Kohlhof früher und heute Teil 2

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Zur Geschichte der beiden Kohlhof-Orte
 
 
Stammhaus der Gründerfamilie Andreas Limbach
des Kohlhof (Andreas-Limbach-Straße)
Haus an der Grenze „Goldenen Bremm“,
Grenzstein „1“ (ehemals Nr. 40),
Königreich Preußen – Königreich Bayern
Grenzstein von Königreich Preußen (KP 1)
und Königreich Bayern 1816,
an Einmündung Michelpfad /
Feldwirtschaftsweg Lang-Gewann (Koore).
Quellenangabe:
  • 1564 Tilemann Stella Karte
  • 1170 bis 1879 Stadtarchiv Neunkirchen –
    38 Urkunden zu Forbach und Kohlhof
  • 1856 Berthold:Bannkarte der Gemeinde Kohlhof
  • 1859 Friedrich Schröter, Sb.:
    „Über die römischen Niederlassungen und Römerstraßen“
  • 1934 Bernhard Krajewski: „Kohlhof, seine Geschichte und Entwicklung“
  • 1980 Ev. Kirchengemeinde Limbach:
    „Abriss der Geschichte von Limbach“
  • 1980 Kohlhofer Arbeitsgemeinschaft:
    „Über den Kohlhof“
  • 2004 Günther Gensheimer: „Kohlhof und seine fast vergessene Geschichte“
  • 2006 Werner Fried: „Kohlhof und Furpach
    u. ihre verwobene Geschichte“
1793 beginnt mit den einrückenden französischen Revolutionstruppen auch für unsere Heimat eine unruhige Zeit. Durch dieses plötzliche Ende der Feudalherrschaft verlieren die bisherigen Landesherren all ihren Besitz an den französischen Staat. Alte Landesgrenzen fallen, Wildzäune und Torhäuser werden bedeutungslos. Der französische Staat bietet die neuen Staatsdomänen zur Finanzierung der hohen napoleonischen Militärausgaben bald den Bürgern preiswert zum Verkauf an.
So verlässt Daniel Böhler / Biehler 1800 das nutzlos gewordene Torhaus an der „Goldenen Bremm“, dessen Äcker und Wiesen vermutlich Daniel Weber erwirbt. Böhler kauft sich Land „bey den Heydenköpfen“ und dem „Brückenweiher“ beim Kohlhof und erbaut am Neunkircher Weg Nr. 10 sein neues Haus, das „Böhlershaus“. Der neue Ort, Brückweiherhof, ist entstanden. Risikobewusste Bürger suchen so oft einen wirtschaftlichen Neubeginn. Eine Urkunde vom 19.02.1812 berichtet, dass Steuereinnehmer Josef Delinot und Forstaufseher Peter Gangloffe (aus Forbach, Lothringen) die neu übernommene Staatsdomäne Kohlhof dem Bürger Andreas Limbach aus Niederbexbach, Kanton Waldmohr, für 10.000 Franks verkaufen. In diesem ehemaligen „Lützelholzer Hof“ mit seinen 351 Morgen Ackerland und Wiesen wird Andreas Limbach mit seinen zahlreichen Nachkommen Begründer des Ortes Kohlhof. Der Wert dieser ehemaligen Staatsdomäne (1812: 10.000 Frs.) wird 1816 in der Steuerschätzung der preußischen Rheinprovinz auf 21.785 Frs. Festgelegt, ein beachtlicher Spekulationsgewinn innerhalb von vier Jahren! Das ehemals Zweibrücker Ackerland von 83 Morgen bei der „Goldenen Bremme“, seit 1755 Lim­bacher Gemeindegebiet, wird 1763 dem Altstadter Wilhelm Haußer für 25 Gulden, 7 Batzen, 8 Pfennige in Erbpacht übergeben. Es handelt sich dabei um das von Gottfried Sundohl vermessene Land „zwischen den Tiefentäler Wäldern über den Neunkircher Weg zu dem Grenzsteinen Nr. 40, Nr. 41, Nr. 42, Nr. 43 bis Hoheitsstein Nr. 44 allwo es sich in Niederbexbacher und Limbacher Weidstrich ausspitzet“. Wenig Glück, Pfusch beim Hausbau“ und Verschuldung zwingen Haußer 1772 zum Verkauf dieses „Kleinen Kohlhof“ an den Homburger Amtsdiener Jakob Couturier für 1.400 Gulden. 1833 wird dort das Haus des Gottfried Gabriel bei 8 Morgen Ackerland und 4 Morgen Wiesen mit 11 Einwohnern genannt. 1880 zählt man hier auf dem „Höfche“ schon 8 Wohnhäuser und 1888 wird da sogar ein Männerchor erwähnt. Der Friedensschluss von Paris und der Vertrag von Luneville 1816 haben die alte nassauisch-Zweibrücker Grenze zu einer neuen Staatsgrenze werden lassen. Bei der „Goldenen Bremme“ stoßen nun die Königreiche Preußen und Bayern aneinander. Der „kleine Kohlhof“, es „Höfche“ gehört jetzt zum Königreich Bayern. Der Ort des Andreas Limbach liegt nunmehr in der preußischen Rheinprovinz des Königreichs Preußen.
Eine neue Staatengrenze hat 1816 die beiden Nachbarorte zum Preußischen Kohlhof und zum Bayrischen Kohlhof werden lassen. Noch heute dokumentieren breite Grenzsteine aus Buntsandstein mit den Einkerbungen KP (Königreich Preußen) und KB (Königreich Bayern), sowie der mächtigen „1“ diese Grenze von 1816.
Ein regelrechtes Schmuggelparadies zum illegalen Austausch von preußischen Tabak gegen bayrisches Bier entsteht hier. Die Fama berichtet von dem genau auf dieser Grenze gelegenen Bauernhaus hinter Nr. 1 (ehemals Nr. 40) an der „scharfen Kurve des Bayrischen Kohlhof, in dessen Kuhstall die Kuh in Preußen gefüttert wurde, aber in Bayern ihren Kot ablegte. Diese Anekdoten solcher Art reiche Grenze zweier Königreiche bestand gut 100 Jahre und wird heute durch eine weniger romantische, aber total durchlässige Landkreisgrenze ersetzt. Noch immer aber fahren die Bürger hier zum Bayrischen Kohlhof der Gemeine Kirkel-Limbach oder besuchen die katholische Kirche „auf“ dem Preußischen Kohlhof (Stadtteil von Neunkirchen).
 Ende
G. Gensheimer

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