Die Bombenangriffe der Alliierten Teil 2

Zugriffe: 479
1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Bewertungen 0.00 (0 Abstimmungen)
Luftkriegsereignisse auf Städte und Dörfer in der Region
 
hvsn_04  
Zerstörte Gebäude des Walhalla-Kinos
hvsn_05
Zerstörte Gebäude des Walhalla-Kinos
Der verpasste Angriff auf Neunkirchen wurde vier Tage später am 27. Mai, dem Pfingstsamstag des Jahres 1944 nachgeholt. An diesem Tag befanden sich insgesamt 930 Bomber, B-17 und B-24, der US-Air Force zusammen mit 710 Begleitschutzjägern im Luftraum über Westdeutschland zu verschiedenen Zielen, insbesondere Eisenbahnanlagen im Südwesten, auf den Weg. 214 B-24 Liberator nahmen Kurs auf den Saarraum. 143 Bomber warfen ihre Bomben über dem Bahnhofsbereich der Stadt Saarbrücken ab, 66 Liberator nahmen den Neunkircher Bahnhof ins Visier und setzten ihre Bombenlast, 164 Tonnen Spreng- und Brandbomben, über den Bahnanlagen zwischen Bahnhof, Oberschmelz und Schlawerie bis Sinnerthal sowie über dem Gelände des Eisenwerkes und der Oberstadt ab. Weitere Bombeneinschläge streuten zwischen Kohlwald über Bauershaus bis in den Südteil der Stadt über der Hermannstraße und entlang der Straße in Richtung Kirkel. 48 Bewohner sowie Eisenbahner im Dienst und Fahrgäste auf den Bahnsteigen fanden den Tod.
Nach dem Bericht der städtischen Schadenskommission mit Baurat Ertz, Architekt Brück und Bauinspektor Urschel wurden von den Wohnbereichen die Frankenfeld- und die Hasselbachstraße in Sinnerthal, die Redener Straße, die Oberschmelz und die Schiffweilerstraße am stärksten betroffen. 70 Wohnhäuser wurden schwer beschädigt oder erlitten Totalschäden. Nach dem Bericht der Saarbrücker Flakgruppe 631 verlor die 8. USAF an diesem Tag über dem Saarraum fünf Bomber.
Kaum zwei Monate später forderte am 19. Juli ein erneuter Angriff der 8. USAF auf Bahnhof, Walzwerk und umliegende Wohnbereiche 14 Opfer unter der Zivilbevölkerung. Die Schadenskommission registrierte 18 zerstörte und 18 schwer beschädigte Wohn- und Geschäftshäuer in der Innenstadt. Zwei B-24 Bomber der 34. Bomber Group wurden von der Saarbrücker Flakgruppe 631 abgeschossen und stürzten zwischen Bildstock und Landsweiler-Reden (Madenfelder Hof) ab. 20 von 21 Besatzungsmitgliedern fanden den Tod. Der Angriff der RAF auf Saarbrücken in der Nacht vom 4. auf den 5. Oktober machte die Gauhauptstadt zu einer Ruinenstadt. 531 viermotorige Lancaster- und 20 zweimotorige Moskito-Bomber zerstörten fast 7.000 Wohn- und Geschäftshäuser. 344 Einwohner fanden den Tod. Die rot-grünen Zielmarkierungen, die wie Christbäume vom Himmel schwebten, waren über den Bildstocker Höhen bis nach Neunkirchen sichtbar. Und bis zum frühen Morgen zeugte der brandrote Horizont im Südwesten von der brennenden Stadt.
Einen Monat später, am 4. November, hatte die 8. USAF mit 164 B-17 fliegenden Festungen erneut die Stadt Neunkirchen im ­Visier. Der bis dahin schwerste Angriff forderte 175 Tote und verursachte schwerste Schäden im Eisen- und Stahlwerk und der Kokerei mit der Benzolanlage sowie am Güterbahnhof. 270 Wohn- und Geschäftsgebäude wurden total zerstört. Nach der „Bomben-Ladeliste“ der 8. Air Force Einsatzleitung wurden 1.832 Fünf-Zentner Sprengbomben bei diesem Angriff abgeworfen.
Am 30. November erlitt die gesamte Stadt erneut schwerste Bombenschäden. Um die Mittagszeit hatten 180 B-24 Liberator bei tief hängender, geschlossener Wolkendecke die Stadt von Süden angeflogen und ihre Bombenschächte bereits über der Scheib geöffnet. Die „Bomben-Ladeliste der AF verzeichnete diesmal 7.167 Einzentner Sprengbomben und 349 Fünfzentner Brandbomben­kanister, die auf das gesamten Stadtgebiet bis nach Wiebelskirchen niedergingen. Die Schadenskommission verzeichnete schwere Schäden im Eisenwerk, der Kokerei und dem Benzolwerk. Das Walzwerk Nord musste stillgelegt werden. Schäden auch an der Schachtanlage Hermine und auf der Grube Dechen. Die gesamte Verkehrs-Infrastruktur wurde auf das Schwerste in Mitleidenschaft gezogen: Wegen Schäden an den Gleisanlagen auf allen Bahnlinien an Haupt- und Nebenstrecken wurden der Eisenbahnverkehr für mehrere Tage völlig eingestellt.
Schwer hatte es auch die Neunkircher Straßenbahn getroffen. Über weite Strecken waren Gleis und Oberleitungen stark beschädigt, und da zudem vier Stromgeneratoren total zerstört worden waren, musste der ­Straßenbahnverkehr zeitweilig, auf einigen Strecken auch längerfristig, stillgelegt werden. Im gesamten Stadtbereich wurden 155 Wohn- und Geschäftshäuser total zerstört. Als der Tag zu Ende ging hatten 28 Einwohner ihr Leben verloren.
Einer der schweren viermotorigen Bomber wurde von der seit zwei Wochen in Homburg-Limbach stationierten Batterie der Flakgruppe 631 abgeschossen und stürzte in die Andreasstraße. Der Pilot konnte sich mit dem Fallschirm retten, die übrigen neun Besatzungsmitglieder starben in den Flugzeugtrümmern. Ein zweiter angeschossener Bomber schaffte es noch bis nach Lothringen, wo er abstürzte. Mit zwei schweren Angriffen auf Neunkirchen und den gesamten östlichen Landesteil am 27. und 28. Dezember ging das Jahr 1944 zu Ende. Wieder erlitt die Stadt schwerste Wunden: Am 27. Dezember luden 57 B-24  ihre Bomben, 989 Zweizentner-Sprengbomben und 92 Kanister mit tausenden gebündelten Stabbrandbomben, über Bahnanlagen und Wohngebieten ab und zerstörten 67 Wohngebäude. Ein Tag später waren es 18 B-24, die den Bahnhof und die Bahnlinie entlang der Strecke nach Schiffweiler bombardierten. Diesmal verzeichnete die „Ladeliste“ 457 Zweizentner- und 12 Fünfzentner-Sprengbomben, 2.500 gebündelte Stabbrandbomben und 22 Napalmkanister à 30kg.
Mit zwei Angriffen auf Orte der Ostregion des Saarlandes und die Westpfalz – Ziele waren Bahnhöfe und Bahngleis-Anlagen – verabschiedete sich die 8. US-Air Force. Zweibrücken wurde am 13./14. März 1945 noch einmal von der RAF heimgesucht. Der Auftrag an die 230 Lancaster-Bomber: „Blockierung der Verkehrswege, um den Zugang und den Rückzug deutscher Truppen und deren Nachschub zu verhindern“. 192 Leichen wurden nach dem Angriff aus den Trümmern der zu 80% zerstörten Wohngebäude geborgen.
In der Ostregion Saar waren außer der Stadt Neunkirchen auch immer wieder die Ortschafen Schiffweiler und Landsweiler-Reden von den Angriffen des Jahres 1944/45 betroffen. Neben den Bahnlinien in Richtung Saarbrücken über Landsweiler-Reden und in Richtung Lebach über Schiffweiler war es vor allem der dortige Mühlbachviadukt, der sich als ein strategisch wichtiges Ziel darstellte. Diese Eisenbahnbrücke hätte im Falle ihrer Zerstörung auf Grund ihrer Lage und Bauweise diese wichtige Eisenbahnstrecke zur Versorgung des Westwalls und einer
V2-Stellung bei Losheim langfristig lahmgelegt. Wegen der schwierigen Anflugverhältnisse wurde die in einer Talsenke versteckte Brücke bei den insgesamt fünf Versuchen, sie durch Bomben zu zerstören, aber nie getroffen und hat den Krieg wie ein Wunder unversehrt überstanden. Allerdings haben die Fehlabwürfe zahlreichen Bewohnern in Schiffweiler das Leben gekostet.
Ende des 2. Teils, Fortsetzung folgt
Ein Bericht von Dr. Horst Wilhelm

Kommentar schreiben

Kommentar-Regeln

Es versteht sich, dass Beiträge mit sittenwidrigem oder rechtswidrigem Inhalt auf unserem Server nicht geduldet werden.
Sie verpflichten sich, keine Beiträge zu veröffentlichen, die gegen geltendes deutsches Recht verstoßen.
Wir erwarten, dass Sie einen höflichen und sachlichen Ton wählen.
In Kommentaren ist Lob ebenso willkommen wie scharfe, sachbezogene Kritik. Alle Kommentare von Schmähkritik werden jedoch nicht akzeptiert. Ebenso tolerieren wir keine Angriffe auf Personen in herabsetzender Form.
Weiterhin unerwünscht sind anstößige Bemerkungen, Fäkalsprache, sexistische Begriffe, rassistische Inhalte oder Anstoß erregende Formulierungen.
Eine anonyme Kommentierung wird von uns nicht veröffentlicht, stehen Sie zu dem was Sie meinen.

Wir behalten uns vor, Ihren Zugang zeitweilig oder auf Dauer zu sperren, wenn Sie die Regeln missachten.

Ihr Team vom Stadtmagazin "es Heftche"®


Sicherheitscode
Aktualisieren