Manuel Grabgut: Röhrenspinne; Hasi Oster: Kugelspinne; Bernadette Fliegfaul: Ohrwurm

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Das Magische Wiesenreich – die Natur besser verstehen
 
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Manuel Grabgut: Röhrenspinne
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Willi Schaufelfein: Totengräber
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Hasi Oster: Kugelspinne
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Bernadette Fliegfaul: Ohrwurm
 
Auch in diesem Monat bringt Ihnen unsere Redakteurin Andrea Dejon das Leben aus dem „Wiesenreich“ wieder etwas näher. Denn: Was man kennt, schützt man auch. Wenn Sie zurückliegende Folgen verpasst haben, finden Sie diese im Internet unter www.es-heftche.de oder unter www.wiesenhelden.jimdo.com.

Wer glaubt Insekten hätten keinen Familiensinn, der irrt. Es gibt einige Arten, die kümmern sich als Mütter und/oder Väter sehr geflissentlich um ihren Nachwuchs. Sie sind richtige Supereltern. Und auch unter den Spinnen gibt es sehr soziale Exemplare. Sie leben allerdings nicht wie Wespen, Bienen oder Ameisen in einer Gesellschaft mit Königin und Arbeitern, sondern als harmonische Gemeinschaft, bei der alle die gleichen Rechte haben. Ansonsten haben diese Familientierchen natürlich, wie alle Wiesenhelden, noch weitere sehr nützliche und vielseitige Talente.

Manuel Grabgut: Röhrenspinne
Sie kommt bei uns in Deutschland sehr selten vor und steht auf der roten Liste der gefährdeten Arten. Sie mag die Wärme und gehört zu den schönsten Spinnentieren. Das Männchen benutzt seine Ähnlichkeit zum Marienkäfer als Tarnung und Schutz vor Fressfeinden. Die Röhrenspinne ist nicht nur gut darin Spinnenseide zu erzeugen, sondern ist auch eine beachtliche „Buddlerin“ – sie gräbt einen Tunnel in den Boden, der etwa zehnmal so tief wie sie selbst groß ist. Und da sie es, wie wir Menschen, gerne weich, warm und gemütlich hat, kleidet sie die Wände sorgfältig mit Seide aus. Von hier aus lauert sie auf ihre Beute, die ihr dann sozusagen vom Himmel ins Mäulchen fällt. Wenn sich eine Dame und ein Herr dieser Spezies verlieben – dann sind sie etwa vier Menschenjahre alt. Sie leben einige Zeit zusammen und teilen sozusagen Tisch und Bett miteinander. Vollkommen selbstlos und aufopfernd lebt diese Spinnenart nun nur noch für ihre Kinder. Nach der Paarung ist das Männchen so erschöpft, dass es stirbt. Nun kümmert sich das Weibchen liebevoll um den Nachwuchs: Gut in einen Kokon verpackt bringt die Mutter die Eier zum Wärmen in die Sonne, danach legt sie diese wieder in ihre Höhle zurück. Sobald die Kleinen geschlüpft sind, wird die Höhle komplett verschlossen. Nun füttert die Mutter die Jungen mit selbstgemachtem Nahrungsbrei. Wenn die Kleinen erwachsen sind, spinnen sie einen Ballonfaden. Mit seiner Hilfe kann der Wind sie dann viele Kilometer weit tragen. Auf diese Weise kommen diese Tierchen weit in der Welt herum und manche von ihnen erobern sogar ferne Inseln.

Willi Schaufelfein: Totengräber
Wegen seines Namens ist er bei uns Menschen nicht sonderlich beliebt – obwohl er ein sehr schöner Käfer ist, der etwa die Größe eines Maikäfers hat. Für unser Ökosystem ist er ungemein wichtig. Er sorgt dafür, dass Tiere, die gestorben sind, schnellstmöglich wieder mit der Erde und dem Erdboden eins werden. Dabei ist er ein regelrechter Künstler und verwandelt den toten Körper in viele kleine perfekte Kugeln – Futter für den Nachwuchs. Außerdem kann er wie eine Spinne Fäden erzeugen und sich einspinnen. Auf Berührungen stehen diese Käfer allerdings nicht. Sie setzten sich dagegen zur Wehr, indem sie in einem solchen Fall einen eklig riechenden Saft absondern. Hat ein Totengräber einen besonders dicken Nahrungsbrocken gefunden, ruft er mit Hilfe eines Duftstoffes weitere aus seinem Volk herbei. Dabei legt er einen flotten Tanz aufs Parkett. Mit hochgerecktem Hinterteil kann er sich sogar wie ein Kreisel stundenlang um die eigene Achse drehen. Es ist beinah so, als würde ein Hipp-Hopp-Tänzer bei uns in der City mit Headset und riesigen Lautsprechern zu einem großen Event einladen: Einem Single-Sucht-Partner-Treff mit reichhaltigem Selbstbedienungsbuffet.
Innerhalb kurzer Zeit finden auf diese Weise viele Pärchen zusammen. Und schon nach wenigen Tagen schlüpft dann der Nachwuchs. Die Kleinen werden bewacht und umsorgt, und müssen alle zehn bis 20 Minuten gefüttert werden – so verdoppeln sie ihr Gewicht in wenigen Stunden und eine Woche später können sie sich bereits verpuppen.

Hasi Oster: Kugelspinne
Weitere Familientypen sind die Haubennetzspinnen, wegen ihres Körperbaus auch Kugelspinnen genannt. Sie kümmern sich sehr beflissentlich um ihren Nachwuchs. Einige tragen sie sogar mit sich herum, um ganz sicher zu gehen, dass ihren Kleinen nichts passieren kann. Der Körper dieser Spinnenart ähnelte einer Kugel mit acht Beinen. Sie sind nicht besonders groß und es gibt sie in vielfältigen Färbungen. Einige ähneln Mini-Marienkäfer und ihre roten Flecken mit den weißen Umrandungen sind richtige kleine Meisterwerke.
Hasi Oster stellt unter den Kugelspinnenvölkern was ganz besonderes dar. Seine Rückenzeichnung ähnelt dem Kopf eines Kaninchens. Um ihn allerdings sehen zu können, muss man extrem wachsam und mit einer Lupe unterwegs sein. Denn diese Spinnenart wird nur etwa drei Millimeter groß.
Die Kugelspinnen bauen labyrinthartige Netzfallen, mit deren Hilfe sie ihre Beute fangen. Auch die Spinnendamen dieses Volkes leben teilweise Faden an Faden mit einem Spinnenmann und manchmal teilen sie mit ihm sogar ihren Fang.

Bernadette Fliegfaul: Ohrwurm
In früheren Zeiten hatte das Tierchen den Ruf, dass es bei Nacht in unsere Ohren krabbeln würde, aber so etwas würde ein Ohrwurm wirklich niemals tun! Ganz im Gegenteil. Sie sind großartige Nützlinge und eilen den Pflanzen zu Hilfe, wenn sie von Blattläusen befallen werden – sofern sie in der Nähe wohnen.
Wenn man sie so betrachtet, könnte man sie für die Rocker unter den Wiesenbewohnern halten. Ihr Chitinpanzer sieht irgendwie aus wie eine braune Lederkluft. Und darin verbirgt sich so manches Equipment, das sie zur Jagd oder Verteidigung nutzen. An den Zangen am Hinterteil erkennt man das Geschlecht dieser Tierchen: Mädchen haben gerade Zangen und Jungs große gebogene. Gut versteckt und sorgsam zusammengefaltet in Fächerform, besitzt diese Gattung, ganz im Gegensatz zu ihrem Namen, Flügel. Aber statt zu fliegen benutzen sie am liebsten ihre Beine. Doch sehr weit krabbeln sie auch nicht – ganz besonders nicht, wenn sie ein gemütliches Quartier gefunden haben.
Im Frühjahr legen die Weibchen ihre Eier in kleinen Bodenröhren ab. Die Eltern passen sehr gut auf und sind richtige, kleine Putzteufelchen, was die Reinlichkeit betrifft. Sind die Jungen erst geschlüpft, so kümmern sie sich fürsorglich um ihre Kleinen fast so wie wir Menschen. Die Kinder, Nymphen genannt, brauchen sehr viel Zuwendung und Liebe, ansonsten sterben sie.

Garten-Tipp
Und wenn Sie gerne einen guten Schutz vor Blattläusen haben möchten, dann sorgen Sie möglichst bald dafür, dass ne Ohrwurm­familie ein tolles Wohnhaus bekommt. Wie Sie das am besten bauen, wo und wann – das können Sie auf folgenden Seiten nachlesen: www.mein-schoener-garten.de. Unter Suchbegriff einfach Ohrwurm eingeben, dann erscheint ein Link: Blumentopf als Wohnquartier.   
 
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