Die Lakaienschäferei in Neunkirchen Teil 1

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Ortsbezeichnung geht auf die Fürstenzeit zurück
 
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Tilemann-Stella-Karte von 1564
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Die Situation im Jahr 2013
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Lakaienschäferei im 19. Jhd.
Foto: AS 256-1
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Wasserholen am Brunnen beim Schäfereigebäude
Foto: AS 309-15
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Bau der BAB-Brücke über ZW-Straße
Foto HVSN
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Bauarbeiten an der Schutzhütte
Foto: AS 309-15
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Schutzhütte nach der Übernahme
durch eine Parteiformation
Foto: AS 446-30a
Quellenverzeichnis:
    1) Saarbrücker Zeitung vom 22.06.2007

    2) Tilemann Stella hatte zwischen 1561 und 1563 das Herrschaftsgebiet der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken vermessen und aufgezeichnet und dabei auch die Randgebiete dieser Herrschaft mit gezeichnet. So kam Neunkirchen zu seiner ersten kartografischen Darstellung.

    3) Armin Schlicker: Straßenlexikon Neunkirchen, S. 285

    4) Brigitte Schubert: „1687 HaußHoffmeisterey und KüchenRechnung ­alhier zu Neunkirchen“, in: Die Hofhaltung im Alten Schloß zu Neunkirchen 1687 und 1688

    5) Kurt Hoppstädter: Die Flurnamen, in: Heimatbuch Wiebelskirchen, Wiebelskirchen 1955, S. 137

    6) G. Remy: Heimatbuch von Wellesweiler, Neunkirchen 1951, S. 62

    7) Adolf Fürst: Älteste Einwohnerverzeichnisse des ehemaligen Oberamtes Ottweiler von 1741, LArch Saarbrücken, Best. N-S II, Nr. 2456

    8) Staatsarchiv Koblenz, Bestand N-S 22/2771

    9) Wolfgang Schieder: Säkularisation und Mediatisierung in den vier ­rheinischen Departements 1803 – 1813, Teil III Saar-Departement, ­Boppard 1991
       
      Als die Internationale Polizei-Assosation (IPA) im Juni 2007 ein Gästehaus in dem alten Gebäude der Lakaienschäferei aus der Fürstenzeit eröffnete1, brachte mich unser inzwischen verstorbener Freund Werner Fried auf die Idee, Informationen zu dem Gebäude und zu der Örtlichkeit zusammen zu tragen, um diese gegebenenfalls bei der Erstellung eines Vortrages zu verwerten. Das Gebäude, in dem das Gästehaus untergebracht ist, ist eines der ältesten Profangebäude in Neunkirchen. Es stammt noch aus der Fürstenzeit, also aus der Zeit vor 1793. Die Ortsbezeichnung Lakaienschäferei geht ebenfalls auf die Fürstenzeit zurück.
      Die älteste Karte unseres Raumes, die Tilemann-Stella-Karte2 aus dem Jahr 1564, zeigt den Weg von Neunkirchen in Richtung Zweibrücken über Forbach (Furpach), der in einem ständigen Auf und Ab über Hügel und durch kleine Senkungen ging und dabei Bäche und sumpfige Täler überquerte. Um diesen Forbacher Weg besser begehbar und befahrbar zu machen, schüttete man an den Tälern Dämme auf. Was aber lag näher, als hinter diesen Dämmen das Wasser zu nutzbaren kleinen Weihern aufzustauen. Einer dieser Weiher entstand nahe dem Dorf Furpach, wo der Weg zum Kasbruchtal abzweigt. Das war der spätere Lakaienweiher, der auf der o. a. Karte noch namenlos ist. Die weiteren Weiher auf dieser Strecke waren der Heusners Weiher, der Furpacher Weiher und der Brückweiher (früher Böhlers Weiher3). Wie aus der Karte zu ersehen ist, war Furpach damals ein ansehnliches Pfarrdorf mit einer Kirche, das sich danach zu einem Hofgut zurück entwickelte.
      Nach dem Bau des herrschaftlichen Renaissanceschlosses in Neunkirchen im 16. Jahrhundert bekam der Weiher seinen Namen. Das kann natürlich erst nach 1585 geschehen sein, da erst in diesem Jahr der Bau des 1570 begonnen Schlosses abgeschlossen war. Erst ab diesem Jahr gab es Lakaien, also Dienerschaft, im gräflichen Jagdschloss.
      Die Bewohner des Schlosses mussten versorgt werden, und was ihre Versorgung mit frischem Fisch anlangte, so diente neben der Blies der nahe beim Schloss liegende Heusners Weiher ausschließlich der Versorgung der gräflichen Herrschaft mit frischem Fisch4. Den gräflichen Beamten und Schlossbediensteten, also den Lakaien, standen dagegen die Fische aus dem bis dahin namenlosen Weiher zu, den man zunächst „Weiher der Lakaien“ nannte, der dann aber bald im allgemeinen Sprachgebrauch zum „Lakaienweiher“ wurde. Dieser Weiher war 6 3/4 Morgen oder 16 875 qm groß.
      In der Ordnung der Gemeinde Neunkirchen, errichtet am 2. April Anno 1731, wurde unter dem Abschnitt „Grommetswiesen“ schon „ein Stück beym Laquayen Weiher“ aufgeführt. Es gab also schon ein Wiesenstück hier.
      Ein Pendant zu der Ortsbezeichnung findet sich im Flurnamenverzeichnis der Gemeinde Wiebelskirchen, wo für das Jahr 1719 der Flurname „Laquaiensteg“ registriert ist5, was darauf hindeutet, dass auch dieses Land gräflichen Bediensteten gehörte.
      Eine „herrschaftliche Schäferey“ gab es übrigens auch in Wellesweiler und zwar an der Ecke der heutigen Homburger Straße/Hirtenstraße6. Zu der Schäferei gehörte ein Hirtenhaus von dem die heutige Straße ihren Namen hat.
      Die Grafschaften Saarbrücken und Ottweiler waren ab 1723 bzw. 1728 ohne Erben. Die Gebiete fielen deshalb an die usingische Verwandtschaft. Im Wege der Erbteilung waren die nassau-saarbrückischen Gebiete dem noch minderjährigen Sohn Wilhelm Heinrich der Fürstin Charlotte Amalie zu Usingen zugefallen. Die Fürstin selbst verwaltete nun zunächst vormundschaftlich das Erbe für ­ihren Sohn.
      Die Fürstin Charlotte Amalie war es dann wohl, die noch vor dem Jahre 1741- für das genaue Datum gibt es bislang keinen Beleg- die mit entsprechenden Weiderechten ausgestattete herrschaftliche Schäferei  errichten ließ. Ein eindeutiger Beleg für die Existenz der Schäferei findet sich im ältesten Einwohnerverzeichnis von Neunkirchen aus dem Jahr 1741. Daraus ergibt sich, dass Johann Nickel Jung aus Ottweiler und Johannes Blatter aus Neunkirchen die wohl ersten Beständer der „Neunkircher Schäfferey“ waren7. 1765 wurde in einem Weidestreit zwischen Neunkirchen und Wellesweiler der Schäfer der Laquaienschäferei, Christian Scheidhauer, als Zeuge aufgeführt. Nicht belegt ist, wer ihm bis zum Ende der nassauischen Herrschaft im Jahr 1793 folgte.
      Da die Schäferei nahe beim Lakaienweiher lag, nannte man sie zunächst „Schäferei bei dem Laquaienweiher“ oder auch Laquaienweiherschäferei, doch auch hier kam es bald zu der Kurzfassung „Laquaienschäferei“.
      In einem Streit über Weide- und Banngrenzen zeichnete der Saarbrücker Landmesser Weimar im Jahre 1740 eine aufschlussreiche Karte des Kasbruchgebietes. Diese Karte interessiert heute wegen der damaligen Wasserverhältnisse im Kasbruch. Weimar nennt in der Karte erstmals den „Laquayenweiher“ am Forbacher Weg gelegen8.

      Die Örtlichkeit lag damals noch relativ weit weg von dem kleinen Dorf Neunkirchen, das sich um den heutigen Oberen Markt gebildet hatte, war aber für dessen Bewohner weit draußen zu einem markanten Punkt geworden. Dies ergibt sich auch aus einer Gemarkungskarte aus dem Jahr 1848, wo es in der Flur XXVIII „Laquaienweiher“ die Gewanne
      148 - Ober der Laquaien-Schäferei
      149 - Im Laquaienweiher
      150 - Unter der Laquaien-Schäferei
      152 - Laquaienkopf
      gibt. Ohne Bezug zur Bezeichnung Laquai gehört zu dieser Flur noch die Gewann 151 – Landertal, also der Bereich, wo seit 1843 das alte Forsthaus steht.
      Die Schäferei selbst existierte nur etwas über 50 Jahre, denn mit dem Einzug der französischen Revolutionstruppen 1793 war ihr Schicksal besiegelt. Die Revolutionäre eroberten auch unseren Raum, plünderten das von 1753 bis etwa 1765 errichtete neue Barockschloss Jägersberg und ganz gewiss auch die Lakaienschäferei, waren doch die vielen Schafe reichliche Beute zur Versorgung der Truppe. Das galt auch für die Fische aus dem Lakaienweiher, den man einfach abgelassen hat, und der später nicht mehr aufgestaut wurde. Was von der Lakaienschäferei blieb, war das heute noch stehende Gebäude, in dem sich jetzt das Gästehaus der IPA befindet.
      Der französische Staat beschlagnahmte alle herrschaftlichen und kirchlichen Güter. Zur Finanzierung seiner Feldzüge ließ Napoleon diese Güter verkaufen. So erwarb der damalige Maire und spätere Bürgermeister von Neunkirchen, Franz Couturier, am 28. Juli 1803 das Schloss Jägersberg mit umgebenden Ländereien für 12000 Franken und am 13. September 1804 auch den „Laquayenweiher“ von der französischen Administration, letzteren zu einem Kaufpreis von 400 Franken. Ein Mathias Josef Hayn aus Trier kaufte am 5. Januar 1804 den Forbacher Hof (später Haus Furpach) mit ca. 95 ha Land und 2.39 ha Weiher zu einem Preis von 21300 Franken9. Vermutlich von ihm hat 2 Jahre später am 3. April 1806 der Saarbrücker Kaufmann Johann Caspar Karcher den Forbacher Hof und die Lakaienschäferei erworben (Hayn war offensichtlich, wie man heute sagen würde, ein Kriegsgewinner).
      Die Familie Karcher bewirtschaftete das Hofgut über vier Generationen bis zum Jahre 1904 und verkaufte es dann an die aufstrebende Gemeinde Neunkirchen für 250 000 Goldmark. Zu diesem Zeitpunkt waren das Wohn- und das Ökonomiegebäude, sowie die dazu gehörenden Ländereien verpachtet. In diesen Pachtvertrag trat die Gemeinde ein.
      Wann der Schäferei-Betrieb im Laufe des 19. Jh. eingestellt wurde, lässt sich nicht mehr feststellen.



       

      Fortsezung folgt

      Armin Schlicker

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