Der Schwebel, eine Straße und ein Verein Teil 2

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Es war einfach eine schöne Zeit im rätselhaften Schwebel
 
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Schwebelstraße 1938
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Grube König.
Quelle: Neunkirchen damals, S. 109
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Kokerei König
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Pferdeführer mit Grubenpferd,
Quelle: NK Hefte Nr. 13. S. 22
Was die Bebauung der Straße betrifft, so sieht man wie schon erwähnt 1797 auf dem Nordheimplan noch keine Häuser. Nordheim hat aber auch vom Hüttenberg aus einen Weg angedeutet der die spätere Jakobstraße zwischen den heutigen Parzellen Kuhn, Molter und Weckmann passierte und zur Grube König führte. Diesen Verbindungsweg zwischen Hüttenberg und Jakobstraße, Jakobsgässchen genannt, gibt es nicht mehr. Die Bebauung der Schwebelstraße begann erst Anfang des 19. Jahrhunderts.
Das älteste Haus ist wohl das dass heutige Spengler’sche Anwesen Nr. 1, welches der Zechenschmied Peter Drunzer etwa um 1830 erbaut hat. Im Jahre 1910 sind die ­Geschwister Süßkind und ab 1931 ein Wilhelm Spengler pens. Grubenschlosser als ­Besitzer angegeben.
Der Verfasser eines Artikels über den Schwebel schreibt folgendes: „Als die alten Leute von heute noch Mädchen und Buben waren, hat es im Schwebel nicht anders ausgesehen als jetzt“, und weiter „an der Ecke Rödelsgasse befand sich der „Bolles“, der Polizeigewahrsam der Landjäger. Zum Oberort ging es die Königstraße und den Schwebel hinauf, denn der Hüttenberg war zu steil, besonders für die Pferde mit den Kohlewagen von der Grube König her. Die Straße war der Hauptweg für die Bergleute zur Grube König. Auch wohnten in dieser Zeit viele Bergleute von außerhalb im Schwebel zur Untermiete. Über die Wochenenden fuhren diese dann nach Hause. Die Wirtschaften in der Straße, damals acht an der Zahl, das waren 10% der Häuser hatten besonders an den Zahl­tagen Hochbetrieb“.
Das Schlafgängerwesen im Schwebel ging dann Ende des 19. Jahrhundert stark zurück, bedingt durch die immer besser werdenden Bahnverbindungen. Im Jahre 1941 gehörten 16 Häuser im Schwebel der Grubenverwaltung, besonders im unteren Teil der damals noch anders verlief, waren viele Steigerwohnungen. Der Verfasser schrieb zum Schluss: „Heute ist der Schwebelerweg eine ruhige friedliche Strasse. Vom Katzenberg her weht der warme Sommerwind den süßen Duft des frisch gemähten Grases herein und süß duftet es auch aus den Gärten die sich, einer so gut gepflegt wie der andere, auf dem Gelände des ehemaligen Schlossparks (Jägersberg 1753 – 1793) vom Schwebel hinauf zur Schlossstraße erstrecken. Auch diese Gärten gibt es heute nicht mehr“.
Weiter schreibt der Autor: „Der schöne Blick auf die Grube König verbindet die alte ­entschwundene Zeit mit dem Tempo der Gegenwart und aus der Tiefe des Tales dröhnt das dumpfe Brausen des Eisenwerks.“
Von dieser romantischen Betrachtung ist heute auch nichts mehr übrig geblieben im Schwebel und seiner Umgebung. Auch Knigge beschreibt am 11. Mai 1792 diese Gärten so: „Die hintere Seite des Schlosses hat die Aussicht auf die Terrassen, die den Berg hinab fast bis zu den beträchtlichen Eisenhütten fortgeführt sind, welche im Tal liegen“.
Zur Grube König kann man sagen, sie gehörte mit den vielen Bergleuten die im Schwebel wohnten und dort arbeiteten mit zum Tagesgeschehen der Strasse. Der Stollenabbau in dieser Grube begann bereits im Jahre 1821, die Abteufarbeiten für einen Schacht ab 1844 und der Schachtabbau ab 1849 mit Einführung der Dampfmaschine.
Der Stollen im Holzhauerthal (Heinitz), 1847 angehauen, gehörte ebenfalls zur Grube König. Aus diesem Stollen ging später die selbständige Grube Heinitz hervor, die bereits 1850 mit der Stadt zusammen einen Eisenbahnanschluss in die Pfalz erhielt. Weitere Nebenanlagen der Grube ­König waren der Nahebahnschacht und der 1867 bis 1887 betriebene Mehlpfuhlschacht auf dem Gelände der 1886 errichteten Knappschaftsklinik.
Schon ab 1823 begann man auf Grube König mit der Verkokung der Steinkohle, und belieferte das Eisenwerk, dass im Jahre 1873 dann eine eigene Kokerei in Betrieb nahm. Im Jahre 1850 arbeiteten bereits 1130 Bergleute auf der Königsgrube. Im Jahre 1953 betrug die Belegschaft 3863 Beschäftigte. Nach fast 150 Jahren Kohleabbau wurde die Grube 1968 stillgelegt.
Heute befindet sich auf dem Gelände die Müllverbrennungsanlage und andere Betriebe. Unterhalb der Grube befand sich ein Schlammweiher und die Stallungen der Grubenpferde und einige Wohnhäuser. Die Pferde wurden im Bergbau zum Ziehen der Kohlewagen gebraucht. Die Bergleute erzählten immer, dass diese Pferde zählen konnten, denn wenn man nur einen Wagen zu viel anhängte zogen sie nicht an.
Ende des 2. Teils, Fortsetzung folgt
Ein Bericht von Lothar Spengler

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