Vom Wagwiesental bis zum Zoo Teil 1

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Der Ortsbereich und seine Geschichte  
 
 

Ein Blick von der Fernstraße in das
Wagwiesental mit seinen vielen Gärten

rechts und links des Altmühler Weges,

der hier noch ganz gut als Damm zu erkennen ist.

Foto: E. Körner, Neunkirchen

Ausschnitt aus einer Karte von 1905,
die noch erkennen lässt, dass es bis dahin um die Bliesmühle herum nur Feld und Wald gegeben hat.
Es gibt aber schon den Feldweg, der zur späteren Mühlwiesenstraße wird (1). Der Weg vom Jedermannsbrunnen, die heutige Zoostraße(2),
mündet nur in den Weg zur Mühle und noch nicht wie heute, geradenwegs zur Brücke. Der hier markierte Feldweg ist der ursprüngliche, alte Weg (Altmühlenweg) zur Mühle hin.

Die Brunnenstube der Bliesmühle aus dem Jahre 1934, wie sie teilweise noch bis 2005 erhalten war,

dann aber abgerissen wurde.
Sie zeugt davon, dass die Mühle unter Carl Böcking zusammen mit dem Landwirtschaftlichen Betrieb doch schon ein ansehnliches Hofgut geworden war. Foto: B.Krajewski in seinen „Heimatkundlichen Plaudereien“.

Ein Blick auf die alte Böcking’sche Brücke

von der Wellesweilerstraße her;

zeitlich einzuordnen zwischen der Bebauung der Jahnstraße ab 1906 und dem Jahr 1937,
ab dem sie wegen der Bliesbegradigung ihre Brückenfunktion verloren hatte.

Foto: H. Röder Bexbach

Eine Bauzeichnung der Hofansicht

von Stall- und Wohnung der „Bliesmühle“,

die 1919 anlässlich ihrer Übernahme durch die Gemeinde Neunkirchen angefertigt wurde.

Foto: Haab, Stadt Neunkirchen

Die technische Zeichnung eines der beiden von Friedrich Mundorf errichteten ca. 12 m hohen Schachtöfen, um die herum noch zwei Arbeitsbühnen angebaut wurden.
Foto: G. Haab, Stadt Neunkirchen
Das von dem Eckerberger Schützenverein 1904 gebaute, hier noch sehr von Wald umgebene Schützenhaus. Foto: H. Röder Bexbach.
Die Quellen, soweit sie nicht im Text benannt wurden:
  • (1) Historischer Verein Stadt­Neunkirchen: Heft 2/2002: Die Mühlen im Dorf Neunkirchen
  • (2) G. Hab, Stadt Neunkirchen
 
Vom Wagwiesental bis zum Zoo und von der Blies bis zum Steinwald. Auch dieser relativ kleine Teil des Neunkircher Bannes hat seine Geschichte, die es verdient, hier einmal aufgezeigt zu werden: Er grenzt im Osten an den Wellesweiler Bann, mit seiner Grenze, die vom Jedermannsbrunnen, mitten durch das Gelände des heutigen Neunkircher Zoo’s, bis hinunter zur Blies verläuft. Rein siedlungsgeschichtlich reicht er aber längst nicht so weit zurück wie die des alten Dorfes Neunkirchen, das bereits seit 1281 urkundlich belegt ist.
Bis ins 18. Jahrhundert hinein war dieser ganze Bereich völlig mit Wald bedeckt. Wir wissen aber, dass es vor dem 30jährigen Krieg (1618 bis 1648) hier im Wagwiesental bereits eine Mühle gegeben hat. Das geht aus einer Schrift hervor, wonach der Johann Nikolaus Werner im Jahre 1716 bei der gräflichen Herrschaft um die Erlaubnis nachsuchte, diese verfallene Mühle wieder aufbauen zu dürfen, was ihm mit dem Erbleihebericht vom 5. Oktober 1716 auch erlaubt wurde. Diese verfallene und nun wieder aufgebaute Mühle stand unterhalb des heutigen Altmühler Weges, der damals nichts anderes war, als ein wieder hergerichteter Damm für den nun hier wieder aufgestauten und notwendig gewordenen Mühlenweiher. Die neue Mühle aber litt schon nach wenigen Jahren zunehmend an Wassermangel. Der Krebsbach reichte als Zulauf einfach nicht aus. Dem Nikolaus Werner wurde deshalb auf sein gnädigstes Ersuchen hin, im Jahre 1732 erlaubt, die Mühle von dem Weiher in der Mühlwies an die Blies, in die so genannte Rippelwies zu verlegen, was er dann auch zusammen mit dem Meyer von Neunkirchen, Peter Schäfer, bewerkstelligte. Ab dem Jahre 1733 gab es dann also die Mühle an der Blies, die „Bliesmühle“. Sie stand aber nicht direkt an der Blies, sondern wegen der Hochwassergefahr etwas abseits, aber das Blieswasser nutzend, das ihr über einen Mühlengraben zugeleitet wurde. Erbbeständer war aber nun allein der Peter Schäfer, der als Pacht jährlich 4 Malter Korn liefern und 6 Gulden zahlen musste. In der Folgezeit wurde der nicht mehr benötigte Mühlenweiher wieder abgelassen. Sein Bereich wurde zu Wiesengelände und bekam den Gewann-Namen „Obere Mühlwies“, im Gegensatz zu der „Unteren Mühlwies“, auf der anderen Seite dieses Mühlendammes. Für die Neunkircher Bauern um den heutigen Oberen Markt herum, führte nun der Weg von der Heizengasse her über diesen Damm zur Bliesmühle, und in Erinnerung an die alte Mühle hier am Damm, nannte man den Weg „Altmühler Weg“. Den Teil dieses Weges, den heutigen Schützenhausweg, der um 1926 herum erst bebaut wurde, nannte man damals „An der Altmühl“.
Bis in die 1970er Jahre hinein konnte man noch ganz deutlich erkennen, dass der Altmühler Weg quer durch das Wagwiesental über einen Damm führte. Seine beiderseitigen Mühlwiesen waren da aber schon längst zu Gartenland geworden, also von Kleingärtnern in Besitz genommen.
In diesen 1970er Jahren aber erfolgte die Neugestaltung des Wagwiesentales zu einem Grünzug von der Blies bis zum „Mantes-la-Ville-Platz“, verbunden mit dem Wegfall dieser Gärten und mit ihrer Aufschüttung bis zum Niveau des Altmühler Weges, der seither nicht mehr als Damm erkennbar ist. Doch nun wieder zurück zur Vorgeschichte:
Wie eine Karte von Neunkirchen aus dem Jahre 1905 ausweist, so war noch in diesem Jahr 1905, dieser ganze Bereich hier mit Wald bedeckt, und mittendrin gab es nur die Bliesmühle mit ihren Äckern, Wiesen und Feldern. (siehe Kartenausschnitt). Diese Mühle wurde von dem schon erwähnten Peter Schäfer bis zu seinem Tode im Jahre 1745 betrieben, und nach längerer Erbauseinandersetzung war dann schließlich sein Schwiegersohn, Christian Rußi zum neuen Erbbeständer geworden. Aus der Bliesmühle war im Volksmund nun „Rußi’s Mühle“ ­geworden. Christian Rußi aber verstarb schon 11 Jahre später, im Jahre 1758. Das war, um es einmal in einen zeitlichen Zusammenhang zu stellen, genau in der Blütezeit des Schloss Jägersberg mit seinem Schlossherren, Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken.
Neuer Erbbeständer war nun dessen Sohn, Bernhard Rußi, zunächst als Miterbe und ab 1767 als alleiniger Erbe geworden. Ihm folgte 1780 wiederum dessen Sohn, Johann Nikolaus Rußi. Der aber war kränklich und ließ die Müllerarbeit bis 1833 von dem Daniel Kuhn verrichten. Zu diesem Zeitpunkt gab es bei der Mühle zwei Wohnhäuser mit 14 Bewohnern. Doch weil ausschließlich der Daniel Kuhn die Müllerarbeit verrichtete, war es dann schon gebräuchlich geworden, von der „Kuhnemühl“ zu reden, dies umso mehr, als dem Daniel Kuhn bezüglich der Müllerarbeit dann auch dessen Sohn Jakob Kuhn gefolgt war.
Ab dem Jahre 1853 aber war dieser Jakob Kuhn, nachdem er sein Examen als Müllermeister gemacht hatte, auch zum Besitzer der Mühle geworden, wenn dann auch nur für kurze Zeit, denn, wie das Mühlenkataster vom 18. August 1857 ausweist, waren zu diesem Zeitpunkt bereits die Gebrüder Stumm die Besitzer der Mühle, die sie allerdings wohl im Jahre 1858 aus Dankbarkeit für seine guten Dienste, dem Carl Böcking übereigneten. Dieser hatte nämlich ab 1848 für seinen damals noch minderjährigen Neffen, Karl Ferdinand Stumm, bis zu diesem Jahr 1858 treuhändlerisch die Leitung des Eisenwerks übernommen. Danach wirkte er noch bis 1871 in der Leitung des Werks mit, und hatte damit auch einen Dank verdient.
Nun also war Carl Böcking Besitzer der Mühle, und zwar einer Mühle, die sehr ihrer Erneuerung bedurfte, mit der er auch sofort begann, nachdem er auf sein Gesuch hin, am 23. Mai 1860 die dazu erforderliche Konzession erhalten hatte. Er brachte die Mühle nun noch einmal richtig in Schwung, und er war es dann auch, der für seinen eigenen Bedarf und auf seine Kosten im Jahre 1873 eine steinerne Brücke über die Blies baute, die allbekannte Böcking’sche Brücke. Der Weg zu dieser Brücke führte ursprünglich vom Dorf Neunkirchen und damit von der Heizengasse her, nur über die Mühle, und zwar, wie diese Karte von 1905 noch deutlich ausweist, über Feldwege, durch noch völlig unbesiedeltes Land; aus heutiger Sicht über den Altmühlerweg, dann der heutigen Straße „Unten am Steinwald“ folgend, von dieser aber abzweigend durch den Schützenhausweg, und dann weiter über die heutige Zoostraße und den dortige Spielplatz hinweg, durch forstfiskalisches Gelände bis zur Mühle hin. Wer also den Weg über seine Brücke nehme wollte, der musst immer den Umweg über die Bliesmühle ­machen (siehe Kartenausschnitt).
Auf Betreiben Böckings, und nicht zuletzt wegen der Unterhaltskosten für seine Brücke, kam es dann aber dazu, dass die Gemeinde Neunkirchen im Jahre 1892 die ­Brücke übernahm, und sie bereits im folgenden Jahr dem öffentlichen Verkehr übergab. Zugleich war damit auch die Möglichkeit eröffnet, ohne den Umweg über die Bliesmühle, die Brücke über die Mühlwiesenstraße zu erreichen. Die Straße „Unten am Steinwald“ endete damals noch an der abbiegenden Mühlwiesenstraße.
Nur zwei Jahre später, im Jahre 1895 ist Carl Böcking verstorben, und vermutlich mit seinem Tode standen dann auch die Räder der Mühle für immer still, war ihr doch schon längst ein ernstzunehmender Konkurrent erwachsen, und zwar mit der 1861 an der Bliesbrücke in der Bahnhofstraße errichteten Dampfmühle des Isaak Bloch.(1) Den ganzen Mühlenbesitz hatte nun der Architekt und Bauunternehmer Friedrich Mundorf ­erworben, nicht aber in der Absicht, die Mühle weiterhin zu betreiben, und auch nicht, um das zugehörige Land zu bewirtschaften, das er pachtweise dem Ökonomen Georg Schumacher überlassen hatte.
Entgegen allen bisherigen Publikationen und Vermutungen, hatte er hier auch keine ­Ziegeln gebrannt, denn diese wurden längst in seiner Ziegelei, in der „Mundorf’schen ­Backsteinfabrik“, der späteren Ziegelei Ranker, in der Wellesweilerstraße gebrannt. Er war hier allein an dem bei der Mühle reichlich vorkommenden Tonschiefer interessiert, den er dann auch sowohl über- als auch untertage abbauen ließ. Zur besseren Vermarktung musste dieser Tonschiefer aber erst noch gebrannt werden. Nach der ihm am 23. Juli 1901 erteilten Baugenehmigung, ­errichtete er deshalb unverzüglich hier bei der Bliesmühle zwei etwa 12 m hohe, in
der Fachsprache „Schachtöfen“ genannte Brennöfen, sehr vergleichbar mit den Hochöfen der ­Eisenwerke, denn auch in diese Schachtöfen konnte man kontinuierlich den Tonschiefer oben einbringen und unten gebrannt entnehmen.
Mundorf selber beschrieb diese Anlage wie folgt: „Die zu erbauenden Öfen sind Schachtöfen mit Halbgasfeuerung. Das zur Herstellung derselben zu verwendende Material besteht aus Bruchsteinen, Backsteinen, feuerfesten Steinen und Zementbeton. Die Bedienung ist folgende: Das zu brennende Material, Tonschiefer, wird über die in der Zeichnung angegebene Brücke zum Aufgeben durch das im oberen Teil des Ofens befindliche Loch in das Innere des Ofens gebracht. Das Brennen des Tonsteines wird bewirkt durch zwei seitlich angebrachte Feuerungen, deren Beschickung durch in der Decke derselben angebrachte Schürlöcher geschieht, und deren Feuer sowohl, wie die Verbrennungsgase durch das aufgeschüttete Rohmaterial schlagen. Durch seitlich im Ofen angebrachte Löcher wird die eingebrachte Masse mittels Stoßeisen zum besseren Herabfallen veranlasst. Die im unteren Theile des Ofens befindlichen, fertig gebrannten Steine werden durch daselbst angebrachte Öffnungen abgezogen. Durch das Entfernen der fertigen Steine und durch das aufbringen von ungebrannten Steinen in den oberen Theil des Ofens wird der Betrieb zu einem continuirlichen. Die überflüssigen Verbrennungsgase werden direkt 11,57 m über dem Erdboden ins Freie befördert.“ Soweit seine Beschreibung.
Die Produktion und die Nachfrage nach ­diesem gebrannten Tonschiefer erreichte schließlich ein Ausmaß, dass Mundorf sich veranlasst sah, im Jahre 1905, nachdem ihm die Gemeinde Neunkirchen am 30. Juli dieses Jahres die Genehmigung dazu erteilt hatte, von der Bliesmühle bis zu den Bahngleisen beim Neunkircher Schlachthof eine Drahtseilbahn zu bauen, mit deren Hilfe man nun auf einfachste Weise die dort zur Verfrachtung bereitstehenden Güterwagen füllen konnte. Soweit aus den alten Akten zu entnehmen ist, gingen die „Mundorf’schen Tonwerke“, nachdem sie kurzzeitig zur GmbH geworden waren, nun zusammen mit der „Mundorf’schen Backsteinfabrik“, Ende des Jahres 1905 in die „Mundorf’sche Backstein- und Kalkwerke Aktiengesellschaft“ über.(2) Ob und inwieweit Mundorf als Aktionär an dieser AG beteiligt war, und inwieweit er evtl. als technischer Leiter noch mitgewirkt hat, das geht aus den Akten leider nicht hervor. Gewiss ist nur, dass er sich am 14. Januar 1914 nach Doberan in Mecklenburg abgemeldet hat, und mindestens ab diesem Zeitpunkt aus der Geschäftsführung völlig ausgeschieden war.
Bis zum Jahre 1904 gab es aber hier noch immer, vom Wagwiesental bis zum Zoo, nur bei der Bliesmühle ein Zeichen menschlichen Wirkens, abgesehen von zwei Steinbrüchen, die aber nur gelegentlich genutzt wurden. Ein Steinbruch lag an dem Wege nach Wellesweiler, an der heutigen ­Zoo­straße, in welchem heute das Naturfreundehaus steht. Der andere Steinbruch befand sich an der heutigen Straße „Am Mädchengymnasium“, in welchem einmal eine Schneckenfarm betrieben wurde. Der Eckersberger Schützenverein war es dann schließlich, der im Jahre 1904 hier ein Grundstück zur Errichtung einer Schießhalle pachtete und auf diese Weise zum ersten Neusiedler in diesem Bereich wurde. Sein erster Standort war am Eckersberg beim heutigen Kohlwaldaufstieg, von dem er auch ­seinen Namen herleitete, und den er dann auch so beibehalten hat.
Ende des 1. Teils, Fortsetzung folgt
Werner Fried

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