Die Polizeidienstgebäude in Neunkirchen Teil 3

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Ordnungshüter seit Mitte des 19. Jahrhunderts
 
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Gendarmeriegebäude im Hundshof, heute Kriershof
Quelle: Archiv Horst Schwenk
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Polizeirevier 10 in der Zweibrücker Straße 46/46a
Quelle: Archiv Horst Schwenk
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Polizeikommissar Mathias Klos
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Polizeirat Theodor Trost
Quelle: Heimatverein Winterbach
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Das „Polizeipräsidium“ Neunkirchen
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„Äscheschutt“ mit Häusern der Parkstraße und der Philippstraße
Quelle: Archiv Werner Raber
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Polizeipräsidium und Stadtpark im Bau
Quelle: Stadtarchiv Neunkirchen, Abt. II-B/9, Nr.2
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Polizeipräsidium
vor der Rohbaufertigstellung 1938
Quelle: Archiv Horst Schwenk
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Zerstörtes Rathaus in der Wellesweilerstraße
Quelle Archiv Werner Raber
Quellen
  • 22. Landesaarchiv Saarbrücken, Bestand: Befehlshaber der Ordnungspolizei im Wehrkreis XII
  • 23. Hans Kirsch: Sicherheit und Ordnung betreffend, Kaiserslautern 2007, S. 320
  • 24. RGBl. I, S. 414, Landeszeitung Nr. 87, v. 30. 03. 1935
  • 25. Stadtarchiv Neunkirchen, Verwaltungsbericht der Stadt Neunkirchen für die Zeit vom 21. März 1945 bis 31. März 1947
  • 26. ABl. der Verwaltungskommission des Saarlandes, Nr. 56, v. 11. 12. 1946, S. 240
  • 27. Stadtarchiv Neunkirchen,
    Beschlussbuch der Bürgermeisterei Neunkirchen
Schon kurz nach der Reichstagswahl vom 5. März 1933 hatte die Entmachtung der Länder begonnen. Durch mehrere Gesetze wurde allmählich eine Gleichschaltung auf Reichsebene erreicht. Am 5. Februar 1934 richtete der Reichsminister des Innern an die Innenminister der Länder und an alle Reichsstatthalter einen Schnellbrief mit dem Inhalt, dass er nunmehr namens des Reiches die Polizeihoheit im Reichsgebiet übernehme. Nachdem Forderungen nach Schaffung einheitlicher Befehlsverhältnisse für die Polizei in der Zentralinstanz schon 1935 laut geworden waren, wurde durch Erlass Hitlers vom 17. Juni 1936 Heinrich Himmler zum Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei im Reichsministerium des Innern ernannt und ihm die Bearbeitung aller Polizeiangelegenheiten übertragen. Im Einvernehmen mit dem Reichsminister des Innern unterteilte Himmler seinen Geschäftsbereich durch Erlass vom 26. Juni 1936 in einen ordnungspolizeilichen und einen sicherheitspolizeilichen Zweig.

Jeder Zweig erhielt einen Chef
1. Dem Chef der Ordnungspolizei, General der Polizei Daluege, wurden unterstellt: die Schutzpolizei, die Gendarmerie/Landjägerei und die Gemeindepolizei.
2. Chef der Sicherheitspolizei wurde der SS-Gruppenführer Heydrich. Ihm wurden unterstellt: die Kriminalpolizei und die Politische Polizei (22).
So wurde auch die kommunale Polizei in Neunkirchen und in Wiebelskirchen verstaatlicht und mit der Gendarmerie zur Ordnungspolizei zusammengefasst. Gendarmerie und Polizei wurden zum 1. April 1937 auch auf den Reichshaushalt übernommen (23).
Bei der Neuordnung des Polizeiwesens nach der Rückgliederung wurde mit Verordnung des Reichsministers des Innern vom 22. März 1935 die Zuständigkeit des Polizeipräsidiums Saarbrücken auf die Kernbereiche des Industriereviers ausgedehnt, nämlich auf die Bürgermeistereien Gersweiler, Völklingen, Dudweiler, Sulzbach, Fried­richsthal, Wemmetsweiler, Bischmisheim, die Stadt Neunkirchen und auf die Gemeinden Wiebelskirchen, Landsweiler sowie Merch­weiler (24). Zum 30. April 1935 wurde dann eine Neueinteilung und Durchnummerierung der Polizeireviere im Präsidialbereich vorgenommen.

Für Neunkirchen wurden erneut zwei Polizeireviere geschaffen:
1. Polizeirevier 9 in Neunkirchen, Kuchenbergstraße 2. Zuständigkeit für den nördlichen Stadtbezirk (Unterstadt) und die östlich gelegenen Stadtteile Wellesweiler und Kohlhof sowie die Gemeinde Wiebelskirchen mit den Außenstellen
a) Revierzweigstelle Wiebelskirchen in Wiebelskirchen, Friedrichstraße 11a
b) Landposten Wellesweiler
c) Landposten Kohlhof
2. Polizeirevier 10 in Neunkirchen, Bürgermeisteramt in der Wellesweilerstraße. Zuständigkeit für den südlichen Stadtbezirk sowie die westlich gelegenen Stadtteile Sinnerthal, Heinitz und die Gemeinden Landsweiler, Wemmetsweiler und Merchweiler mit den Außenstellen
a) Revierzweigstellen je in Landsweiler, Heiligenwald, Wemmetsweiler und Merchweiler
b) Landposten Sinnerthal
c) Landposten Dechen-Heinitz
Nach der Fertigstellung des Polizeipräsidiums 1938 wurde das Polizeirevier 9 dorthin verlegt und hatte nun die Zuständigkeit für die Unterstadt sowie für Wiebelskirchen und Sinnerthal. Das Polizeirevier 10 bekam neu angemietete Diensträume im 1. Obergeschoss der  Anwesen  Zweibrücker Straße 46 + 46a. Dort gab es in der 1. Etage einen Durchbruch zwischen den beiden Häusern. Die Zuständigkeit erstreckte sich auf die Oberstadt, Heinitz, Kohlhof und Wellesweiler. Auch die Kriminalpolizei wurde umorganisiert. Die Kriminalpolizeistelle Saarbrücken gliederte sich in drei Inspektionen. Zu der Kriminalinspektion III gehörte auch das Außenkommissariat Neunkirchen. Es war für die Bearbeitung des gesamten Deliktsspektrums in den Dienstbezirken der Polizeireviere 9 und 10 zuständig, soweit keine Spezialisten notwendig waren. Diese Kriminaldienststelle war ebenfalls im Polizeipräsidium untergebracht und zwar im 2. Obergeschoss. Dort befinden sich übrigens die Diensträume der Kriminalpolizei bis in die heutige Zeit. Ebenfalls war im neuen Polizeigebäude eine Außenstelle der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) untergebracht. Leiter des Abschnittskommandos der Ordnungspolizei in Neunkirchen war zunächst der Polizeimajor Gottlieb Nagel und Leiter der Kriminalpolizei der Kriminalkommissar Theodor Trost.
Beim Kriegsende verließ der letzte Leiter des polizeilichen Abschnittskommandos Neunkirchen, der Polizeimajor Wandel, kurz vor dem Einzug der Amerikaner am 20. März 1945 mit dem größten Teil seiner Beamten die Stadt in Richtung Rhein (25).
Am 21. März 1945 war für Neunkirchen mit dem Einmarsch der Amerikaner der Krieg zu Ende. Unmittelbar danach waren die Amerikaner wegen der vielen Plünderungen und Straftaten durch freigelassene Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter gezwungen, sofort wieder eine funktionierende Polizei zu installieren. Schon am 22. März waren einige in Neunkirchen noch anwesende Polizeibeamte zu einer städtischen Polizei unter Leitung des Polizeikommissars Mathias Klos zusammengestellt worden. Kurz danach setzten die Amerikaner am 2. April 1945 den 1935 von den Nationalsozialisten aus seinem Amt entfernten Bürgermeister Dr. Blank wieder ein. Er ernannte den ebenfalls am Ort anwesenden Kriminalkommissar Trost zum Chef der neuen kommunalen Polizei und verlieh ihm den Dienstgrad Polizeirat. Erst mit Verordnung vom 15. November 1946 wurde die gesamte Polizei im Saarland wieder verstaatlicht (26).
Im Neunkirchen der Nachkriegszeit gab es noch eine polizeiliche Besonderheit und zwar eine Dienststelle der französischen Súreté, die zunächst im Polizeipräsidium residierte und später  ein Gebäude an der Ecke Willi-Graf-Straße/Quellenstraße bezog. Diese Dienststelle führte in den ersten Jahren sozusagen die Fachaufsicht über die Dienststellen der kommunalen Polizeien im Kreis. So war die Besatzungsmacht dann jederzeit über das wesentliche Geschehen im Land informiert.
Im Polizeipräsidium gab bzw. gibt es seit 1945 Dienststellen der für den Kreis Neunkirchen/  Ottweiler zuständigen Schutzpolizei mit den nach und nach unterschiedlichen Bezeichnungen: Polizeiinspektion Ottweiler, Polizeiinspektion Ost, Polizeiinspektion Neunkirchen, Polizeidirektion Ost, Polizeibezirksinspektion Neunkirchen. Ihnen waren bzw. sind  örtlichen Polizeidienststellen im Kreis nachgeordnet. Unabhängig von dieser schutzpolizeilichen Organisation gab bzw. gibt es in dem Gebäude eine Kriminaldienststelle, die nacheinander unter den Bezeichnungen Kriminalabteilung, Kriminalaußenstelle,  Kriminaldienststelle und Kriminalkommissariat geführt wurde. Aus diesen Aufzählungen lässt sich leicht ablesen, wie oft die Polizei im Saarland seit 1945 schon umorganisiert worden ist.
Die örtliche Dienststelle der Schutzpolizei für die Stadt Neunkirchen firmierte zunächst unter der Bezeichnung Polizeidienststelle (PD) 23, dann Polizeirevier, Polizeiinspektion und die für Wiebelskirchen unter der Bezeichnung PD 26. Zur Abdeckung der Fläche waren den Polizeidienststellen Polizeiposten nachgeordnet.

So hatte die Polizeidienststelle Neunkirchen solche Polizeiposten:
- in Wellesweiler in der Eisenbahnstraße, zuletzt im Gebäude der Sparkasse
- in Furpach erst im Geißenbrünnchen und zuletzt im Gutshof
- in Heinitz in der Grubenstraße  
- auf dem Storchenplatz
- und auf dem Schaumbergring

Die Wiebelskircher Dienststelle hatte einen Polizeiposten:
- in Hangard in der Straße An der Ziegelhütte
- in Münchwies

Nachdem Wiebelskirchen, Hangard und Münchwies 1974 Stadtteile von Neunkirchen geworden waren, wurde das vorher selbständige Polizeirevier Wiebelskirchen ab 1993 zu einem Polizeiposten des Reviers Neunkirchen. Zuletzt war diese Dienststelle im „Wibilohaus“ untergebracht, bevor sie später ganz aufgelöst wurde.
Die Kriminaldienststelle Neunkirchen firmierte zunächst unter der Bezeichnung KD 9. Ihr waren Kriminalaußenstellen in Ottweiler und anfänglich auch eine in Landsweiler nachgeordnet. Zur Zeit gibt es nur noch eine zentralisierte Polizeiorganisation nämlich eine Polizeibezirksinspektion mit Zuständigkeit für ganz Neunkirchen, Ottweiler und Spiesen-Elversberg mit einem nachgeordneten Kriminaldienst für die Bearbeitung der kleinen und mittleren (örtlichen) Kriminalität. Nur noch in den eigenständigen Kommunen Ottweiler und Spiesen-Elversberg gibt es Polizeiposten.
Außerdem gibt es in Neunkirchen ein Kriminalkommissariat zur Bearbeitung der Schwerkriminalität und der Kapitaldelikte in den Kreisen Neunkirchen, St. Wendel und Saarpfalz.

Nun zum sogenannten Polizeipräsidium:
Schon kurz nach der Rückgliederung ins Deutsche Reich hatten die Stadtverordneten von Neunkirchen im Mai 1935 die Absicht erklärt, dem Reich ein Grundstück zur Errichtung eines Polizeidienstgebäudes kostenlos zur Verfügung zu stellen.
Mit Entschließung des Bürgermeisters nach Beratung mit dem Stadtrat vom 09. April 1937 wurde dann offiziell ein 20,74 ha großes Grundstück an der damaligen Falkensteinstraße zur Errichtung eines Polizeidienstgebäudes kostenlos übereignet27. Außerdem übernahm die Stadt die Verpflichtung „die Versorgungsleitungen für Gas, Wasser und elektrischen Strom bis zu den Zählern auf eigene Kosten“ legen zu lassen. Das Gelände, wie auch das unterhalb befindliche Gelände, auf dem fast gleichzeitig der Stadtpark entstand, war eine frühere Mülldeponie, ein „Äscheschutt“. Das Gebäude wurde nach kurzer Bauzeit schon 1938 fertig gestellt.
Nach den Vorstellungen der jetzt regierenden Nationalsozialisten sollte das neue Dienstgebäude die für den heutigen ostsaarländischen und den westpfälzischen Raum der Westmark zuständige Polizeibehörde aufnehmen. Das galt dann aber nur bis 1945.
Bis heute wird das Gebäude in Neunkirchen allgemein als „Polizeipräsidium“ bezeichnet, obwohl nie eine Behörde mit dieser Bezeichnung darin untergebracht war. Das ca. 100 m lange dreigeschossige Gebäude bildet heute den Abschluss des Stadtparks, der bis 1945 Hindenburgpark hieß, in südwestlicher Richtung. Es hat unter dem südlichen Gebäudeteil 2 Kellergeschosse. Darüber befinden sich ein Erdgeschoss und 2 Obergeschosse mit Diensträumen. Die Büroräume befinden sich auf der Vorder(Park-)seite des Gebäudes. Auf der Rückseite befinden sich nur die Flure über die gesamte Länge. Im Kellergeschoss unter dem nördlichen Gebäudeteil waren sogar noch Pferdeställe eingerichtet, die anfänglich offenbar auch noch genutzt worden sind. Das Gebäude verfügte auf ca. 1600 qm über insgesamt ca. 90 Büroräume, 2 Sitzungssäle und Räume für den Polizeigewahrsam, die Haustechnik und Lagerräume im Kellergeschoss. In dem untersten Kellergeschoss auf der Südseite waren während des 2. Weltkrieges Luftschutzräume für die Polizeibediensteten aber auch für die umliegende Zivilbevölkerung eingerichtet. Von diesen Luftschutzräumen führte ein Notausgang zu einem unterirdischen Stollen unter der Falkenstraße hindurch in den tiefer gelegenen Stadtpark.
Das Gebäude blieb während des 2. Weltkrieges von nennenswerten Zerstörungen verschont, obwohl rund 75 % der Gebäude in der Innenstadt bei insgesamt 15 Bombenangriffen der Alliierten zerstört oder schwer beschädigt worden waren.
Da während des Krieges neben vielen Privathäusern und öffentlichen Gebäuden auch das Bürgermeisteramt völlig zerstört worden war, wurde 1945 ein Großteil der Räume im Polizeipräsidium für die Stadtverwaltung freigemacht (von 1945 bis 1946 war die Polizei im Saarland ja auch kommunal organisiert). So war das Gebäude bis zum Bau des neuen Rathauses 1962 auch das Rathaus. Als das Polizeipräsidium offiziell Rathaus war, wurde der untere Teil der Philippstraße, der unter dem Dienstgebäude hindurch in die Falkenstraße einmündet, von 1945 bis zum 08. Mai 1962 zur Rathausstraße. 1951 hielt die Stadtverwaltung noch 75% des Gebäudes besetzt und bis 1961 noch 44 Räume, also etwa die Hälfte der Bürofläche. Das neue Rathaus der Stadt Neunkirchen war 1961/62 errichtet worden. Am 16. April 1962 zogen die ersten der vorher über die ganze Stadt zerstreuten Dienststellen mit ihren Beschäftigten ein.
Später war zeitweise auch eine Außenstelle des Staatl. Hochbauamtes im Polizeipräsidium untergebracht. Seit 1993 wird das Gebäude ausschließlich von der staatlichen Vollzugspolizei genutzt.
Nachdem in den 1990er Jahren alle Polizeiposten aufgelöst worden waren, konzentrierte sich fast das gesamte Personal im Dienstgebäude in Neunkirchen. Dies führte zu räumlichen Engpässen und erforderte bauliche Maßnahmen.
1993/94 wurde das Dachgeschoss ausgebaut: Es wurden Umkleide- und Spindräume für die Wachdienstbeamten geschaffen. Erst danach konnten auch Umkleideräume im Erdgeschoss für Frauen umgestaltet werden. Neunkirchen war damit eine der letzten Schutzpolizeidienststellen im Saarland, bei der auch Frauen im Wachdienst eingesetzt wurden.

Ende
Ein Bericht von Armin Schlicker

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