Fliegerangriffe auf Neunkirchen Teil 2

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und das Neunkircher Eisenwerk im 1. Weltkrieg
 
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Fahrt französischen Luftschiffes
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Bombenwerfer zu Kriegsbeginn
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Lageplan Bombentreffer, 7.7.1917,
Bahnhof Neunkirchen
Am 9.5.1916 erließ die Polizeiverwaltung Neunkirchen eine Verordnung über das Verhalten bei Fliegergefahr.
Darin heißt es: Damit feindlichen Fliegern bei nächtlichen Angriffen kein Ziel geboten wird, wird mit sofortiger Wirkung bekanntgegeben, dass bei Fliegeralarm sofort das Abblenden der Fenster zu erfolgen hat. Die Straßenbeleuchtung ist aus demselben Grunde bereits eingestellt. Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass es nicht genügt, wenn lediglich die Gardinen zugezogen werden, vielmehr ist zum mindesten noch ein besonderer Vorhang aus dichtem Stoff zum Abblenden nötig. Auch die Fenster der Fluren, Treppen usw. müssen mit besonderen Vorhängen versehen werden, damit das Licht der Flur- und Treppenbeleuchtung nicht nach außen dringt. Auch die Wirtschaften und ­Ladenlokale haben sich hiernach zu richten und besondere Vorkehrungen zu einer vollkommenen Verdunkelung zu treffen.

Der erste feindliche Flieger über Neunkirchen warf im Laufe der Nacht vom 12. zum 13.11.1916 mehrere Bomben ab, die jedoch in dem weichen Wiesengrunde außer riesigen Trichtern keinen Schaden anrichtete.

Am 15.11.1916 erließ der Bürgermeister von Neunkirchen folgende Bekanntmachung:
I. Wegen der zunehmenden Fliegergefahr ist die Verstärkung der hiesigen freiwilligen  Feuerwehr dringend geboten. Es wird daher nochmals gebeten der Wehr auf Kriegsdauer beizutreten und sich baldigst bei Branddirektor Gleitz zu melden.
II. Bei unmittelbarer Fliegergefahr am Tage wird künftig die Hüttensirene fünf mal kurz und bei Beendigung der Gefahr fünf mal kurz und ein mal lang ertönen.
III. Beim Abwerfen von Bomben durch feindliche Flieger ist in letzter Zeit die Wahrnehmung gemacht worden, dass die Bomben mit stark riechenden Gasen gefüllt waren. Es empfiehlt sich beim Abwerfen von solchen Bomben umgehend die Häuser in denen Bomben explodiert sind, zu verlassen und erst nach Entfernung der Sprengstücken und gründlicher Durchlüftung durch mit Schutzmitteln versehende Rettungsmannschaften die Häuser wieder zu betreten.

Wissenswertes über Brandbomben
Da in letzter Zeit über verschiedene Orte des Saargebietes von feindlichen Fliegern Brandbomben in größerer Zahl abgeworfen wurden, in der Absicht, durch entstehendes Feuer Werte zu vernichten und besonders die eingebrachte Ernte zu zerstören, sei folgendes bemerkt.
Die Brandbomben werden in Bündeln zu mehreren Stücken geschleudert und entzünden sich beim Auftreffen auf harte Bedachung, die glatt durchschlagen wird. Die vierteiligen, aus Weißblech hergestellten Brandbomben haben eine Länge von 155 mm sowie einen Durchmesser von
23,5 mm. Am unteren Teil der kleinen Bombe ist der massive Amboss mit dem Schlagstift, über dem sich die Patrone und das in diese eingeführte Zündhütchen befindet. Beide Teile sind mit einer Blechhülse verbunden, über der mit vier Flügeln ausgestattete Stabilitätskörper angeordnet ist. Die Füllung der Patrone besteht wahrscheinlich aus Thermit. Beim Aufschlagen der Bombe auf einen harten Gegenstand trifft der Schlagstift das Zündhütchen, das durch eine Stichflamme die Patronenfüllung zu Brennen bringt, was mit großer Hitzeentwicklung vor sich geht und geeignet ist Brände zu verursachen.
Das Aufschlagen der Bombe ist nur schwer hörbar. Die Entzündung des Zündhütchens geschieht mit Schwachem Knall. Der Pa­troneninhalt kann einem Eimer Wasser gelöscht werden.

Fliegerangriffe
In der Nacht vom 12. zum 13. November 1916 wurde das Neunkircher Eisenwerk zum ersten Mal bombardiert. Vier Bomben fielen in unmittelbarer Nähe der Elektrizitäts-Zentrale am Lämmerhof, ohne besonderen Schaden anzurichten.
Der nächste Luftangriff erfolgte in der Nacht vom 27. auf den 28.12.1916 mit zwei französischen Luftschiffen.  Eines der Luftschiffe stürzte bei erneutem Anflug auf Neunkirchen am 23.02.2010 bei Voellerdingen ab.

Ein Augenzeuge berichtet über den Angriff auf Neunkirchen folgendes:
Kurz vor 3.00 Uhr nachts ertönte plötzlich auf dem Eisenwerk die Sirene und meldete Fliegeralarm. Gleichzeitig warnten auch die Sirenen der nahen Gruben, sowie diejenige der Schlossbrauerei. Doch noch ehe sich die Arbeiter in die Unterstände begeben konnten, begann bereits das Bombardement, das längere Zeit intensiv fortgesetzt wurde und beinahe alle Abteilungen bestrich. Der Angriff dauerte beinahe eine Stunde und richtete bedeutenden Materialschaden an, da die abgeworfenen Bomben eine unheimliche Durchschlagskraft und Splitterwirkung hatten. Noch lange Jahre nach dem Kriege konnte man in den damals bombardierten Werksteilen die Splitterwirkung, die die starken Eisenbahnschienen und Träger wie Siebe durchlöchert hatte, bestaunen. Außer einem Treffer in ein Maschinenhaus im Walzwerk wurde auch die Windleitung zum Thomaswerk zerstört, so dass der Betrieb vorübergehend stillgelegt werden musste. Der Gegner bestrich systematisch die Werksanlagen und sogar noch darüber hinaus das Gebiet der nahen Staatsbahn. Zwei schwere Bomben fielen auch ins Südwerk in unmittelbare Nähe des Hauptbüros.
Der Stahlwerksarbeiter Wilhelm Müller von Wiebelskirchen wollte sich noch im Gebläsehaus in Sicherheit bringen, als in unmittelbarer Nähe eine Bombe auf einen Kessel fiel. Ein Splitter traf Müller am Bein derart schwer, dass das Bein amputiert werden musste. Ein weiterer Splitter verwundete die Arbeiterin Katharina Steiner aus Bexbach am Rücken. Der Kranführer Wilhelm Trautmann wurde auf dem Ofenkran an der rechten Hand verletzt. Im Felde bereits schwer verwundet, doch wieder genesen und nun in der Rüstungsindustrie beschäftigt, ward er an diesem Fliegerangriff so unglücklich getroffen, dass durch die Wunde das Blut vergiftet wurde. Nach mehreren Operationen starb er und wurde auf dem Ehrenfriedhof begraben.
Dieser Angriff hatte gezeigt, dass man auf dem Eisenwerk noch nicht genügend geschützt war. Es wurde sofort mit dem Bau von weiteren und besser geschützten Un­terständen in Angriff genommen. Im Südwerk wurden die Kanalräume der alten Puddel- und Walzwerke als Deckung benutzt. Diese Räume waren groß und geräumig und fassten hunderte von Menschen, schützten jedoch nur gegen Splitterwirkung. Auch wurden im Südwerk Deckungen unter den mit Blöcken gefüllten Öfen geschaffen, die jedoch sehr zweifelhafter Natur waren. Im Nordwerk wurden auch die Kellerräume des Eckersberger Schützenvereins als Deckung genutzt. Außerdem wurden auch im ­Thomaswerk zwei neue Unterstände gemauert, die jedoch ebenfalls nur gegen Splitter sicherten.
Eine vollkommene Deckung bot der Unterstand im Schienenlager. Man führte im Zickzack einen tiefen und breiten Graben durch das ganze Lager und überdeckte ihn kreuz und quer mit schweren Schienen, dass auch die schwerste Bombe nicht hätte durchschlagen können. So versuchte man auf dem Eisenwerk die Arbeiter zu schützen. Doch für die verängstigte Zivilbevölkerung standen nur die Keller in den Häusern zur Verfügung.
Ende des 2. Teils, Fortsetzung folgt
Quellenangaben folgen im letzten Teil
Ein Bericht von Günter Haab

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