Hofarchitekt und Generalbaudirektor Teil 5

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Aus dem Leben und Werk von Friedrich Joachim Michael Stengel  
 
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Frühere reformierte Kirche in Neu ­Saarwerden.
Foto Dieter Robert Bettinger
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Evangelische Kirche in Wellesweiler.
Foto: Schlicker
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Evangelische Kirche in Dirmingen.
Foto: Peter Wagner
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Innenraum der Dirminger Kirche.
Foto: Peter Wagner
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Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken.
Foto: Robert Schmitt-Hartlieb
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Zehentscheune in Lorentzen.
Foto: Dieter Robert Bettinger
Benutzte Quellen:
  • Köllner, Friedrich: Geschichte des vormaligen Nassau – Saarbrück’schen Landes und seiner Regenten, Nachdruck der ersten Auflage 1841, Saarbrücken 1981, Buchverlag Saarbrücker Zeitung.
  • Stefan Schüler: Fotos von Schloss Dornburg an der Elbe und der Kirche Dornburg, Am Stadtfeld 32, 39218 Schönebeck, Tel. 03928 / 84 52 11, www.stefan-schueler.de
  • Kerstin Lehmann, Tourismus- und Kongressmanagement Fulda, Bonifatiusplatz 1, Palais Buttlar, D – 36037 Fulda
  • Robert H. Schubarth: Beobachtungen zur Bautätigkeit des Fürsten Wilhelm Heinrich und seines Baumeisters Friedrich Joachim Stengel in Saarbrücken, in: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend, 19. Jahrgang, Saarbrücken 1971, Selbstverlag des Historischen Vereins für die Saargegend e.V.
  • Hans-Christoph Dittscheid: Evangelischer Kirchenbau in Nassau – Saarbrücken  in: Die Evangelische Kirche an der Saar gestern und heute, Saarbrücken 1975, Selbstverlag der Kirchenkreise Ottweiler, Saarbrücken und Völklingen
  • Alfred Werner Maurer: Die Baugeschichte des Saarbrücker Schlosses und deren Erforschung in: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend 43. Jahrgang Saarbrücken 1995, Selbstverlag des Historischen Vereins für die Saargegend e.V.
  • Bettinger, Dieter Robert: Die Geschichte und Bedeutung der evangelischen Kirche in Ottweiler In: 425 Jahre Evangelische Kirchengemeinde Ottweiler, Ottweiler Juni 2000, Herausgeber: Evangelische Kirchengemeinde Ottweiler.
  • Pfeiffer, Dr. Gustav: Evangelische Kirchen im Kreis Ottweiler erbaut von Friedrich Joachim Stengel in: Die Heimat, 6. Jahrgang Nr. 1 Ottweiler 1954.
  • Güse, Ernst Gerhard (Herausgeber): Friedrich Joachim Stengel – Zum 300 Geburtstag des Fürstlich-Nassau-Saarbrückischen Generalbaudirektors. Herausgegeben im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur des Saarlandes. Mit Beiträgen von Wolfgang Götz und Klaus Güthlein, Saarland-Museum Saarbrücken 1994.
  • Bohr, Kurt – Winterhoff-Spurk, Peter: Die Stadt als Erinnerungsort – Friedrich Joachim Stengel in Saarbrücken, Saarbrücken 2009 – Verlag: Saarkultur.
 
Bei den von Friedrich Joachim Stengel geschaffenen Kirchen lassen sich drei verschiedene Typen unterscheiden.

Saalkirchen mit einem dreiseitig gebrochenen Schluss:
Zu den Saalkirchen mit einem dreiseitig gebrochenen Schluss gehören die im Jahre 1758 eingeweihte evangelische Kirche in Wellesweiler sowie die 1776  und 1779  errichteten Gotteshäuser in Oermingen und Wolfskirchen in der Grafschaft Saarwerden. Den Entwurf für Wolfskirchen lieferte der Stengel-Schüler Johann Jakob Lautemann.

Saalkirchen mit längsrechteckigem Grundriss:
Insgesamt sieben Kirchen aus dem Schaffen Stengels und seiner Schüler haben ein längsgerichtetes Rechteck als Grundriss. Sie stehen in Dirmingen, Fechingen und Ludweiler im Saarland sowie in Hirschland, Harskirchen, Weyer und Drulingen in der ehemaligen Grafschaft Saarwerden.

Querkirchen:
Die Anregung zum Bau der Querkirchen geht auch auf Leonhard Christoph Sturm zurück, der bereits im Jahre 1718 einen Plan zum Bau eines derartigen Gotteshauses entworfen hatte.
Seiner Ansicht nach boten die Querkirchen ein optimales Platzangebot für die Besucher der Gottesdienste. Eine wichtige Rolle spielten bei Sturm, wie später auch bei Stengel, die Emporen, die vielfach fast ein Drittel des Raumes einnahmen. Friedrich Joachim Stengel sah in dem Bautyp der Querkirche die Grundform protestantischen Bauens, der Kanzelaltar, und damit der Hauptbestandteil der Verkündigung, rückt, auch optisch, in das Zentrum der versammelten Gemeinde.
Unter Querkirchen versteht man Bauten mit einem rechteckigen Grundriss, die in der Querachse orientiert sind und deren Hauptstück, der Kanzelaltar, vor der Mitte einer Längswand steht. Der erste in dieser Form in Nassau – Saarbrücken errichtete Sakralbau war die bereits erwähnte Friedenskirche in Saarbrücken, deren Grundstein im Jahre 1743 gelegt wurde. Weitere Kirchen dieses Typs nach Plänen des genialen Nassau – Saarbrücker Baudirektors und seiner Schüler finden sich in Jugenheim zwischen Mainz und Bingen, schon seit den Jahren 1737 / 1738 in Grävenwiesbach im Taunus, in Berg in der ehemaligen Grafschaft Saarwerden sowie in Niederlinxweiler und Gersweiler im Saarland.
Ab 1770 wurde auch die auf dem in Nassau – Saarbrücken nicht üblichen quadratischen Grundriss errichtete und besonders von Fürst Ludwig, dem Sohn des Fürsten Wilhelm Heinrich, besonders geförderte evangelische Kirche in Uchtelfangen gebaut.
Ihrem Grundriss und Aufbau entsprechend gehört das barocke Kleinod Ludwigskirche auf dem Place Royale in Saarbrücken auch zum Typ der Querkirchen. In den Jahren 1762 bis 1775 wurde sie, dem von Fürst Wilhelm Heinrich erteilten Auftrag entsprechend, nach den Entwürfen und unter der Leitung des Generalbaudirektors fertig gestellt und am 25. August 1775 feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Die Pfarr- und Hofkirche wurde in der Regierungszeit des ­Fürsten Ludwig von 1768 bis 1793 vollendet und trägt deshalb auch dessen Namen. Die Ludwigskirche zählt zu den bedeutendsten Werken des protestantischen Kirchenbaues im Barock und kann der Michaeliskirche in Hamburg und der Frauenkirche in Dresden an die Seite gestellt werden. Einzigartig ist die städtebauliche Einbindung des Gotteshauses in den sie umgebenden Ludwigsplatz.

Generalbaudirektor Friedrich Joachim Stengel
Fürst Wilhelm Heinrich berief seinen genialen Baumeister im Jahre 1761 zum Generalbaudirektor in Nassau-Saarbrücken. Zwei Jahre später schrieb Friedrich Joachim Stengel seinen Lebenslauf für seine Familie, dem folgte im Jahre 1764 ein erstes Testament. Als Fürst Wilhelm Heinrich im Jahre 1768 starb, entwarf der Generalbaudirektor das Grabmahl für ihn in der Schlosskirche in Saarbrücken.

Bauarbeiten in den Regierungsjahren des Fürsten Ludwig
Nachfolger des Fürsten Wilhelm Heinrich wurde dessen Sohn Ludwig, der sein Land 1793 vor den heranziehenden Truppen der Französischen Revolution verließ.
Fürst Ludwig bemühte sich darum, die Staatsfinanzen zu sanieren und drosselte damit zunächst einmal die Bautätigkeiten im Lande. Im Jahre 1769 entstand Schloss Ludwigsberg, der Landsitz für den regierenden Fürsten und Keimzelle für die späteren ausgedehnten Garten- und Parkanlagen Ludwigsberg, Schöntal und Dianenhain.
Im ländliche Bereich hat Friedrich Joachim Stengel nicht nur Kirchen geplant und bauen lassen. Von den von ihm errichteten weltlichen Bauwerken seien hier die im Jahre 1770 vollendete Zehntscheune in Lorentzen in der damaligen Grafschaft Saarwerden und das in den Jahren 1773 bis 1775 vollendete evangelische Pfarrhaus in Heusweiler genannt.
Am 25. August 1775, dem Tag der Einweihung der Ludwigskirche in Saarbrücken, trat der inzwischen 81 Jahre alte Generalbaudirektor in den wirklich verdienten Ruhestand. Dennoch wurde er auch in den folgenden Jahren mehrmals als Gutachter bei verschiedenen Baumaßnahmen herangezogen. Seine Nachfolger als Leiter des fürstlichen Bauamtes waren Johann Hermann Joseph von Waldner bis 1778, Johann Philipp von Welling und sein Sohn Balthasar Wilhelm Stengel ab dem 1. Januar 1785.
Im Jahre 1776 verfasste Friedrich Joachim Stengel sein zweites Testament und schrieb vier Jahre später einen Zusatz zu seinem Lebenslauf. Im Alter von 92 Jahren starb der betagte fürstäbtlich fuldaische Ingenieur, Hofarchitekt und Bauingenieur, fürstlich nassau – usingische Baudirektor, herzoglich sachsen – gothaische Rat und Baudirektor, fürstlich – nassauische Generalbaudirektor, Wirkliche Kammer-Rat, Forstkammerpräsident und Direktor des Saarbrücker Waisen-, Armen und Zuchthauses am 10. Januar 1787. Zwei Tage später wurde er in Saarbrücken beerdigt. Fürst Ludwig von Nassau – Saarbrücken gewährte seiner Witwe weil uns von dem nun verstorbenen Cammer-Rat langjährige treue Dienste geleistet worden eine jährliche Pension in Höhe von 160 Gulden, etwa 8 000 Euro. Friedrich Joachim Michael Stengel hatte insgesamt fünf Kinder, drei Töchter und zwei Söhne. Von ihnen wurde Johann Friedrich 1775 Hofarchitekt der Zarin Katharina II. von Russland, Balthasar Wilhelm war ab 1785 Oberbaudirektor in Saarbrücken.

 

Ende

Ein Bericht von Dieter Robert Bettinger

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