Die Geschichte des Neunkircher Hofes

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Vom Sinderdale, Plättchesdohle und Hofern

 

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Lageplan von 1902

 
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Das letzte Hofgebäude (Foto: Archiv Schwenk 184/34 A)

 
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Schweizerei im Park (Foto: Hubert Röder, Bexbach)

 
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Lageplan von 1922

 
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Die Pferdeställe nach der Gasometerexplosion 1933
(Foto: M. Forster, Heiligenwald)

 

Die Quellen:
  1. Bernhard Krajewski in seinen „Heimatkundlichen Plaudereien“ Heft 2,       S. 38/40
  2. wie vor, Heft 1 S. 19
  3. wie vor, Heft 6, S. 36
  4. wie vor, Heft 6, S. 37
  5. Philipp Wingert in der Hüttenzeitung von 1936
  6. wie 3, S. 54 Landesarchiv Saarbrücken.,
  7. Bestand NSB II, Nr. 22/2771
  8. Gerd Meiser in „Stahl aus Neunkirchen“       S. 22
  9. Heinz Gillenberg in „Neunkirchen vom Meyerhof zur Stadterweiterung“ S. 10
  10. „700 Jahre Neunkirchen“ S. 41
  11. Christof Trepesch im „Neunkircher Stadtbuch“ S. 535
  12. Dr.H.Wilhelm: Die Region Neunkirchen im Luftkrieg, Teil I, S. 27
  13. Historischer Verein Stadt Neunkirchen e.V., Heft 2/2002
  14. Historischer Verein Stadt Neunkirche e.V., Heft 2/2002

 
Viel ist ja da und dort schon zur Geschichte des ehedem herrschaftlichen Neunkircher Hofes, insbesondere aber nun von dem Heimatforscher Bernhard Krajewski erforscht und auch geschrieben worden, sodass sich weitere Forschungen eigentlich erübrigen. Was aber bislang doch ein bisschen fehlte, das war eine zusammenhängende Darstellung seiner Geschichte, was nun hier mein Anliegen ist, soweit das, wie immer bei solchen geschichtlichen Rückblicken, heute noch möglich ist. Wegen seiner unmittelbaren Nähe zueinander konnte aber dabei die Geschichte des Neunkircher Eisenwerks nicht ganz unerwähnt bleiben.

Beginnen will ich deshalb, mit dem „Sinderdale“, wie das Tal des Sinnerbaches in den alten Urkunden genannt und geschrieben wurde. Dort, in diesem Sinderdale gab es, wie urkundlich belegt, schon vor dem Jahre 1431 eine Eisenschmelze, und zwar die, des Friedrich Greiffenklau von Vollradt, der aber gerade in diesem Jahre 1431 auf herrschaftlichen Einspruch hin, den Betrieb dieser Schmelze einstellen musste. (1)
Im Zusammenhang mit dieser Eisenschmelze kam die Vermutung auf, dass dieses „Sinder“ im Worte Sinderdale vielleicht etwas mit „Sintern“ im Sinne der Aufbereitung des Eisenerzes zu tun haben könnte, und dass der Sinnerbach von daher seinen Namen erhalten hat. Ein solches Sintern bei einer doch damals sehr kleine Eisenschmelze, hat aber wohl doch nicht ausgereicht zur Namensgebung für den Sinnerbach. (2)
Dann aber bleibt nur die Deutung, wie sie in dem Pfälzer Wörterbuch gegeben wird, wonach es sich bei diesem Sinder oder Sinter um eine in einem Bach immer wieder zu beobachtende Anschwemmung und Ablagerung von Schlamm oder Sand handelt. Dies finden wir auch in dem Etymologischen Buch von Kluge bestätigt, in welchem der Sinter als mineralischer Niederschlag bezeichnet wird. Bei den hier für den Sinnerbach charakteristischen Ablagerungen handelte es sich wohl um reinen, feinen Sand, der von dieser Eisenschmelze als Formsand genutzt wurde, der aber auch schon früher für andere Zwecke seine Verwendung gefunden hatte.
So gab es z.B. schon um das Jahr 1200 herum hier im Sinderdale einen lehnspflichtigen Bauernhof und daneben auch einige, zerstreut im Tal liegende kleine Gehöfte, die aber nicht zu einem Dorf zusammengefunden hatten, wie das auch aus dem Schöffenweistum zu Neumünster (bei Ottweiler) hervorgeht, wo im Jahre 1429 von den Leuten zu Schiffweiler und von den Leuten zu Neunkirchen, also von den Leuten aus diesen beiden Dörfern die Rede ist, aber nur von den Leuten aus dem Sinderdale, die alle schuldig seien, zum Jahrgeding nach Neunmünster zu kommen.(2)
Wenig später, im Jahre 1441, war es zu einem Weiderechtsvergleich zwischen Neunkirchen und Wellesweiler gekommen, in welchem nur noch von dem „Nydersinder bann“ die Rede war, von dem die Vertreter Neunkirchens sagten, dass er Neunkirchen zugefallen war. Wann das geschah, das geht daraus nicht hervor, legt aber den Schluss nahe, dass dieser „Nydersinder bann“ ursprünglich nicht zu Neunkirchen gehörte, und so auch nicht der um 1200 erwähnte lehnspflichtig Bauernhof. (2)
Wenn dieser alte herrschaftliche Hof aber die Zeiten überdauert hat, dann war er, wenn das auch nicht belegt ist, mit dem „Nydersinder bann“ zu Neunkirchen gekommen, und ab da zum „Neunkircher Hof“ geworden. Zumindest aber war er im Sinderdale sein Vorläufer.
Urkundlich nachgewiesen ist dieser alte Neunkircher Hof erst seit dem Jahre 1617, in welchem der nassauisch-saarbrückische Leutnant und Ingenieur Jost Hoer den alten und neuen Schweitzerhof vermessen und zeichnerisch umrissen hat.(3
Man nannte den Neunkircher Hof auch Schweizerhof. Aus dieser Jahreszahl 1617 aber ist zu schließen, dass es diesen alten Hof mindestens schon im 15. Jahrhundert gegeben hat, und dass er offensichtlich um 1600 herum auf die so genannten Bremmenfelder in die obere Saarbrückerstraße ­verlegt wurde. (Siehe Kartenausschnitt) Vor seiner Verlegung aber stand er, wie der damals älteste Bürger von Neunkirchen, Hans Jost Werner, gelegentlich eines Bannstreites zwischen Neunkirchen und Wellesweiler im Jahre 1733 als Zeuge aussagte, an der Sinnerbrücke, wo auch noch Fundamente von diesem alten Hof zu sehen seien.(3)
Nach der Gemarkungskarte von 1848 lagen diese Brücke und damit auch der alte Neunkircher Hof, jenseits des für die Eisenbahnstrecke Neunkirchen-Saarbrücken um diese Zeit gerade aufgeschütteten Bahndammes, in den man aber einen Durchlass für den Weg von der oberen Saarbrücker Straße zum Kohlwald und zur Neuen Schmelz, den allbekannten „Plättchesdohle“ einarbeiten musste. Einen anderen Weg zu diesem Plättchesdohlen, als den von der oberen Saarbrückerstraße her, gab es nicht, und erst seit exakt dem 18.12.1987 gibt es in Verlängerung der Lindenallee die direktere und kürzere Straße zu ihm hin.
Doch noch mal zurück zum alten Neunkircher Hof. Dieser stand aus heutiger Sicht etwa dort, wo sich heute zwischen dem Plättchesdohle und dem Kohlwaldaufstieg der große Verkehrskreisel befindet, war aber, wie schon erwähnt, bereits um 1600 an seinen neuen Standort an die obere Saarbrücker Straße, gegenüber der Abzweigung des Weges zur Schlawerie, dem heutigen Sinnerthaler Weg, verlegt worden. Wenn man den Neunkircher Hof dann am neuen Platz immer wieder auch als Schweizerhof bezeichnete, so deutet das darauf hin, dass man sich hier sehr auf die Viehhaltung und Viehzucht konzentriert hatte. So weist z.B. ein Beständnisbrief aus dem Jahre 1629, einen der Herrschaft gehörenden Bestand von 45 Kühen, 3 Pferde, 2 Stuten und 2 Fohlen aus, und daneben war der Hofmann gehalten, den Bestand um noch weitere Kühe aufzustocken. Zur Betreuung des Milchviehes war dem Hofmann ein Schweizer beigegeben, dem das Recht zustand, sich ein Pferd zu halten, und der für sich und seine Frau jährlich 23 Gulden erhielt; für den Hirten 14 Gulden und für die Magd 6 Gulden. Außerdem, was auch ganz interessant ist, standen ihm an Naturalien noch 9 Malter Korn, an Hafer zu Breymehl eineinhalb Malter, an Erbsen 1 Fass, an Salz 1 Malter, und für seinen Garten noch 20 Wagen Dung zur Verfügung. Der übrige Dung stand allein dem Hofmann zu.
Im Jahre 1631 z.B. war ein Georg Matterey der Schweitzer auf dem Hof, der von jeder melkenden Kuh 9 Maß guter Butter und 50 Pfund Käse der gräflichen Hofhaltung zu liefern hatte.(3)
Weitere ins Detail gehende Beschreibungen, mehr das Innenleben des Hofes betreffend, seien hier einmal ausgespart, doch erläuternd noch die Anmerkung, dass der Hofmann im Unterschied zu einem Pächter, jeweils der herrschaftliche Verwalter des Hofes war. Gemäß dem erwähnten Beständnisbrief von 1629 florierte zu diesem Zeitpunkt der Hof offenbar recht gut. Doch schon bald zogen dunkle Wolken auf. Es begann der 30jährige Krieg, während dem das Dorf Neunkirchen, die herrschaftliche Eisenhütte und auch der herrschaftliche Neunkircher Hof, im Jahre 1635 in Schutt und Asche gelegt wurden. Das Land war danach völlig ausgeblutet. Von den ehedem in Neunkirchen ansässige 30 Familien waren nur vier zurückgekehrt, mit der Folge, dass auch der Neunkircher Hof zunächst einmal für längere Zeit völlig wüst lag. (2) Erst 1685 wird in den Kirchenbüchern wieder ein Hofmann mit dem Namen Hans Peter Lenz genannt. Diesem Hofmann oblag es wohl, den Hof wiederzubeleben, so dass man ihn schließlich 1699 auch wieder verpachten konnte, und zwar auf 6 Jahre dem aus der Schweiz zugewanderten Peter Schirmer. Dieser konnte immerhin in diesem Jahre schon wieder 4 Zugochsen, 19 Milchkühe, 4 Kalbinnen, 5 trächtige Kalbinnen und 7 Kälber übernehmen. (4)
Das Wirtschaften auf dem Hof war aber für die nun folgenden, jeweiligen Pächter wohl nicht besonders rentierlich, einfach deshalb, weil sie, wie Phillip Wingert 1936 in der Hüttenzeitung schrieb, zu wenig Absatzmöglichkeiten für ihre Produkte hatten. (5)
So gab es z.B. gemäß dem ältesten Einwohnerverzeichnis von 1741, in dem Dorf Neunkirchen neben den, sich mehr oder weniger selbst versorgenden 57 Bauern lediglich noch 14 Hintersassen und 13 Arbeiter auf der herrschaftlichen Eisenhütte, die vielleicht angewiesen waren auf die Produkte des Hofes. Das war dann wohl auch mit der Grund für den ständigen Wechsel der Pächter, wie auch wohl für den erwähnten Peter Schirmer, der schon vor Ablauf seiner 6-jährigen Pachtzeit, den Hof verließ. Ihm folgte 1703 der Jakob Russy und nach ihm wohl noch einige andere namentlich nicht bekannte Pächter. Im Jahre 1721 war es der Hüttenbeständer Johann Georg Koch geworden, 1732 der Rudolf Regitz und im Jahr 1741 waren es gemäß dem erwähnten ältesten Einwohnerverzeichnis die Brüder, vielleicht auch Vater und Sohn, Georg und Friedrich John, deren Pacht mit Ende des Jahres 1752 abgelaufen war. Im Jahre 1753 übernahm daraufhin der Thomas von Stockum mit allen bisherigen Rechten und Pflichten den Neunkircher Hof als Pächter, der ihn aber auch seinerseits nicht selber bewirtschaftete, sondern von einem Verwalter bewirtschaften ließ. (5)
Ergänzend sei hier eingefügt, dass der Thomas von Stockum schon vorab im Jahre 1748 zusammen mit seinen Söhnen das Neunkircher herrschaftliche Eisenwerk gepachtet hatte, zugleich aber auch von dem Fürsten Wilhelm Heinrich mit der Aufgabe betraut worden war, im Tal des Sinnerbaches eine zweite Schmelze, die „Neue Schmelz“ zu errichten. Dieser Pachtvertrag mit den von Stock­ums wurde danach mehrmals verlängert, und auch über das Jahr 1764 hinaus, als der Isaak Schombart hinzu gekommen war, und der Betrieb des Eisenwerkes von da an unter dem Firmennamen „Johann Jakob von Stock­um & Komp.“ weitergeführt wurde. Dieser Isaak Schombart hat nach dem Tod des letzten von Stockum im Jahre 1776, den Betrieb wohl bis zum Ende des Pachtvertrages, im Jahre 1782, alleine weitergeführt. Neuer Pächter war dann die franz. Gesellschaft „Le Clerc, Jolly & Cie.“ geworden. (6)
Was nun den Neunkircher Hof anbelangt, so hat nach dem Tod des letzten von Stockum, des Johann von Stockum, der am 19.5.1776 verstorben ist, dessen bisheriger Gutsverwalter Jakob Pleikart, den Hof wohl zunächst als Hofmann weitergeführt Doch wie aus einem, im Jahre 1783 anhängigen Streit um das Weiderecht zwischen den Beständen des Neunkircher Hofes und der Gemeinde Neunkirchen hervorgeht, so waren in diesem Jahr aber bereits der Johann Georg Groß und der Johann Georg Leib & Guth (Leibenguth) die Pächter des Hofes. (7)
Dann aber kam das Schicksalsjahr 1793. Die franz. Revolutionstruppen besetzten das Land und Fürst Ludwig musste mit seiner Familien außer Landes fliehen. Der franz. Staat aber konfiszierte alle herrschaftlichen Güter und so auch die herrschaftliche alte und neue Schmelz, wie auch den Neunkircher Hof. Letzterer wurde dann wohl für eine gewisse Zeit über das Jahr 1793 hinaus von den Pächtern Groß und Leibenguth weiterbetrieben, wenn auch dann abgabenpflichtig gegenüber dem franz. Staat.
Bald aber war der franz. Staat darum bemüht, die beschlagnahmten Güter zu Geld zu machen, sie also zu verkaufen, und so kam es in der Folge dazu, dass per Kauf und Verkauf das Eisenwerk mehrmals seine Besitzer wechselte, und zuletzt in den Besitz des „H. Marc Antoine Grégoire Michel dem Jungen zu Paris“ gekommen war. Dieser verkaufte schließlich das Neunkircher Eisenwerk per Vertrag vom 21. März 1806 an die Gebr. Stumm.(8) Drei Jahr später, im Jahre 1809, erwarben die Gebr. Stumm auch den Neunkircher Hof. (9)
Unter der Regie der Stumms, insbesondere aber unter der Regie des Karl Ferdinand Stumm ab dem Jahre 1858, erlebte das Eisenwerk nun einen fortlaufenden, wirtschaftlichen Aufschwung. Zählte man so z.B. im Jahre 1820 auf der Hütte gerade einmal 62 Beschäftigte, so war diese Zahl bei seinem Tod im Jahr 1901 bereits auf rund 4200 angestiegen(10). Dieser Aufwärtstrend hielt auch nach dem Tod von Karl Ferdinand Stumm unvermindert bis gegen Ende des 2.Weltkrieges an, als Fliegerbomben das Werk völlig zum Erliegen brachten.
Danach aber erlebte das Werk noch einmal einen rasanten Aufstieg, der leider nicht anhielt und im Jahre 1982 sogar mit dem fast endgültigen Aus endete. Geblieben ist nur das nördlich der Bahnlinie gelegene Walzwerk als Teil der Saarstahl AG. Was aber, noch einmal etwas zurückschauend, den Neunkircher Hof anbelangt, so wurde dieser, nach seiner 1809 erfolgten Inbesitznahme durch die Gebr. Stumm, nicht von diesen selber bewirtschaftet, sondern jeweils von Verwaltern oder von Pächtern, deren Reihenfolge nur unvollständig überliefert ist. Ihre Auflistung kann hier auch unterbleiben, weil das für den weiteren Verlauf der Geschichte des Neunkircher Hofes nicht von besonderer Bedeutung ist.
Für die Stumms aber, die bereits 1834 ihr Herrenhaus an der Saarbrückerstraße gebaut hatten und nun dabei waren, dahinter einen großen Park, den Hüttenpark, anzulegen, waren wohl die alten Hofhäuser nicht mehr attraktiv genug. Sie errichteten deshalb, verzichtend auf den Namen „Neunkircher Hof“, im Jahre 1852, also noch bevor Karl Ferdinand Stumm im Jahre 1858 die Leitung des Werkes übernommen hatte, am Eingang dieses entstehenden Parkes, eine neue „Schweizerei“, nicht aber als einfachen Zweckbau, sondern ländlich malerisch angepasst an den Hüttenpark, in Form von einem zweigeschossigen und von zwei eingeschossigen Fachwerkhäusern.
Die alten Häuser des Neunkircher Hofes hatte man dann in der Folge zu Arbeiterwohnungen gemacht, und ihre Bewohner waren danach im allgemeinen Sprachgebrauch einfach zu „Hofern“ geworden.(11) Damit aber hatte die Geschichte des alten Neunkircher Hofes ihr endgültiges Ende gefunden, und was davon geblieben ist, das wurde durch die Wucht der Gasometerexplosion vom 10. Februar 1933 regelrecht weggefegt. Jetzt, also ab 1852, gab es nur noch die Stumm’sche Schweizerei, deren Standort sich an dem Weg befand, der von der oberen Saarbrückerstraße in Richtung Neue Schmelz und hin zum Plättchesdohle führte, aus heutiger Sicht an der Königsbahnstraße, im Bereich des dort heute befindlichen Landesamt für Straßenwesen (siehe auch Kartenausschnitt).
Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, war für lange Zeit, der Valentin Scheck zum Pächter von Land und Gebäuden dieser Schweizerei geworden. Er wirtschaftete offensichtlich so gut, dass er auch größere Ersparnisse ansammeln konnte, die er leider während des ersten Weltkrieges als Kriegsanleihen gezeichnet hatte, mit der ­Folge, dass ihm davon am Ende des verlorenen Krieges nichts mehr blieb, was dann auch dazu führte, dass er den Betrieb der Schweizerei nicht mehr fortführen konnte sowie wollte. Er ist dann auch schon 1922 verstorben.(11)
Offensichtlich war dieser Valentin Scheck wohl der letzte, selbständig wirtschaftende Pächter der Schweizerei. Nach ihm, also nach dem 1. Weltkrieg erfolgte die Bewirtschaftung der Schweizerei wohl ausschließlich von einem seitens des Eisenwerks damit betrauten Verwalter. Schließlich hatte die Neunkircher Eisenwerk AG für den Fortbetrieb der Schweizerei im Jahre 1922 an der Straße Nach der neuen Schmelze (heute Teil der Königsbahnstraße) sogar noch einen neuen Pferdestall gebaut, und wie der Bauplan vom 11.4.1922 ausweist, so gab es zu diesem Zeitpunkt daneben bereits einen neuen Kuhstall, direkt vor dem Bahndamm. (13)
Beide, sowohl der Kuhstall, als auch der Pferdestall, hatten die erwähnte Gasometerexplosion relativ gut überstanden. Ihnen waren lediglich die Dachziegel restlos weggeflogen. (siehe Abbildung)
Wie Philipp Wingert im Jahre 1936 in der Hüttenzeitung schrieb, so stand in diesem Jahr nur noch eines der ehedem 3 Fachwerkhäuser, das er als Torhäuschen bezeichnete. Es war das Häuschen am Tor, am Eingang zum Hüttenpark, und nicht zu verwechseln mit dem Torhaus, das einmal am Ende der Saarbrücker Straße, an der Grenze zu Bildstock gestanden hat, wie z.B. auch das Torhaus an der Goldenen Bremm zwischen dem preußischen und bayerischen Kohlhof, als Haus am Tor eines großen Wildzaunes.
Dieses letzte Fachwerkhaus der Schweizerei ließ das Neunkircher Eisenwerk um 1971 abreißen.(11)
Da aber war der Betrieb der Schweizerei längst eingestellt, vermutlich mit dem Ende der Notzeit, die nach dem 2. Weltkrieg noch lange Zeit herrschte. Und auch der 1922 noch errichtete Pferdestall hat die Zeiten nicht überdauert. Er wurde gegen Ende des Krieges, am 30.November 1944, von einer Fliegerbombe hart getroffen, wobei 8 Pferde und 1 Maulesel getötet wurden.(12)
An die Schweizerei aber erinnert sich heute kaum noch jemand, wohl aber an den alten Neunkircher Hof und nicht zuletzt wohl auch wegen der Menschen, die dort und in ihrem näheren Umkreis geboren wurden und aufgewachsen sind, die man in Neunkirchen einfach „die Hofer“ nannte. Abschließend noch einmal kurz zusammengefasst, begann also die urkundlich belegte ­Geschichte des Neunkircher Hofes um das Jahr 1600 im „Sinderdale“, und sie fand praktisch ihr Ende im Jahre 1852 an der Saarbrückerstraße, als in diesem Jahre statt seiner, so wie es damals hieß, an der Straße zum Kohlwald die Stumm’sche Schweizerei errichtet wurde.
Weil aber alles im „Sinderdal“ seinen Anfang nahm, so sei nun ganz zum Schluss noch erwähnt, dass es dort seit etwa dem Jahre 1700 auch eine Sägemühle gab. Sie wurde im Jahre 1908 von der Gemeinde Neunkircher aufgekauft und abgerissen, weil man das Gelände zur Neuanlage der Straße nach Landsweiler benötigte.(13) Im Umfeld dieser Sägemühle ist dann nach und nach auch das heutige Sinnerthal entstanden, wenn gleich man im Volksmund noch bis ins 20. Jahrhunderts hinein, nicht nach Sinnerthal, sondern nämlich ganz einfach „off die Säämiehl“ gegangen ist.
Werner Fried

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