Hofarchitekt und Generalbaudirekor Teil 3

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Aus dem Leben und Werk von Friedrich Joachim Michael Stengel  
 
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Brunnen St. Johanner Markt.
Foto: Robert Schmitt-Hartlieb
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Ludwigskirche Saarbrücken.
Foto: Robert Schmitt-Hartlieb
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Renaissanceschloss zu Rottweiler.
Lithografie von Matthäus Merian
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Pavillon in Ottweiler.
Foto: Dieter Robert Bettinger
Der Bau der kath. Kirche in St. Johann und des Brunnens auf dem St. Johanner Markt:
In diese dritte Phase der Neugestaltung der Stadt Saarbrücken fallen auch der Bau der heutigen Basilika St. Johann  und die Gestaltung des Brunnens auf dem St. Johanner Markt. Initiator für den Bau der katholischen Kirche St. Johann war der damalige Pfarrer Johann Baptist Namour. Er verwies auf den desolaten Zustand der Johannes – Kapelle, die König Ludwig XIV. in den Jahren 1684 / 1685 den Katholiken im Raum St. Johann übereignet hatte.
Für Friedrich Joachim Stengel war die geplante Kirche der erste repräsentative Bau für eine römisch-katholische Gemeinde. Er durfte nicht in der Form der bisher errichteten protestantischen Querkirchen verwirklicht werden. Die imposante Basilika St. Johann bildet im Grundriss ein langes Rechteck. Sie wurde im Jahre 1758 ihrer Bestimmung übergeben. Zwei Jahre später konnte auch der nach Plänen Stengels in der Form eines Obelisken gestaltete Brunnen auf dem Markt der Stadt St. Johann fertig gestellt werden.

Der weitere Ausbau der Stadt Saarbrücken 1756 bis 1765
Diesen Bauarbeiten folgten in den Jahren 1756 bis 1765 der weitere Ausbau der Talstraße und vor allem die Neugestaltung der Straße, die die Alte Brücke über die Saar mit dem Schloss verbunden hat. Die Neugestaltung der Residenzstadt sah den Ausbau des Bereiches von der Alten Brücke zur Schlosskirche, also das Umfeld der heutigen Franz-Josef-Röder-Straße vor. Nach Meinung des Regenten sollte dem Besucher noch vor dem Betreten der Stadt eine besondere Perspektive derselben vermittelt werden. An der früheren Wilhelmstraße entstand, aus optischen Gründen, eine neue Stadtmauer und ein im barocken Stil gehaltenes Stadttor. Hinzu kamen ab 1752 eine ganze Reihe weiterer Gebäude. Zu den Arbeiten für die Neugestaltung der Stadt Saarbrücken gehörten in den Jahren von 1760 bis 1764 auch die Begradigung der Saar, die Anlage des Saarkais und, im Jahre 1760, die Errichtung des von Friedrich Joachim Stengel geplanten Saar – Kranes.

Der Bau des Ludwigsplatzes 1760 bis 1775
Der Gedanke, der bestehenden Residenzstadt mit dem Ludwigsplatz einen weiteren Schwerpunkt anzufügen, entstand erst nach Bau und Gestaltung des von König Stanislaus Leszczynski angeregten Place Royale in Nancy. Die Entscheidung zum Bau des Ludwigsplatzes, des Place Royale in Saarbrücken, fiel am 13. Januar 1756. Aus politischen Gründen forderte Fürst Wilhelm Heinrich rein optisch eine Gestaltung der Stadt mit zwei Schwerpunkten. Im Osten der Residenz erinnerte das imposante Schloss an die Bindung des Herrscherhauses an das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Die bauliche Gestaltung des nach Westen hin geöffneten Schlosses und der geplante Platz in dieser Richtung wurden Symbol für die Öffnung auch nach Westen, nach Lothringen und nach Frankreich hin.
Die von Fürst Wilhelm Heinrich und Friedrich Joachim Stengel verwirklichte Westachse der Stadt zeigte den Weg nach Metz, Paris und Versailles. Mit dem Ludwigsplatz und seinen barocken Palais entstand hier die protestantisch geprägte Darstellung einer in Frankreich praktizierten Verherrlichung des Herrschers. Die Verwirklichung des von Friedrich Joachim Stengel geplanten Ludwigsplatzes fällt in die Jahre 1760 bis 1775. Zu dem markanten Bauwerk der Ludwigskirche gesellen sich hier, neben den imposanten Stadtpalais auch ein Armenhaus, ein Waisenhaus und ein Zuchthaus.

Planungen und Baumaßnahmen in der ehemaligen Residenzstadt Ottweiler 1756 bis 1760
Die Tätigkeit des genialen Baumeisters Friedrich Joachim Stengel dehnte sich auch auf zahlreiche Projekte in weiteren Regionen der Grafschaft Nassau-Saarbrücken aus. Als Graf Friedrich Ludwig am 25. Mai 1728 in Saarbrücken starb, erlosch die besondere Herrschaft Ottweiler, die seit dem Jahre 1544 bestanden hatte. Im Schloss zu Ottweiler, das während der Feldzüge im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges stark in Mitleidenschaft gezogen worden war, lebten noch die Gemahlin des Grafen Friedrich Ludwig, ­Sophie Luise von Hanau - Lichtenberg und seine Schwester Luise, die im Jahre 1741 hier verstarb. Zehn Jahre später endete am 9. April 1751 auch das Leben der Gräfin Luise Sophie.
Ähnlich wie in Saarbrücken war das Schloss in Ottweiler, jener herrliche Renaissancebau Christian Strohmeyers aus dem Jahre 1580, in einem baulich schlechten Zustand. Da die Herrschaft Ottweiler erloschen war, entfiel auch die Notwendigkeit, hier ein aufwendiges Schloss zu unterhalten. Wie in Saarbrücken hat vermutlich Friedrich Joachim Stengel dem Fürsten Wilhelm Heinrich 1753 empfohlen, das stark renovierungsbedürftige Gebäude abzutragen, zumal unweit von hier ab 1752 das repräsentative Barockschloss Jägersberg in Neunkirchen nach Plänen des Hofarchitekten und Kammer-Rates errichtet wurde.
Aber, so ganz wollte sich Fürst Wilhelm Heinrich dann wohl aber doch nicht von der alten Residenz an der Blies trennen und beauftragte seinen genialen Baumeister mit der Errichtung eines Gartenschlösschens, des so genannten Pavillons, auf einer künstlich geschaffenen Insel im herrschaftlichen Park. Die Planungen für Ottweiler litten unter den großzügigen Überlegungen für das in Neunkirchen entstandene  Jagdschloss Jägersberg, welches die nicht gerade prall gefüllte herrschaftliche Kasse doch erheblich belastete. So reichten die Mittel für die ehemalige Residenzstadt fast nur für ein sehr anmutiges Gartenschlösschen, das, ab 1758 über dem Keller eines ehemaligen Fischhauses errichtet, dem Bauherren die Möglichkeit einräumte, etwa während der Zeit der Jagd auch in Ottweiler standesgemäß leben zu können. Das von vielen Nuten und Kerben durchsetzte Dachgebälk im Pavillon stammt allem Anschein nach vom früheren Schloss.
Quellenangaben folgen im letzten Teil
Ende des 3. Teils, Fortsetzung folgt 
Ein Bericht von Dieter Robert Bettinger

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