Wasser und Wasserversorgung Teil 3

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Quellen und Bäche in Neunkirchen – einst bis heute  
 
 
Blick vom Mühlenberg auf das alte Wasserwerk.
Foto: Archiv Schwenk 143/4

Wasserwerk Wellesweiler 2007

Foto: Schlicker

Nachbildung des Karcher-Tierbrunnens

auf dem Synagogenplatz.

Foto: Schlicker

1956/58 wurde ein neuer Hochbehälter auf der Spieserhöhe mit 5000 cbm Fassungsvermögen, und 1985 noch ein ebenso ­großer Hochbehälter an alter Stelle im Steinwald gebaut. Soweit also zur Wasserversorgung in Neunkirchen, die nun wohl auf lange Sicht zur Genüge gesichert scheint.
Doch mit dem Wasserhahn in jedem Haus und damit Wasser im Überfluss, stieg auch der Wasserverbrauch kontinuierlich an, insbesondere auch durch die nach und nach installierten Wasserklosetts. Gab es bis dahin bei sparsamem Wasserverbrauch nur geringe Abwässer aus Küche und Waschküche, die, wenn sie nicht schon vorher versickerten, durch die Regenrinnen zur Blies flossen, so flossen jetzt auch die Jauchegruben über. Die Jauche musste mit Spezialfahrzeugen abgepumpt und dann in die Blies entsorgt werden. So entstand für die Gemeinde schon bald der Zwang zum Bau von Abwasserkanälen, was sich praktisch bis heute zu einer Daueraufgabe entwickelt hat. Die Blies aber, zu der alle Kanäle die Abwässer leiteten, wurde mehr und mehr zu einer Kloake, zusätzlich noch überfrachtet mit den Abwässern von Grube und Eisenwerk. Sie war schließlich zu einem toten Gewässer geworden.
Erst im Jahre 1962 wurde die für den ganzen Stadtbereich errichtete zentrale Kläranlage in Wellesweiler in Betrieb genommen, und weil nun auch oberhalb von Neunkirchen die Abwässer in der Kläranlage auf der Oberschmelz geklärt werden, kann man zwar noch nicht wieder wie früher in der Blies baden, aber seit einiger Zeit ist sie doch schon wieder Lebensraum für die Wildenten. Auch mit Fischen ist sie schon wieder besetzt, derentwegen sich hier auch schon wieder einzelne Reiher sehen lassen. Alles aber hat auch seinen Preis. Kostenlos war das Wasser, das man einst mühsam aus den Brunnen heranschleppen musste, und auch das sog. Plumps-Clo verursachte keine Kosten. Die Wasserlieferung ins Haus muss heute aber bezahlt werden, wie auch die Abnahme und Klärung der Abwässer. Doch wer wollte heute noch auf diese damit verbundenen Annehmlichkeiten verzichten, insbesondere auf das gute, ja sehr gute Trinkwasser, das uns jederzeit zur Verfügung steht, muss man doch nur den Wasserhahn aufdrehen, oder, wie wir sagen, „de Grahne offdrähe“.
Grundsätzlich ist hier aber hauptsächlich die Wasserversorgung der alten Gemeinde Neunkirchen beschrieben, wenngleich auch vieles für unsere heutige Stadt Neunkirchen mit von entscheidender Bedeutung war und auch heute noch ist. Dem Anliegen der ganzen Stadt Rechnung tragend sei nun deshalb in Kurzfassung noch über die Wasserversorgung der einzelnen Stadtteile berichtet:
In Wellesweiler gab es früher den Dorfbrunnen bei der Stengelkirche und den Kothenbrunnen in der heutigen unteren Bürgermeister-Regitz-Straße. Daneben gab es, wie an anderer Stelle schon erwähnt, z.B. im Jahre 1903 noch 28 Hausbrunnen. Im Jahre 1901 baute man aber im Bereich der heutigen Hagstraße ein eigenes, kleines Wasserwerk, das am 24. Dezember dieses Jahres in Betrieb ging. Letztlich aber erwies sich sein Betrieb als unwirtschaftlich, so dass es im Jahre 1906 wieder stillgelegt wurde. Das Wasserwerk Neunkirchen, ohnehin auf Wellesweiler Bann gelegen, übernahm nun die Versorgung der Gemeinde Wellesweiler mit dem notwendigen Wasser. Kohlhof wurde 1910 an die Wasserleitung des Neunkircher Wasserwerkes angeschlossen. Heinitz wurde über ein von der Grubenverwaltung errichtetes und betriebenes Wasserwerk versorgt, bezieht aber seit dem 1. März 1965 sein Wasser ebenfalls vom Neunkircher Wasserwerk. Wiebelskirchen, bis zur Gebietsreform des Jahres 1974 noch eigenständige Gemeinde, war wie alle Gemeinden vor 1900 auf Wasser aus Lauf- und Ziehbrunnen angewiesen. So gab es zum Beispiel im Jahre 1879, wie im Wiebelskircher Heimatbuch von 1955 berichtete wird, insgesamt 22 öffentliche Ziehbrunnen und daneben fast überall noch hauseigene Brunnen. Bedingt durch die wachsende Bevölkerungszahl und dem damit steigenden Wasserbedarf, kam es trotz aller Bemühungen um neue Wasserquellen, insbesondere in trockenen Jahren immer wieder zu einem spürbaren Wassermangel. Eine dauerhafte und verlässliche Wasserversorgung war daher nur durch eine Wasserzufuhr von außerhalb möglich. So kam es dann zu dem Vertrag vom 26. Mai 1905 mit der Gemeinde Neunkirchen des Inhaltes, dass das Neunkircher Wasserwerk die Gemeinde Wiebelskirchen mitversorgte.
Hangard bezieht heute aus reinen Zweckmäßigkeitsgründen sein Wasser, wie vor der Gebiets- und Verwaltungsreform, von der „Wasserversorgung Saarost GmbH“, die ihren Sitz in Ottweiler hat, die das Wasser über ein Zubringerleitung aus der Homburger Bruchniederung bezieht und zwar mit der Zwischenschaltung eines Hochbehälters auf dem Lichtenkopf. Zuvor besaß Hangard am Ende der heutigen Karlstraße eine eigene, kleine Pumpstation, die das Wasser zu einem Hochbehälter pumpte, von wo aus der größte Teil des Dorfes auch versorgt werden konnte Münchwies bezieht ebenfalls sein Wasser von der „Wasserversorgung Saarost GmbH“. Zuvor gab es hier nur Wasser aus der oberhalb des Ortes befindlichen Adelsquelle, von der man eine Leitung zu zwei und später auch drei Brunnenstöcken leitete, aus denen die gesamte Einwohnerschaft ihren Wasserbedarf deckte. Nach Erschließung weiterer Quellen kam es dann im Jahre 1900 zur Verlegung einer einheitlichen Wasserleitung zu allen Häusern. Ludwigsthal, das ja bis zur Gebietsreform des Jahre 1974 zu Bexbach gehörte, war seit 1910 von Bexbach aus mit Wasser versorgt worden und zwar über einen zwischengeschalteten, auf dem Hirschberg errichteten Hochbehälter. 1974 zum Stadtteil von Neunkirchen geworden, wird es nun auch seit 1976 vom Neunkircher Wasserwerk versorgt. Limbach, das ja kein Stadtteil von Neunkirchen ist, aber wegen der abgetretenen Wasserrechte in besonderer Beziehung zu Neunkirchen steht, bezieht vertragsgemäß seit 1929 sein Wasser vom Neunkircher Wasserwerk. Über den Bereich der Stadt hinaus werden heute außerdem auch noch die Orte Spiesen, Elversberg, Landsweiler und Schiffweiler mit Neunkircher Wasser versorgt. Ganz zum Schluss noch der Hinweis auf den einzigen Nutz- und Zierbrunnen, den es im alten Neunkirchen gab, nämlich den, von dem einstigen Besitzer des Hofgutes Furpach, dem Rittmeister a.D. Paul Karcher, im Jahre 1905 gestifteten gusseisernen Tierbrunnen, der bis 1936 an der Ecke Oberer Markt/Kriershof gestanden hat; dann versetzt wurde auf die Ecke Zweibrückerstraße – Scheibstraße, um während des letzen Krieges wohl verschrottet zu werden, ein Brunnen, wie er auch heute noch baugleich hergestellt wird. Seit dem 20. Juni 2005 schmückt nun in der Nähe des alten Standortes eine Nachbildung des Brunnens den Synagogenplatz. Dies war der Erfolg eines Förderkreises zur Wiedererrichtung des Brunnens, der sich auf Initiative des 2. Vorsitzenden des Historischen ­Vereins Stadt Neunkirchen, Horst Schwenk, gebildet hatte.
Ende
Ein Bericht von Werner Fried

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