Zeugen vergangener Zeiten Teil 1

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Ein Gürtel gallorömischer Kult-, Wohn- und Grabstätten  
 
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Gallorömische Brandgräber auf einer Fels­platte
oberhalb der „Jungferntrapp“: Reich an ­Relikten
aus der Römerzeit ist das Kasbruch bei Neunkirchen. Foto: Günther Gensheimer
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Zufallsfund war 1976 das Brustfragment
einer Panzerstatue des mediomatrischen Heilgottes
Mars Cnabetius im Kasbruch.
Foto: Günther Gensheimer
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Verschollen: Die Beigaben aus sieben ­Urnengräbern,
die 1948 auf damals zu ­Niederbexbach gehörendem Terrain ge­funden wurden, sind nur durch Abbildungen ­bekannt. Repro: Günther Gensheimer
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Zu den schönen Beigaben der Urnengräber
im Kohlhofer Täufergarten gehörte auch eine Schale
mit Rädchenverzierung, die restauriert wurde.
Foto: Günther Gensheimer
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Napf mit Einstichmuster aus dem ersten ­Jahrhundert:
Im „Täufergarten“ auf dem ­preußischen Kohlhof
wurde dieses Tongefäß als Grabbeigabe gefunden.
Foto: Günther Gensheimer
Der denkende Mensch befasst sich mit der Vergangenheit, dem Jetzt und mit der Zukunft. Dies ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu unseren Erde-„Mitbewohnern“, den Tieren und Pflanzen. Und in nahezu allen Kulturen sucht der Mensch nach seinen Anfängen. Dabei halfen und helfen ihm immer wieder alte Bodendenkmäler, Kultur- und Kunstgegenstände, Bauten sowie ganz besonders alte Schriften, Chroniken, Prozessakten unserer Vorfahren. Die in der Erde versteckten Zeugen vergangener Zeiten begann die europäische Kultur erst ca. 1850 mit Hilfe der neuen Wissenschaft „Archäologie“ zu enträtseln. Viel leichter vollzieht sich deren Interpretation dann, wenn Schriften, Münzen, Abbildungen, alte Chroniken und Gerichtsakten diese unterstützen können.
An Saar und Blies lebten von Beginn der Eisenzeit bis zum Eindringen der Römer (ca. 30 v. Chr.) die mediomatrischen Kelten mit Metz als Hauptort. Weil von ihnen keine eigenen schriftlichen Quellen überliefert sind, helfen nur die oft feindseligen und überspitzten Darstellungen durch die mit Kelten („keltoi“) zusammengeprallten Griechen und Römer. Das Eigenleben der mediomatrischen Kelten an der Saar und Blies, ihre religiösen Kulte, ihr Kriegswesen lassen daher bei der Interpretation der Bodenfunde viel Raum für Kombinationsgabe und Fantasie. Die seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einsetzende „neue Archäologie“ bemüht sich gerade in der Gegenwart sehr darum, Bodendenkmäler, systematische geborgene Bodenfunde und die zahllosen Zufallsfunde zu erhellen, oft sogar fast völlig einzuordnen und zu deuten.
Dank der klaren Zeichnungen, die der Hobby-Archäologe Böcking erstellen ließ, sind die schönen Stein- und Bronzezeitfunde (wie Steinhammer und –beil oder Wehrgehenkschnalle) aus dem Neunkircher Kasbruch bekannt. Sie befinden sich heute im Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin-Charlottenburg. Das oder der (in Neunkirchen) Kasbruch (keltisch: „casné“ = Eiche) ist ein feuchtes Tal (= Bruch) unter Eichen nahe der Blies, dicht am Großen Hirschberg. Der Südteil dieses heute unter Natur- und Grabungsschutz stehenden Tals war ehemals bayrisch, wie es ein Dreibänner-Grenzstein dort mit den eingravierten Initialen WW (Wellesweiler) – N (Neunkirchen) – B (Bexbach) noch ausweist. Der „Rando de la Blies“,  der Wanderweg, der von Bliesen bis Saargemünd dem Bliesverlauf folgt, quert das Kasbruchtal. Blies, vom keltischen „blesa“ abgeleitet, bedeutet „die Silberglänzende“ bzw. „Bach-Runse“ oder auch „Schlucht“. Der 100 Kilometer lange Fluss durchzieht vorwiegend ehemals bayrisches Gebiet und zwar zuvor auf Teilstrecken bis 1755 Grenzfluss zwischen dem Herzogtum Pfalz-Zweibrücken und dem Fürstentum Nassau-Saarbrücken mit der wichtigen Zollgrenzbrücke Altstadt-Limbach.
Bereits 1847 beschrieb der Ottweiler Dechant und Hobbyarchäologe Johann Anton Hansen in den „Bonner Jahrbüchern“ die seltsamen Bodendenkmäler des Kasbruchs und zahlreiche römerzeitliche Funde. Die einzige wissenschaftliche Grabung dort unter Landeskonservator Carl Klein legte 1921/22 sieben römerzeitliche Hausfundamente mit vielen Fundstücken aus dem 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. frei. Zufallsfunden, etwa den Resten eines Hypocaustums, hölzerner Wasserleitungsrohe (von 204 n. Chr.), Säulenresten eines kleine Tempels, der Trommel einer Viergöttersäule, dem Steinrelief der Göttin Epona, Devotionalien, wie Minerva-Statuette und Venus-Figur verdankt man deutliche Hinweise auf ein römerzeitliches Quellheiligtum in diesem Tal. Der „größte Fund eines Panzerstatuen-Fragments (58 cm x 18 cm) nördlich der Alpen“ – so der ehemalige Landeskonservator Prof. Alfons Kolling – wird als Teil der menschengroßen, bronzenen (Hohl-)Statue des mediomatrischen Heilgottes Mars Cnabetius gesehen. Das Kasbruch war wohl eine bedeutsame Kultstätte gewesen.
Quellenangaben im letzten Teil
 Ende des 1. Teils, Forsetzung folgt 
Günther Gensheimer

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