Fliegerangriffe auf Neunkirchen Teil 4

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und das Neunkircher Eisenwerk im 1. Weltkrieg   
 
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Bombenschaden an aufgerissenem Bahngleis
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Bombenschaden an einer Rollenmaschine
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Notlandung eines englischen Flugezeuges bei Bexbach
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Karte der Flugwachen und Flak-Batterien im ersten Weltkrieg
Quellen:
  • Saarkalender 1927, 1929, 1930
  • Neunkircher Hüttenzeitung 1937
  • Neunkircher Stadtbuch 1955
 
In der Nacht vom 17. zum 18. Juli 1918 ertönten wieder ringsum die Sirenen und meldeten Fliegergefahr. Neunkirchen war total abgeblendet und auch das Eisenwerk hatte rechtzeitig den Betrieb stillgelegt und soweit wie möglich verdunkelt. Trotzdem war es dem Feind gelungen, sich zu orientieren und versuchte den Angriff auf die industriellen Anlagen. Die Abwehrbatterien beschossen den Feind mit Salven. Dieser ließ sich jedoch nicht beirren und begann Bomben abzuwerfen. Eine Bombe fiel in das auf der Oberschmelz eingerichtete große Lebensmittel­lager. Sie durchschlug den Bau vollständig und explodierte auf dem Boden. Mehl, Reis, Erbsen, Bohnen, Konservendosen, kurzum der ganze Inhalt des Lagers war erheblich beschädigt, die Säcke aufgerissen, der Inhalt mit dem herumliegenden Schmutz vermengt: unbrauchbar in einer Zeit wo die Bevölkerung nur noch knapp Kartoffeln, Kohlrüben und dergleichen zum Lebensunterhalt hatte. Besonderes Glück hatte der im Lager wohnende Lagerwärter Gebhard und dessen Frau. Ihre Wohnung war ebenfalls zerstört, doch beide blieben unverletzt.
Weitere Bomben schlugen in der Adjustage Nord ein. Die erste durchschlug das Dach der großen Halle, riss einen tiefen Trichter und richtete mit ihren Sprengstücken ringsum erhebliche Verwüstung an. Die in unmittelbarer Nähe stehende Richtmaschine wurde durch die Wucht der Explosion stark beschädigt. Eine weitere Bombe riss die ­Hackenplatten-Fräsmaschine aus ihrem Fundament und schmiss sie seitlich hin. Eine dritte Bombe schlug im Schienengleis ein und verbog deren Schwellen und Stahlschienen so, als ob sie von einem  Kunstschmied extra so geschmiedet worden wären. Der Gegner setzt von hier aus seinen Flug in Richtung Bahnhof wo er auch erheblichen Schaden hinterließ. Beim Rückflug warfen sie noch eine Bombe in der Nähe der Badeanstalt am Mehlpfuhl ab.
Auf dem Eisenwerk ging der Betrieb mit  einigen Einschränkungen seinen normalen Gang weiter. Die angerichteten Zerstörungen hatten kaum nennenswerten Einfluss auf die Produktion, und die Granatenerzeugung wurde überhaupt nicht in Mitleidenschaft gezogen. Man hatte jedoch aus der Verwendung gewaltiger Bomben amerikanischen Ursprungs gelernt und die sofortige Verstärkung der vorhandenen Unterstände in Angriff genommen. Auch auf dem Bahnhof konnte durch Umleitung der Verkehr aufrecht erhalten werden.

Von dem Bombenangriff auf den Bahnhof schilderte ein Augenzeuge noch folgendes Erlebnis:
„Nachdem die Flieger durch das starke Abwehrfeuer verjagt waren, suchten wir gemeinsam mit dem Militär den Bahnhof ab und stellten den angerichteten Schaden an den Gebäuden und Gleisanlagen fest. Bei dieser Gelegenheit wurde auch ein Blindgänger gefunden und unschädlich gemacht. Doch groß war unser Erstaunen, als wir bei Tagesanbruch nochmals alles absuchten und bei dieser Gelegenheit einen weiteren Blindgänger entdeckten, der in dem Hohlraum zwischen einer Schiene und dem darunter aufgeschütteten Kleinschlag lag. Beim Befahren der Gleise wurde die Bombe von der Schiene heruntergedrückt. Hier hatte die Vorsehung ein Wunder getan, denn nach dem Angriff waren über diese Stelle drei Militärzüge gerollt.
Ein folgenschwerer Angriff erfolgte am 17. August 1918, abends zwischen 22.50 Uhr und 23.25 Uhr auf der Grube Heinitz. Der Angriff erfolgte überfallartig, so dass sich ein großer Teil der Bergleute, die sich im Schichtwechsel befanden nicht mehr in die Deckung begeben konnten. Neun Bergleute waren auf der Stelle tot, und zwölf wurden teils schwer, teils leicht verletzt. Die danach erfolgten Bombenabwürfe auf Neunkirchen richteten keine weiteren Schäden an.

Der amtliche Bericht über die Angriffe vom 17. zum 18. August 1918 lautete:
Saarbrücken, - 19. August 1918 (amtlich).
In der Nacht vom 17. zum 18. August 1918 versuchten mehrere feindliche Flieger Saarbrücken und Neunkirchen anzugreifen. Die in der Umgebung von Saarbrücken abgeworfenen Bomben richteten keinen Schaden an. Auf einer Grube sind leider beim Schichtwechsel fünf Bergleute, drei russische Kriegsgefangene und ein Wachmann getötet und eine Anzahl verletzt worden. In der vergangenen Nacht erfolgte ein weiterer Angriff. Die hierbei abgeworfenen sieben Bomben richteten keinen Schaden an.
Am 23. Oktober 1918 gegen Abend wurde das Eisenwerk angegriffen. Die riesigen Bomben amerikanischen Ursprungs schlugen im Kohlwald in der Nähe des Gebläsehauses im Nordwerk ein, ohne jedoch großen Schaden anzurichten.

Der letzte Angriff auf Neunkirchen fand am 31. Oktober 1918 statt, der jedoch durch die Luftabwehr abgewiesen wurde.
 
Ein Bericht von Günter Haab
Ende des 4. und letzten Teils

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