Ein weiterer Gang durch das Eisenwerk Teil 1

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Ein kleiner Rückblick in die Fünfziger Jahre Neunkirchens  
 
 
Tor 3 mit Uhrturm, vorne das Stummdenkmal
Links die Druckerei
Krefelder Seidenhaus
(Quelle: Fotos aus Neunkirchen anno dazumal)
Hochofenanlage
Neunkircher Eisenwerk südlich des Viaduktes
450er Walzenstraße (Quelle: Neunkircher Hefte Nr. 14)
Hakenbahn
Umwalzer
Bliesbrücke
Pumpenhaus
Eisenbahnviadukt über die Blies
Die Beschreibung des ersten Durchgangs (Stadtmagazin „es Heftche“ von 113 / September 2007 bis 115 / November 2007) begann bei Dechen, über das Schotterwerk, die Kokereibetriebe bis hin zum Hochofenbereich bei Tor vier. Der weitere Rundgang beginnt gegenüber von Torhaus vier, bei Tor drei mit dem bekannten Uhrenturm.
Das Türmchen steht heute oberhalb der Reithalle, beim Wasserturm. Diese Uhr bestimmte zeitmäßig gesehen den geschäftigen Ablauf der ganzen Stadt. Rechts neben Tor drei in der halbrunden eingezäunten Grünanlage stand das Stummdenkmal, welches ein Jahr nach dem Tod des Freiherrn 1902 eingeweiht wurde. In dieser Anlage wurden unter Leitung von Herrn Klees dem Leiter der Lehrwerkstatt, von uns ab dem Jahr 1952 bis zum Jahr 1967 während der ­Weih­nachtszeit Krippenmotive aufgestellt.
Angrenzend an diese Anlage stand die alte Druckerei, die kaufmännische Verwaltung, Tor zwei und das alte Labor. Auf der anderen Seite der damals engen Straße stand das Gasthaus „Klein – Nickel“ heute Brasserie. Am alten Labor schloss sich die Bliesbrücke an, die schließlich bis zum Krefelder Seidenhaus reichte.
Zwischen dem Krefelder Seidenhaus und der damaligen Metzgerei Schneider begann ein Fußweg entlang der Blies, durch das so genannte Viadukt hindurch bis zum Torhaus eins im Nordwerk. Neben dem alten Labor ergoss sich der Heinitzbach mit viel Schmutz und Schlamm in die Blies.
In dem Bereich zwischen Saarbrückerstraße, Hammergraben mit Weiher und Spitzbunker, Bliesverlauf vom Viadukt bis zur Bliesbrücke erstreckte sich das Südwerk. Ging man durch Tor drei, so überquerte man zuerst das Gleis der Roheisenbahn, welche von links die Saarbrückerstraße unterquerte und mit hellem Geläute aus dem Roheisen­tunnel kam. Die Bahn fuhr damals noch hinter der Druckerei und vor dem Hauptbüro vorbei zur Roheisenwaage an der Bliesböschung. Hier wurde das Roheisen gewogen bevor es die Fahrt an der Blies entlang zum Mischer im Nordwerk antrat.

Zurück zum Tor drei:
Links standen 1950 noch die Reste der alten Kochanstalt. Nach deren Abriss wurden das technische Büro und die Sozialräume der R1 an dieser Stelle errichtet. Es folgte die Werkstatt R1 mit Schmiede und der Schweißerei. Gegenüber von R1 stand das Einkaufsgebäude mit dem Magazin LS 1 und einer Autowaage. Das Gebäude hatte eine Durchfahrt mit Breitspurgleis zur Werkstatt R1. An der Rückseite der R1 vorbei floss der heute teilweise renovierte Hammergraben bis zum Parkweiher. Er führte das Kühlwasser der Hochöfen zum Weiher. Auf dem Damm verlief der einzige Schmalspuranschluss zum Nordwerk.
Im Anschluss an die R 1 befanden sich die so genannten leichten Walzenstraßen. Es begann mit der Bandstraße. Es folgten die 325er, die 450er und die Straßen 260 a und 260 b. Auf dieser Fläche im Südwerk standen von 1830 bis 1915 die Puddelöfen. Die Kohle zur Befeuerung dieser Öfen wurde von der 1821 angefahrenen Grube König mit Pferdefuhrwerken, später über eine Kohlenbahn gesichert.
In den Jahren 1848-1854 wurde das Puddelwerk 2 erbaut. In den 1860er Jahren entstand noch das Puddelwerk 3. Mit der Erfindung des Engländers Thomas, und der Errichtung von Stahlwerken waren die Stunden des Puddeleisens gezählt. Im Gegensatz zum Nordwerk wurden alle Straßen im Südwerk über breite Treibriemen von Elektromotoren angetrieben. Zusammen mit den Sattlern der R1, auch dieses Handwerk war auf dem Werk vertreten, waren wir beim Aufziehen neuer Treibriemen immer dabei. An die Walzenstraßen schlossen sich bis zur Blies hin die zwei Adjustagehallen an. Dann folgte die Verladehalle mit den beiden Drehkränen. Das letzte Bauwerk entlang der Blies war das Magazin LS 2 mit der Seilerei. Heute verläuft der neue Teil der Lindenallee von der Bahnhofstraße aus, am Spitzbunker vorbei, genau über diese Südwerksfläche. Die letzte Walzenstraße vor dem Viadukt war Walzwerk E, eine Drahtstraße, mit der sehr langsam laufenden Hakenbahn zum Abkühlen der Drahtringe.
Es war immer wieder ein Erlebnis den Umwalzer dieser Straße zuzusehen, wenn sie den glühenden Draht der immerhin mit einer Geschwindigkeit von 1 Meter pro Sekunde aus der Walze kam auffingen, sich um 180 Grad drehten, und ihn in das nächste Kaliber einführten. Gegenüber von Walzwerk E stand die Walzendreherei Süd.
Aus diesem Bereich heraus führte eine Brücke über die Blies zum Pfalzbahngleis der Bahn. Das Gleis verlief genau auf der Trasse der heutigen Gustav-Regler-Straße, hinter den Häuser der oberen Bahnhofstraße entlang zum Gasthaus 1 2 3 (Stecher) und fand dort Anschluss an das Bundesbahngelände.
Auf der Seite der Gasstraße befand sich ein kleines Walzenlager und später auch Tor 1, denn bis dorthin reichte das Werksgelände. Unterhalb des Spitzbunkers, am Rande des Weihers stand das Parkpumpenhaus und am Blieswehr vor dem Viadukt das Bliespumpenhaus. Diese Pumpenhäuser waren in erster Linie für das Kühlwasser der Hochöfen zuständig, welches später durch den Hammergraben zum Parkweiher zurück lief.
Ein letzter Bezugspunkt in diesem Bereich ist der noch vorhandene Spitzbunker welcher 1940 erbaut wurde. Er bot etwa 400 Personen Schutz. Neben dem Bliespumpenhaus befand sich ein Luftschutzstollen, welcher etwa 1943 in Richtung Kapelle in den Berg hineingetrieben wurde. Hinter dem Viadukt macht die Blies einen Knick und bildet von hier aus an der Bahnböschung vorbei die Werksgrenze bis zur Schwellenspitze.Vor uns liegt das Nordwerk mit dem Stahlwerk, dem Martinwerk und den schweren Walzenstraßen.
Ende des 1. Teiles
Fortsetzung folgt
Lothar Spengler

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