Der Schwebel, eine Straße und ein Verein Teil 1

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Es war einfach eine schöne Zeit im rätselhaften Schwebel   
 
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Quelle: Neunkirchen damals S. 25
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Zeichnung Renaissanceschloss,
rechts Rödelsgasse von Arndt Hartung 1937.
Quelle: Saarbrücker Zeitung 1970
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Aufbaustudie Rentamt von Arndt Hartung 1937.
Quelle: Saarbrücker Zeitung 1970
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Oberer Markt (damals Platz der deutschen Front).
Nach links Einfahrt zum Schwebel.
Schon 1797, also vor über 200 Jahren, hat der Geometer und Landvermesser Nordheim bei der Vermessung des Tractus 1 von Neunkirchen den Schwebeler Weg eingezeichnet und benannt. Während die Rödelsgasse, benannt nach Johann Georg Rödel, er ist 1765 als Anwohner nachweisbar, zu dieser Zeit schon bebaut war, weist die spätere Schwebelstraße noch keine Bebauung auf.
Der Nordheimplan zeigt auch die Lage der beiden Schlösser, das alte Schloss, nur noch in der U-Form (1570–1593) erhalten, der Eingangsbereich war schon abgerissen, und das neue Jagdschloss Jägersberg in der Form eines Halbmondes (1753). Ferner ist die gesamte Bebauung des ältesten Ortskerns der Stadt, von der Marktstraße bis zum Hüttenberg mit den beiden alten Kirchen auf dem Plan zu erkennen.
In dem Winkelbau an der Baumreihe befanden sich die Hundezwinger der fürstlichen Meute, Hundshof genannt. Daneben ist das fürstliche Rentamt dargestellt, heutiger Standort des Rathauses. Dieses Haus, auch das Schuler’sche Haus genannt, wurde nach dem Einmarsch der Franzosen 1792 das erste Rathaus/„die Mairie“ von Neunkirchen. Der erste Bürgermeister war Franz Couturier, der auch Hausbesitzer war. Sein Schwiegersohn war Johann Krier. Nach ihm wurde auch der angrenzende Kriershof benannt.
Der Schwebelerweg wird zunächst als Ernteweg bezeichnet. In der Gemeindeordnung von 1731 und im Bannbuch von 1740 wird erwähnt, dass die Erntewege nur zur Erntezeit geöffnet wurden. und wer „darwider handelt ist in die Gemeindestraf von 15 Albus zu nehmen“. Die Namen der Wege ­belegen auch eine ganze Reihe von Flur­bezeichnungen, wie Langenstrich, Ruhstock, Ritzwies, Wagwies u.s.w. Im unteren Teil ­tangiert der Schwebelerweg die Begrenzung des Schlossgartens.
Daher kann man sich heute noch eine Vorstellung von der Größe dieses Gartens machen. Schon Freiherr von Knigge beschrieb die gegliederten Terrassenanlagen mit ihrem einmaligen Blick ins Land und auf die Feuer der Eisenhütte. Er beschrieb auch ein Schlafzimmer, in welchem dem Fenster gegenüber die Wand aus einem Spiegel bestand. Das Bett des Fürsten stand so, dass er, wenn er in dem selben lag, die sich im Spiegel darstellende Gegend wie ein Gemälde vor ihm lag. Krajewski schreibt in seinen Plaudereien folgendes über den Schwebel: „Ein Ernteweg aus dem Dorf in den Schwebel, auf den Bocksberg, die Sauerwies usw.“.
Was den Namen der Straße betrifft, wurde schon viel herumgedeutet, was man kaum von einer anderen Strasse in Neunkirchen sagen kann. Die einen wollen den Namen durch die Nähe der Eisenhütte mit Swefel, Schwefel in Verbindung bringen. Andere wollen den Namen mit dem Zweibrücker Reformator Johann Schwebel in Verbindung bringen, der 1490 in Pforzheim geboren wurde und ab 1523 in Zweibrücken tätig war. Er fand 1520 während der Bauernaufstände Unterkunft und Schutz auf der Ebernburg bei Franz von Sickingen.
Dieser hatte aber mit Neunkirchen nie eine Verbindung. In einem Bericht aus dem Jahr 1603 wird ein Heinrich Schwebel erwähnt. Es heißt, das in diesem Jahr in der Limbacher Kirche zwei Delegationen aus Nassau- Saarbrücken und Pfalz – Zweibrücken zusammen kamen um über Streitpunkte beider ­Territorien zu beraten. Für den Ablauf der Verhandlungen war der Kanzler Heinrich Schwebel zuständig.
Krajewski deutet den Namen so: „In der zweiten Hälfte des Namens „Bühel„ scheint eine Erhebung gemeint. Den ersten Teil „Schwe“ oder „Swe“ könnte man als Bestimmungsort für die vorhandene Geländeform also „Swebühel“ deuten. Ein Prof. Christmann meint, da es ich um ein Geländeflurteil an einem Berghang handelt, könnte das Wort „Bühl“ das Grundwort sein, denn schon um 1500 wurde für Anhöhen das Wort „Bühl“ verwendet. Kurt Hoppstädter schrieb: Auf den Hexentanzplätzen in der vormittelalterlichen Zeit wurde nach den Tönen einer „Schwebeltgen„ getanzt. Vielleicht befand sich auf der Anhöhe der heutigen Schlossstrasse ein solcher Tanzplatz in jener Zeit. Aber man wird den Namen „Schwebel“ wohl nie auflösen können. In der Saarländischen Tageszeitung vom 28. Juni 1941 schreibt der Verfasser eines Artikels gar von einem ortskundlichen Rätsel, was den Namen betrifft, das ist auch meine Meinung. Er schreibt: Die Straße. die vom Platz der deutschen Front (heute Oberer Markt) aus links vom Hüttenberg in Richtung Königsgrube ins Tal führt. Im Schwebel steht seit einigen Jahren auf den Straßenschildern, Schwebelstraße war früher der amtliche ­Name. Auf der Karte von Nordheim vom Jahre 1797 heißt es Schwebeler Weg. Im ersten Adressbuch Neunkirchens von 1888 heißt es schon Schwebelstraße.

Die Meinung des Autors:
Der Straßenname Schwebel stammt vermutlich aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet Swefel im Sinne von stickigen, giftigen Dampf wie er bei der Eisenbereitung anfällt. (Also Schwefelgehalt des Erzes). Aber Krajewski wiederum glaubt das der Flurname Schwebel älter ist als das ab 1590 erstmals erwähnte Eisenwerk.
Ende des 1. Teils, Fortsetzung folgt
Ein Bericht von Lothar Spengler

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