Grube Heinitz in Neunkirchen Teil 1

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Vorreiter der Elektrifizierung an der Saar  
 
 

Inspektionsgebäude, erbaut 1874/75

mit Telefonanlage 1884 und Glühlampen 1893.

Foto: Nachlass A. Bild

Elektrische Koksausdrückmaschine mit Stampfvorrichtung um 1905. Links der 1904 fertig gestellte erste Bauabschnitt des Koksgaskraftwerkes. Foto: G.Haab
Elektronische Ventilatoranlage im Binsenthal
Foto: G. Debold

Die ersten beiden Gasmaschinen.
Aus einer Anzeige der Fa. Ehrhard & Sehmer

im Saarbr.Bergm.Kal. 1910.

Repro: StA NK

Quellen
  • [1] Herzig, Thomas: Geschichte der Elektrizitätsversorgung des Saarlandes unter besonderer Berücksichtigung der Vereinigten
    Saar-Elektrizitätswerke, 1987.
    a) S.57, b) S.25-42, c) S.28,
    d) S.34-35, e) S.60
  • [2] Elektrotechn. Zeitschrift 1, 1880, S.21. Zit. v.Herzig [1]: S.23
  • [3] Der Bergmannsfreund, 1879, S.70-71
  • [4] Bruch, Ludwig: Saarbr. Bergm. Kal. 1970, S.68,69
  • [5] Festschrift zum 50-jährigen
    Jubiläum der Grube Heinitz 1897.
    a) S.17, b) S. 23, 27 c) S. 74, d) S. 70
  • [6] Zeitschr. f. d. Berg-,
    Hütten- und Salinenwesen 1881,
    S. 234. Zit. v. Herzig [1]: S.25
  • [7] Akte BWD 147, Landesarchiv SB.
    a) S. 47, b) S. 53, c) S. 89-93, 97,
    d) S. 99-105, e) S.101
  • [8] 50 Jahre Röchling, 1931,
    S. 300. Zit. v. Herzig {1]: S.39
  • [9] Der Bergmannsfreund 1893, S. 610
  • [10] Der Bergmannsfreund 1900, S.469. Zit.v.Herzig [1]: S.28
  • [11] Saarbr.Bergm.Kal. 1901, S.77
  • [12] Wagner, Otto: Saarbr. Bergm.
    Kal. 1962, S. 30
  • [13] Saarbr.Bergm.Kal. 1910, S.29-31
  • [14] Schult,Heinrich:
    Technikgeschichte 30, 1941,
    S. 17., Zit. v. Herzig [1]: S.32
Die ersten Untersuchungen über elektrische Erscheinungen fanden schon vor über 400 Jahren statt. Zur weiteren Entwicklung haben viele Forscher beigetragen. Es sei hier nur an die Namen Volta, Ampère oder Ohm erinnert. Den ersten Schritt für die Erzeugung von elektrischem Strom tat 1831 Michael Faraday mit Entdeckung der elektro-magnetischen Induktion, d.h. der Stromerzeugung durch Bewegung eines Magneten. In allen Industrieländern wurde nun nach einer praktischen Möglichkeit gesucht, dieses „elektromagnetische Prinzip“ auszunutzen. Es hat über 30 Jahre gedauert, bis Werner Siemens 1866/67 die brauchbarste Konstruktion zur Stromerzeugung gelang. Er gilt daher als der Erfinder des Stromgenerators, des Dynamos. Es war nun möglich, Strom von unbegrenzter Stärke auf bequeme und preiswerte Art zu erzeugen. Zunächst kam es nur zur Erzeugung von Gleichstrom. Das hatte zur Folge, dass die Anwendung der Elektrizität anfangs auf den Ort der Erzeugung beschränkt blieb und nur einige 100 Meter weitergeleitet werden konnte. Nach Herzig, der sich ausführlich mit der Elektrizitätsversorgung an der Saar befasst hat, waren etwas später Weiterleitungen bis drei Kilometer möglich[1a].
Siemens sah in dem elektrischen Strom vor allem eine Möglichkeit zur Krafterzeugung. Hinsichtlich der Lichterzeugung schrieb er noch 1880: „...ich möchte hierbei aber doch bedenken, dass das elektrische Licht schwerlich jemals das Gaslicht wird verdrängen können“[2]. Nun war es aber das Licht, mit dem die Elektrizität den Weg an die Saar fand. In der Zeitschrift „Der Bergmannsfreund“ vom 25. April 1879 erschien der vierte und letzte Teil einer unsignierten Artikelserie mit dem Titel „Das elektrische Licht und die Lichtmaschinen“[3]. Der Beitrag stammt mit ziemlicher Sicherheit aus der Feder des damaligen Bergrates Anton Haßlacher, der bei Gründung der Zeitschrift 1870 mit der Redaktion und Herausgabe beauftragt worden war und dieses Amt bis 1880 innehatte[4]. Vermutlich hat Haßlacher seine Tätigkeit an der Saar in Heinitz begonnen, denn in der Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum der Grube Heinitz wird 1865 der „Bergeleve Haßlacher“ als Gasinspektor genannt[5a]. In dem o.g. Artikel wird zunächst auf die Vorteile der „dynamo-elektrischen Maschinen“ in der Industrie hingewiesen. Es heißt dann weiter:“ Sie sind indessen doch hauptsächlich für die Erzeugung des elektrischen Lichtes von Bedeutung geworden, wenn auch freilich nicht abzusehen ist, ob sich die großen Fehler, an denen die elektrischen Beleuchtung bis jetzt noch leidet, mit der Zeit werden beseitigen lassen.... In der Saarbrücker Gegend hat das elektrische Licht seit Anfang des Jahres (1879) auf den Dechen-Schächten der Kgl. Steinkohlengrube Heinitz Anwendung gefunden, und zwar zur Erleuchtung der Rätteranlage (Siebanlage). So hat man über jedem Leseband eine elektrische Lampe aufgehängt. Jede der Lampen wird durch eine besondere Siemens’sche Lichtmaschine gespeist und liefert eine Lichtmenge gleich etwa 200 Gasflammen.“ Die Dynamos wurden von den Dampfmaschinen der Rätteranlage mit betrieben. An anderer Stelle findet sich noch die nähere Angabe: „Zwei Lampen nach dem System Hefner von Alteneck verbreiteten an den drei Lesebändern, verschiedenen Ladegeleisen, der Ladebühne und einer Drehscheibe so viel Licht, dass sämtliche Manipulationen und deren Beaufsichtigung mit der nämliche Sicherheit wie bei Tage durchzuführen waren“[6]. Nachdem Herzig festgestellt hat, dass es vor 1879 keine elektrische Kraftübertragung an der Saar gegeben hat[1b], kann man also sagen: Die Elektrifizierung hat hier mit der Lichterzeugung auf Grube Heinitz begonnen. Bei den erwähnten Lampen handelte es sich noch nicht um Glühlampen, sondern um Kohlenbogenlampen. Diese bestanden aus zwei Graphitpolen, an welche über einen Vorwiderstand eine Gleichspannung angelegt wurde. Wenn die Pole sich berührten, erhitzte sie der Strom und sie kamen an einer kleinen Stelle zum Glühen. Zog man die Pole dann etwa 1 cm auseinander. so entstand ein intensiver Lichtbogen mit hellem weißem Licht. Nach dieser Beschreibung ist es verständlich, dass solche Lampen nicht für einen allgemeinen Anwendungsbereich geeignet waren. Das blieb der Kohlenfaden-Glühlampe vorbehalten. Sie war zwar schon 1854 von Heinrich Göbel für private Zwecke erfunden worden, aber erst 1879 fand Thomas Edison (ohne Kenntnis der Göbel’schen Lampe) eine technische Möglichkeit zur serienmäßigen Fabrikation dieser Lampe. Er gilt daher allgemein als Erfinder. Bis diese Neuerung in der damaligen Zeit aus den USA nach Europa gelangte, dauerte es noch einige Jahre.
Die Elektrizität fand auch auf dem Gebiet der Nachrichtentechnik eine Anwendung. Die elektrische Übertragung der menschlichen Sprache war Philipp Reis 1861 gelungen. Den großen Aufschwung der Fernsprechtechnik brachten aber die Erfindung des elektromagnetischen Telefons durch Graham Bell (1861) und des Kohlemikrofons durch Thomas Edison (1877) und David Hughes (1878). Bereits im Frühjahr 1884 heißt es in den Akten der Grube Heinitz: „Einrichtung einer Telefonanlage auf der Grube“[7a]. Nach Herzig ist es die erste Telefonanlage im Gebiet der Bergwerksdirektion Saarbrücken[1c], und damit die zweite große Leistung der Grube Heinitz zur Einführung elektrischer Anwendungen im Saargebiet.
Welche Gebäude über Tage mit Telefon verbunden waren, ist nirgends vermerkt. Es ist anzunehmen, dass innerhalb des großen Inspektionsgebäudes die wichtigsten Büros miteinander verbunden waren, sowie das westlich davon stehende Wohnhaus des Bergwerksdirektors. Möglicherweise hatten auch andere wichtige Gebäude auf den Anlagen Heinitz, Dechen und Geisheck, die teilweise über 2 km auseinander lagen, einen Telefonanschluss. Die Telefonanlage wurde während der Amtszeit des Heinitzer Bergwerksdirektors Otto Täglichsbeck (1876-1884) installiert[5b]. In dieser Zeit war auch die Einführung des elektrischen Lichtes 1879, sodass auch dies ihm zu verdanken ist. Im Berichtsjahr 1890/91 vermerken die Grubenakten, dass im Schachtgebäude von Heinitz-Schacht III eine elektrische Anlage mit 15 Bogenlampen à 9 Ampère eingerichtet wurde[7b]. Die ersten Glühlampen brannten nicht in Grubenbetrieben. Aus einer Festschrift ist zu entnehmen, dass auf der Völklinger Hütte 1887 70 Bogenlampen in den Fabrikanlagen und „einige“ Glühlampen in den Büros brannten[8]. Für Grube Heinitz findet sich am 21. September 1893 nachstehende Zeitungsnotiz: „Gestern Abend wurde die elektrische Beleuchtung der verschiedenen Diensträume des hiesigen Inspektionsgebäudes probiert. Die Probe fiel recht gut aus, da das Licht sehr ruhig brennt und recht schön beleuchtet“[9]. Für das große Inspektionsgebäude muss eine größere Zahl von Glühlampen eingesetzt worden sein. Vier Jahre später heißt es in der Festschrift von 1897, dass neben 39 Bogenlampen 189 Glühlampen auf der Grube Heinitz vorhanden sind. Zur Stromerzeugung dienten vier Dampfmaschinen von zusammen 40 PS, ein Gasmotor von 12 PS und eine Turbine von 2,5 PS. Die vorher an mehreren Stellen untergebrachten Lichtmaschinen sind nun zu einer elektrischen Zentrale vereinigt worden. Dort waren auch die Maschinen untergebracht, die zur Erzeugung von elektrischer Kraft für den Betrieb der 800 Meter entfernten Pumpstation im Weilerbachtal dienten[5c]. Das war der Anfang der elektrischen Krafterzeugung auf Grube Heinitz. Bei den anderen Bergwerken im Saarrevier hatte es damit 1894 auf Grube Altenwald begonnen. Dort wurde der Strom durch eine Wasserturbine auf der 4. Tiefbausohle erzeugt, und mit einem Bleikabel zu einem 600 m im Schacht entfernten Elektromotor geleitet, der eine Wagenförderung mit Seil ohne Ende antrieb[10]. In Heinitz erfolgte 1897 die Inbetriebnahme einer elektrischen Koksausdrückmaschine, zum Materialtransport vom Lagerplatz zum Heinitz-Schacht III wurde eine Elektro-Lokomotive eingesetzt und eine Mörtelmaschine und eine Heupresse elektrisch betrieben. 1902 erhielt die Koksausdrückmaschine eine Stampfvorrichtung mit elektrischem Antrieb. Im Binsenthal kam 1904 ein elektrischer CapellVentilator zum Einsatz[7c]. Unter Tage waren wegen der bergbehördlichen Vorschriften nur magnetelektrische Signalapparate im Gebrauch. Über diese ­Geräte gibt es 1901 einen Bericht, in dem aber der Beginn des Einsatzes bei den Saargruben nicht angegeben ist[11]. Auf der Grube Heinitz waren sie jedenfalls schon 1897 im Einsatz[5d]. Die eigentliche Elektrifizierung unter Tage begann wesentlich später: 1947 betrug der Anteil erst 16 % und 1960 waren es 68%[12]. Der schon genannte Gasmotor war mit Leuchtgas aus der grubeneigenen Gasanstalt betrieben worden und hatte 1897 einen Anteil von 28 % an der Stromversorgung der Grube. Seit wann der Gasmotor hier im Einsatz war, geht aus den Unterlagen nicht hervor. Er war jedoch der Anlass, ein mit Koksgas betriebenes großes Kraftwerk zu bauen, der dritte und letzte große Beitrag der ­Grube Heinitz zur Stromerzeugung und Stromversorgung. Zu diesem Plan beigetragen hatte auch die inzwischen eingetretene bahnbrechende Entwicklung der Strom-Fernleitung. Zur Internationalen Elektrizitätsausstellung 1891 war es Oskar von Miller gelungen, Drehstrom – das ist dreiphasiger Wechselstrom – von Lauffen am Neckar in das 180 km entfernte Frankfurt zu übertragen. In einer Beschreibung der Kraftwerke der kgl. Bergwerksdirektion Saarbrücken heißt es dazu: „Als dieser Versuch bewiesen hatte, dass man mittels der Elektrizität Kräfte auf große Entfernung rationell übertragen kann, fing man sofort an, die Betriebskräfte an günstige gelegenen Punkten zu erzeugen und sie durch die Elektrizität an die einzelnen Abnehmer zu verteilen, während man früher gezwungen war, an jeder Stelle, wo Kräfte gebraucht wurden, einen entsprechend kleinen Krafterzeuger aufzustellen.... Man entschloss sich von diesen Gesichtspunkten ausgehend zum Bau großer elektrischer Zentralen, welche das ganze Saarrevier mit Strom versorgen sollten. Man hatte in Heinitz eine billige Kraftquelle zur Verfügung, da bei der Verkokung der Kohlen in der großen Heinitz-Kokerei Gase gewonnen werden, welche bisher nur unvollkommen ausgenutzt werden. Da die Gase jedoch nicht für den gesamten Bedarf an Elektrizität ausreichen, so wurde in Luisenthal noch eine Dampfturbinenzentrale errichtet[13].“ Nach Schult war es ursprünglich vorgesehen, auch in ­Luisenthal eine Gaszentrale zu errichten, aber nach dem durchschlagenden Erfolg des Einsatzes der neu entwickelten Dampftur­bine zur Stromproduktion veranlasste die Bergwerksdirektion von dem ersten Plan abzuweichen[14]. In Heinitz wurde 1904 mit dem Bau begonnen und dazu eine Maschinenhalle (siehe Abbildung zwei) und ein Gasometer von 1000 cbm errichtet. In der Halle begann man mit der Montage eines Gasmotors, der eine Leistung von 700 PS hatte. Nach Mengelberg/-Peucker musste Heinitz schon 1905 in Betrieb gehen, da einige Gruben durch Störungen der eigenen Elektrizitätsanlagen Schwierigkeiten hatten. Es wurde außerdem ein 1200 PS-Gasmotor nahezu fertig montiert.
Ende des 1. Teils
Ein Bericht von Helmut Schinkel

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