Grube Heinitz in Neunkirchen Teil 2

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Vorreiter der Elektrifizierung an der Saar  
 
 
Gasmaschinenzentrale 1911, Foto: Fa.Ehrhard & Sehmer
Das ehemalige Kraftwerksgebäude um 1985.
Foto: Schumacher[22]
 
Quellen
  • [1] Herzig, Thomas: Geschichte der Elektrizitätsversorgung des Saarlandes unter besonderer Berücksichtigung der Vereinigten Saar-Elektrizitätswerke, 1987.
    d) S. 34 – 35, e) S. 60
  • [7] Akte BWD 147, Landesarchiv SB.
    c) S. 89 – 93, 97, d) S. 99 – 105
  • [15] Mengelberg/Peucker: Glückauf 46, 1910, S. 1333, 1334, 1359. Zit.v.Herzig
  • [1]: S. 34, 35
  • [16] Sass,Friedrich, Geschichte des deutschen Gasmaschinenbaues, 1962, S. 228
  • [17] Schroeder,Wilhelm: Saarbr. Bergm. Kal. 1965, S. 66
  • [18] Der Bergmannsfreund 1906, Nr. 107. Zit.v.Herzig [1]: S. 31
  • [19] Altakte AI-104. S. 51ff, StA NK
  • [20] Sebastian, Johannes im Neunkircher Stadtbuch. 2005, S. 197
  • [21] Saarbergwerke AG, Abt. Energiewirtschaaft. Zit.v.Herzig
  • [1]: S. 34, 142, 189, 402
  • [22] Aus: Borsdorf/Eskildsen: Untertage, Übertage, Bergarbeiterleben heute. C.H.Beck, 1986, S. 112
  • [23] Slotta, Delf: Steinkohle 10/2001, S.IV
  • [24] Saarbr. Ztg. v. 19/20.11.1983, S.II
 
1905 wurden außerdem 30 Koksöfen vom System Koppers gebaut, welche die Gewinnung von Teer und Ammoniak erlaubten und erhebliche Überschussgasmengen lieferten. 1906 erfolgte der Bau von weiteren 60 neuen Koksöfen und die Zentrale erweiterte man mit drei Gasmotoren von je 1500 PS. Eine zweite Erweiterung mit zwei Gasmotoren von 3000 PS wurde 1907 begonnen und ein neuer Gasometer von 5000 cbm kam in Betrieb. Am 1. Oktober des Jahres wurde Berginspektor Mengelberg (seit 1902 in Heinitz) als Leiter der neu geschaffenen Abteilung für Kraft- und Wasserwerke nach Saarbrücken versetzt. Er hatte wahrscheinlich auch die Oberaufsicht beim Bau des Heinitzer Kraftwerkes, bei der er durch den vertraglich eingestellten Ingenieur Peucker unterstützt wurde, der ebenfalls nach Saarbrücken versetzt wurde. An das öffentliche Netz ging das Kraftwerk Heinitz erst im April 1908 mit einer Spannung von 10600 Volt Drehstrom. Das Kraftwerk Luisenthal folgte mit gleichzeitiger Betriebsaufnahme im Februar 1909. Bis etwa 1910 waren alle elektrischen Einzelanlagen auf den Gruben durch Versorgung aus den beiden Kraftwerken ersetzt worden. Das bedeutete für die Bergwerksdirektion eine Einsparung der jährlichen Betriebskosten von 400.000 bis 500.000 Mark. Über den Daumen gepeilt entspricht das heute etwa 10 Millionen Euro. 1912/13 begann ein weiterer Ausbau mit Gasmotoren und einem Gasometer von 30.000 cbm [1d,7d,15,17]. Gemessen an der Kupplung zwischen Gasmaschine und Drehstromgenerator hatte das Kraftwerk eine Leistung von 20.000 PS [16].
Die Kraftwerkspläne der Bergwerksdirektion waren in der Presse auf großes Interesse gestoßen, weil immer wieder versichert wurde, dass mit den modernen und leistungsfähigen Maschinen es möglich wäre „die Kosten der Stromerzeugung in außer- ordentlichem Maße zu verringern“ [18]. Nach Merzig hat die Gemeinde Neunkirchen als erste Kommune die Initiative ergriffen, sich auf das Angebot der Bergwerksdirektion einzulassen [1e]. So kam es am 17. September 1906 zu einem Vertragsabschluss zwischen dem fortschrittlich denkenden Bürgermeister Ludwig und Bergrat Fischer, dem Leiter der Berginspektion VII Heinitz. Der §1 lautete: „Der Königliche Bergfiskus verpflichtet sich, an die Gemeinde Neunkirchen den zum Betrieb ihrer Straßenbahn, zu sonstigen Kraftanlagen, sowie zur Beleuchtung und zur Abgabe an Dritte erforderlichen Strom zu liefern. Dagegen verpflichtet sich die Gemeinde, ihren eigenen und den für Dritte erforderlichen Bedarf an Strom ausschließlich von den Bergfiskalischen Elektrizitätswerken zu beziehen“. Der Vertrag war unkündbar bis zum 1. Januar 1916 [19]. Mit Verlegung der Hochspannungskabel wurde gleich nach Vertragsabschluss begonnen [7c]. In der Norduferstraße wurde eine elektrische Zentrale errichtet, um die Hochspannung herunter zu transformieren. Und so konnte am 13. September 1907 die elektrische Straßenbahnlinie Neunkirchen/Scheib – Wiebelskirchen ihren Betrieb aufnehmen. Dieses besondere Ereignis jährt sich dieses Jahr zum hundertsten Mal. Es war die zweite elektrische Straßenbahn an der Saar nach der ersten Linie in Saarbrücken 1899 [20].
Der laufend größer werdende Bedarf an elektrischer Energie bot in Heinitz nach dem ersten Weltkrieg keine Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit des Koksgaskraftwerkes zu steigern, da ja die Gasproduktion mit der Absatzmöglichkeit von Hüttenkoks gekoppelt war. Der Hauptbedarf musste ab den 1920er Jahren durch drei Kohlenkraftwerke gedeckt werden. Das veranschaulicht eine Tabelle, in welcher Änderungen der Leistungsfähigkeit des Kraftwerkes Heinitz den Leistungsfähigkeiten der Kohlenkraftwerke gegenübergestellt sind [21] Leistungsfähigkeitsvergleich der Grubenkraftwerke. Ab den 1930er Jahren zeigte die Saarferngas AG ­großes Interesse an Mehrlieferungen von Koksgas, das ja praktisch mit Leuchtgas identisch ist. Ab 1937 stiegen die Gaslieferungen laufend an, das Kraftwerk Heinitz kam allmählich zum Erliegen [17] und das endgültige Aus kam 1955. Wie die Tabelle zeigt, war sein Anteil an der Gesamtstromerzeugung sowieso unbedeutend, und da war es wirtschaftlich günstiger, das überschüssige Gas zu verkaufen.
Nach den technischen und teils auch wirtschaftlichen Betrachtungen soll zum Schluss das in architektonischer Sicht bedeutsame Gebäude des Kraftwerkes Heinitz kurz noch besprochen werden.
Bis zu dem östlichen Anbau (rechts), der in den 1920er Jahren entstanden ist, handelt es sich bei dem Hauptteil um eine Stahlskelettkonstruktion von großer Qualität mit stark gegliederten Fenstern, die sich auf einem Sandsteinsockel befindet. Nach Slotta verdient die Halle des Heinitzer Kraftwerkes ­eine ähnliche Bewertung wie die sehr bekannte Maschinenhalle des Steinkohlenbergwerkes Zollern II/IV in Dortmund-Bövinghausen, die als nationales Denkmal erklärt worden ist [23]. Als 1983 in Neunkirchen eine Diskussion um den Erhalt des stillgelegten Neunkircher Eisenwerkes entstanden war, wies Prof. Dr. Boris Kleint, der ehemalige Rektor der Hochschule für Bildende Künste in einem Leserbrief auch auf das „ungewöhnliche Fabrikgebäude in Heinitz“ hin und sagte zum Schluss: „Die Wiederherstellung der Heinitzer Halle, für die im Land schwerlich Vergleichbares zu finden ist, wäre eine, wenn auch schwierige nationale Aufgabe. Freilich: Mut gehört dazu“ [24].
Um das Ziel einer Erhaltung und Nutzung der Halle zu erreichen hat sich am 1. November 2003 die „Initiative Gasmaschinenzentrale Heinitz e.V., Grubenstraße 107, 66540 Neunkirchen-Heinitz, gegründet.
Ende
Helmut Schinkel

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