber sie hatten sicherlich anfangs keine Vorstellung von der zerstörerischen Gewalt des Schießpulvers. Dementsprechend kamen auch hier „Stücke“ zustande die nicht hinreichend darauf ausgelegt waren und demzufolge auch nicht lange standhielten. Weil das Rohmaterial der Glockenbronze auch damals schon recht teuer war wurde es umgehend eingeschmolzen und wiederverwendet. Deshalb war so mancher alte Fund in seinem früheren Leben bereits einmal ein „Pusterohr“ gewesen und hatte, wenn nicht durch die oben erwähnte Fehlberechnung, wegen eines Gießfehlers oder einer zu starken Pulverladung seine „Seele“ ausgehaucht.

Das Einrichten der wackelig erscheinenden Gabelauflage, das Anhalten am Brustpanzer, gleichzeitiges Zielen (im falschen Winkel?) und das Abfeuern der Handkanone wird von dem einsamen Ritter wohl kaum alleine zu bewältigen gewesen sein, darum ging damals auch den Schützen ein Helfer zur Hand, der außer Lunten auch Feuerzeug, Pulver und Geschosse bei sich tragen musste. Außer mit Lunten wurde das Schießpulver vor allem bei großen Vorderladern (Kanonen) mit einem glühenden Draht, einem glühenden Eisenstück oder mit brennenden Kohlenstücken gezündet, diese Loseisen genannten Drahtstücke konnten in einem geschützten Kohlefeuer oder in einem Köcher am Glühen gehalten werden.
Bei der „ältesten, bisher bekannten“ Feuerwaffe um 1330 wurde ebenfalls eine „dritte Hand“ beim Zünden der Ladung gebraucht. Der Lauf ist innen leicht konisch, manche Historiker vermuten, dass sie dazu gedient hätten, Kugeln von unterschiedlicher (?) Größe verschießen zu können. Funde von Pfeilen aus dem Umland der Burg Eltz, die einer Fehde aus den Jahren 1331-33 zugeschrieben werden konnten, gaben jedoch Anlass zu einer Diskussion, ob die anfänglichen Feuerwaffen nur diesem Zweck gedient hätten, also Pfeilbüchsen gewesen wären.
Aus den Anfängen gibt es nur wenige Funde, ihnen konnten Alter und Herkunft zugeordnet werden. Viele Büchsen oder Handkanonen aus dieser Zeit liegen vermutlich noch immer in der Erde alter Schlachtfelder verborgen. Auch wenn nur relativ wenige Feuerwaffen aufgefunden wurden, so sind sie aber auf alten Gemälden oder Zeichnungen teilweise in vielen unterschiedlichen Ausführungen dargestellt. Zum Anlegen haben dort dem Ritter aber Eisenstange und Gabel gedient, wie man hier sieht wurde lediglich ein Holzstab verwendet, etwa in der Form eines Besenstiels. Irgendwann kamen Balkenschäfte auf, ähnlich wie sie damals an einer Armbrust verwendet wurden. Befestigt wurden die „Feuerrohre“ mit Seilen, Metallbändern oder Ringen. Diese S-förmigen Schäfte brachten eine bedeutende Veränderung, weil sie erlaubten über den Lauf hinweg zu zielen. Günstiger wurde die Situation, als der Zündkanal von der Oberseite des Laufes zur rechten Seite wanderte. Hierdurch wurde das Anvisieren eines Zieles noch weiter vereinfacht. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstanden Handfeuerwaffen deren Läufe aus Eisen um einen Dorn herum geschmiedet wurden, diese entsprachen in Form und Größe schon fast dem heutigen Muster. Um 1440 wurde eine weitere Verbesserung erzielt.
Über ein am Schaft angebrachtes Hebelwerk konnte ein S-förmiger Hebel mit am Ende eingeklemmter Lunte so bewegt werden, dass deren glimmendes Ende auf die Pulverpfanne herunterfuhr wodurch der Schuss gezündet wurde. Die Lunte wurde zum Laden heruntergenommen und vor dem Schuss wieder am „Hahn“ genannten S-Hebelchen aufgesteckt. Als das Zündloch aus der Visierlinie verschwunden war, erhielten im ausgehenden 15. Jahrhundert die Feuerwaffen schließlich dann auch so etwas wie Kimme und Korn, zu Anfang meist nur die Jagd- oder Schützenwaffen, wenn es die jeweilige Schützenordnung zuließ. Zu Anfang hatten die Mitglieder des immer weiter aufstrebenden Büchsenschmiede-Handwerks das Zündloch mit einer Kerbe oder einer Kuhle erweitert, ein Deckelchen über dem Zündloch oder der kleinen Pulverpfanne war nichts Neues, das hatte es an teuren Handfeuerwaffen auch schon viel früher gegeben damit das Pulver trocken blieb und nicht herausfiel.

Das fast gleichzeitig (1440) aufkommende neuartige Luntenschloss wurde zuerst einmal als normales „Drück“-schloss gebaut. Dabei wurde durch Drücken oder Ziehen an einer Stange unter dem Kolben der Hahn zum Zündloch oder zur Pulverpfanne hinab gesenkt und beim Loslassen drückte ihn eine Blattfeder wieder in seine Ausgangsstellung zurück. Bei einer späteren Version prägte die völlig andere Arbeitsweise den Namen Schnappschloss. Hier arbeitete eine stärkere Feder, die den Hahn nach Ziehen des Abzugs schlagartig in die Pulverpfanne absenkte. Beim Schnappschloss wurde eine Sicherungsrast (oder ähnliches) erforderlich. In dieser Stellung konnte der Schütze den Hahn nicht mehr mit dem Abzug lösen. Durch die neuen Luntenschlösser war nicht nur der zweite Mann überflüssig geworden, gleichzeitig konnte der Schütze sich auch viel besser auf den Zielvorgang konzentrieren und den Schuss genau zum richtigen Zeitpunkt setzen.
Das den Hahn-Mechanismus tragende und zum Teil auch schützende Blech wurde Schlossblech genannt. In der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts fanden Waffenschmiede heraus wie sie den Lauf und die Bohrung gesondert bearbeiten konnten. Wurde der rückwärtige Verschluss bisher durch einen fest eingeschlagenen, bisweilen auch seitlich verkeilten Metallpfropfen gebildet, ersetzte man jetzt diesen festen Stopfen durch die sogenannte „Schwanzschraube“. Diese wurde nun auch als hinterer Lagerpunkt des Laufes am Schaft genutzt indem eine Holzschraube von oben durch die „Nase“ nach unten ins Holz eingedreht wurde. Oft wurde in dieser Zeit über eine Bohrung in der Schwanzschraube und einen von der Gegenseite durchgeschobenen Gewindebolzen zum Schlossblech hin eine Fixierung hergestellt. Der Lauf war im vorderen Schaftteil sehr sorgfältig eingebettet und meist mit Bolzen befestigt.
Bei Waffen, die mit einer Hakenschwanzschraube versehen sind, liegt der Lauf nach wenigen Sekunden frei in der Hand und kann mit heißem Wasser ausgespült werden, das ist die schnellste Methode um den Pulverschmauch zu entfernen. Aber auch Läufe die zeitraubender vom Schaft zu trennen sind, weil man Schrauben aufdrehen muss, erfordern die gleiche sorgfältige Säuberung und Pflege. Schwarzpulver hat die Unart durch Rückstände das Laufinnere zu verkokeln und auch außen Pulverschleim durch entweichende Dämpfe abzulagern. Das ist vor allem bei den Systemen mit außenliegenden Pulverpfannen, auch etwas durch die Dämpfe des Mündungsfeuers zu verzeichnen. Die „General“-Reinigung zuhause umfasst auch die Außenreinigung mit heißem Wasser und sorgfältigem Nachreiben mit einem weichen, trockenen Lappen. Danach muss ein Pflegeöl wie Ballistol aufgetragen werden, das sollte im Gegensatz zu überschüssigem Waffenöl nicht abgewischt werden, es trocknet und hinterlässt eine mikrofeine, dünne Schutzschicht. Den Lauf kann man innen mit irgendeinem guten Öl als Rostschutz durchwischen. Der 1. Schuss beim nächsten Schießen kann mit ein oder zwei Filzstopfen abgegeben werden. Er sollte nicht zählen und wird auch Ölschuss genannt. Je sorgfältiger die Waffe gepflegt wird desto seltener hat man später mit „Standschäden“ zu tun, wenn etwa ein Rest Pulverschmauch mit der Luftfeuchtigkeit eine schwache Säure bildet die eine Fleckenbildung an der Brünierung (früher Bräunierung) verursacht.
Die Hinterschäfte der Langwaffen wiesen anfänglich sehr unterschiedliche Formen und Längen auf. Nicht wenige der frühen Ausführungen waren zu kurz, um das Gewehr an der Schulter abzustützen. Pistolen kamen erst so richtig nach der Erfindung des Radschlosses auf. Einige in unserem Raum speziell für Reiter gebaute Faustfeuerwaffen hatten einen langen „Griff“ mit einer recht geringen Krümmung und einem abschließenden starken Knauf, um ein Abgleiten aus der Hand zu verhindern. Die ersten Langwaffen musste man wegen ihres Gewichts abstützen oder auflegen. Bei 6 kg und mehr, einzelne kamen sogar noch weit über 15 kg hinaus. Damit hätte wohl kaum jemand sein Ziel getroffen. Gleichzeitig musste man sich Gedanken machen, um Lösungen gegen ungewolltes Schießen zu entwickeln, d.h. die Schlossmechanik so abzuändern, dass man die neuen Schlösser sichern konnte. Das war ein sehr wichtiger Aspekt.

Während das aufkeimende Handwerk der Büchsenschmiede (später Büchsenmacher) noch dabei war, sich einzurichten, brachten die jungen Meister sich nicht nur durch erste Entwicklungsschritte bei den Feuerwaffen ein, auch durch hohe Kunst, vor allem bei der Darstellung von Jagdszenen auf den Metallteilen oder mit Schnitzereien und Einlegearbeiten an den Schäften der Waffen.
Es gab Versuche die Nachteile des Luntenschlosses auszumerzen, es vielleicht auch durch etwas gänzlich Neues zu ersetzen. Schon Jahrtausende vorher hatte man durch Funkenschlagen auf Zunder Feuer gemacht. Zu der Zeit lag in jedem Hause ein Gerät um Feuer zu schlagen, ein Halter an dem ein Pyrit (Schwefel- oder Eisenkies) eingeklemmt werden konnte. Man hatte einen Feuerstahl an einer Dose und an einem einfachen Holzbrettchen befand sich dann die Reibfläche. Mit solch einfachen Mitteln erzeugte Funken konnten das Schwarzpulver tatsächlich leicht entzünden. Vielleicht hatten Anfang des 16. Jahrhunderts zwei Nürnberger genau diese Überlegungen angestellt, wonach ihnen die Entwicklung des Radschlosses gelang. Sie setzten eine Reibfläche auf die Außenseite eines kleinen Rades unterhalb der Pulverpfanne ein. Dieses Rad wurde durch einen Umlenkhebel oder ein Kettchen mit einer V-förmigen Schlagfeder verbunden. Spannte man das Rad mit dem dazu gehörenden Vierkantschlüssel so rastete der Abzug an einer bestimmten Stelle ein. Nun wurde noch ein Deckelchen weggedreht und der Hahn mit dem Feuerstein aufgelegt. Wurde durch Ziehen des Abzugs das Rad frei so drehte es sich heftig und die Funken zündeten das Zündkraut (Krut) genannte Pulver. Diese Waffen gab es bald nicht nur im westlichen Teil Europas. Doch waren sie wegen eines Nachteils im Gebrauch und wegen ihres hohen Preises sowohl für das Militär als auch für die Schützengilden nicht so interessant. Doch die adeligen Jäger und Hofgesellen hatten jetzt endlich eine Waffe die nach der Ladeprozedur ständig schussbereit war, dabei aber nicht den Geruch der glimmenden Lunte verströmte, die das scheue Wild schon von weitem vergrätzte.
Für eine Zeitlang kamen kunstvoll verzierte Radschlosswaffen als Geschenke bei Staatsbesuchen in Mode. Mit dem Radschloss wurden auch in unserem Raum die ersten Pistolen in einfacherer Ausführung von Kavalleristen mitgeführt. Die Glut einer Lunte war im Feld oft sehr verräterisch und bei regnerischem Wetter waren diese Waffen im Freien kaum zu gebrauchen. Trotzdem hielten sich Luntengewehre bei uns bis Ende des 17. Jahrhunderts, in Afrika und Indien noch lange darüber hinaus, vereinzelt sogar noch bis heute. An Radschlosswaffen erwies sich genau das fortschrittlichste Teil dieser besonderen Steinzündung als Hemmschuh, 1. durch seinen hohen Preis und 2. weil die innenliegenden Schlossteile durch den Pulverschleim schnell verkrusteten, irgendwann konnte sich das Rad nicht mehr drehen und das Schloss musste zuerst umständlich gesäubert werden. Als Zündsystem hatte das Radschloss die Tür einen Spalt weiter geöffnet, so aber blieben die Radschlosswaffen durch ihre Besonderheit meist den Reichen vorbehalten und sind je nach künstlerischer und technischer Ausführung heute bei Sammlern hochbegehrt.

Doch direkt hinter dem Radschloss rückte das Steinschloss nach. Es war viel einfacher und außerdem zuverlässiger. Es gilt als sicher, dass dadurch mehr Gewehre und Pistolen hergestellt wurden. Die neuen Waffen waren leichter zu handhaben und Gebrauchswaffen fielen bei weitem nicht so teuer aus wie Waffen mit Radschloss. Beide Systeme zeigen jedoch eindeutig so etwas wie verwandtschaftliche Nähe. War der Feuerstein richtig fixiert so ging das Steinschloss damit ein klein wenig schonender um. Bald kombinierten die Waffenschmiede das neue Steinschloss mit dem bereits vorhandenen Schnappschloss und fast die ganze Hahnmechanik wanderte zur Innenseite des Schlossblechs wodurch sie gleichzeitig gut geschützt war. Die außenliegenden Teile des Schlosses, des Laufs und der Batterie waren weiterhin den Pulverrückständen ausgesetzt, die man bis etwa 1900 Pulverschleim nannte.
Ständig forderte das Militär, irgendwie die Schussfrequenz der Waffen zu steigern. Das Laden dauerte beim Vorderlader halt eben seine Zeit und diesen Vorgang galt es anders zu organisieren. Es entstand ein Vorläufer der Patrone indem die genaue Pulvermenge und ein geeignetes Geschoss in einen Packpapierstreifen eingewickelt wurden, so dass am Ende ein geschlossener Papierzylinder entstand. Bald gab es Packungen mit 5 oder 10 Patronen die gut zu transportieren waren oder in eine Gürteltasche passten.
Nach dem Aufreißen der Patrone wurde zuerst das Pulver in die Mündung gefüllt und dann erst das Geschoss den Lauf hinuntergeschoben, wer am Ladestock eine Markierung anbrachte, konnte kontrollieren ob die Kugel auch richtig saß. Immer wieder wurden auch mehrschüssige Waffen gebaut, doch sie gerieten durch ihre Komplexität fast immer sehr aufwändig und teuer. Aus diesem Grund sind sie selten auch war damals nicht jeder Büchsenmacher in der Lage eine solche Waffe anzufertigen. Von der neben gezeigten sehr schön verzierten vierschüssigen Büchse bis zur Erfindung des Trommelrevolvers scheint es nur ein Schritt, aber mit dem Steinschloss war er wohl doch nicht zu verwirklichen. Aber nach mehr als 100 Jahren kamen die ersten Perkussionsmodelle und mit Metallpatronen gibt es ihn bis in die heutige Zeit.
Hier gibt es einen Haken zur Sicherung des Hahns, ist er eingehängt, so ist die Waffe gesichert. Wird der Hahn nach hinten gezogen, so presst man dadurch den Haken in seine Haltefeder und die Muskete ist schussfertig, wie hier im Bild.

Immer wieder gab es Versuche einen Lauf von der Rückseite her zu laden, allerdings fand man in der damaligen Zeit keine brauchbare Lösung, um die oft gut entwickelten Verschlüsse gegen die feuerheißen Gase abzudichten und der sich in Gewinden oder auf Dichtflächen absetzende Pulverschleim bot die Ursache, dass nach einer geringen Anzahl an Schüssen alles versagte.
Bei militärischen Auseinandersetzungen konnte beim Vorderlader der stockende Pulverschleim im heftigen Gefecht dazu führen, dass sich der Zündkanal zusetzte und ein Feldschütze zu einem umständlichen Reinigungsvorgang genötigt wurde, vor allem wenn der Lauf bereits geladen war. Bei den ständigen Problemen mit dem an der Laufwand anbackenden Pulverdreck versuchten die Schützen das „Waschen“ ihrer Läufe dadurch hinaus zu zögern, dass sie nach einigen Schüssen Kugeln eines kleineren Kalibers den Lauf herunterrollen ließen, allerdings war durch den Gasverlust und die schlechte Führung an der Laufwand die Flugbahn der Geschosse kraftlos und instabil. Um die Funktion der Militärwaffen sicherzustellen hatten die Hersteller Putzgeräte konstruiert, um die Läufe der Musketen wieder frei zu räumen. Allerdings war eine Anwendung im Liegen und durch die mentale Belastung während eines Gefechtes kaum möglich.

Quellenangaben:
Nachweis der Herkunft von Fotos und Zeichnungen

• R. Horlacher, H. Schankliss: Vorderlader, Schwäbisch Hall, 1980

• Hans-Dieter Götz: Vorderlader, Entwicklung Technik Laden Schießen, 1984. Das Buch ist seit Juli 2016 als 52,2 MB starke PDF-Datei im Internet frei verfügbar.

• Major F. Myatt: Enzyklopädie der Feuerwaffen des 19. Jahrhunderts, Köln, 1984

• Hans Sachs, Jost Amman: Der Büchsenschmidt in: Eygentliche Beschreibung aller Stände auff Erden, Frankfurt am Main, 1568

• Jonas Friedrich: Waffenfunde, Bauteile und Projektile von Fernwaffen (Armbrüste, Musketen, Arkebusen) am Beispiel Hamburg-Harburg, Bacheler-Arbeit vom 07. 04. 2014 an der Christian-Albrechts-Universität Kiel, Martrikel-Nr. 2822

• Wilfried Tittmann: Die Eltzer Büchsenpfeile von 1331/3, Teil 1 Waffen- und Kostümkunde, 1994 (korrigierte Fassung mit Nachtrag – Stand 2011)

• Test und Technik/Gatto-Radschlosspistole/Wie gerädert, entnommen der Zeitschrift Visier, Ausgabe Februar 2013

• Technik-Daten der Firma Feinwerkbau, Westinger & Altenburger GmbH, 78727 Oberndorf am Neckar

• Katalog der Fa. August Stukenbrok, Einbeck von 1908. Leider kein Original, es ist ein Nachdruck von Frankonia aus den 1980er Jahren

• Webseite von Beeman entnommen der die Girardoni-Geschichte und seiner Windbüchse. Welche Pumpe Beeman verwendet hat, ist nicht bekannt. Eine Zeichnung stammend von 1935 bei Link: www.beeman.net/Austrian%20airguns.htm

• Ulrich Bretcher: Eine „etwas andere“ (einleuchtende und verständliche) Darstellung der Schwarzpulver-Geschichte, dazu ein Video über die Handhabung einer Handkanone auf der Seite/Link www.musketeer.ch/blackpowder_geschichte.pdf

Für die Funktion der aufgeführten Links kann leider keine Haftung übernommen werde, zuletzt am 29.10.16 überprüft.

 
Ende Teil 1
Fortsetzung folgt
Ein Bericht von Dieter Schmidt

Kommentar schreiben

Kommentar-Regeln

Es versteht sich, dass Beiträge mit sittenwidrigem oder rechtswidrigem Inhalt auf unserem Server nicht geduldet werden.
Sie verpflichten sich, keine Beiträge zu veröffentlichen, die gegen geltendes deutsches Recht verstoßen.
Wir erwarten, dass Sie einen höflichen und sachlichen Ton wählen.
In Kommentaren ist Lob ebenso willkommen wie scharfe, sachbezogene Kritik. Alle Kommentare von Schmähkritik werden jedoch nicht akzeptiert. Ebenso tolerieren wir keine Angriffe auf Personen in herabsetzender Form.
Weiterhin unerwünscht sind anstößige Bemerkungen, Fäkalsprache, sexistische Begriffe, rassistische Inhalte oder Anstoß erregende Formulierungen.
Eine anonyme Kommentierung wird von uns nicht veröffentlicht, stehen Sie zu dem was Sie meinen.

Wir behalten uns vor, Ihren Zugang zeitweilig oder auf Dauer zu sperren, wenn Sie die Regeln missachten.

Ihr Team vom Stadtmagazin "es Heftche"®


Sicherheitscode
Aktualisieren

maennchen 01