Die Gasmaschinenzentrale in Heinitz Teil 2

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Nationales Denkmal oder Katastrophe des Denkmalschutzes
 
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Der östliche Flügel der Gasmaschinenzentrale,
Firma Hydrosaar
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100 Jahrfeier-Darstellungen:
Elisabeth Bosslet, Darstellungen der Gasmaschinenzentrale
Werner Fried, Modell der Gasmaschinenzentrale
Günter Debold, Schnitzerei in Kännelkohle
Die Besitzverhältnisse des Bauwerks:
Die Gasmaschinenzentrale hat über Kriege hinweg ihre große regionale und überregionale Bedeutung erhalten. Nachdem die Anlage im Bereich des Königlichen Steinkohlebergwerks, also im deutschen Staatsbesitz entstanden war, kam die Gesamtanlage nach dem 1.Weltkrieg im Jahre 1919 in den Besitz des französischen Staates unter der Bezeichnung: „Mines Domaniales Francaises de la Sarre”. 1935 kehrte die Anlage wieder unter dem Begriff „Saargruben Aktiengesellschaft” in den Besitz des Deutschen Staates zurück. In der Folgezeit kamen umfassende Neu- und Umgestaltungen. Am Ende des 2.Weltkrieges kam sie 1945 wieder in den Besitz des französischen Staates und zwar bis zunächst 1947 im Rahmen der „Mission Francaises des Mines de la Sarre“ und ab 1948 bis 1955 unter dem Namen der französischen Staatsgesellschaft „Regie des Mines de la Sarre”. Nach einer Übergangsphase in den Jahren 1956 /57 wurde die Anlage wieder in eine deutsche staatseigene Aktiengesellschaft „Saarbergwerke AG” eingegliedert. Dieses Mal hatte das Saarland selbst einen Besitz-Anteil von 25%.
Im Laufe der Jahre bekam die Anlage ein zusätzliches Aufgabengebiet. Neben der Stromproduktion wurden große Kompressoren zum Transport von Erdgas über große Entfernungen aufgestellt. In den 1960er Jahren wurde der westliche Flügel des Gebäudekomplexes renoviert und mit einer besonderen Steuerungs-Anlage für den Betrieb des angeschlossenen „Pipelinesystems” ausgerüstet. Im Rahmen der Konzentration der Steinkohlegruben in Deutschland kam dann die Übergabe der Saarbergwerke AG mit dieser Anlage an die Deutsche Steinkohle AG und die RAG. Die endgültige Schließung erfolgte 1997. Ein einziger Motor wurde an das Bergbau –Museum Carreau Wendel in Frankreich abgegeben. Alle anderen Maschinen wanderten zum Schrotthändler. Der Westflügel der Halle wurde damit geräumt und blieb bis heute leer.
Im Ostflügel der Halle arbeitete die Firma Hydrosaar im Rahmen eines Mietvertrages weiter. Aus Mangel an Erweiterungsmöglichkeiten zog dieses Unternehmen 2007 aus. Rund 130 Arbeitsplätze gingen in Heinitz verloren. Viele Bürger aus Heinitz und Umgebung sorgten sich um ihre Arbeitsplätze und besonders seit 1998 um die Erhaltung des unter Denkmalschutz stehenden historischen Gebäudes. Bürger bemühten sich um das Verständnis der Behörden für dieses historische Bauwerk, das ja vielen Bürgern als Arbeitsplatz bekannt war und das sie zu schätzen wussten. Man bat RAG um ­eine weitere Belegung und dringend um den Erhalt des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes.
Zur Intensivierung der Bemühungen um den Erhalt des historischen und weit bekannten Gebäudes, das mit der Anwartschaft zum „Nationalen Denkmal” weit bekannt war, gründete man 2003 aus der Mitte der Heinitzer Vereine heraus die „Initiative Gasmaschinenzentrale Heinitz e.V.” Damit begann der zähe Kampf um die Erhaltung des „Nationalen Denkmals”. Die Initiative verschickte sofort Werbeschriften zur Suche nach Investoren. Dabei war ein Handwerker–Zentrum für moderne Energie ein besonderes Thema. Der damals zuständige Umweltminister wurde zur Diskussion des Problems eingeladen. Er klärte sich bereit, bei der geplanten öffentlichen Präsentation der Halle im Jahre 2003 eine Ansprache zu halten.
Zur Präsentation der Halle halfen örtliche und regionale Betriebe, unterstützt von mehreren Historischen Vereinen, darunter besonders engagiert der Histor. Verein Stadt Neunkirchen, der Heimatverein Spiesen-­Elversberg, der Verein Saarländisches Bergbaumuseum e.V., der Verein Saarl. Industrie Museum e.V. u. v. a...
Bei der 100-Jahrfeier im Jahre 2004 mit einem größeren Präsentationsforum in der Halle sprachen der Wirtschaftsminister, das zuständige Vorstandsmitglied der RAG und der Oberbürgermeister der Stadt Neunkirchen zu zahlreichen kulturbewussten Bürgern. Man war sich einig, die Gasmaschinenzentrale ist ein wichtiges Bauwerk, das erhalten werden muss. Zur Realisierung des Vorschlages sollten sich die Verantwortlichen an einen Tisch setzen. Sehr viele Bürger, ­Betriebe, Vereine beteiligten sich an diesem Tag der Erinnerung und Mahnung auch durch ihre Unterschrift.
Die Unterschriftenliste wurde dem Ministerium übergeben. Die Halle war auch Gegenstand von künstlerischen Darstellungen. ­Jürgen Wagner entwarf eine Darstellung der Gasmaschinenzentrale, die auf unseren Werbeblättern immer wieder Verwendung fand. Im Jahre 2005 planten wir eine ähnliche, der 100 Jahrfeier vergleichbare Feier in der Halle. Die Planungen dafür waren fortgeschritten. Die Musikkapelle der Bundes-Luftwaffe mit 80 Personen hatte bereits die Teilnahme angesagt. Es war wegen der guten Akustik in der Halle ein großes Konzert auch mit anderen bekannten Musikern und Sängern vorgesehen. Da verwehrte uns RAG plötzlich den Zutritt. Wir durften die Halle künftig nur noch mit einzelnen Personen betreten.
Das Landesdenkmalamt bat die Initiative Gasmaschinenzentrale um die Anfertigung von Bauzustandsberichten. In der Zwischenzeit sind mehrere solcher Berichte angefertigt worden und an das Landesdenkmalamt und natürlich auch an die RAG, die Eigentümer-Gesellschaft, geschickt worden. Diese Berichte dokumentieren sehr schön die zunehmenden Schäden an der historischen Halle. Auch das zuständige Ministerium wurde unterrichtet. Während das Landesdenkmalamt uns stets kontaktiert hat, um Einzelheiten zur Sprache zu bringen, hat RAG dagegen nie irgendwelche Kommentare dazu abgegeben.
Dann meldete die Albert Winzent GmbH ihr Interesse an der Übernahme der Halle an. RAG bat uns, die Werbung einzustellen, damit die Übergabe-Verhandlungen nicht gestört würden.
Ende des 2. Teils, Fortsetzung folgt
Quellenangaben im letzten Teil
Ein Bericht von Dr. Herbert Müller

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