Die Bombenangriffe der Alliierten Teil 3

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Luftkriegsereignisse auf Städte und Dörfer in der Region
 
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B-26 Bomber
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Das zerstörte Bürgermiesteramt
in der Wellesweilerstraße.
Phase V
September 1944 bis März 1945: Der taktische Luftkrieg

Mit dem Fortschreiten der strategischen Bomberoffensive der beiden Bomber Commands – der 8. US-Air Force und der britischen RAF – begann parallel hierzu bereits im September 1944 die 9. US-Air Force zusammen mit der 1. Taktischen (provisorischen) Air Force (1.TACAF) Angriffe zur Vorbereitung der alliierten Schlussoffensive auf das Deutsche Reich. Hauptziele waren militärische Einrichtungen und Nachschubwege, wie zum Beispiel Straßenknotenpunkte, Eisenbahneinrichtungen, Brücken und häufig auch verteidigte Ortschaften (Defended Towns), in denen beim Vorrücken der US-Truppen Straßenkämpfe zu erwarten waren sowie Truppenkonzentrationen. Neben Bahn­­anlagen auch Kommunikationszentren, Brücken, Nachschub Depots Munitionslager. Bevorzugte Ziele auch Straßen- und Bahntransporte. Die Angriffe erfolgten vorzugsweise mit mittelschweren 2-motorigen Bombern vom Typ B-26 Marauder und A-26B Invader sowie mit Jagdbombern vom Typ P-47 Thunderbolt und P 38 Lightning. Diese hatten mit fortschreitendem Raumgewinn der alliierten Invasionstruppen inzwischen ihre Basen von England nach Frankreich auf die ehemaligen Flugplätze der Deutschen Luftwaffe verlegt und damit die Ereichung der Ziele in Deutschland erleichtert.
Bereits am 29. September 1944 wurde das Dorf Wemmetsweiler von einem Angriff überrascht. Die Einheit, bestehend aus 22 Bombern vom Typ B-26 Marauder der 386. Bombergruppe der 9. US-Air Force, hatte an diesem Freitag ihr ursprüngliches Ziel, Befestigungsanlagen bei Webenheim, bei dichtem Bodennebel nicht aufnehmen können. Der Einheitsführer suchte daher auf dem Rückflug ein geeignetes Ausweichziel um die Bomben loszuwerden. Er fand die Straßenbrücke in Wemmetsweiler über einem Eisenbahneinschnitt und die Grube Reden. Nach Trennung des Verbandes in zwei Teilgruppen warfen 6 Maschinen über der Grube Reden 48 Zweieinhalbzentner Sprengbomben ab und verursachte schwere Schäden an den Grubengebäuden und der vorbeiführenden Eisenbahnlinie. Zwei Bergleute verloren ihr Leben. Die zweite, aus 14 Maschinen bestehende Gruppe verfehlte komplett ihr Ziel, traf aber die Wohnhäuser südlich und nördlich des Bahneinschnittes. 224 Zweieinhalbzentner Sprengbomben zerstörten 17 Wohnhäuser in denen 22 Bewohner starben.
Im Februar/März 1945 war die 9. Air Force mit Jagdbombern und zweimotorigen Bombern ständiger Gast im östlichen Saarland und über der Westpfalz. Angriffe auf Zweibrücken, Pirmasens und Neunkirchen verursachten schwere Schäden und forderten viele Opfer unter der Zivilbevölkerung.
Ein Güterzug auf der Bahnanlage im Bereich der Grube Reden war am Montag, dem 19. Februar 1945 das Ziel eines einzelnen Flugzeuges, wahrscheinlich ein Jagdbomber, der bei einem Bombenangriff auf einen Güterzug diesen um wenige Meter verfehlte und mit seinen zwei Bomben die am Bahndamm vorbeiführende Straße traf und das dortige Postamt und die Gastwirtschaft Bosel traf. Dabei kamen 7 Bewohner und Kunden des Postamtes ums Leben. Bei einem Angriff von 8 Jagdbombern am 16. März auf die Grube Reden mit Spreng- und Napalmbomben starben drei Bergleute. Einen Tag davor, am 15. März, einem Donnerstag, traf es die Stadt Neunkirchen. Es sollte der bisher schwerste Angriff des Krieges werden.
205 zweimotorige Bomber vom Typ B-26 und A-26A legten in 65 Minuten die Stadt in Trümmern. 93 Bewohner fanden den Tod im Bombenhagel. Die relativ geringe Opferzahl ist dem Umstand zu verdanken, dass von den 42.000 Einwohnern zu diesen Zeitpunkt bereits ein großer Teil die Stadt verlassen oder in den zahlreich vorhandenen Luftschutzbunkern – für 24.000 Menschen, also für die Hälfte der Bewohner, standen Plätze in einem Bunker zur Verfügung –  die Schutz gesucht hatten. Vier Tage später hatten die Truppen der 3. (Gen. Patton) und der 7. (Gen. Pietch) Armee die Stadt besetzt, die zu diesem Zeitpunkt eine tote Ruinenstadt war. In der Gesamtbilanz der zivilen Luftkriegstoten liegt Neunkirchen mit ca. 390 Opfer an der Spitze. In den umliegenden Ortschaften dürfte die Zahl zwischen 80 und 100 Opfern liegen.

Anmerkungen:
Definitionen im Zusammenhang mit militärischem Handeln:
Doktrin = Lehre, Handlungsgrundlage, Zielvorstellung für die Kriegsführung
Strategie = Plan zum Erreichen eines militärischen Ziels unter Einkalkulieren derjenigen Faktoren, die in das eigene Handeln hineinspielen könnten.
Taktik = Spontane auf die jeweilige Situation zugeschnittene militärische Aktionen.

Weitere Anmerkungen:
Die Nutzung von „Luftfahrzeugen“ zu Kriegszwecken war allerdings bereits seit mehr als 200 Jahren, also bereits vor der Erfindung des Flugzeuges, bekannt. Im 1. Koalitionskrieg Frankreichs gegen Österreich und die Niederlande im Jahr 1794 kam der damalige Heerführer Baron Morvea auf die Idee Ballons zur Beobachtung des Gegners – sozusagen als erhöhter „Feldherrenhügel“ – einzusetzen. General Bonaparte nahm drei Jahre später die Idee auf und gründete eine Ballonkompanie. In den USA entstand 1861 das US-Heer eine aeronautische Abteilung mit sieben militärischen Beobachtungsballons und 1870/71 setzte das französische Heer 60 Ballons ein, um Nachrichten zu den Truppen außerhalb des belagerten Paris zu schicken. Auf die Idee, Luftfahrzeuge zum Töten des Gegners und zur Vernichtung von Zivilisten und deren Wohnanlagen war bis zum Beginn des 1. Weltkrieges noch keiner gekommen. Die blieb dem ersten Weltkrieg vorbehalten.

Der Einsatzbefehl der 9. US Air Force vom 15. März 1945:
„Target: Neunkirchen communi-cation network. Q596829. The pri-mary objection here is to destroy the road junction in the town, however since supplies and troops may be in the town, the whole town is a target.” (Quelle: NARA).
Ende 
Dr. Horst Wilhelm

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