Karnevalsvereine und Gesellschaften Teil 1

Zugriffe: 375
1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Bewertungen 0.00 (0 Abstimmungen)

Faasenacht, Fasching, Fasnet, Karneval... in Neunkirchen

 
 
 
 
 
Wenn wir die Geschichte der Faasenacht in Neunkirchen betrachten, können wir auf eine lange Tradition zurückblicken. Wann es genau anfing mit der Faasenacht, wie wir sie kennen, ist nicht mehr festzustellen. Neunkirchen war früher, wie alle umliegenden Orte, ein Bauerndorf.
Wahrscheinlich wurden auch hier die bäuerlichen Brauchtümer zur Faasenacht gepflegt, wie es überall im heutigen Saarland üblich war. Angelehnt waren diese Brauchtümer an die alemannische Fasnet. Dies liegt in erster Linie daran, dass unsere Heimat nach dem 30-jährigen Krieg meist durch Einwanderer aus der Schweiz und Tirol bevölkert wurde. Diese brachten ihre Sitten und Bräuche mit und übten sie weiter aus. In der Schweiz feiert man auch heute noch Faasend und so ist es zu verstehen dass wir in der wenigen vorhandenen Literatur bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts an der Saar nur von Faasenacht reden. Nur in den Städten wird bei, Veranstaltungen und Bällen von Karneval und Fasching geschrieben. Dies liegt in der Natur dieser Begriffe. „Karneval“ war dem Rheinischen angelehnt und „Fasching“ bedeutete „die Veranstaltung im Saale“. Erst die Zugehörigkeit zu Preußen und die langsam beginnende Industrialisierung veränderten das Brauchtum. Aus Köln kamen die Persiflagen zum Preußentum. Militarismus und alles rund um diesen wurde aufs Korn genommen, Soldatentum, Fahnen, Militärmusik und natürlich die Ordensverleihungen wurden kopiert und auf die Schippe genommen. Besonders die Form des Kölner Karnevals, Faastelovend genannt, hatte erheblichen Einfluss auf die bisher dörfliche Faasenacht. Meist wurde die Straßenfaasenacht bei uns in die Wirtshäuser und Säle verlegt.
Anfangs traf man sich lose in den Gasthäusern, um gemeinsam zu feiern. Dabei wurde jeder aufgefordert, einige Witze zum Besten zu geben. Waren die Witze gut, so folgte Applaus. Schlechte Vorträge kosteten meist eine Runde. Die Besucher waren alle verkleidet und hatten auch oftmals Masken an. Dargestellt wurden meist alte Weiber von Männern, während Frauen gerne Männerkleidung trugen. Die Gesellschaft, die sich traf, waren Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen. Sie trafen sich in kleinen Gesellschaften oder Zirkeln, die gegen Ende des Jahres gegründet wurden und sich nach der Faasenacht wieder auflösten. Nur wenige hatten eine längere Lebensdauer. Sie gaben sich ein Motto, das oftmals auch als Namen galt. So kann es sein, dass die gleiche Gesellschaft unter verschiedenen Namen mehrmals auftaucht. Vereine, wie wir sie heute kennen, gab es nur sehr wenige, sind uns aber aus Neunkirchen nicht bekannt. Leider gibt es keine schriftlichen Überlieferungen über diese Gesellschaften. So können wir höchstens spekulieren, warum und aus welchen Gründen man solche Vereinigungen schuf. Dennoch sind sie ein wichtiger Teil unserer Faasenachtsgeschichte. Nur in einigen wenigen Dorfchroniken geht man kurz auf das Faasenachtsbrauchtum ein. Selten finden sich Berichte über Veranstaltungen in der Presse. Im Bergmannsfreund, der Zeitung zur Belehrung der Bergleute, damals eines der wichtigsten Presseorgane, finden wir nicht einen einzigen Hinweis und dabei lebte dieses Presseorgan fast 60 Jahre.
Einem glücklichen Umstand können wir verdanken, dass wir wenigstens von Neunkirchen einige Vereinigungen, Vereine und Gesellschaften kennen. Im Jahre 1909 schuf der Redakteur der Neunkirchener Zeitung, Jakob Lehnen, ein Beiblatt als „Chronik von Neunkirchen“. In den letzten drei Ausgaben, die von 1909 bis 1912 in unregelmäßigen Abständen erschienen, berichtete Lehnen über das Vereinswesen in Neunkirchen. Dabei versuchte er alle Vereinsgründungen oder ähnliche Gesellschaften von 1847 bis 1912 aufzuzeichnen.
Leider fehlen die letzten 3 Jahre, da diese Fortsetzung nicht mehr erschienen ist. Aus diesen Aufzeichnungen habe ich alle Karnevalsvereine und Gesellschaften herausgezogen. Auch habe ich die Liste der Nennungen um die Vereine ergänzt, die sich als Ziel die „Geselligkeit“ gesetzt hatten. Es ist anzunehmen, dass sie in der Faasenachtszeit ebenfalls Veranstaltungen durchführten. Es kann wohl noch weitere Faasenachtszirkel gegeben haben, doch müssen wir uns auf die beschränken, die uns schriftlich vorliegen. Neben dem Verein und seinem Ziel wird das Gründungsdatum genannt. Es fehlen uns weiter Angaben zu diesen Vereinen und Gesellschaften.
Bevor wir in diese Liste einsteigen, möchte ich noch auf einen Verein eingehen, den Lehnen nicht erwähnt. In der Chronik des NKA, Neunkircher Karnevalsausschuss, zum 4x11. Geburtstag, wird ein weiterer Verein genannt.
1862 wird ein Verein „Die Schnaken“ als Carnevalsgesellschaft erwähnt. Sie scheinen sehr aktiv gewesen zu sein. Im Jahre 1867 veranstalten sie insgesamt sechs Sitzungen, davon fünf Frauensitzungen und nur eine Herrensitzung. Ein Liederbuch dieser Schnaken wird 1879 noch erwähnt und benutzt. Im Adressbuch von Neunkirchen aus dem Jahre 1888, in dem auch alle existierende Vereine erwähnt werden, ist der Verein nicht mehr vorhanden. Leider sind weiterer Einzelheiten nicht bekannt.

Liste nach Lehnen (Herausgeber der Chronik von Neunkirchen):
1870
• Gesellschaft Eintracht: 12. Februar – Geselligkeit
1871
• Karnevalsverein „Fidelio“: 16. Dezember – Karnevalistische Unterhaltung
1877
• Verein Geselligkeit: 5. Oktober – Geselligkeit und Gesang
• Verein „Die Blume“: 12. Oktober – Geselligkeit
1878
• Karnevalsverein „Mer krien se doch“: 30. Dezember – Karnevalistische Unterhaltung
1879
• Karnevalsverein „Mer han se schon“: karnevalistische Unterhaltung
• Verein Erholung: 16. Dezember – Geselligkeit, Musik, Gesang
• Pfeifen-Verein Knaster: 22. Dezember – Geselligkeit
1880
• Gesellschaft Borussia: 25. Januar – Geselligkeit, Wohlfahrt
1881
• Karnevalsverein zur närrischen Einheit: 9. November - Karnevalistische Unterhaltung
1882
• Karnevalsverein „Närrische Zusammenkunft“: 5. November – Karnevalistische Unterhaltung
• Karnevalsverein „Wespe“: Dezember - Karnevalistische Unterhaltung
• Karnevalsverein „Machet uns mo no“: 14. Dezember – Karnevalistische Unterhaltung
1883
• Gesellschaft Rauchabend: 18. März - Geselligkeit
• Karnevalverein zur närrischen Eintracht: Dezember – Karnevalistische Unterhaltung
• Karnevalverein zum närrischen Komitee: Dezember - Karnevalistische Unterhaltung
• Karnevalverein zur närrischen Zunft: 28. Dezember – Karnevalistische Unterhaltung
1884
• Karnevalsverein „Die Rose“: Dezember – Karnevalistische Unterhaltung
• Verein Eintracht: 24. Dezember Geselligkeit
1885
• Karnevalsverein „Mer komme noch no“: 3. Januar - Karnevalistische Unterhaltung
• Verein Schlacke: 22. April – Vergnügung, Gesang
• Karnevalverein „Mer wolle s emol ­riskieren“: 24. Dezember – Karnevalistische Unterhaltung
• Karnevalverein „Er hat ihn schon“: 28. Dezember – Karnevalistische Unterhaltung
1888
• Karnevalsgesellschaft „Wupp“: 16. Januar – Karnevalistische Unterhaltung
1889
• Karnevalsverein „Rose von der Felsenburg“: 13. Januar – Karnevalistische Unterhaltung
• Humoristenverein „Wupp“: 24. März – Geselligkeit
1890
• Verein „Fidelitas“: 24. Dezember – Karnevalistische Unterhaltung, Geselligkeit, Gesang
• Verein Viktoria: Dezember – Geselligkeit
• Verein Frohsinn: 3. Juli Geselligkeit
1895
• Verein gemütliche Unterhaltung: 24. März – Geselligkeit
• Verein Fidelia: 1. September – Geselligkeit
1896
• Verein Humor: 20. Dezember – Karnevalistische Unterhaltung
• Närrischer Adlerklub: 28. Dezember - Karnevalistische Unterhaltung
1897
• Radfahrverein Schwalbe: 16. Juli – Radsport. Initiator des närrischen Umzug –
1900 bei dem bereits das Model einer Straßenbahn mit geführt wurde, die erst ab 1907 tatsächlich fuhr.
1898
• Gesellschaft Gemütlichkeit: 3. Dezember – Geselligkeit
• Verein Geselligkeit: 5. Dezember –Geselligkeit
1899
• Verein zur grünen Laube: 30. Juli - Geselligkeit
1901
• Verein zur gemütlichen Stunde: 18. September - Geselligkeit
1903
• Gesellschaft Stammtisch lustige Zwölf: 30. Dezember - Geselligkeit
1905
• Verein zur fröhlichen Pfalz: 25. Oktober - Geselligkeit
1906
• Fidele Brüder bei Wirt W. Jung: 3. Juni - Geselligkeit
• Verein zum Falkenstein: Dezember - Geselligkeit
• Verein Deutsche Treue: 2. Dezember – Geselligkeit
1907
• Verein Frohsinn: 27. April – Geselligkeit
• Verein Gesellige Unterhaltung: 10. Oktober – Geselligkeit
1908
• Verein zur gemütlichen Unterhaltung „Edelweiß: 21. Juni – Geselligkeit
• Verein Waldfriede: 24. August – Geselligkeit
• Einjähriger Verband: 31. August – Geselligkeit
• Verein Erntelaune: 11. September – Geselligkeit
1909
• Verein „’s geht a so“: 28. Februar – Geselligkeit

Wie bereits angemerkt, sollte noch der Schluss der Auflistung folgen, aber leider stellte die Chronik ihr Erscheinen ein. Der bald darauf beginnende I. Weltkrieg ließ ­sowieso alles fastnachtliche Leben einschlafen und für Jahre in der Versenkung verschwinden. Rainer Müller weist in seinem Buch noch darauf hin, dass vor und nach dem Weltkrieg Metzgergesellen kleinere Umzüge organisierten. Auch in Wiebelskirchen gab es bestimmt einige Vorgänger des heutigen Karnevalsvereins. Jedenfalls existiert noch ein Liederbuch des Vereins „Eutonia“ datiert auf das Jahr 1886. Auch diesem Verein werden noch einige gefolgt sein. 1920 folgte ein Verein zur „Guten Laune“ der bis 1939 bestand.
Leider war es mir bisher noch nicht möglich die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen zu erforschen. In der Festschrift 4 x 11 Jahre NKA (Neunkircher Karnevalsausschuss) wird darauf hingewiesen, dass 1923 erste zaghafte Versuche zur Wiederbelebung der Faasenacht erfolgten. Erst 1925 erfolgte der Einzug des Prinzen Karneval. Doch konnte sein Erscheinen noch nicht an frühere Zeiten heranreichen. Die größeren Faasenachtsveranstaltungen wie Maskenbälle wurden von den großen Vereinen, besonders den Sportvereinen, initiiert. Dies erfährt man durch die Anzeigen in den Zeitungen.
Ein Bericht von Guido Jung
Ende des 1. Teils, Fortsetzung folgt

Kommentar schreiben

Kommentar-Regeln

Es versteht sich, dass Beiträge mit sittenwidrigem oder rechtswidrigem Inhalt auf unserem Server nicht geduldet werden.
Sie verpflichten sich, keine Beiträge zu veröffentlichen, die gegen geltendes deutsches Recht verstoßen.
Wir erwarten, dass Sie einen höflichen und sachlichen Ton wählen.
In Kommentaren ist Lob ebenso willkommen wie scharfe, sachbezogene Kritik. Alle Kommentare von Schmähkritik werden jedoch nicht akzeptiert. Ebenso tolerieren wir keine Angriffe auf Personen in herabsetzender Form.
Weiterhin unerwünscht sind anstößige Bemerkungen, Fäkalsprache, sexistische Begriffe, rassistische Inhalte oder Anstoß erregende Formulierungen.
Eine anonyme Kommentierung wird von uns nicht veröffentlicht, stehen Sie zu dem was Sie meinen.

Wir behalten uns vor, Ihren Zugang zeitweilig oder auf Dauer zu sperren, wenn Sie die Regeln missachten.

Ihr Team vom Stadtmagazin "es Heftche"®


Sicherheitscode
Aktualisieren