Vom Wagwiesental bis zum Zoo Teil 3

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Der Ortsbereich und seine Geschichte  
 
 
Die Jahnstraße nach dem Bombenangriff
am 15. März 1945
Neuer Eingang zum Zoo.
Foto: Archiv HGLudwig

Die als Ersatz für

die morsch gewordene alte Holzbrücke
im Jahre 1951 errichtete neue Holzbrücke.

Steinwaldschule.

Foto: Archiv HGLudwig

Die 1962 angelegte Treppe, insbesondere angelegt für die Schüler, die ab 1961 nicht mehr zur Bachschule,
sondern zur neuen Steinwaldschule gehen mussten.
Foto: Archiv HGLudwig
Der Eingang zur Gartenanlage des Vereins der
„Garten- und Blumenfreunde Nordpool e.V“.
Bild: Archiv HGLudwig
Hotel am Zoo. Foto: Archiv HGLudwig
Das Schützenhaus kurz vor dem Abbruch.
Foto: Werner Fried
Die am 6.Juni 1986 eingeweihte neue Brücke,
die auf Betreiben Hermann Hallauers errichtet wurde
und den Namen „Hermann Hallauer-Brücke“ erhielt.
Foto: Archiv: HGLudwig
Der „Wiham“, das Neunkircher Original

Ein Foto vom Holgehege,

dem heutigen Hirschgartenweg.

Ein solches kleines Häuschen (links)
nannte der „Wiham“ sein Eigen

Die 120jährige Eiche beim Hause Knobelsdorf.
Foto: Archiv HGLudwig
Die Quellen, soweit sie nicht im Text benannt wurden:
  • (5) Dr. Horst Wilhelm:
    Luftkrieg in Neunkirchen Teil 1, S. 37
  • (6) Dirk Backes: 75 Jahre Zoo NK
  • (7) Festschrift der „Garten- und Blumenfreunde Nordpol e.V. von 2003
  • (8) Chronik der „Naturfreunde Deutschlands“,
    Ortgruppe Neunkirchen
 
Doch nun wieder zurück in das Jahr 1937: In diesem Jahre 1937 hatte man ab der Flotowstraße mit dem Bau der Bliesstraße in Richtung Wellesweiler begonnen, die wohl 1938 dem Verkehr übergeben wurde. Man nannte sie damals Josef-Bürckel-Straße, nach dem Namen des NS-Gauleiters. In den Jahren 1938/39 wurden dann nach und nach die in der Straße „Unten am Steinwald“ errichteten Häuser verkauft. Dann aber begann der 2. Weltkrieg, während dem es dann hier keine weitere Bautätigkeit gegeben hat. Mitte 1941, da man offiziell noch Siegeszuversicht verbreitete, verkaufte die Stadt Neunkirchen auch noch das frühere Schützenhaus an den Transportunternehmer Rudolf Kaspar. Das Kriegsglück sollte sich aber bald wenden. Das ganze Land hatte nun immer mehr unter den Luftangriffen zu leiden, und den Ortsbereich hier, hatte es zuletzt auch noch sehr hart getroffen. Eine ganze Reihe von Häusern wurde zerstört oder mehr oder weniger stark beschädigt. Am 7. März 1945, zwei Tage nach dem großen Bombenangriff auf Neunkirchen, wurden durch Tiefflieger hier noch 2 Personen getötet und 12 Personen verletzt, die mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt waren. (5)
Auch der Zoo hatte, wenn auch weniger hart betroffen, unter den Bombenangriffen zu leiden. Er musste schon während des Krieges seinen Tierbestand verringern, und wegen der allgemein immer schlechter werdenden Lebensmittelversorgung letztlich sogar auf seine Tiere, wie Esel, Hirsche, Hühner und Kaninchen zu Gunsten der menschlichen Ernährung verzichten. Der Not gehorchend wurde so im Mai 1945 noch der letzte Hirsch erschossen. Nach dem Krieg und trotz aller Not in der Nachkriegszeit, begann Philipp Muthweiler bereits 1946 mit dem Wiederaufbau und mit der Auffrischung des Tierbestandes, so dass der Zoo im April des Jahres 1949 wieder eröffnet werden konnte. Als erste, größere Baumaßnahmen seien der Bau des Affenhauses und einer Mehrzweckhalle im Jahre 1958 erwähnt. Seine große Aufwärtsentwicklung aber begann erst im Jahre 1964, als der Städt. Tiergarten, so war die offizielle Bezeichnung, in eine GmbH umgewandelt wurde. Ihr erster Geschäftführer war Bertold Günther geworden, unter dessen Regie nun nacheinander das Elefantenhaus, das Seelöwenbecken, das Giraffenhaus und einiges andere mehr hinzugebaut wurden. Im Verbund mit dem 1970 errichteten, neuen Zoo-Restaurant, bekam der Zoo auch ein neues Verwaltungsgebäude und ­einen neuen Eingang.
Es würde zu weit führen, im Rahmen dieses Berichtes hier im Detail über die Fortentwicklung des Zoos zu berichten. Erwähnt seien aber noch, der im Jahre 1965 erfolgte Umbau der Mehrzweckhalle in ein Tropicarium, das 1999 errichtete neue Affenhaus und das 2004 eingeweihte neue Elefantenhaus. (6) Gegenüber diesem neuen Zoo-Eingang hatte der Dr. Hansberg schließlich im Jahre 1964 auch seine Minigolfanlage angelegt und das so genannt „Hexenhäuschen“ hinzugestellt.
Doch nicht nur im Zoo, sondern auch in seinem weiten Umfeld, musste nach dem Krieg der bauliche Stillstand überwunden werden, wenngleich es zu allererst nur darum ging. die von den Bombenangriffen zerstörten oder beschädigten Häuser wieder aufzubauen, was nicht so ganz einfach war, weil es doch an allem fehlte, wie z.B. auch an den erforderlichen Dachziegeln. Man half sich mit Betonziegeln, die sich wider Erwarten doch als sehr haltbar erwiesen haben. Es gibt sie heute noch auf mindestens 2 Dächern. Die 1937 von der Technischen Nothilfe errichtete Holzbrücke war inzwischen baufällig geworden, und musste deshalb im Jahre 1951 durch eine neue Holzbrücke, die hier nun mehrige dritte Brücke über die Blies, ersetzt werden. Erst gegen Ende der 1950er Jahre begann dann aber im Ortsbereich hier eine überaus rege Bautätigkeit, beginnend im Jahre 1957 mit dem schon erwähnten Bau der Mehrzweckhalle im Zoo und mit dem Bau der Kaufmännischen Berufsschule an der Fernstraße. In den Jahren Ende 1959/60 entstanden die Wohnsiedlungen an den neu angelegten Straßen, Bärenweg, Iltisweg, Biberweg, Wolfsweg und Hirschgartenweg. Auch die heutige Max-Planck-Straße nahm Ende der 1950er Jahre ihren Anfang mit ihrer zunächst einseitigen Bebauung mittels zweigeschossigen Doppelhäusern, die von der Siedlungsgesellschaft gebaut, aber dann verkauft wurden. Ihre andere Straßenseite wurde anschließend von privater Seite nach und nach einstöckig bebaut. 1961 wurde die neue Volksschule im Steinwald ihrer Bestimmung übergeben, die zwar nicht im hier beschriebenen Ortsbereich liegt, aber für ihn doch von besonderer Bedeutung wurde, insoweit, als die Schulkinder nun nicht mehr den langen Weg zur Bachschule gehen mussten, sondern bergauf zu dieser näher liegenden neuen Schule gehen konnten. Schon im folgenden Jahr 1962 wurde dieser recht steile Aufgang mit dem Bau einer Treppe erleichtert. Im Nachhinein hat man sie dann aber wieder teilweise durch einen neu gestalteten Waldweg ersetzt.
Auch für die Gartenliebhaber im „Verein der Garten- und Blumenfreunde Nordpol“ wurde etwas getan, deren Verein bereits im ­Jahre 2003 sein 80jähriges bestehen feiern konnte. War er ursprünglich nur ein Zusammenschluss von Gartenbesitzern, die nach dem 2. Weltkrieg aus stadteigenem Interesse ihre Gärten aufgeben mussten, wie z.B. die Gärten im Wagwiesental, so erhielten sie ein bisschen ersatzweise im Jahre 1963 nahe beim Zoo eine Dauergartenanlage mit 43 Gärten, die längst auch ausgestattet ist mit einem eigenen Vereinsheim. (7)
Und auch die Ortgruppe der „Naturfreunde Deutschlands“ hat im Jahre 1963 hier in dem alten Steinbruch an der Zoostraße, der während der NS-Zeit als Schießplatz genutzt wurde, eine feste Bleibe gefunden. Als erstes Vereinsheim diente ihr eine alte RAD-Baracke. Längst aber steht dort jetzt ein schmuckes Vereins- und Jugendheim. (8)
Schließlich eröffnete im Jahr 1982 neben dem Zoo-Restaurant auch das „Hotel am Zoo“ seine Pforten. Um das Jahr 1970 herum war dann aber hier alle größere Bautätigkeit mehr oder weniger zum Abschluss gekommen. Als letztes großes Bauwerk kam im Jahre 1976 der Erweiterungsbau der Kaufmännischen Berufsschule, jetzt „Kaufmännisches Berufsbildungszentrum“, entlang der Straße „Unten am Steinwald“ noch hinzu, und schließlich musste in den Jahren 1978/79 das alte, baufällig gewordene Schützenhaus seinen Platz zu Gunsten einer neuen Wohneinheit räumen, also abgerissen werden.
Damit aber sei der Rückblick in die Geschichte dieses Ortsbereichs beendet, wenn auch viele Details, insbesondere hinsichtlich der privaten Bautätigkeiten, im Rahmen eines solchen Berichts leider unerwähnt bleiben müssen, aber auch, weil dazu nähere Angaben fehlen. Auch die nach dem Krieg hier entlang der Bliesstraße in Richtung Wellesweiler erfolgten Firmenansiedlungen bleiben unerwähnt und einer späteren Geschichtsbeschreibung vorbehalten. Mehr in die Neuzeit hinein aber sei noch davon berichtet, dass die 1951 errichtete Holz-Brücke im Jahre 1984 aus Sicherheitsgründen gesperrt, und dann auch abgerissen wurde. Dies aber sehr zum Leidwesen der Anwohner, denn über all die Jahre hinweg führte über sie hinweg der nächste Weg zur Wellesweilerstraße und zur dortigen Haltestelle der Straßenbahn. Die Stadtverwaltung aber hatte, wiederum unter Verweis auf die neue Brücke im Zuge der Fernstraße, nicht die Absicht, hier eine neue Fußgängerbrücke zu errichten. Die Dringlichkeit zum Bau einer neuen Brücke war insoweit auch nicht mehr wie früher gegeben, da es bereits seit den 1950er Jahren die Buslinie 2, Fernstraße-Stadtmitte, gegeben hat, und weil man deshalb auch nicht mehr allein auf die Straßenbahn- und spätere Buslinie ab Schlachthof angewiesen war.
Dennoch! Man wollte eine neue Holzbrücke! Schließlich ging die Stadtverwaltung aber auf den Vorschlag des damaligen Vorsitzenden des SPD-Ortsverein Zoo, Hermann Haller, ein, mit einer Bandbrücke des Neunkircher Eisenwerks, das sich ja zu dieser Zeit in seiner Abrissphase befand, die alte Holzbrücke zu ersetzen. So geschah es dann auch, und am 6. Juni 1986 konnte diese neue, jetzt 4. Brücke an dieser Stelle, nach feierlicher Einweihung dem Verkehr übergeben werden. Im Gedenken an Hermann Hallauer, der sie mit seiner Idee erst ermöglichte, erhielt sie im Jahre 2001 auch den Namen „Hermann-Haller-Brücke“. Obwohl nun aus Stahl, wird sie im Volksmund wohl doch noch lange Zeit „die Holzbrigg“ bleiben. Wenigstens hat sie ja noch einen Holzbohlenbelag, klingt sie also beim Überschreiten doch noch ganz hölzern.Nur 5 Jahre später, und zwar ab dem 1. August 1991 verbesserte sich die Verkehrsanbindung dieses Ortsbereiches noch ein weiteres Mal mit der zusätzlichen Buslinie 4, über die Zoostraße bis zum Neunkircher Zoo. Und nun ganz zum Schluss noch ein bisschen Nostalgie, eine für den einen oder anderen vielleicht etwas wehmütige Rückschau auf das, was es inzwischen nicht mehr gibt, wie z.B. die früheren Kolonialwarenläden Ranft, Lichtenberger, Eichhacker und Schöndorf; die Lebensmittelgeschäfte von Lauer und Hönscheid; das Polsterergeschäft Richard Weber; das Geschäft der Frl. Eisenbeis; Birnbaums Schreibwaren- und Tabakladen; das Friseurgeschäft Thul; die Bäckerei Lenk; das Café Holzhauser; das Gasthaus Rammacher und die Drogerie Wern, nur um die bekanntesten zu nennen. Doch einen Neuzugang gibt es ja auch noch zu verzeichnen, nämlich das neue Clubhaus des „FV Neunkirchen“ beim Sportplatz an der Fernstraße, das am 25.5.07 eingeweiht wurde.
Nicht aber vergessen dürfen wir das Neunkircher Original, den „Wiham“, der mit seinem richtigen Namen „Wilhelm Koch“ hieß. Er besaß nach dem Krieg hier im Holzgehege ein kleines Häuschen, hatte also hier seinen Wohnsitz genommen. Leider ist er dann hier am 19. Mai 1956 das Opfer eines Raubmordes geworden.
Das alles aber, und vieles mehr, was im Rahmen dieses Vortrages unerwähnt bleiben musste, das alles hat die im Schützenhausweg unter Naturschutz stehende, jetzt 120jährige Eiche, erlebt und überlebt, die gepflanzt wurde, oder sich selber gepflanzt hatte, als sich die Räder der Böcking’schen Mühle noch munter drehten, und als es um sie herum nur Feld und Wald gegeben hat, ganz wie zu Anfang dieses Berichtes.
Ihr, dieser alten Eiche, möge es beschieden sein, das sie noch lange fortbesteht, und auch noch in hundert und mehr Jahren, rückblickend nur Gutes von diesem Ortsbereich zu berichten weiß.
Ende
Werner Fried

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