Zeugen vergangener Zeiten Teil 2

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Ein Gürtel gallorömischer Kult-, Wohn- und Grabstätten   
 
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Quellennachweis:
  • 1846: Dr. Friedrich Schröter,
    Sb: „Über die röm. Niederlassungen...“
  • 1847: Dechant Johann Anton Hansen, Otw.: „Bonner Jahrbücher“
  • ab 1911: Berichte zum Kasbruch von: E. Deuster, Reisenthel, J. Braun,
    G. Remy, F. Bach...
  • 1923: Architekt/1. Landeskons. Carl Klein: „Gabungsbericht z. Kasbruch 1921 + 1922“
  • ab 1934: Div. Berichte/Zeitungsartikel v. Bernhard Krajewski „zum Kasbruch“
  • 1956: folgende Professor Dr. Alfons Kolling, späterer langjähr. Landeskonservator zu „Römerzeitl. Felsgräber“
  • 1957: „Eine neue Stättegalloroman. Götterverehrung/Jupitersäule“
    in Pfälzer Heimat, Heft 4
  • 1978/79: „Fragment einer bronzenen Panzerstatue“
  • 2002: „Quellheiligtum KASBRUCH“
  • 1998: Günther Gensheimer, NK:
    „Fast vergessene steinerne Zeitzeugen im Kasbruch“
  • 2002: VHS-Video-Film: Kasbruchfunde
  • 2007: Internet-Präsentation
    (www.hvsn.de – Wanderwege)
  • Historischer Lehrpfad Kasbruchtal“
 
Steinwurfnahe am rechten, westlichen Ufer der Blies, an der Nordseite „unter dem Hirschberg in Bayern gelegen“ beschreibt der bekannteste frühe Saar-Archäologe Dr. Fried­rich Schröter, Saarbrücken, die 1863 beim Kiesabbau gefundenen „irdenen Urnen, Henkelkrüge, Näpfe, Teller und Fragmente einer zweihenkeligen Urne von blaugrünem Glas“ aus gallorömischer Zeit. Dicht bei der Südseite des Kleinen Hirschbergs spürte der Neunkircher Heimatforscher Bernhard Krajewski 1948 auf dem „Koore“/„Lang Gewann“ auf ehemals bayrischem Boden in Niederbexbach „7 Urnengräber mit Einhenkelkrüglein, grauer Tonschale mit profiliertem Rand, Aschenurnen mit ausgeglühten Knochen, Terra Sigillata-Scherben und die Eisenspitze eines Wurfspeeres sowie eine Schafschere“ auf. Der Originalfund ist leider verschollen, eine Kopie befindet sich im Fami­lienbesitz Krajewski, aber keine im Museum in Saarbrücken. Etwa 300 Meter südlich dieser Fundstelle stieß der gleiche Heimatforscher 1952 auf „3 Urnengräber, deren Urnen beim Erheben aus feuchter Erde zerbrachen“.
Aus Grab drei wurde ein Napf mit Einstichmuster (1. Jh. v. Chr./Spätlatène), aus Grab eins ein wunderschöner Becher, ein henkeliger Krug und ein Kelch sowie ein Teller als Grabbeigaben geborgen. Die Fundstücke finden sich im Depot des vor- und frühgeschichtlichen Museums in Saarbrücken und bestechen, inzwischen restauriert, durch ihre Schönheit. Die zufällige Entdeckung einer Sesterz-Großmünze unweit dieser Funde mit der Abbildung des jungen Marc Aurel als Tribun (Kaiser von 161–180 n. Chr.) lässt eine Datierung auf 149 n. Chr. zu und bietet so den römerzeitlichen Nachbarfunden einen guten Zeitrahmen. Gleiches gilt für die von Konservator Kolling genannten Funde auf dem Limbacher Galgenhübel. Hinzu kommt der Torso des Giganten einer Jupitersäule, der 1951 „beim Aufpflügen nahe der „Goldenen Bremm“ im Forstbereich des Bayrischen Kohlhofs“ ans Tageslicht kam. Das 37 cm große Fragment gab der Erdboden nicht alleine frei, sondern im Zusammenhang mit vielen kleinen Fundstücken vom Pferd des Giganten wie etwa Mähne, Huf und Schweif: So war nun eine weitere römerzeitliche Kultstätte für Limbach nachgewiesen. Eher überraschend war die Entdeckung, die 1998 bei der Erweiterung des Limbacher Friedhofs gemacht wurde: Steinquader eines etwa fünfstufige Treppe und Bronzemünzen aus der Zeit des Kaisers Valentinian (364–375 n. Chr.) wiesen auf ein Anwesen in Fachwerkbauweise hin, das beim Germaneneinfall in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts zerstört wurde. Die baulichen Relikte wurden wieder mit Erde überdeckt. Beim Bau der Autobahn 6 (Saarbrücken – Mannheim) eröffnete sich „eine Grabhügelgruppe im Walddistrikt Kirkel, Unteres Zwergenbruch“, die nach Konservator Kolling „bereits aus der frühen Latène-Zeit“ stammt. Als Grabbeigaben wurden „Halsring, zwei Armringe und ein Fußring aus Bronze“ geborgen. Im 1957 ausgegrabenen „römerzeitlichen Haus an der Silbersandquelle“ wurde auch der Teil eines Kellers  mit aus Lehm gefügten Wänden und einer achtstufigen Steintreppe zum ersten Geschoss sowie eine Ton-Amphora entdeckt. „Rechts dem Abstäberweiher von Kirkel“ fand Kolling 1957 „5 frührömerzeitliche Brandgräber mit Langschwert, spätkeltischem Hiebmesser, Schlachtbeil und Schild“ sowie zahlreichen Tongefäßen, Flaschen, Krügen, Töpfen, Tellern und Schüsseln.
Alle diese Kult-, Wohn- und Grabstätten ziehen sich von Neunkirchen-Kasbruch bis zur Silbersandquelle Kirkel und weiter in guten Südlagen rechterhand der Blies wie ein Besiedlungsgürtel galloromanischer Kultur hin. Leider hat dieser aneinandergereihte keltisch-römische Besiedlungsraum trotz der genannten zehn Fundstätten nie die Aufmerksamkeit erfahren dürfen wie Homburg – Schwarzenacker, der Europäische Kulturpark Bliesbrück/Reinheim, Perl-Borg oder der Wareswald bei Tholey. Politische Interessen und finanzkräftige Sponsoren fehlten meist, um das Saarländische Landesdenkmalamt zur Planung und Durchführung gezielter Grabungen zu veranlassen. Durch die neue Nähe dieser Landesbehörde in Schiffweiler-Reden zum mittleren Bliesraum wächst aber die Hoffnung, dass die genannten, teilweise seit 1850 bekannten Fundstätten endlich stärker in deren Blickpunkt rücken könnten. Der denkende Mensch befasst sich ja mit seiner Vergangenheit, dem Jetzt, und mit seiner Zukunft – er lebt also von der Hoffnung auf Besserung!
 
Günther Gensheimer

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