Die ehemalige Bilsenkrautanpflanzung

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Heil- und Zauberzwecke im Binsental bei Neunkirchen-Heinitz
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Auszug aus dem Nassauischen Kartenwerk 1750 - 1810
 
 
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Auszug aus der Preußischen Uraufnahme, 1850

 
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Auszug aus der Geologischen Karte, Blatt Friedrichsthal 1876

 
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Auszug aus der Klieverkarte, Section Heinitz, 1890

 
Zur Zeit der Nassauer Fürsten war das Gebiet des ehemaligen Steinkohlebergwerks Heinitz (1847 bis 1962) Teil eines großen zusam­menhängenden Waldgebietes, das der fürstlichen Jagd vorbehalten war. Das „Nassauische Kartenwerk“, entstanden in der Zeit  zwischen 1750 und etwa 1810, zeigt noch diese Situation. Damals wurden die Talauen von Bürgern als Wiesen, Weiden oder Triften (Trifften, Trieften) benutzt. Schmale Geländestreifen in den Tälern waren, wie im Kartenwerk angegeben, längst in Parzellen aufgeteilt und in privatem Eigentum.
Sicherlich sind die in den Kartenwerken benützten Flur- und Gewässernamen auf alte Überlieferungen zurückzuführen. So hieß das heute als Heinitzbach bekannte Gewässer damals  nach dem Nassauischen Kartenwerk „Bertelbach“. Er sammelte das Wasser der sogenannten „oberen und unteren Waldbäche“ und führte es zur Blies. Der Oberlauf eines dieser „Waldbäche“ hieß Geisbach oder Gaißbach, worauf sich sicherlich der Flurname „Geisheck“ zurückführen läßt und den späteren Namen der Geisheck-Schachtanlage, der Nebenschachtanlage der Grube Heinitz, begründete.
Das von der Südflanke des Langenkopfes ausgehende Tal wird bei der preußischen Uraufnahme um 1850 als Bilsenwiesthal ­bezeichnet.
Bei dieser Aufnahme wird das Tal das von der nördlichen Flanke des Langenkopfes ausgeht als Waldbachthal bezeichnet. Die gleiche Namensgebung erscheint auf der Geologischen Karte, Blatt Friedrichsthal um 1876. Bei der geologischen Aufnahme durch E. Weiss 1876, wird die Bezeichnung „Bilsenwiesthal“ bestätigt. E. Weiss war als Lehrer in Saarbrücken sicherlich mit den örtlichen Verhältnissen und der Sprache der Ortsansässigen vertraut und hat daher den tatsächlich im Volk gebrauchten Namen des Tales eingetragen.
Bei der Kliverkarte von 1890 dagegen wird aus dem Bilsenwiesthal ein Binsenthal, während der Name „obere Waldbäche“ als „In den oberen Waldbächen“ erhalten bleibt. Hier liegt offensichtlich ein Bruch der Namensgebung durch Hörfehler vor. In der späteren Zeit (bis heute) wurde aus den „oberen Waldbächen“ das heutige Binsental. Das ehemalige Bilsenwiethal ist  durch den Ausbau der Geisheck – Schachtanlage verschüttet und der Name Bilsenwiesthal in Binsental verändert und wurde auf das nördlich davon abzweigende Tal (in den oberen Waldbächen) übertragen. Das „Bremmenfeld“ im unteren Teil der “Waldbäche“  ist heute ganz verschwunden. Auffallend ist die Häufung von Flurbezeichnungen, die sich mit „geistlichen Herren“ befassen: „Pfaffendick“, „Im Heiligengarten“, „Heiligenwies“, „Auf dem Schönenstab“. Einen sehr frühen Einfluss auf die Namensgebung von Fluren übten offensichtlich auch die einstigen keltischen Bewohner und ihre Nachfolger, die Herren der Villa Rustica am Freidelbrunnen, durch eine besondere  Tätigkeit  aus.

Züchtung von Bilsenkraut auf den Bilsenwiesen?
Es bleibt festzuhalten, daß bei den ältesten Karten der Name „Bilsenwies“ auftaucht und später erhalten bleibt. Es handelt sich also um eine Wiese, auf der in früheren Zeiten Bilsenkraut  gewachsen ist und nicht um ein versumpftes Tal oder einen Bachlauf, an dem Binsen wachsen. Für die frühe landwirtschaftliche Nutzung spricht die Aufteilung in private Parzellen und deren Bewirtschaftung als „Wiese“, wie im Nassauer Kartenwerk so gekennzeichnet. Die Vermutung, die heutige Bezeichnung „Binsental“ habe sich durch eine Verwechslung und Verballhornung aus der früheren Bezeichnung Bilsenwiesthal entwickelt, liegt nahe. Noch 1945 hieß das Tal in der Mund zu Mund Überlieferung „Bilsental“, wie aus einer Leserzuschrift der Saarbrücker Zeitung vom 5.2.2000 zu erkennen ist. Man kann also vermuten, dass es um eine Wiese geht, auf der einst das Bilsenkraut gewachsen oder gar gezüchtet wurde. Das Bilsenkraut ist eine aus keltischer Tradition bekannte Heil- und Arzneipflanze(4). Sie gehört zu den ältesten Heil-, Gift- und Zauberpflanzen der Keltenzeit, über die Römerzeit und das Mittelalter bis in die Neuzeit. In unmittelbarer Nachbarschaft der „Bilsenwies“, bei den Waldbächen, gibt es die Flurbezeichnung „Auf der Mosel“. Sie stammt aus der gleichen Sprachschicht wie die Gewässernamen der näheren Umgebung: Blies, Saar, Mosel, Moschelbäche (10) und ist damit keltischen Ursprungs. Die Kelten waren  in unserer Gegend ansässig, haben Flurnamen geprägt, auch in unserem Tal der  Waldbäche.

 

 

H. Müller

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