Daniel Strohm und Söhne Teil 1

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Neunkirchen 1867–1997 – Chronik eines Familienbetriebes
 
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Daniel Strohm 1865
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Daniel Strohm 1880
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Meisterbrief des Friedrich Wilhelm Strohm
Die Neunkircher Familie Strohm entstammt einem alten Bauerngeschlecht aus dem Oberemmental im Kanton Bern. Die Vorfahren wanderten 1671 als mennonitische Glaubensflüchtlinge in die Kurpfalz ein und ließen sich 1839 in Homburg nieder, wo sie zur protestantischen Kirche übertraten.
Der Betriebsgründer, Daniel Strohm, wurde hier am 29.06.1845 geboren und absolvierte von 1860 bis 1862 eine Schlosserlehre bei der pfälzischen Eisenbahn.
Nach der Ausbildung ging er, wie damals üblich, als Handwerksgeselle über Neunkirchen und Karlsruhe fünf Jahre auf Wanderschaft und arbeitete dabei in Werkstätten und Manufakturen im Elsass, in der Schweiz, in Österreich und Norddeutschland sowie im Bergischen Land. Von April bis Oktober 1867 leistete er seinen aktiven Militärdienst beim 2. bayerischen Feldartillerie-Regiment in Germersheim ab und verlegte danach seinen Wohnsitz am 19.11.1867 nach Neunkirchen, wo er als Altgeselle im Schlosserhandwerk tätig war. Der aufstrebende Industriestandort hatte seine Einwohnerzahl in den Jahren von 1850 bis 1865 von 2860 auf 6.285 mehr als verdoppelt und zählte 1871 bereits 9.565 Bürger.
Am 09.08.1868 wurde Daniel Strohm in den Vorstand des 1861 gegründeten Handwerker-Kranken-Unterstützungsvereins, der späteren Handwerker-Krankenkasse gewählt, und ließ sich am 22.01.1869 als erster selbständiger Schlossermeister in Neunkirchen nieder. Nach einem Verzeichnis von 1867 übten damals lediglich fünf Schmiede und drei Klempner das Metallhandwerk außerhalb von Grube und Hütte aus. Wenige ­Monate nach seiner Heirat am 12.04.1870 mit Wilhelmine Wentzel, der Tochter des Schmiedemeisters Ludwig Wentzel, brach der deutsch-französische Krieg aus, an welchem er mit seinem Feldartillerie-Regiment u.a. an den Belagerungen der Festungen Bitsch und Belfort teilnahm.
1872 erwarb er ein Grundstück in der unteren Schloßstraße, der späteren Synagogenstraße 5 und heutigen Irrgartenstraße und errichtete hier eine Schlosserwerkstatt, die er in den Jahren 1873 und 1879 aufstockte und erweiterte. Am 15.07.1873 wurde Daniel Strohm auf Antrag über die Bezirksregierung Trier in den preußischen Untertanenverband aufgenommen, nachdem er bereits ein Jahr zuvor das Bürgerrecht der Gemeinde Neunkirchen erworben hatte.
Nach der damaligen Gesetzeslage war der selbständige Gewerbetreibende verpflichtet, 3 Jahre nach der Gründung eines stehenden Betriebes das Bürgerrecht in der entsprechenden Gemeinde zu erwerben. Ab 1874 nahm er als Mitgründer und Abteilungsführer der Freiwilligen Feuerwehr und ab 1877 als Gründungsmitglied des Gewerbevereins am kommunalen Geschehen ersten Anteil.
In den Jahren 1884/85 übernahm die Schlosserei Strohm die Ausführung sämtlicher Schlosser- und Schmiedearbeiten einschließlich des Turmkreuzes an dem Neubau der Marienkirche. 1886 wurde mit der Herstellung von Kochherden begonnen, deren Produktion bis zum Beginn der zwanziger Jahre den Schwerpunkt des Betriebes bildete. Die patentierte Fabrikation von Kochsparherden für Privathaushalte und Hotelküchen wurde am 24.09.1889 auf der Landwirtschaftsausstellung in Neunkirchen mit der Silbermedaille ausgezeichnet.
1892/93 errichtete Daniel Strohm auf dem Werkstattgelände in der Synagogenstraße 5 ein zweistöckiges Wohn- und Geschäftshaus, wobei die Läden im Erdgeschoss der Herdausstellung dienten. Am 12. September 1898 fand die Gründungsversammlung der Schlosserinnung Neunkirchen unter seinem Vorsitz statt. Das Jahr 1900 brachte als Großauftrag die Ausführung der Schlosser- und Schmiedearbeiten an dem Neubau des Realgymnasiums in der Größenordnung von 9.600 Reichsmark.
In den beiden folgenden Jahren konnte die Schlosserei aufgrund der günstigen Wirtschafts- und Auftragslage durch Investitionen erweitert, mechanisiert und mit größerer Produktpalette ausgebaut werden. Zu diesem Zweck war 1901 in der Irrgartenstraße Grubengelände erworben worden, auf welchem unter Beibehaltung der Schlosserei in der Synagogenstraße eine mechanische Werkstätte und Bauschlosserei mit Schleiferei und Galvanisierungseinrichtung errichtet wurde.
Als Antriebsaggregat wurde ein Gasmotor der Firma Deutz installiert, der mit aus Erdspalten strömenden Grubengasen (Methan), die mittels einer Glocke eingefangen werden konnten, betrieben wurde. Der zunehmende Maschineneinsatz sowie der arbeitsteilige Prozess bei der Metallbearbeitung bildete den Übergang vom Handwerks- zum Fabrikationsbetrieb. Neben den weiterhin in größerem Umfang hergestellten Sparkoch- und Hotelherden wurde die Produktion auf Baubeschläge sowie auf Telegraphen-, Telefon- und Blitzableiteranlagen ausgedehnt. Am 08.10.1902 wurde Daniel Strohm zum Obermeister der neu gegründeten Zwangs-Innung der Schlosser, Schmiede, Klempner und Installateure in der Bürgermeisterei Neunkirchen gewählt. Zuvor hatte die bestehende Schlosserinnung mit der Stimmenmehrheit ihrer Mitglieder die Einführung des Beitrittszwanges für sämtliche Gewerbetreibende des Metallhandwerks beschlossen und sich gleichzeitig aufgelöst.
1905 waren in der Zwangsinnung 33 Meisterbetriebe, nämlich zwölf Schlosser, zehn Schmiede, sieben Klempner, zwei Installateure sowie ein Nagelschmied und ein Mechaniker mit 13 Gesellen und 96 Lehrlingen zusammengeschlossen. 1912 zählte die Innung 38 Mitglieder mit 20 Gesellen und 90 Lehrlingen. Neunkirchen hatte sich inzwischen mit 36.402 Einwohnern (1905) zur größten Landgemeinde Preußens und zu einem Zentrum der Schwerindustrie im südwestdeutschen Raum entwickelt. Die Belegschaft des Eisenwerkes war auf 5.387 Arbeiter, Angestellte und Beamte angewachsen.
Ende des 1. Teils, Fortsetzung folgt
Ein Bericht von Friedrich Wilhelm Strohm

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