Der älteste Steinkohlebergbau in Deutschland Teil 1

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Die Keltengrube auf dem Riedberg bei Heinitz
 
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Auszug aus dem Grubenbild,
Flöz Tauentzien der Grube Heinitz
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Auszug aus dem Grubenbild,
Flöz Tauentzien der Grube Heinitz
Der Riedberg bei Heinitz wird mit seinem exponierten unterkarbonischen Schichtenpaket  auf der Westseite vom Cerberus- und auf der Ostseite vom Rhadamantus-Sprung begrenzt. Die Südseite reicht bis auf die  nach Norden einfallende südliche Randüberschiebung heran. Das Schichtenpaket umfasst die Steinkohlen-Flöze unterhalb des Flözes Tauentzien. Dazwischen liegen Eisensteinlager. Auch ein Melaphyrlager wurde angeschnitten. Die Nordseite des Berges fällt relativ steil in das Holzhauerthal ab.

Die geologisch exponierte Stellung des Schichtenpaketes gab schon  sehr  früh Menschen den Anlass zur Mineraliensuche. Der gefundene Steinhammer mit einer zentralen Bohrung für einen Hammerstiel gibt auch Anlass zu unterschiedlichen Vermutungen  über  steinzeitliche bergmännische Aktivitäten. Ein besonderer Nachweis der Aktivitäten bleibt aber der Zukunft überlassen.
Zur Untersuchung der Kohlenflöze im Bereich des Riedberges entschloss man sich im Jahre 1847 vom Holzhauerthal her einen Querschlag, den späteren Heinitzstollen, anzusetzen. Die Untersuchungsarbeiten  konnten  schnell eine  besonders günstige  Flözausbildung nachweisen. Das Königliche Steinkohlebergwerk entschloss sich deshalb  rasch für einen planmäßigen und sehr systematischen Abbau. Zur besonderen raschen und intensiven Bearbeitung des neuen Grubenfeldes eröffnete man bald darauf sogar ein eigene Grube, das spätere Königliche Steinkohlebergwerk Heinitz.
Im Bereich des Ausgehenden des Flözes ­Tauentzien stieß man in den Jahren 1851 bis 1853 immer wieder auf „Alten Mann“, wie man im Bergbau den Abbaubereich bereits abgebauter oder teilweise abgebauter Flöze nennt. Bei der planmäßigen Abbauführung, wurden diese angefahrenen Flözteile in ­speziellen Darstellungen und den alten ­amtlichen Flözrissen durch den damaligen Königlichen Markscheider Guckeisen festgehalten.
Der alte Abbau wurde offensichtlich unregelmäßig und in unterschiedlichen Flözmächtigkeiten geführt (siehe Abbildungen). Auffallend ist dabei die unterschiedliche Abbauführung oberhalb und unterhalb der Heinitzstollensohle. Während unterhalb der Sohle der Abbau regelmäßig mit parallel verlaufenden Abbaustrecken geführt wurde, verlaufen die Abbaustrecken oberhalb der Sohle bis zum Ausgehenden des Flözes an mehreren Stellen unregelmäßig und ihre Führung gleicht der von Untersuchungsstrecken. Teilweise wurden von diesen Abbaustrecken keine Abbaue mehr angesetzt.
Bei den archäologischen Ausgrabungsarbeiten in den 1970/80 er Jahren des Historischen Museums Saarbrücken wurde im Grab einer  Keltenfürstin in Rubenheim eine Perle als Teil einer Schmuck – Grabbeigabe gefunden. Herr Prof. Dr. Kolling bestimmte aus den übrigen Grabbeigaben den Zeitraum der Grabanlage. Er kam auf den Zeitraum um das  7./6. Jahrhunderts vor Christus. Es handelt sich also um ein Grab der Hallstattzeit HaC. Herr  Dr. Reinhard regte eine spezielle Untersuchung im Rahmen einer Dissertation an der Universität Saarbrücken an. Es sollten Art und die Herkunft des Rohmaterials geklärt werden. Frau Dr. Engel übernahm diese Aufgabe in Saarbrücken. Die Arbeit führte zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen mit dem „Kohlepetrografischen Institut des Landes Nordrhein-Westfalen“ in Krefeld. Die Leiterin des Instituts, Frau Prof. Dr. Teichmüller, gilt als hochangesehene Spezialistin der Kohlepetrografie in Deutschland und über die Grenzen hinaus. Zur Untersuchung wurden Vergleichsproben aus den unterschiedlichen Kohlelagerstätten in Europa genommen, um die Herkunft des Rohstoffs der gefundenen Perle zu bestimmen. Herr Dr. Schröder von der Universität  Saarbrücken nahm dabei eine Probe zur speziellen Untersuchung aus dem Flöz Tauentzien der Grube Heinitz. Die palnyologische Untersuchung der Perle erfolgte auch im Rahmen eines Workshops am Institut Krefeld unter der ­Leitung von Frau Prof. Dr. Teichmüller. Dabei wurde eindeutig festgestellt, dass der Rohstoff der Perle aus Rubenheim (7./6.Jahrhd. vor Chr.) aus dem Flöz Tauentzien mit seiner Kännelkohlen-Bank vom Riedberg bei Heinitz stammt.
Herr Prof. Dr. Weissgerber hat schließlich auch noch die Ringe der Ursula von Roden auf  ihre Herkunft untersucht und untersuchen lassen. Auch diese Ringe stammen aus dem Flöz Tauentzien vom Riedberg.
Das Fötz Tauentzien hat im Bereich des Riedberges eine durchschnittliche Mächtigkeit von 1,5 m. Die Kännelkohlebank zeigt  schwankende Mächtigkeiten. Im Bereich des Riedberges dürften es wohl 10 bis 35 cm gewesen sein. Im übrigen Grubenfeld zeigt die Bank eine  wesentlich geringere Mächtigkeit.
 
Ein Bericht von Herbert Müller
Ende des 1. Teils, Fortsetzung folgt
Quellenangaben im letzten Teil

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