Vom Wagwiesental bis zum Zoo Teil 2

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Der Ortsbereich und seine Geschichte  
 
 
Eine Teilansicht vom heutigen Burrwiesenweg.
Foto: Archiv HGLudwig
Ein Foto von den Anfängen des „Neunkircher Zoo“.
Foto: Dirk Backes
Die Mühlwiesenstraße noch
mit tiefen Regenfurchen 1952.
Foto: Archiv HGLudwig
Das Graben nach Kohle im Zoobereich.
Foto: Dirk Backes.

Teilansicht vom Neunkircher Tiergarten

Ende der 1920er Jahre mit der Gaststätte.
Foto: Dirk Backes.

Ein Bild vom Bau der Fernstraße,
der 1936 begonnen wurde.
Foto: Dirk Backes

Bliesumlegung ins neue Bett.

Foto: Dirk Backes

Die 1937 von der Technischen Nothilfe
errichtete Holzbrücke.
Foto: Archiv; HGLudwig.

Der Gedenkstein zur Erinnerung

an die alte Böcking’sche Brücke,

von dem man leider nicht weiß, wann und von wem er noch auf die alte Brücke gesetzt wurde.
Foto: Archiv: HGLudwig

Die Quellen, soweit sie nicht im Text benannt wurden:
  • 2) G. Hab, Stadt Neunkirchen
  • (3) Dirk Backes: 75 Jahre Zoo Neunkirchen
  • (4) Wie zu 3.
 
Nur ein Jahr später, im Jahre 1905, hatte man jetzt auch den Bereich um die Bliesmühle herum als möglichen Siedlungsraum entdeckt; berichtete die Saar- und Blieszeitung doch am 23. Ausgust 1905 davon, dass der hiesige „Bauverein e.G.“ im Distrikt Waldwiese von den Neunkircher Tonwerken größere Ländereien erworben habe, um darauf eine Villenkolonie für die hiesigen Eisenbahnbeamten zu errichten. Gemeint ist hier der Bereich der Jahnstraße, der zum Distrikt Waldwiese gehörte. Nach entsprechender Vorplanung bat der „Bau-Verein Neunkirchen“ dann auch mit Schreiben vom 9. März 1906 um die Baugenehmigung für den in diesem Jahr beabsichtigten Bau von 5 Vierfamilienhäusern. Gebaut wurden dann 3 Doppelhäuser auf der Seite zur Blies hin, und diesen gegenüber 4 weitere Doppelhäuser. Gebaut aber wurde ins freie Feld, denn eine Straße gab es hier noch nicht. Die Gemeinde hat dann aber mit Beschluss vom 19. März 1906 den Bau der Straße übernommen, aber unter der Voraussetzung, dass der Bauverein zuvor die Ausbaukosten sicherstellt, also für die Kosten aufkommt.(2) Die ersten Häuser waren bereits ab Dezember 1906, und die restlichen ab dem Frühjahr 1907 bezugsfertig, aber ganz offenbar noch ohne Anschluss an eine Wasserleitung. Es gab auch noch keinen Strom, denn erst mit Beschluss vom 29. November 1909 genehmigte der Gemeinderat die Verlegung einer Lichtleitung zur Jahnstraße und zum Schützenhaus. Am 9. September 1908 erhielt der Bauverein die Genehmigung zum Bau von 2 weiteren Vierfamilienhäusern auf der Südseite der nun wohl im Bau befindlichen Straße, die mit Beschluss des Gemeinderates vom 10. April 1910 nach dem Turnvater Jahn ihren Namen „Jahnstraße“ erhalten hat.
Bis zum Ausbruch des 1.Weltkrieges im Jahre 1914 gab es nun hier keine weitere Bautätigkeit, doch um so mehr nach dem Krieg, und so beschloss der Gemeinderat bereits am 8. März 1919 die Bliesmühle von dem bisherigen Besitzer für 200.000,- Mark zu erwerben, und am 10. Juni 1919 beschloss er auch, die Blies bis zur Flotowstraße im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zu begradigen. Am 20. November 1919 nahm der Gemeinderat davon Kenntnis, dass der Eisenbahnbauverein beabsichtige, in der Jahnstraße 12 Wohnungen zu bauen. Er meinte damit aber die Verlängerung der Jahnstraße, die später den Namen „Waldwiesenstraße“ erhielt, denn nach einem Bauplan des Bauvereins Neunkirchen vom 13. Dezember 1919 wurde mit 4 weiteren Doppelhäusern die Bebauung der Jahnstraße bereits vollendet, waren hier also schon alle Baulücken geschlossen. Die Verbindungsstraße zwischen der Jahnstraße und der Süduferstraße bekam schließlich per Beschluss vom 13. Februar 1921 den Namen „Unterste Mühlwies“. Nach dem verlorenen Krieg 1914/18 und während der Besetzung des Saargebietes durch die Franzosen, hatte der franz. General Andlauer die Auflösung aller Krieger- und Schützenvereine verfügt, und damit auch die Auflösung des Eckersberger Schützenvereins, mit der Folge, dass die Gemeinde Neunkirchen im Jahre 1921 das Schützenhaus käuflich erwerben konnte, verbunden mit dem Ziel, es nach seiner Renovierung als Erholungsheim für kranke Kinder zu nutzen.
Am 20. März 1925 beschloss der Stadtrat-Neunkirchen war am 1. April 1922 zur Stadt geworden – bei der Bliesmühle 30 Siedlungshäuser zu bauen, die nach ihrer Fertigstellung an die jeweiligen Interessenten verkauft werden sollten. Gebaut wurden dann in der Gewann Holzgehege 5 Doppelhäuser ins freie Feld. Erst danach, erfolgte der Bau einer Straße, die gemäß Beschluss des ­Stadt­rates vom 29. Juli 1930 offiziell den Namen „Holzgehege“ erhielt. Heute ist es der „Burrwiesenweg“ Zuvor hatte der „Aquarien- und Terrarienverein Neunkirchen“ am 22. Oktober 1926 von der Stadt Neunkirchen ein 50 Ar großes Gelände am Jedermannsbrunnen gepachtet, und sogleich auch damit begonnen, unterhalb des Brunnens mehrere kleine Teiche anzulegen, sowie auch ein kleines Clubhaus zu bauen. Ganz unbewusst hatte er damit den Grundstein gelegt für den heutigen Neunkircher Zoo.(3)
Es ist schwer, im Nachhinein den Bau jedes einzelnen Hauses zu belegen wie jetzt hier auch der Häuser in der Waldwiesenstraße, in welcher seit 1920 immer weitere Häuser gebaut wurden. So waren z.B. vor 1928 nacheinander die Häuser mit den Nummern 2 bis 12 und 1 bis 27 gebaut worden. Ab März 1928 waren dann auch die Häuser mit den Nummern 14 bis 24 bezugsfertig, gefolgt von den Häusern Nr. 29, 31 und 33, die ab 1. Dezember 1931 bezugsfertig waren. Alle Häuser aber hatten einen Zugang über einen Weg, der nichts war als ein vielleicht besserer Feldweg, denn erst am 16. März 1928 fasste der Stadtrat den Beschluss zum Ausbau der Waldwiesenstraße und der Straße „An der Altmühl“, wie damals der heutige Schützenhausweg noch hieß.
Hier nun eine kleine Zwischenbemerkung bezüglich dem damaligen Straßenausbau: Darunter ist nur zu verstehen, dass die betreffenden Straßen nur einfach geschottert und mit gepflasterten Rinnen versehen wurden. Alle Abwässer, wenn sie nicht unterwegs versickerten, flossen dann über diese Rinnen zur Blies hinunter. In der gleichen Weise war 1910 auch die Jahnstraße ausgebaut worden, deren mehr oder weniger übel riechenden Abwässer über diese Rinnen zu dem Waldweg hin flossen, der vom Jedermannsbrunnen kommend zur Flotowbrücke hinführte, und zwar dort in einen Graben, der diesem Weg entlang zur Blies führte, der aber nur bei Regen Wasser führte. Der Bauverein hatte sich zwar verpflichtet, einen provisorischen Kanal zu bauen, doch Ende des Jahres 1911 war er noch nicht gebaut, so dass die Forstverwaltung diesen Graben weiter unterhalten musste, aber für seine Mitbenutzung eine Gebühr verlangte. Am Rande sei aber erwähnt, dass zu dieser Zeit auch im Stadtbereich noch längst nicht alle Straßen kanalisiert waren. Und was den Straßenausbau anbelangt, so gab es auch in der Stadt noch viele, nur geschotterte Wege. Sogar der Hüttenberg war erst 1907 im Zusammenhang mit dem Bau der Straßenbahnlinie vollständig gepflastert worden. Soweit also diese Zwischenbemerkung.
1928 wurde also, wie erwähnt, der Ausbau der Waldwiesenstraße beschlossen, doch bevor dieser vollendet war, kündigte der Bauverein am 2. August 1929 schon an, dass er in der neu projektierten Straße hinter der Jahnstraße, gemeint war die späteren Straße „Unten am Steinwald“ und in der Straße „An der Altmühl“, dem heutigen Schützenhausweg, neue Siedlungsbauten errichten will, wie es dann auch geschah. Im Jahre 1932 beschloss man schließlich zur Verlegung eines Kanals in der Straße „Unten am Steinwald“ und zum anschließenden Ausbau dieser Straße eine Anleihe aufzunehmen, wie es dann wohl im folgenden Jahr geschehen ist. Vieles wurde im Stadtrat berichtet und erörtert, wie sicherlich auch über den Abschluss einer Straßenbaumaßnahme, doch leider im Beschlussbuch nicht niedergeschrieben.
Im gleichen Jahr 1932, nämlich am 29. Februar des Jahres, berichtete die Saar- und Blies-Zeitung davon, dass am Jedermannsbrunnen ein Stollen gesprengt wurde, in welchem während des großen Generalstreiks im Jahre 1923 ganz fachmännisch von Bergleuten mehrere 1000 Zentner Kohle gefördert wurden, jetzt aber, und zwar verbotenerweise, ganz unfachmännisch von Erwerbslosen. Am 27. Juli 1934 erwarb der Aquarien- und Terrarienverein das bisher von der Stadt gepachtete Gelände am Jedermannsbrunnen, und im gleichen Jahr wurde auch die Zoo-Gaststätte eröffnet, die sich dann großer Beliebtheit erfreute.
Bald aber sah sich der Verein wegen der vermehrt anfallenden Unterhaltungskosten überfordert, und so kam es 1936 zur Rückübereignung des ganzen Zoobereiches an die Stadt Neunkirchen, die sogleich auch mit dem weiteren Ausbau der Gehege und der Erweiterung des Tierbestandes begann.(4) Im gleichen Jahr 1936 war auch Baubeginn für die Fernstraße, verbunden auch mit dem Bau einer neuen Brücke über die Blies, die hier, was schon eine Vorbedingung war, bereits seit den Jahren 1919/20 bis zur Flotowstraße begradigt war. Hier aber stand ihrer weiteren Begradigung ein Damm im Wege, über den der Weg zu der weiter draußen im Tal gelegenen alten Böckingschen Brücke und weiter zur Wellesweilerstraße führte.
Erst 1935 begann man der Blies jenseits ­dieses Dammes ein neues Bett zu graben. Nach Beendigung dieser Arbeit wurde dieser Damm schließlich im Jahre 1937 ­durch­brochen, und die Blies in ihr neues Bett ­eingelassen.
Die Blies war nun hier ein weiteres Stück begradigt, aber der Weg zur Böckingschen Brücke war damit unterbrochen. Es hätte also hier einer neuen Brücke bedurft. Unter Verweis auf die nur wenige Meter entfernte, im Zuge der Fernstraße neu erstellte Brücke, war aber die Stadtverwaltung dazu nicht bereit. Nach entschiedenem Protest der Bevölkerung kam es dann aber zu einer gütigen ­Einigung in der Weise, dass es die Technische Nothilfe, quasi als eine Übungsmaßnahme übernahm, hier für den Fußgängerverkehr eine Holzbrücke zu errichten.
Die alte Böckingsche Brücke aber hatte nun ihre Brückenfunktion völlig verloren. Sie wurde in der Folgezeit abgerissen, und heute ist das Gelände dort so hoch aufgeschüttet, dass man ihren Standort und das alte Bliesbett nicht mehr erkennen, ja nicht mehr erahnen kann. Nur ein Gedenkstein, eingemauert in die Hauswand der heute dort ansässigen Fa. Hammer erinnert noch an die alte Brücke. Er ist beschriftet mit „CB 1873“ und „GN 1895“ in der Bedeutung von „Carl Böcking hat 1873 hier eine Brücke gebaut, und die Gemeinde Neunkirchen hat sie 1895 in Besitz genommen“.
Wer und wann er diesen Gedenkstein noch auf der alten Brücke aufgestellt hat, konnte bislang nicht festgestellt werden. Seine Beschriftung ist leider fehlerhaft. Richtig ist, dass Carl Böcking 1873 die Brücke gebaut hat. Falsch ist die Angabe der Jahreszahl 1895 als Übergabedatum an die Gemeinde Neunkirchen, denn das geschah schon im Jahre 1892 und ihre Übergabe an den öffentlichen Verkehr erfolgte bereits im Jahre 1893. Das Jahr 1895 hingegen ist das Todesdatum von Carl Böcking.
Ende des 2. Teils, Fortsetzung folgt
Werner Fried

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