Der heimatliche Raum zur Römerzeit

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So entstand „es Heefche“ – der „Bayerische Kohlhof“
 
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Wirtschaft Brill-Landa, Höfchen 69
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Wirtschaft Bayrisch Kohlhof, Höfchen 65
Quellenangabe
  • Aufzeichnungen von Ernst Daniel, Limbach
  • „Beiträge zur Limbacher Geschichte“ von Gerd Imbsweiler
  • „1755 – Homburg/Saarbrücken“ von Martin Baus, Altstadt
 
Wie unser heimatlicher Raum vor 2000 Jahren zur Römerzeit aussah, ob bewaldet, wie weit unbewaldet, das lassen uns heute nur noch steinerne Bodendenkmäler erahnen.
Diese römerzeitlichen Wohn-, Kult- und Grabstätten erstrecken sich in unserer Heimat an der Blies von „wibilicherica“ (Wiebelskirchen) über den Kasbruch (Neunkirchen/Wellesweiler), den Kohlhof mit „Lang Gewann“ und „Täufergarten“, Limbach mit dem „Galgenberg“, „beim Friedhof“, „der Moosbach“, dem „Speckenbruch“ und der „Harrau“ bis zur „Silbersandquelle“ von Kirkel.


Dieser Funderaum wurde eingegrenzt vom Hirschberg, dem mittleren Bliesverlauf im Osten und „Forbacher Wald“ und „Kirkeler Wald“ (circulum) im Südwesten.
Regionale Grenzmarkierungen spielten erst ab dem Mittelalter und der Neuzeit eine Rolle, wie es die erste großräumige Kartierung durch den Zweibrücker Kartografen Tilemann Stella (1564) belegt. So haben alle diese Funstätten von Neunkirchen bis Kirkel eine gemeinsame Frühgeschichte.
Als Vorwerk „Lützelholzer Schäferei“ des nassauischen Hofguts Forbach wird 1749 eine Schafzucht genannt. Ab 1812 wird mit Andreas Limbach dieser „Lützelholzer Hof“ zum Kohlhof. Die Grenzsteinsetzung von 1756 mit mehr als 300, 80 cm hohen Buntsandsteinen (von St. Arnual bis Werschweiler i. Ostertal), in unserem Raum mit den Falltorhäusern beim „Faulenberg“ (bei Grenzstein No. 214, Falltersknecht Johann Nikolaus Mensch) und am Neunkircherweg (bei Grenzstein No. 194 – Torhausweg) als Übergänge durch den Wildzaun von Nassau-Saarbrücken nach Pfaltz-Zweibrücken. Sie erinnern heute noch an die beiden benachbarten Fürstentümer.
Bereits 1295 erwähnen die „Regesten“ des Klosters Wörschweiler „dass der Zehnte zu Mosbach /Limbach gen Werschweiler gehörig sei, wann diese Äcker vom Kloster gebaut werden. 1343 „verkaufte Reimer, genannt Riemer zu Mosbach dem Kloster Werschweiler um 12 ½ Pfund Heller die Güter an Böschen, Wäldern und Wiesen, die anfangen beim Woog von Eischweiler, den Grund hinauf bis in die Wälder von Vorpach....“
Nach Dr. Ecker (Kirkel und seine Burg) umfasste dieses Riemergut die Walddistrikte Moosbach, Kanzlei und Buchwald (heute Aussiedlerhof Korst). 1755 brachte der „Homburger Act“ zwischen den beiden Fürsten von Nassau-Saarbrücken und Pfaltz-Zweibrücken den genannten Beisitz zu Pfaltz-Zweibrücken. 1756 nennt man diesen Riemerbesitz „Herrschaftlicher Kohlhof“.
Nach der Vermessung durch Sundohl von 1763 liegt dieses Land „zwischen den Tiefentäler Wäldern über den Neunkircher Weg hinaus zu den Grenzsteinen No. 40, No. 41, No. 42, No. 43 bis zum Hoheitsstein No. 44, allwo es sich in Niederbexbacher und Limbacher Weidstrich zuspitzet“.
Zu dieser Zeit übernimmt dort am Falltor (No. 40) der Altstadter Wilhelm Hauser 28 Morgen für 55 Gulden, 7 Batzen, 8 Pfennige in Erdbestand. Schon 1772 gibt er wegen schlechter Bewirtschaftung und eines „Pfuschwerks von Haus“ auf. (Er war ein schlecher Hauser!) Der Homburger Oberamtsdiener Couturier übernimmt diese Erbpacht, die seine Witwe dann aber 1791 glücklos wieder aufgibt.
Zwischen 1791 und 1794 beginnt nun erst die eigentliche beständige Besiedlung des „Hofs“ des „Heefches“. Der Altstadter Johann Jakob Christian Bach (geb. 1754, gest. 1808) und seine Ehefrau Katharina Salome, geb. Brabänder gelten durch Zuzug als die Gründer des späteren Ortes mit ihren 51 Morgen Ackerland (Höfchen No. 61 und No. 63). Ihnen wurden (laut Kirchenbuch von Limbach) zu den bisherigen 5 Kindern dort 1794 ein Sohn und 1796 die Tochter Maria Katharina Bach geboren-
Durch den Wiener Kongress von 1815 wird aus der bisherigen Grenze der beiden Fürstentümer die Staatsgrenze des Königreichs Preußen und des Königreichs Bayern. Der Bayerische Kohlhof hat nun seinen heutigen Namen. Nach dem Tod des Ortsgründers Johann Jakob Christian Bach übernahmen die Söhne Christian Bach (1780 – 1851) mit Ehefrau Katharina, geb. Baus aus Altstadt, sowie Sohn Ludwig Bach (1783 – 1828) mit Ehefrau Maria, geb. Wagner vom Bliesbergerhof das Erbe des Vaters.
Deren Töchter, Enkelinnen des Joh. Jak. Christian Bach, heiraten Männer aus Limbach. Maria Magdalena Bach (Tochter des Christian Bach) heiratete Ludwig Lehmann (geb 1814, gest. 1869) mit 21 Morgen Land und Katharina Bach (Tochter des Ludwig Bach) ehelichte Daniel Brill (geb. 1805, gest. 1882) mit 17 Morgen Acker. So soll dann 1872 vom 3. Sohn Ludwig (des Ludwig Lehmann) als Wirt und Bergmann die Wirtschaft „Bayrisch Kohlhof“ (Höfchen No. 56) und Sohn des Daniel Brill, Jakob Brill die Wirtschaft „Brill – Landa“ (von Frau Hirlanda) evt. 1897, jedenfalls vor 1904 (Höfchen No. 69) gebaut worden sein.
Eine zahlreiche Nachkommenschaft der Sippen Lehmann und Brill sowie die damit verbundene Erbteilung des Landbesitzes bewirkten, dass die bäuerlichen Betriebe als Vollerwerbsbetriebe unrentabel wurden. Aber die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts schuf rund um diese Bauerndörfer das Angebot von Arbeitsplätzen in Eisenwerk und Steinkohlebergbau. So wurde der bäuerliche Haupterwerb für viele „Höfcher“, Limbacher und Altstadter... zum Nebenerwerb als „Hütter“ oder „Hennesje“. Ludwig Lehmann und Daniel Brill gaben 1900 als ihren Beruf Wirt und Bergmann an.
Diese Industriearbeiter aus all den z.B. um Neunkirchen gelegenen Orten hatten jede Woche 6 Arbeitstage mit 8–10 Arbeitsstunden und einen viele Kilometer langen Hin- und Heimweg („Hartfüßlerwege“ heute zum Wandern angeboten). Wen wunderts, dass besonders auf dem Heimweg erschöpfte Arbeiter vom Höfchen, aus Limbach, Altstadt... sich in den beiden Wirtschaften vom „Heefche“ stärken mussten. 1875 gab es dort gerade einmal 8 Wohnhäuser, wozu man wohl keine zwei Gasthäuser benötigt hätte, und bald auch einen Tanzsaal für gesellige Anlässe, 1928 auch einen Männerchor und 1919 sogar einen gemischten Gesangverein.
Zahlreiche Limbacher verkürzten den Weg zu Grube oder Hütte schon bald durch einen Hausbau auf dem Bayrischen Kohlhof.
Dem Preußischen Kohlhof nacheifernd erhielten die „Heefcher“ 1922 elektrischen Strom und 1927 eine öffentliche Wasserleitung. Spätestens nach dem 2. Weltkrieg verband eine Postbus-Linie zu Schichtwechselzeiten Neunkirchen mit Limbach. Besonders erfolgreich waren dann die 252 wahlberechtigten „Höfches“ in ihrem Widerstand gegen die Eingliederungsbemühungen seitens der Stadt Neunkirchen. Seit 1974 (letztendlich ab 27.11.1985) sind sie als Ortsteil „Bayrisch Kohlhof“ in die Großgemeinde Kirkel-Limbach integriert.
Den liebenswerten ruhigen Dorfcharakter haben sie sich bewahrt, wenn auch ein Wirtshaus den Bach-Nachkommen als Kommunikationspunkt seit 2008 fehlt.
 
Günther Gensheimer

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