Ein Gang durch das Neunkircher Eisenwerk Teil 2

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Ein kleiner Rückblick in die Fünfziger Jahre  
 
 
Druckmaschine
Ofenführungswagen
Koksseilbahn zum Hochofen
Drehstromzentrale
Gasreinigung und Tor 5
Hochofenbereich
Luftschutzleitstelle im 2. Weltkrieg
Auch der Waggonkipper wurde umgebaut, um von hier aus Kohle durch das neue Transportband in die Mischanlage zu fahren, was vorher nur durch die Seilbahn von der ­Grube König aus möglich war. Neben dem Kipper befand sich das L.K. Magazin( Leiter Pulvermüller, Therre, Roth, Stoll H.). Hier wurden fast alle Ersatzteile der Anlage aufbewahrt.
Bei der Mischanlage stand noch die Werkstatt 3 mit der Maschinenabteilung. Daneben war die Seilbahnstation der Koksbahn zum Hochofen mit einer kleinen Werkstatt. Hinter der Mischanlage befand sich die Kantine der Anlage. Der Betriebsablauf an den Öfen war folgender. Am Waggonkipper wurde die Kohle aus dem Bahnversand entleert und mit der Kohle der Königsgrube, die über die Seilbahn kam, vermischt, gemahlen und über die Transportbänder in die einzelnen Kohlentürme transportiert. Hinter den Öfen zur Saarbrückerstraße hin fuhren die so ­genannten Druckmaschinen. Auf der anderen Seite der Öfen zur Mischanlage hin, fuhren die Ofenführungswagen und darunter die Löschwagen.

Auf den Öfen liefen die Füllwagen
Der Füllwagen fuhr unter den Kohlenturm und ließ seine fünf kreisrunden Trichter mit Feinkohle voll laufen. An dem zu füllenden Ofen wurden die Deckel aufgemacht und durch diese Öffnungen lief die Feinkohle aus den Trichtern in die Ofenkammern. Wenn die Trichter leert waren, wurden die wieder eingelegt und luftdicht verschlossen. Nun öffnete man über der Ofentür ein Klappe und die Druckmaschine eine Planierstange ein, um den Kohlekuchen im Ofen zu ebnen. So ging das Füllen der Ofenkammern vor sich. Das Drücken oder Entleeren des Ofens kam nach einer gewissen Standzeit. Dann wurde in Folge jeder fünfte Ofen gedrückt. Zum Drücken des Ofens wurden beide Ofentüren angehängt, entriegelt und zur Seite gefahren. Nun konnte man den glühenden Kokskuchen im Ofen sehen. Die Druckmaschine brachte nun die zweiteilige Druckstange in Ofenposition. Diese Zahnstange reichte durch den ganzen Ofen und durch den Ofenführungswagen hindurch bis zum Löschwagen. Nun wurde der Führungswagen genau vor die Ofenöffnung ­gefahren, nachdem auch dort die Tür ­aus­gehängt war.
Wenn Druckmaschine, Führungswagen und Löschwagen auf ihren genauen Positionen standen, gaben diese einzeln Signale und der Maschinist der Druckmaschine drückte über die Zahnstange den Ofen leer. Der Löschwagen verteilte durch langsame Fahrt den noch Glühenden Koks im Löschwagen.
Nach der völligen Entleerung des Ofens wurde die Zahnstange wieder zurückgefahren und der Ofen wieder geschlossen. Der Ofen wurde wieder neu gefüllt und der ganze Kreislauf begann von vorne. Der Löschwagen fährt unterdessen mit dem glühenden Kokskuchen zum Löschturm. Dort wird der Koks mit Wasser abgelöscht bis er erkaltet ist.
Der Koks wird dann auf die schräge Koksrampe geschüttet und je nach Bedarf über ein Transportband zum Löschsieb transportiert. Nach dem Sieben in einzelne Größen wurde er gebunkert und nach Bedarf den einzelnen Abnehmer zugeführt. Hauptabnehmer für den Koks war der Hochofen­betrieb über die Seilbahn. Nach dem Vollzapfen der Seilbahnwagen fuhren diese mit eigenem elektrischem Antrieb in eine Warteschleife. Dort standen sie, bis man die ­Wagen von der Schalterbude aus auf die Fahrt zum Hochofen schickte. Die Schalterbude befand sich hinter der R3 und dort begann die eigentliche Seilbahn, denn vorher liefen die Wagen wie schon erwähnt mit ­eigenen Motoren.
Die vier Tragseile der Bahn waren dort verkeilt und befestigt. Es handelte sich um zwei volle und zwei Leerbahnen. Die doppelten Seile waren deshalb notwendig, um beim Ausfall einer Bahn sofort auf die andere umfahren zu können. Die Länge der Strecke betrug etwa 400 Meter. Auf der Fahrt über das Tragseil wurden die Wagen von einem Zugseil gezogen, in das sich die Wagen bei der Fahrt aufs Seil automatisch einklinkten. Das Zugseil lief immer rund. Es wurde durch die Antriebsmaschine die am Hochofen oberhalb der jetzt noch stehenden Maschine 5 stand, angetrieben. Auf der Gichtbühne der Öfen angekommen klinkten sich die ­Wagen wieder aus und fuhren mit elektrischem Antrieb an die vorbestimmten Öfen. Vor dem Antriebshaus hingen an den Seilenden hingen die vier Kontergewichte der Tragseile. Sie wogen zwischen 30 und 40 Tonnen. Ihre Funktion war, die Tragseile je nach Belastung straff zu halten. Die acht Tragstützen der Bahn waren mit einem Drahtnetz verbunden. In der Mitte befand sich ein hölzerner Laufsteg. Man konnte so alle Seilwechsel und Reparaturen ohne Absturzgefahr ausführen. Der Wechsel eines Tragseils war schon eine umfangreiche Arbeit. Zunächst wurde das neue Tragseil auf einen Breitspurwagen mit einem drehbaren Haspel gelegt und mit dem freien Zugseil über die gesamte Strecke bis zum Hochofen gezogen. Nun hoben wir das Kontergewicht mit zwei E-Winden die voll eingeschert waren, etwa zwei Meter hoch und unterbauten den Korb mit Eisenbahnschwellen.
Das so entlastete Seil wurde nun mit einem Kettenzug aus den einzelnen Auflagerschuhen an den Stützen gehoben und aufs Netz gelegt. Dann wurde das Seil aus der konischen Halterung bei der Kokerei gezogen und abgebrannt. Das gesamte Seil wurde dann Stück für Stück bis zur Höhe des L.K.-Magazin gezogen, durchgebrannt und vom Netz geworfen. Die Arbeit am neuen Seil ging jetzt umgekehrt vor sich. Auflegen des Seils auf die Auflager. Befestigen am Kontergewicht am Hochofen. Dann wird das Seil bei der Kokereistation in den Konus gezogen und verkeilt. Dann wird der Konus verschrauben. Das Seil ist jetzt auf beiden Stationen befestigt und liegt auf den Stützen. Nun wird das Kontergewicht am Hochofen angehoben und das darunter stehende Schwellengerüst abgebaut. Das Gewicht wird abgelassen bis das Seil stramm ist. Für einen Seilwechsel brauchten wir etwa 4 Tage bei zwölfstündiger Arbeitszeit.

Die Gasmaschinenhalle Saarbrückerstraße
Von der Kokerei aus weiter stadteinwärts musste man über die Brücke der Königs und Erzbahn. Rechts stand ein alter Wasserturm, dann folgten einige kleine Häuser bis zur Hüttenschule die die Fa. Stumm 1814 baute. Das Gebäude ist verkauft. Daran schloss sich das L.E.-Magazin an. Dann folgte die lange Halle mit den Gasmaschinen, die so genannte Zentrale. Hier standen meines ­Wissens elf Gasmaschinen und produzierten Strom. Der Antrieb erfolgte durch Gicht und Koksgas.
Die Halle wurde 1904 erbaut. Nachdem 1968 das D.K.W. an der Königstraße erweitert wurde, baute man die Maschinen nach und nach ab und verlegte etwa 1969 das Zentralmagazin in die Halle. Später übernahm dann der Neunkircher Unternehmer Rolf Schneider (Bosch) die Halle mit der Formdreherei GmbH. die Halle (Gillenberg). Er fertigte dort Kleinteile für die Firma Bosch. Die darunter liegende elektrische Werkstatt mit Ankerwicklerei hat die Firma S.I.G. ­Sicherungsgeräte gekauft.
Als letzte Station auf dieser Straßenseite befand sich die Sauerstoffausgabe, direkt neben Tor 5. Betrat man das Torhaus von der Straße her, standen rechts und links die Bauten der Gasreinigung Hochofen. Hier wurde das anfallende Gichtgas des Hochofens entstaubt und gereinigt. Im rechten Gebäude war ebenerdig die Schlosserei untergebracht, darüber befand sich Näherei für die Stoffschläuche Auf der linken Seite war unten ein großer Maschinenraum. Dort liefen die Ventilatoren die das Gas ansaugten und durch die Reinigungskammern trieben. Dieser Bau hatte eine außen liegende Treppenanlage die auf manchen Bilder gut zu sehen ist. Im Gebäude befanden sich große Behälter, die den Staub auffingen, der täglich abgezapft wurde und auf die schon erwähnte Kippe bei Dechen gefahren wurde. Über die Straße führte noch die 2000er Gasleitung, die ins Nordwerk führte. Auf der anderen Seite der Saarbrückerstraße standen die Reste des 1835 erbauten und am 30. November 1944 durch Bomben zerstörten Stummschen Herrenhaus. Später wurden die noch verbliebenen Reste abgerissen. Auf einem Stein wurde eine Gedenkplatte angebracht, die eines Tages verschwunden war. Die Reithalle, erbaut 1835, die in den fünfziger Jahren die Werksfeuerwehr beherbergte, wurde im Zuge der Neugestaltung des Areals sehr schön renoviert und dient heute der ­Kleinkunst. Links davon, direkt an der Mauer zum Hammergraben, steht noch das alte ­Kutscherhaus. Es dient heute als Hausmeisterwohnung und beherbergt Teile des Hüttenarchivs. Der erwähnte Hammergraben ­trennte den Park vom Südwerk ab. Im Park ­be­findet sich die neue Lehrwerkstatt. Die Saarbrückerstraße aufwärts stand noch ein großes Umspannhaus und einige Villen von Direktoren.
An der Villa Böhm, heute Verkehrsbehörde des Kreises, bog die Straße nach Landsweiler ab. Kurz vor der Bahnunterführung, Plättsches Dohle, steht heute noch eine Werksvilla, in der sich die von der Stummstraße hierher verlegte Werksdruckerei befand. Anfang der siebziger Jahre wurde dann das Hauptverwaltungsgebäude im Park erbaut. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite stand eine düster aussehende Werkshalle, die Saargefei. Sie beherbergte einmal die Reichspost mit ihrem Fuhrpark und direkt nach dem Krieg die Transportgesellschaft Retra und wenn man so will, den ersten Supermarkt in Neunkirchen Oberhalb standen noch zwei Wohnhäuser des Werks.
Zurück zum Park der in dieser Zeit schon ziemlich verwahrlost war. Einer der Direktoren bezeichnete ihn mal als Röhrenpark. Zum Park gehörte damals auch der um 1845 angelegte Friedhof der Familie Stumm am Sinnerthalerweg , der erst durch den Bau der Königsbahn 1867 endgültig vom diesem ­abgetrennt wurde. Auch der Parkweiher verschlammte immer mehr. Man benutzte ihn als Kühlwasserbecken. Durch eine Sprühanlage wurde das Wasser herunter gekühlt, bevor es wieder in den Kreislauf gelangte.

Der Hochofenbereich
Der Hochofenbereich erstreckte sich zwischen den Torhäusern 4 und 5. Die Aufenthaltsräume für die Belegschaft und die Betriebsbüros befanden sich in dem Gebäude direkt neben dem Torhhaus4. Im Jahre 1950 stand von diesem Gebäude nur das Kellergeschoß das während der Kriegsjahre stark abgedeckt, als Bunker die Luftschutzzentrale des Werks beherbergte. Dieser Keller diente später als Glas und Farbenmagazin. Nach dem abtragen der Decke baute man die drei Geschosse darauf. Der Aufenthaltsraum der Gießerei befand sich ebenerdig auf der rechten Seite des Gebäudes. Im Stock darüber war der Aufenthaltsraum der Bauabteilung Hochofen, mit den 3 Meisterbüros. Die Abteilung setzte sich aus Maurern, Zimmerleute, Schreiner, Glaser, Maler und Dachdecker zusammen. Die Werkstatt der Zimmerleute und Schreiner war ein ziemlich altes Gebäude. Ebenerdig befand sich ein großes Rolltor aus Blech. Man kam zuerst in den Maschinenraum. Dahinter hatten die Schreiner ihre Hobelbänke stehen und links davon hatten wir unsere Bleibe.
Ende des 2. Teils - Fortsetzung folgt -
Ein Bericht von Lothar Spengler

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