Daniel Strohm und Söhne Teil 2

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Neunkirchen 1867–1997 – Chronik eines Familienbetriebes
 
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Daniel Strohm 1905
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Anzeige über die Errichtung eines Kupolofens.
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Adolf Carls Strohm 1905
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Schlossermeister in Neunkirchen um 1910
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Gesellenbrief von 1910 mit Daniel Strohm
als Vorsitzenden.
Daniels Söhne, Adolf Carl, geb. am 22.08.1876 und Friedrich Wilhelm, geb. am 29.07.1880 erlernten von 1891 bis 1894 bzw. von 1894 bis 1897 im väterlichen Betrieb das Schlosserhandwerk, gingen dann nach dem Militärdienst bei der Artillerie bzw. der Marine jedoch zunächst eigene beruf­liche Wege. Adolf Strohm legte am 1. September 1903 die Meisterprüfung vor dem Prüfungsausschuss der Handwerkskammer Saarbrücken ab und besuchte anschließend das Technikum in Strelitz, während sich sein jüngerer Bruder zusätzlich zum Mechaniker und Dreher ausbilden ließ und im Zeit­raum von Mai 1898 bis August 1899 seinen 1887 nach Dennison/ Ohio ausgewanderten Onkel Heinrich Carl Strohm besuchte. Dieser hatte in den Jahren 1870 bis 1872 im Betrieb seines Bruders Daniel in Neunkirchen ebenfalls eine Schlosserausbildung absolviert.
Während seines Aufenthaltes in den USA arbeitete Friedrich u.a. in einer Maschinenfabrik in Pitsburgh/Pennsylvanien und erwarb dort die Qualifikation zum Drehermeister. Nachdem Daniel Strohm seinem ältesten Sohn am 01.07.1903 die Führung der Werkstätten in der Irrgartenstraße in Teilhaberschaft übertragen hatte, wurde der Betrieb in den Folgejahren räumlich und maschinell kontinuierlich erweitert und durch den Handel mit Maschinen und technischen Anlagen ergänzt. Während Adolf den kaufmännischen Bereich mit der Buchführung übernahm, war Friedrich Strohm für die Produktion zuständig.
Am 01.07.1908 wurde die Eisenwarenfabrik Daniel Strohm & Söhne im Handelsregister von Neunkirchen eingetragen, womit der entscheidende Schritt vom Bearbeitungs- zum Fabrikationsbetrieb auch offiziell vollzogen worden war.  Infolge der guten Auslastung  durch Aufträge von Hütte und Grube konnten erhebliche Investitionen getätigt werden, die 1911 u.a. zur Errichtung einer Gießerei für Grau- und Rotguss in der Irrgartenstraße führten. Neben einem Kupolofen mit einer Wochenkapazität von 1000 kg Gusseisen wurde ein Tiegelschachtofen für Messing- und Bronzeguss betrieben.
Die Mechanisierung wurde 1912 durch die Anschaffung eines Sauggasgenerators vorangetrieben, der unter Anbindung an das neu installierte Neunkircher Gasnetz den steigenden Strombedarf  der Firma sicherstellte. Durch die Inbetriebnahme der Gießerei wurde der Betrieb von der Zulieferung teilbearbeiteter Gussteile unabhängig und war nun in der Lage, den Herstellungsprozess vom Rohstoff  bis zum Endprodukt eigenständig durchzuführen. Folge davon war die Ausdehnung der Fabrikation auf  Eisenschränke, Förderwagenbeschläge, Kohlenrutschen, Spülversatzröhren, Gesteinsbohrer, Wetterlutten, Riemenscheiben sowie Werkzeuge und Armaturen für den Grubenbedarf. Hierbei wird die Bedeutung der Grube König als größter Auftraggeber deutlich. Am 1. Januar 1913 wurde den Söhnen der Betrieb in der Irrgartenstraße in eigener Verantwortung zu gleichen Teilen übertragen, während der Vater die Schlosserei in der Synagogenstraße weiterführte. Im Juli 1914 erfolgte eine Aufteilung der Zuständigkeit, wobei Adolf die mechanische Werkstatt mit der Maschinenhandlung und Friedrich die Gießerei übernahm.
Mit der schritt weisen Übergabe des Betriebes an die Söhne konnte Daniel Strohm seinen ehrenamtlichen Einsatz für kommunale und regionale Belange ausweiten. Neben seiner Funktion als Innungs-Obermeister und Vorsitzender des Prüfungsausschusses für das Schlosserhandwerk fand 1910 die Berufung in die Handwerkskammer Saarbrücken statt. Nach der Eröffnung der Armenküche und des Holzhofes im Kriershof  wurde er zudem noch in demselben Jahr zum Verwalter dieser Einrichtung bestellt, die er bis zum Ende des Ersten Weltkrieges leitete.
1911 erfolgte seine Wahl als Vertreter der Arbeitgeber zum Beisitzer beim Gewerbegericht und im folgenden Jahr zum Mitglied der Einkommenssteuer-Voreinschätzungs-Kommission in Neunkirchen. Anfang 1914 befand sich die Eisenwarenfabrik Strohm auf  ihrem wirtschaftlichen Höhepunkt und  hatte sich mittlerweile zum größten mittelständischen Metallbetrieb im Kreis Ottweiler entwickelt.
Während 1903 lediglich 3 Lehrlinge, 1 Geselle sowie einige Arbeiter beschäftigt wurden, war die Belegschaft der Firma im Juli 1914 bereits auf  25 Mann angewachsen.
Jährliche Investitionen führten zur laufenden Ergänzung und Modernisierung der Maschinenausstattung. So verfügte der Betrieb neben der Gießerei und der dampfhammerbetriebenen Schmiede im Produktionsbereich u.a. über 4 Spitzendrehbänke, davon eine mit 8 m Spitzenweite, je eine Plan- und Revolverdrehbank sowie Fräs-, Stoß-, Metallhobel- und Gewindeschneidmaschinen. Im Zuge der zunehmenden Mechanisierung wurde 1914 anstelle des Gasmotors eine Lanz-Dampfmaschine mit einem Kesselvolumen von 0,830 cbm, 10,76 qm Heizfläche und 7 Atm Überdruck bei 12 m Schornsteinhöhe in der Irrgartenstraße errichtet, die zum Antrieb sämtlicher Maschinen über Transmissionen diente. Mit dem Ausbruch des1. Weltkrieges erfolgte zunächst eine abrupte Unterbrechung der Produktion durch Einberufungen zum Militärdienst sowie Rohstoffmangel.
Ende des 2. Teils, Fortsetzung folgt
Ein Bericht von Wilhelm Strohm

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