Die Polizeidienstgebäude in Neunkirchen Teil 2

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Ordnungshüter seit Mitte des 19. Jahrhunderts

 

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Kommunale Polizeibeamte mit Helm und
Säbel 1905 in der heutigen Brückenstraße.
Quelle: Neunkircher Druckerei:
Neunkirchen anno dazumal


 
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Rathaus Wiebelskirchen 1955
Quelle: Heimatbuch Wiebelskirchen 1955

 
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Haus Dorscht vor dem Abriss 1930
Quelle: Heimat- und Kulturverein Wiebelskirchen: Wiebelskircher Geschichte03, 2007

 
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Quellen:
  • 14. Stadtarchiv Neunkirchen, Bestand Beratungsregister des Schöffenrats            1829 bis 1832
  • 15. Stadtarchiv Neunk., Beschlussbuch des Sammt-Gemeinderathes
  • 16. Stadtarchiv Neunkirchen,      Beschlussbuch der Bürgermeisterei NK
  • 17. Stadtarchiv Neunkirchen, Bericht über     die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten der Bürgermeisterei Neunkirchen während der Jahre 1885/86 bis 1895/96
  • 18. Olaf Schuler: Die wirtschaftliche Entwicklung Wiebelskirchens, in:Wiebelskircher Geschichten, Band 3, S. 107, Wiebelsk. 2007
  • 19. Herbert Mohr: Die Entwicklung der Selbstverwaltung, in: Wiebelskirchen Ein Heimatbuch, S. 195, Wiebelskirchen 1955
  • 20.  VO betreffend die Errichtung eines Saarlandjägerkorps v. 07. 07. 1920. Damit folgte die Regierungskommission des  Saargebietes der Regelung in Preußen –     dort. VO zur Umwandlung der Bezeichnung „Landgendarmerie“ in die Bezeichnung „Landjägerei“ v. 21. 06. 1920
  • 21. Einwohnerbuch der Städte Neunkirchen und Ottweiler, sowie der Gemeinde Wiebelskirchen 1931
 
Zur Unterstützung des Bürgermeisters bei seiner Aufgabe nach § 108 der Gemeinde-Ordnung wurde am 22.01.1831 über die Einstellung eines Polizeidieners, neben einem Nachwächter und einem Feldschützen, beraten. Es wurde die Einstellung eines Polizeidieners zur Handhabung der guten Ordnung und in „Abwesenheit der Gensdarmerie zur Ersetzung der bewaffneten Macht“ beschlossen14.
Als die Polizeiaufgaben immer weiter anwuchsen (der Bürgermeister war Leiter der Verwaltung und Chef der Polizei), erging 1883 eine Verfügung des kgl. Landrates Ottweiler an die Bürgermeisterei Neunkirchen, nach der „der Umfang der Geschäfte des Bürgermeisters durch die wünschenswerte Anstellung eines Polizei-Commissarius in angemessener Weise eingeschränkt werde“15. Daraufhin beschloss der Bürgermeisterrat am 01.09.1883 einen Kommissar mit einer sechsmonatigen Probezeit einzustellen.
Für einzelne Zweige der Aufgaben des Bürgermeisters bei der Polizeiverwaltung und zur Wahrung der Amtsanwaltsgeschäfte wurde schließlich 1886 Graf Looz-Corswaren als Polizeikommissar eingestellt. Dieser war jedoch nur zwei Jahre in Neunkirchen. Am 27.07.1888 wählte der Bürgermeisterrat den Polizeikommissar Albert Brasch aus Stele zu seinem Nachfolger und übernahm mit gleichem Beschluss die Kosten für die Beschaffung von Helm, Säbel, Epauletten und Achselstücken. Nach einem Beschluss vom 12.01.1891 wurde noch ein zweiter Polizeikommissar, der vorherige Gendarm Paul Pritzlaff aus Sontra, eingestellt16. Zu diesem Zeitpunkt waren bei der Bürgermeisterei außerdem ein Polizeiwachtmeister (Gläser), 11 Polizeidiener sowie eine Reihe von Nachtwächtern und Feldschützen, die alle zum Polizeiamt gehörten, beschäftigt.
Die Bürgermeisterei war in 2 Polizeireviere aufgeteilt. Zum 1. Revier gehörten Neunkirchen bis zum „mittleren Markt“, Niederneunkirchen, Schlawerie, Sinnerthal und Wellesweiler, zum 2. Revier der obere Teil des Ortes, Heinitz-Dechen, Spiesen, Elversberg und Kohlhof17.
Im Verwaltungsbericht für die Zeit von 1895 bis 1903 berichtete der Bürgermeister, dass das Polizeiamt 1 Polizeiinspektor, 1 Polizeikommissar, 2 Polizeiwachtmeister, 19 Polizeidiener sowie einige Nachtwächter und Feldhüter umfasse. Ausdrücklich weist er darauf hin, dass außerdem 8 Gendarmen im Bezirk der Bürgermeisterei stationiert seien.
Auch in der damals selbständigen Gemeinde Wiebelskirchen fand eine ähnliche Entwicklung wie in Neunkirchen statt. Wiebelskirchen gehörte zunächst zur Bürgermeisterei Ottweiler-Land, die vom Bürgermeister der Bürgermeisterei Ottweiler-Stadt in Personalunion mitverwaltet wurde. Erst 1895 gelang es nach längerem Drängen Wiebelskirchen zusammen mit Hangard, Münchwies, Lautenbach und Fürth zu einer eigenständigen Bürgermeisterei zu machen. Die Verwaltung war zunächst in angemieteten Räumen untergebracht.  Doch schon am 1. Juli 1896 wurde das von der Gemeinde erbaute eigene Rathaus bezogen, in dem dann auch das Polizeiamt unterbracht werden konnte. Schon bald zeigte sich, dass bei den schnell wachsenden Aufgaben der Bürgermeisterei, einzelne Ämter in anderen Gebäuden untergebracht werden mussten. So war die Polizeiverwaltung lange Jahre in dem beim Brückenbau 1930 abgerissenen Dorstschen Haus untergebracht, an dessen Stelle heute das Ehrenmal steht. Von dort ging es in Piwas Haus ebenfalls an der Seitersbrücke, wo sich heute der Parkplatz des EDEKA-Kaufhauses befindet18. Danach kam die Polizeidienststelle wieder in das Rathaus.
Aber schon früher unter der Verwaltung des Ottweiler Bürgermeisters waren einzelne Polizisten in Wiebelskirchen tätig. So war am 28. Dezember 1846 vom Gemeinderat u. a. beschlossen worden, einen Nachtwächter wegen Nachlässigkeit zu entlassen und an die Stelle des wegen Kränklichkeit ausscheidenden Nachtwächters und Polizeiagenten Johann Schütz einen geeigneten Mann in Vorschlag zu bringen19. Nachfolger des Ersten wurde der 56-jährige Justus Jenewein und der Nachfolger des Johann Schütz hieß ebenfalls Schütz (Vorname unbekannt). Gleichzeitig beschloss der Gemeinderat, die Polizeiagenten mit einem Waffenrock und einer Dienstmütze auszustatten. Von 1878 bis 1895 versah ein Peter Brück den Polizeiexekutivdienst in Wiebelskirchen. Ihm folgte der Polizeisergeant Otto Körner und nach dessen Entlassung 1901 der Polizeisergeant Otto Golz und zusätzlich 1902 ein Polizeidiener. 1905 wurde erstmals die Stelle eines Polizeikommissars geschaffen und mit dem Franz Gabel besetzt. 1908 wurde die Stelle eines beamteten Polizeidieners für die Gemeinden Hangard und Münchwies geschaffen und mit Anton Regnery besetzt. Vom 24.06.1909 an durften in den Industriebezirken nur noch solche Polizeibeamte von den Kommunen angestellt werden, die eine Polizeischule besucht und eine Prüfung abgelegt hatten.
Mit dem Ende des 1. Weltkrieges war 1918 die Preußenzeit im Saarraum zu Ende. Ab 1920 wurde das Kunstgebilde Saargebiet als Ergebnis des Versailler Vertrages für 15 Jahre unter Völkerbundverwaltung gestellt. Trotzdem blieb die Polizeiorganisation vergleichbar mit der zur Preußenzeit. Es gab eine kommunale Polizei in den größeren Orten und für das flache Land blieb es bei der staatlichen Gendarmerie, die jetzt als Landjägerei bezeichnet wurde20, eine Bezeichnung, die schon im 18. und 19. Jh. in einigen Teilstaaten des Deutschen Reiches für militärisch organisierte Polizeikräfte üblich war. In Neunkirchen blieb die kommunale Polizei weiterhin im Bürgermeisteramt in der Wellesweilerstraße, das mit der Stadtwerdung 1922 zum Rathaus geworden war. Leiter des Polizeiamtes war 1931 der Polizeirat Adolf Zimmermann, der schon 1911 dem Amt als Polizeikommissar und 1927 als Polizeiamtmann angehörte21.  Auch die Polizei Wiebelskirchen kam nach zeitweiligen Unterbringungen in Privathäusern wieder in das dortige Bürgermeisteramt. Leiter des kommunalen Polizeiamtes Wiebelskirchen war ab 1921 der Polizeikommissar Johann Jaspert, der 1931 als Polizeiinspektor firmierte. Das Landjägeramt (Gendarmerie) Neunkirchen befand sich schon vor dem 1. Weltkrieg im Anwesen Prinz-Heinrich-Straße 29 (heute Willi-Graf-Straße) und behielt diesen Standort auch bis 1935.

Diesem Landjägeramt unterstanden im Stadtgebiet mehrere Wachen bzw. Posten:
• Neunkirchen, Kuchenbergstraße 4
• Neunkirchen, Hauptbahnhof (Eilgutabfertigung)
• Neunkirchen, Hundshof
• Wellesweiler, Neunkircher Straße 1 (heute Rombachstraße)
• Kohlhof, Bexbacher Straße 66 (heute Niederbexbacher Straße)

Auch in Wiebelskirchen gab es eine Landjägerwache. Sie befand sich im Gebäude Friedrichstraße 11a (heute der Teil der Kuchenbergstraße zwischen Tirolstraße und Rembrandtstraße).

Nach dem eindeutigen Ergebnis der Volksabstimmung vom 13. Januar 1935 im Saargebiet wurde das Abstimmungsgebiet schon am 01. März 1935 in das Deutsche Reich zurückgegliedert. Sofort nach der Rückgliederung kam es auch in der gesamten Region zu einer durch die Reichsregierung geförderten regen Bautätigkeit im Bereich öffentlicher Bauten. So wurden unter anderem in Neunkirchen, der zweitgrößten Stadt des Landes, der Bau eines neuen Finanzamtes, eines neuen Arbeitsamtes und eines neuen Polizeipräsidiums in Angriff genommen. Die Arbeiten für die Erstellung der Gebäude wurden zügig begonnen und durchgeführt. So konnte das Gebäude des Polizeipräsidiums schon 1938 bezogen werden. Dazu weiter im nächsten Teil mehr.

 

Ein Bericht von Armin Schlicker
Ende des 2. Teils, Fortsetzung folgt

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