Wasser und Wasserversorgung Teil 2

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Quellen und Bäche in Neunkirchen – einst bis heute  
 
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Links: Brunnen an der Felsenbank

Foto: Schlicker

Hochbehälter im Steinwald hinter der Piuskirche.
Foto: Schlicker
Grundriss der Wellesweiler Mühle und des Neunkircher Wasserwerkes nach einem Situationsplan aus dem Jahre 1876. Quelle Stadtarchiv Neunkirchen;
Bestand A 1. Nr. 198
Waschtag in Neunkirchen um die Jahrhundertwende.
Foto: Archiv Schwenk 275/7
Die letzte und größte Dampfmaschine in Wellesweiler
Foto: Archiv Schwenk 333/6
Blick vom Hirschberg auf das Wasserwerk
vor dem Abriss des Maschinenhauses
der letzten Dampfmaschine.
Foto: Archiv Schwenk 329/3A
Die Quellen:
  • 13. Stadtarchiv Neunkirchen: Bestand A1, Nr. 144
  • 14. Stadtarchiv Neunkirchen: Beschlussbuch der Gde. vom 6. Dezember 1875
  • 15. Bernhard Krajewski, Band 1, S. 34
  • 16. Stadtarchiv Neunkirchen: Saar- und Blieszeitung v 21.5.1908 und Sammlung Varia, Nr. 193, Bl. 15
  • 17. Stadtarchiv Neunkirchen: Beschlussbuch der Gde. vom 2.8.1904
  • 18. Stadtarchiv Neunkirchen: Beschlussbuch der Gde. vom 3. Februar 1909
  • 19. Festschrift: 75 Jahre Wasserwerk Neunkirchen
  • 20. Saarbrücker Zeitung vom 17. März 2001
 
Das diese alten Brunnen und Wasserleitungen bei wachsender Einwohnerzahl eine ausreichende Wasserversorgung auf Dauer nicht würden sicherstellen können, dessen war sich die Gemeindevertretung schon lange vor dem Bau des Wasserwerkes bewusst, und so suchte man schon frühzeitig nach anderen Wasserquellen, die man im wasserreichen Kasbruchtal dann auch fand.
So kam es schließlich im Jahre 1874 zu Verhandlungen mit den Besitzern der Wellesweiler Mühle, den Erben des Müllers Michael Bach, zum Erwerb der in deren Besitz befindlichen Wasserrechte im Kasbruch, die man zum Preis von 10000 Talern auch erhielt. Zugleich hatte man auch die Mühle erworben. Am 26.5.1875 kam es dann zum Beschluss des Gemeinderates mit Genehmigung der Königl. Regierung, anstelle der Mühle ein Wasserwerk zu bauen. Zuvor aber musste von der Königlichen Forstverwaltung noch die Erlaubnis zum Bau der Wasserleitung eingeholt werden. Mit Vertrag vom 1.8.1875 wurde dies der Gemeinde gegen eine Pacht von jährlich 45 Mark auch erlaubt, aber verbunden mit der Auflage, dass alle evtl. auftretenden Flurschäden von der Gemeinde zu beheben seien, und dass für die Waldarbeiter das Trinkwasser an der Felsenbank erhalten bleibt. Allein diesem Umstand ist es zu verdanken, dass es dort an der Felsenbank auch heute noch einen Laufbrunnen gibt. Außerdem musste sich die Gemeinde verpflichten, an der dem Forsthaus Landerthal nächstgelegenen Quelle, dem sogenannten Kindchensbrunnen, an welchem der Königliche Förster stets seine Wäsche gewaschen hatte, oder das notwendige Wasser zum Waschen holte, ein Reservoir von einem halben Meter Tiefe anzulegen, das er ohne Mühe mit dem Quellwassser füllen konnte. Alle anderen Quellen wurden von der Gemeinde nun überbaut und verschlossen.(13)
Man war sich aber seiner Sache so sicher, dass man schon 14 Tage vor diesem Vertragsabschluss beschlossen hatte, die Wasserrechte und die Mühle zu kaufen, ja auch schon der Fa. Hermann & Mannes aus Berlin den Auftrag zum Bau der Wasserleitung. zu erteilen. Am 6. Dezember 1875 bekam die Firma Dingler aus Zweibrücken den ­Zuschlag zum Bau der Dampfmaschine, und die Neunkircher Kesselfabrik Eduard ­Boecking bekam den Auftrag zur Lieferung eines Dampfkessels.(14)
Wie aus dem Situationsplan von 1876 zu sehen ist, gehörte zum Bau des Wasserwerkes auch der Bau eines großen Sammelbehälters zur Aufnahme des aus den vielen Quellen zufließenden Wassers. Gleichzeitig musste aber auch im Steinwald hinter der heutigen Piuskirche ein Hochbehälter gebaut werden, zu dem man das Wasser über eine Leitung hochpumpen musste, damit es von dort ohne weiteres Zutun, der Schwerkraft folgend, durch die zu legenden Wasserleitungen in die Straßen und Häuser fließen konnte. Es brauchte dann aber noch sehr vieler Jahre bis wirklich jedes Haus einen Wasseranschluss hatte, und noch länger brauchte es, bis wirklich in jeder Küche ein Wasserhahn und, was man heute Spüle nennt, ein „Wasserstein“ installiert war. Noch länger dauerte es, bis es schließlich überall auch ein Klosett mit Wasserspülung gab. Aus eigener Erfahrung weiß ich z.B. dass in dem Haus Nr. 13 am Oberen Markt, das erst 1892 gebaut wurde, da es also längst das Wasserwerk gab, die Wasserleitung nur bis ins Treppenhaus, auf das Podest zwischen zwei Stockwerken verlegt war.
Dort mussten die Bewohner das notwendige Wasser holen, und dort war auch ein guss­eisernes Becken mit Abflussrohr für das Schmutzwasser. Klosetts mit Wasserspülung waren nachträglich angebaut worden, und auch diese befanden sich auf diesem Zwischenpodest. Auch nach dem Einzug des ersten Neunkircher Finanzamtes in dieses Haus, blieb der Zustand bis Mitte der 30er Jahre unverändert. Erst dann legte man die Wasserleitung bis in die Küche des Hausmeisters. Badezimmer waren aber noch unerschwinglicher Luxus. Die Wäsche wurde in der Küche gewaschen oder, wie z.B. im Maurersgässchen in einer, in einem rückwärtigen Anbau eingerichteten Waschküche für alle dortigen Familien, die dort nacheinander ihren Waschtag hatten.
Ganz interessant ist hier vielleicht noch der Hinweis darauf, dass es in Neunkirchen zeitlich vor dem Wasserwerk, nämlich seit 1864 schon ein Gaswerk und die entsprechenden Gasleitungen gab, die im Gegensatz zu den Wasserleitungen, mindestens bis zu den Gaslampen in den Küchen verlegt wurden.(15) Bis aber das Wasser in den Wohnungen angekommen war, gab es wenigstens bei den sog. besseren Leuten in den Schlafzimmern einen Waschtisch, auf dem zur morgendlichen Waschung ein „Waschlavoire“, bestehend aus einer Waschschüssel mit einer größeren, wassergefüllten Kanne, jeweils bereitgestanden hat. Bald aber stellte sich heraus, dass das Leitungswasser vom Hochbehälter aus durch die Steinwaldstraße die neuen, höher gelegenen Häuser in der Hermannstraße nicht erreichte, und so baute man lt. Beschluss der Gemeinde vom 10. August 1910 in der oberen Hermannstraße einen zweiten Hochbehälter mit 50 cbm. Inhalt, dem man das Wasser vom Wasserbehälter im Steinwald, mittels einer elektrischen Pumpe zuführte, die im Keller der Scheibschule aufgestellt war. Diese Pumpe sollte aber möglichst nur außerhalb des Schulbetriebes in Gang gesetzt werden.
Die Stadt aber wuchs und wuchs höher hinaus, auch in der Spieserstraße. Das Wasser aus dem Hochbehälter der Hermannstraße reichte dort nicht hin, und so beschloss der Stadtrat am 27.7.1928 den Bau eines weiteren Hochbehälters auf der Spieserhöhe, mit einem Fassungsvermögen von 500 cbm, in den dann das Wasser mittels einer stärkeren elektrischen Pumpe direkt aus dem Hochbehälter im Steinwald gepumpt wurde, ebenso in den Hochbehälter in der Hermannstraße. Die bis dahin zwischengeschaltete Pumpe im Scheibschulhaus wurde nicht mehr gebraucht. Damit war die Wasserversorgung zunächst einmal grundsätzlich für ganz Neunkirchen sichergestellt. Zusätzlich verlegte man 1938 noch eine Druckleitung über Wellesweiler direkt in die Unterstadt. Nun aber wieder zurück zum Wasserwerk: Gemäß einer Eintragung im Beschlussbuch der Gemeinde vom 23.12.1874 hatten die Gebr. Stumm angeboten 1/4 der Wasserleitungskosten zu übernehmen, wenn ihnen dann auch 1/4 der Wassermenge ­zugestanden würde, und das wurde ihnen auch am 11.3.1875 zugebilligt. Die am 14.11.1877 verzeichneten Gesamtkosten für den Bau des Wasserwerkes und den Bau
der Wasserleitungen beliefen sich auf 482.159,20 Mark, wovon dann die Gebr. Stumm für den Leitungsbau 44774,27 Mark übernahmen. Je mehr aber nun die Straßen und Häuser an die Wasserleitung angeschlossen wurden, um so größer ist auch der Wasserverbrauch geworden, so dass die 1876 aufgestellte Dampfmaschine mehr und mehr überfordert wurde. Zwischen 1893 und 1895 wurde deshalb ein weiteres Maschinenhaus mit einer leistungsstärkeren Dampfmaschine gebaut.(16) 1903 wurde auch ein neuer, wohl größerer Dampfkessel eingebaut, und gleichzeitig auch ein neuer Schornstein, wie es ausdrücklich hieß, hinter dem Kesselhaus gebaut. Weil der Wasserzulauf aus dem Kasbruch im Jahre 1904 nicht ausreichte, hat man in diesem Jahr von der Schlossbrauerei zur Wasserförderung aus Bohrlöchern ein Lokomobil ausgeliehen.(17)
Lokomobile waren damals die Antriebs­maschinen für die Dreschmaschinen. Sie waren wie das Wort schon sagt mobil, und konnten deshalb an verschiedenen Orten eingesetzt werden, oder auch wie hier, zu anderen Zwecken ausgeliehen werden.
Im Jahre 1909 sah man sich schließlich genötigt, ein noch größeres Maschinenhaus, mit einer noch weit größeren Dampfmaschine zu bauen.(18)
Damit war zwar genügend Dampfkraft und Maschinenleistung vorhanden, aber nun wurde der nicht steigerungs­fähige Wasserzulauf aus dem Kasbruch- und Hirschbergtal langsam zu einem Problem. So war es z.B. in dem trockenen Jahr 1921 zu erheblichen Engpässen gekommen. Man musste sich also bald darum bemühen, neue Wasserquellen zu suchen und zu erschließen, und so kam es dann 1928 zu einem Vertrag mit der Gemeinde Limbach betreffs Wasserentnahme und zwei Versuchsbohrungen auf ihrem Gebiet. Doch es dauerte noch bis 1950, bis es endlich zur Errichtung eines Zusatzwasserwerkes im Bereich Limbach, unterhalb des Eschweilerhofes gekommen ist, das am 15.4 1951 mit der Wasserlieferung von rund 150 cbm pro Stunde begann.(19)
In den Jahren 1953/56 wurde auf dem Wasserwerk in Wellesweiler noch eine Wasseraufbereitungsanlage gebaut, und in den alten Gemäuern ein neues, nun mit Elektromotoren bestücktes Maschinenhaus eingerichtet. Die gute, alte Dampfmaschine hatte ausgedient und wurde mitsamt ihrem Maschinenhaus demontiert.(20)
Ende Teil 2, Fortsetzung folgt
Ein Bericht von Werner Fried

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