Der Schwebel, eine Straße und ein Verein Teil 3

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Es war einfach eine schöne Zeit im rätselhaften Schwebel
 
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Kohlenbahn des Eisenwerkes.
Quelle: NK anno dazumal, S. 71
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Quelle: Auflösung einer Gleichung, S. 23
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Haus Nr. 1 damals (1925)
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Haus Nr. 6 (Niebes) damals
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Nr. 16 damals Spedition Kramp
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Nr. 16a damals Hof der Spedition Kramp
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Giebels Wertschaft damals
Der Bahnanschluss von der Schlawerie zur Grube wurde 1867 gebaut. Dadurch wurde der um 1845 angelegte Friedhof der Familie Stumm vom übrigen Park abgetrennt. Die Bahn verlief genau über die Trasse der heutigen Königsbahnstrasse und diente dem Kohlen- und Personentransport. Der Verkehr wurde offiziell im März 1968 eingestellt.
Eine Kohlenbahn verlief entlang der Königsstrasse, vor den Meisterhäuser vorbei zu den Puddelöfen im Südwerk, welche von 1835 – 1915 in Betrieb waren. Im Vordergrund erkennt man die Kohlenbahn zum Südwerk.
Zurück zur Schwebelstraße. Auf diesem Bild von 1880 sieht man den alten Verlauf der Schwebelstraße. Oben die Pauluskirche und in der Mitte hinten die Josephstrasse. Hinter dem Haus rechts im Vordergrund mündet die Schwebelstraße in die Königstrasse ein. Der Stadtplan von 1902 zeigt ebenfalls den Verlauf der beiden Grubenbahnen. Dieser Plan zeigt auch wie weit die Strasse zur Grube hin reichte.
1979/80 wurde die Königsstraße durch den Bau der Westspange in Richtung der Grube König total verändert. Der Aushub der Trasse wurde zur Profilierung der Kleingartenanlage am Bergmannspfad verwendet.
In den 50er Jahren waren links im unteren Schwebel drei neue Doppelhäuser von Saarberg gebaut worden. Die Häuser der Josephstrasse wurden abgerissen. Alle älteren Häuser im unteren Schwebel hat Saarberg ab 1960 nach und nach verkauft. In den Erinnerungen an ihre Jugendzeit schildert Wilhelmine Milch geb. Honecker den unteren Schwebel so: „In diesem Teil der Straße wohnten nur Bergleute. Es waren die Familien Heinrich Nr. 50 (Kutscher), Scheer und Honecker Nr. 52, Grobler und Hertel Nr. 54, Pfeiffer Bernhard (Herrenfahrer) und Gützlaff Nr. 58. In Nr.31 wohnten Balthasar Keller gen. ‚de Keller Balzer’, Knorr, Köhl, Hauptmann, und in Nr.29 Klein (Fuhrmann) und Mohr (Futtermeister).
Sonntags sahen wir Kinder zu, wenn die Grubenpferde durch die Schwemme (Bad) mussten. Auch machten sich die Großfamilien Balzer und Honecker sonntags zu Spaziergängen in die Wälder rund um die ‚Dechener Alpen’ auf. Das waren die Bergehalden zwischen der Betzenhölle und Heinitz–Dechen“. Sie erzählt von Steinschlachten in Einsiedlerswies gegen die ‚Schlosser Buben’.
Es wurden auch Fahrten mit lenkbaren Kutschen vom Grubenwäldchen bis zur Josephstrasse gemacht. Im Winter Schlittenfahrten vom Niebes bis zu den Pferdeställen. Eingekauft wurde bei Baiers und alle zehn Tage wenn die Bergleute ihren Lohn heimbrachten, wurde bezahlt. Das Brot wurde bei ­Bäcker Karl Rein gekauft“.
Sie beschreibt auch die Brauereiwagen die gelenkt von den Bierkutschern „de Schoninger“ und „de Schlocker“ den Schwebel hinauf zur Brauerei fuhren. Am Ende ist ihre Meinung, auch wenn heute alle Häuser weg sind: „Wir Bergmannstöchter und -söhne denken gerne an die schöne Zeit, denn wir waren ja auch im Schwebel dehemm“. Dieses Bild aus dem Jahre 1925 zeigt das erste Haus der Straße, gebaut etwa 1830 von Peter Drunzer. Es zeigt neben dem Eingang den Großvater der heutigen Besitzerin, den bekannten 1865 geborenen Pitts Wilhelm (Spengler). Er war Musiker, Tambour der Feuerwehr und Sänger im Bergarbeiterchor und Turner beim TuS 1860.
Zum 110-jährigen Jubiläum des Vereins schrieb H. W. Hoer folgendes: „Nach dem das hundertste Mitglied aufgenommen wurde, feierte man mit einem Tanzfest. Die Musik dazu machte der Turner Wilhelm Spengler (Pitts Wilhelm) mit seiner Ziehharmonika“. Rechts befand sich der Milchladen von Philippine Spengler. Das zweite Kind von links ist die heutige Besitzerin Hildegard Fernsner geb. Spengler. mit ihrem Bruder. Der Vater der beiden Kinder betrieb links vom Eingang eine Klempnerei.
Gegenüber befand sich die Pferdemetzgerei Edmund Hubert die später von Bernhard Niebes weiter betrieben wurde. Hier stand ich selbst noch in den Kriegsjahren in der langen Menschenschlange an, um Pferdefleisch für die Hälfte der Fleischmarken zu ergattern. Damals sang man nach dem Lied ‚Lilli Marleen’ folgenden Text: „Es Schweinefleisch es deier, es Rindfleisch das es knapp, do gehn ma bei de Niebes un kaafe uns trapp trapp. Und alle Leute sollen es sehn, wenn wir beim Niebes Schlange stehen, für eine Mark und zehn, für eine Mark und zehn“.
Darunter in Hausnummer 10 war die Bäckerei von Magnus Hitzelsberger, die später von Bäcker Kohlhöfer betrieben wurde. Im unteren Schwebel gab es noch den schon erwähnten Bäcker namens Karl Rein und in Nummer 11 den Lebensmittelladen von ­Willi Dietrich.
Diese Bilder aus den Jahren 1908 und 1917 belegen, dass im Hinterhof von Hausnummer 16, heute 16a, sich die Spedition von Chr. Kramp Wwe. mit einem beträchtlichen Fuhrpark befand. Hinter dem Stallgebäude, das heute als Wohnhaus umgebaut ist, verlief der bereits erwähnte Fußweg vom Hüttenberg zur Königsgrube, auch Jakobsgässchen genannt.
Selbst das Finanzamt war für kurze Zeit im Schwebel präsent. Im Jahr 1936 befand sich in einem von der Polizei geschlossenen Weinlokal die staatliche Finanzkasse bis zum Neubau des Amtes im Jahr 1938. Es könnte sich hierbei um das Haus Nr.9 gehandelt haben. Denn in diesem Haus befand sich schon 1910 ein Lokal mit einer Gartenwirtschaft, betrieben von Franz Brehmer, Bäcker und Wirt. In den dreißiger Jahren wird ein Wirt namens Rein erwähnt. Die Schwebeler sagten, wir gehen zum Vater Rein.
Lehnen erwähnt sogar in seiner ‚Chronik von Neunkirchen’ im Jahr 1909 den Rauchklub ‚Fidele Brüder’ bei Wirt Caye im Schwebel. Von den damaligen acht Gaststätten gibt es heute keine mehr. Auch das bekannte Lokal ‚Zur Brigitte’ das Gründungslokal der Schwebelfreunde gibt es nicht mehr.
Ende des 3. Teils, Fortsetzung folgt
Ein Bericht von Lothar Spengler

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