Die Gasmaschinenzentrale in Heinitz Teil 3

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Nationales Denkmal oder Katastrophe des Denkmalschutzes
 
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5.12.09 Dachrinne endet auf halber Höhe und durchfeuchtet das Mauerwerk
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18.1.10 Südwest - Ansicht mit den großen Schäden
an der Stirnseite, dem 3. Fenster und der Westseite des 1.Querbaus, Markierungstürmchen
m Breitfenster sind abgenommen, da man den Zerfall des Mauerwerks befürchtet.
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18.1.10 Südwestansicht, 1.Querbau
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18.1.10 Nordseite
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18.1.10 Nordseite, zentraler Querbau
Literatur/Quellen:
  • Armin Schmitt,1989, Staatl.Konser­vatoramt Saarbrücken in: Denkmäler Saarländischer Industriekultur, S. 118: Die Gasmaschinenzentrale gilt als eine der eindruckvollsten Stahlskelettbauten an der Saar...
  • Rainer Slotta, Studie: Die Heinitzer Gaszentrale ist ein Denkmal von Nationaler Bedeutung
  • Delf Slotta, in Steinkohle 10/2001, Wahrzeichen des Saarbergbaus (Teil 5): Sollte ähnlich der Maschinenhalle in Dortmund-Bövinghausen zum Nationalen Denkmal erklärt werden.
  • Saarbrücker Bergmannskalender 1910: Die Elektrizität der königlichen Bergwerksdirektion Akte BWD 147: Die Entwicklung des Königl. Steinkohlebergwerks Heinitz, Landesarchiv Saar
  • Delf Slotta, Neunkircher Stadtbuch, Zeugnisse des Steinkohlebergbaus,
    Seite 171
  • Herbert Müller in SaarGeschichten 2006, Heft 1, Teil 2: Die histor. Gasmaschinenzentrale Heinitz
  • Helmut Schinkel in: Heinitz von der Kohlengrube zum Neunkircher Stadtteil im Grünen, S.90
  • Herbert Müller, in Saarpfalz Blätter für Geschichte und Volkskunde 2003, Kännelkohle und ihre Bedeutung für Kultur und Bergbau
  • Herbert Müller, Tagungsband TU Clausthal: Altbergbau-Kolloquium 2008, S. 510
 
Am 8.4.2008 riss der Sturm ein ziemliches Loch in das Dach des Westflügels. Zum Glück beruhigte sich die Wetterlage sehr schnell, sodass das Loch im Dach nicht weiter aufgerissen wurde. Wir mussten alle möglichen Hebel bei RAG in Bewegung setzen, um die Reparatur des Loches zu erreichen, denn ein schriftlicher Antrag der RAG Montan GmbH nach Herne war für eine Genehmigung der Reparatur erforderlich. Am 21.5.08 war das Loch dann schließlich geschlossen. Volle 6 Wochen hat also die Reparatur gedauert. Falls der Sturm sich nicht gelegt hätte, wäre sicherlich das ganze Dach davon geflogen. Die Übergabe-Verhandlungen kamen ins Stocken. RAG brachte immer neue Gesichtspunkte in die Verhandlung und erhöhte die Bedingungen.
Insgesamt musste aber dann festgestellt ­werden, dass eine Reihe von Dachreparaturen mehr als notwendig gewesen wären. Nach verschiedenen Schreiben und Besprechungen versprach RAG eine „Winterfest­machung” der Halle. Das undichte Dach sollte endlich dicht gemacht werden und zwar noch vor dem Eintritt des Winters im Oktober / November 2008.
Unsere Bauzustandsberichte 2008 und 2009 zeigten aber, dass diese Winterfestmachung tatsächlich nicht realisiert wurde. Wir informierten alle zuständigen Stellen. Der RAG Vorstandsvorsitzende wurde an die Versprechungen erinnert und gebeten, seine persönliche Verantwortung wahr zu nehmen. Selbst der Ministerpräsident des Saarlandes wurde um Hilfe gebeten. Da informierte uns das Oberbergamt, dass im Rahmen der Entlassung der Halle aus der Bergaufsicht ein Plan vorgelegt wurde, der den Abriss der Halle zum Ziele hatte. Nach mehreren Schreiben und Telefonaten zog RAG den Antrag zurück. In der Zwischenzeit arbeitet der Frost in den Mauern und richtet großen Schaden an. In der Zeit vom Herbst 2009 bis zum Jahreswechsel richteten wir mehrere Schreiben an RAG und die anderen Verantwortlichen mit der Bitte um Reparatur des Regenwassersystems.
Der Bauzustand des nationalen Denkmals verschlechtert sich zusehends außerordentlich rasch. Das Dach ist an mehreren Stellen undicht. Regenwasser strömt in großen Mengen in die Halle und durchfeuchtet das Mauerwerk erheblich. Die Bilder geben einen kleinen Einblick in das Zerstörungswerk des eindringenden Regenwassers und die Arbeit des Frostes. Vergleicht man nun die eingetretenen Ereignisse mit den Forderungen des Denkmalschutzgesetzes, so muss man feststellen, dass die Schadensfälle seit 2004 gewaltig zugenommen haben. Seit 6 Jahren wachsen die Kosten zur Beseitigung der durch das Wetter eintretenden Schäden erheblich. Die 2004 ausgesprochene unüberhörbare Aufforderung zum Handeln blieb ohne Reaktion. Die Mitverantwortlichen haben den Eigentümer, also den Hauptverantwortlichen, nur gelegentlich an das Handeln erinnert. Nach § 1, Abs.3 sollen die juristischen Personen des öffentlichen Rechts die Kulturdenkmäler besonders pflegen. Nach §1, Abs.4. trägt das Land zu den Kosten der Erhaltung und Instandsetzung bei.
Nachdem die Halle auch rund 27 Jahre im französischen Staatsbesitz war, wäre sicherlich eine finanzielle Beteiligung der EU nicht abwegig und sinnvoll im Rahmen einer europäischen Zusammenarbeit. Außerdem kann eine Rechtsverordnung wegen einer Ordnungswidrigkeit erlassen werden. Die dabei festgestellten Strafen in Deutschland sind von Land zu Land verschieden und bewegen sich neben der Wiedergutmachung etwa zwischen 250 000 und 500 000 Euro.
Es ist also jetzt hohe Zeit, dass die Verantwortlichen endlich aus der Wartephase in eine Aktionsphase wechseln und einen zielgerichteten Plan für die Dekontamination der Umgebung, Renovierung und Finanzierung des “Nationalen Denkmals” aushandeln. Eine Firma, die die Halle übernehmen möchte, ist schließlich vorhanden. Es sollte nicht immer gesagt werden, es sei keine ­Folgenutzung in Sicht.

Die Begründung der Forderung der Initiative Gasmaschinenzentrale ist hier nochmals kurz zusammen gefasst:
1) Einmalige richtungsweisende und mathematisch begründete Konstruktion des Stahlskelettbaus mit dem bewundernswerten Jugendstilcharakter gemäß Beschreibung der Spitzenfachleute
2) Ein besonders wichtiger Grund für die ­Erhaltung des Denkmals liegt für uns in der bewundernswürdigen schweren und außerordentlich mühsamen Leistung der Frauen und Männer in der Region Heinitz, denen es in jahrelanger harter und zäher Arbeit gelang, die Erfindung der Elektrizität vor mehr als 400 Jahren für den Betrieb der arbeitserleichternden Maschinen an den verschiedensten Arbeitsstellen des Bergbaus und der allgemeinen Industrie verwendbar zu machen. Die mühsame Entwicklung der Gasmotoren und deren Anpassung an die Dynamos auf den verschiedensten Betriebsstellen, erforderte über viele Jahre, bis eine Zentralstelle für die Elektrizitätserzeugung möglich war, höchsten Einsatz von allen Mannen.     Â
3) Die Gasmaschinenzentrale ist das letzte Überbleibsel einer langen Tradition des erfolgreichen und kreativen Steinkohlebergbaus. Viele technische Entwicklungen  nahmen hier ihren Anfang. Schließlich fand hier in Heinitz auch die älteste deutsche Steinkohlengewinnung mit dem Abbau der Kännelkohle im 7./6. Jahrhundert vor Christus ihren Anfang. Auch der allererste Zug des Saarlandes fuhr in Heinitz am 7.9.1850 ab.
4) Nicht zuletzt möchten wir den Nachbarn der Anlage die Kontamination um und im Bereich der Anlage in der Mitte des Dorfes nicht länger zumuten. Wir fordern deren Beseitigung zusammen mit der Renovierung des historischen Monumentalbauwerks.
5) Das monumentale Bauwerk muss wieder Arbeitsplätze in der Mitte des Dorfes bereit stellen.

Alle hier aufgeführten Punkte liegen eindeutig im Sinne des Denkmalschutzgesetzes. Das Gesetz muss endlich eingehalten werden. Für die Einhaltung des Gesetzes ist ein deutlicher und eindeutiger behördlicher Hinweis erforderlich. Sicherlich ist öfters eine Beratung und Hilfestellung der Öffentlichen Hand sinnvoll oder erforderlich. Dazu ist aber der Staat laut Gesetz auch verpflichtet. Eine fehlende Wertschätzung der Leistung der Bürger, die die Grundlage unseres wirtschaftlichen Aufschwungs erarbeiten, wird hier sehr deutlich sichtbar. Wir hoffen, dass im Jahre 2010 die Erhaltung der Halle einen großen Schritt nach vorne machen kann. Merkwürdig finden wir beim Rückblick, dass bei einer rechtzeitigen Dachreparatur ein großer Kostenposten hätte eingespart werden können. Warum haben die Behörden nicht schon längst ein klares Wort an den Eigentümer gerichtet? Es gibt keinen vernünftigen Punkt, der dagegen spricht.
Vielleicht wäre es doch sinnvoll, gelegentlich auf die Stimme der Bürger zu hören. Die meisten Denkmäler gehören zur Identität der Bewohner. Eine Zerstörung dieser Identität nimmt dem Land den eigenen und besonderen Charakter. Man sollte deshalb auch Bürger zum Erhalt dieser Denkmäler anhören oder wenigstens das Gesetz beachten.
 
Ein Bericht von Dr. Herbert Müller
Ende

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