Brandkatastrophe in Neunkirchen

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Feuerwehr rettet 5 Menschen – 3-köpfige Familie stirbt

Früh am Sonntagmorgen, 12. Mai bricht in einem Mehrfamilienhaus in der Wellesweilerstraße, inmitten der Neunkircher Innenstadt, ein verheerendes Feuer aus, welches drei Menschenleben fordert und das Haus vollständig zerstört. Fünf Menschen kann die Freiwillige Feuerwehr Neunkirchen durch ihren engagierten Einsatz noch vor den Flammen retten, davor gelang acht weiteren Menschen selbstständig oder unterstützt durch Ersthelfer die Flucht. Für eine dreiköpfige Familie aber kommt jede Hilfe zu spät, sie stirbt in dem brennenden Haus.

Fast 60 Stunden lang bekämpfen die Feuerwehrleute den Brand und versuchen gemeinsam mit der Polizei die Verstorbenen in dem Haus zu finden und zu bergen. Erst am Dienstagnachmittag, nach annähernd drei Tagen, kann die Neunkircher Feuerwehr ihren Einsatz beenden.Es ist 4:55 Uhr am Sonntag, der Morgen graut gerade erst, als die Integrierte Leitstelle Alarm für die Freiwillige Feuerwehr Neunkirchen auslöst: In der Wellesweilerstraße brennt es in einem Mehrfamilienhaus, Menschenleben sind durch das Feuer in Gefahr. Kurz darauf - die ersten Feuerwehrfahrzeuge sind schon in Richtung Wellesweilerstraße ausgerückt - meldet die Polizei, dass das Wohnhaus in Vollbrand steht, die Beamten hören Hilferufe aus dem Gebäude. Dramatisch ist die Szenerie der die Besatzung des zuerst eingetroffenen Löschfahrzeuges an der Einmündung der August- in die Wellesweilerstraße nur Minuten nach dem Alarm gegenübersteht. Die Türe des Wohnhauses steht genauso wie das dahinterliegende Holztreppenhaus lichterloh in Flammen. Das über der Haustür gelegene Fenster ist durch die Hitze des Brandes bereits geplatzt und lange Flammen schlagen aus ihm. Auch im Keller und unter dem Dach ist Flammenschein zu sehen. Ein junger Mann hat sich vor den Flammen auf das Dach geflüchtet, sitzt hilferufend auf den Ziegeln neben einer der Dachgauben. Im Stockwerk darunter ist aus einem gekippten Fenster eine winkende Hand auszumachen, eine Handytaschenlampe blinkt hinter dem Fensterglas. Zusammen mit drei Kindern wartet eine Frau hinter dem Fenster auf Rettung. Mit der direkt nach dem Löschfahrzeug in der Wellesweilerstraße eingetroffenen Drehleiter können die Feuerwehrleute fünf Menschen aus allerhöchster Not retten. Im Korb der Drehleiter bringen sie den Mann vom Dach sowie auch die drei Kinder und die Frau aus dem ersten Stock sicher zu Boden. Acht weitere Menschen konnten sich selbst oder unterstützt durch Ersthelfer noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr aus dem Haus retten und in Sicherheit bringen. Alle 13 geretteten Hausbewohner werden noch vor Ort durch Kräfte des Rettungsdienstes medizinisch erstversorgt und anschließend in Krankenhäuser zur weiteren Behandlung gebracht. Doch nicht allen Hausbewohnern gelingt die Flucht oder können gerettet werden. Eine dreiköpfige Familie gilt zunächst als vermisst. Erst nach und nach wird es zur traurigen Gewissheit das die 33-jährige Mutter, der 50-jährige Vater und auch der erst vier Jahre alte Sohn bei dem Brand ums Leben gekommen sind.

Wegen der enormen Brandintensität und -ausbreitung werden schon in den ersten Einsatzminuten weitere Feuerwehrkräfte als Unterstützung angefordert. In der Wellesweilerstraße kommen bei der Brandbekämpfung die Löschbezirke Neunkirchen-Innenstadt, Wiebelskirchen, Wellesweiler und später auch Münchwies zum Einsatz. Als Bereitschaft für etwaige weitere Einsätze in Neunkirchen beziehen die Löschbezirke Furpach und Hangard zunächst Posten in der Innenstadt. Zu ihrem allerersten Einsatz rückt auch die erst tags zuvor eingeweihte Drehleiter der Feuerwehr Ottweiler nach Neunkirchen aus. Von den beiden vor dem Wohnhaus positionierten Drehleitern aus wird der Brand, der sich auch auf den Dachstuhl ausgebreitet hat, von oben herab mit leistungsstarken Wasserwerfern bekämpft. Sowohl von der Straße aus, als auch von den Gärten hinter dem Haus bekämpfen Feuerwehrleute den Brand vom Boden aus mit Strahlrohren. In das Gebäude selbst können die Feuerwehrleute nur von den Drehleitern aus oder über tragbare Leitern eindringen, weil das hölzerne Treppenhaus fast vollständig abgebrannt und nicht mehr begehbar ist. Zwar gelingt es am Morgen mehreren Feuerwehrtrupps zumindest in das erste Obergeschoss vorzugehen, wegen teilweise eingestürzter Decken müssen sie sich aus Sicherheitsgründen aber schon bald wieder zurückziehen. Wegen der herrschenden Einsturzgefahr im Haus - über den Tag hinweg stürzen immer mehr Deckenteile ganz oder teilweise ein - kann die Brandbekämpfung schließlich nur noch von außen geführt werden. Dies gestaltet sich aber als durchaus schwierig, weil selbst mit den Wasserwerfern der Drehleitern nicht jeder Brandherd im Gebäude zielgenau erreicht werden kann. Immer wieder kommt es zu neuen Brandausbrüchen, sogenannten Durchzündungen, im Gebäude, welche die Feuerwehr jedes Mal aufs neue herunterkämpfen kann. Um die Brandherde besser erreichen zu können, setzt die Feuerwehr später am Sonntag statt Wasser Schaum zur Brandbekämpfung ein. Dieser läuft selbstständig auch an schwer zugängliche Stellen und legt sich erstickend über den Brand. Nachschub an Atemschutzgeräten bringen am Mittag Feuerwehren aus dem benachbarten Saarpfalz-Kreis nach Neunkirchen. Gegenüber des schon leer geräumten Gerätewagen-Atemschutz aus dem Löschbezirk Wiebelskirchen bezieht das baugleiche Fahrzeug der Feuerwehr Blieskastel Stellung und sichert den Nachschub an Atemschutzgeräten und -masken für die Einsatzkräfte. Zur Unterstützung bei den Löscharbeiten wird am Nachmittag die Werkfeuerwehr Bosch aus Homburg mit einer großen Teleskopmastbühne angefordert, welche ein weitaus größeres Bewegungsfeld hat als eine konventionelle Drehleiter. Sie löst an der Einsatzstelle die Ottweiler Drehleiter ab, welche sich in dem stundenlangen Einsatz bewährt hat und nun wieder einrücken kann. Während die Löscharbeiten ohne Unterlass den Sonntag über fortgesetzt werden, wird vom Korb eines der Hubrettungsfahrzeuge aus die Leiche der vermissten 33-Jährigen im Dachgeschoss ausgemacht. Doch geborgen werden kann sie zunächst nicht. Wegen der herrschenden Einsturzgefahr kommen die Feuerwehrleute nicht an sie heran.

Weil das Gebäude nach wie vor und auch nicht auf absehbare Zeit wegen dem drohenden weiteren Einsturz von Decken betreten werden kann, wird das Technische Hilfswerk (THW) am Sonntagabend damit beauftragt an der Vorder- und Rückseite des Hauses Gerüsttürme zu errichten. Zudem wird ein Baufachberater des THW angefordert, der die statische Situation des Hauses beurteilen kann. Beginnend in der Nacht zum Montag und bis zum Montagmittag bauen die THW-Helfer auf der Rückseite zwei Gerüsttürme und auf der Vorderseite einen weiteren Turm auf. Insbesondere von den Türmen auf der Rückseite aus kann eine gezieltere Brandbekämpfung gegen die immer noch stetig wieder aufflammenden Brände im Gebäude geführt werden. Nach wie vor ist die Brandbekämpfung aber schwierig. Teilweise liegen Brandherde unter Trümmerteilen und Schutt begraben, teilweise behindern herunterhängende Deckenteile vor den Fenstern den Löschangriff. Am Montagmorgen beauftragt die Stadt ein örtliches Abrissunternehmen mit dem schrittweisen Rückbau des im Inneren weitgehend eingestürzten Hauses. Der schrittweise Rückbau des Hauses, beginnend am Dachstuhl, soll nicht nur neue Zugangsmöglichkeiten für die Brandbekämpfung schaffen, sondern auch die Bergung des bereits am Sonntag im Haus gesichteten Leichnams erlauben. Für den Rückbau werden durch das Abrissunternehmen über den Montag hinweg verschiedene Baumaschinen und Arbeitsmaterialien an die Einsatzstelle gebracht. Erst mit Einbruch der Dunkelheit trifft auf einem Schwertransport ein für die Abrissarbeiten geeigneter Langstielbagger ein.

Nach einem aus Sicherheitsgründen erfolglos abgebrochenen Bergungsversuch der Frauenleiche am Montagnachmittag, gelingt es weit nach Mitternacht schließlich in enger Zusammenarbeit der Feuerwehr mit dem Abrissunternehmen und in stetiger Rücksprache mit der Polizei den Leichnam aus dem Dachgeschoss zu bergen. In einem ersten Schritt werden Teile des Dachstuhls händisch von einer Arbeitsbühne aus entfernt und im Anschluss Teile der Hausfassade mit einem eigens herangeführten Abrissbagger sorgsam entfernt. Mit einer Arbeitsbühne gelangen in der Nacht zum Montag zwei Feuerwehrangehörige nach stundenlanger Vorarbeit in das Dachgeschoss. Gesichert über Leinen vom über dem Dachstuhl stehenden Korb der Drehleiter aus gelingt es ihnen die verstorbene 33 Jahre alten Frau zu bergen. In den folgenden Tagen können Polizeikräfte, ebenfalls unterstützt durch das Abrissunternehmen, zunächst am Mittwoch den Leichnam des verstorbenen vierjährigen Jungen und am Donnerstag auch den toten 50 Jahre alten Vater bergen.

Der Feuerwehreinsatz setzt sich auch in der Nacht von Montag auf Dienstag fort. Erneut müssen die Feuerwehrleute aufflammende Brände bekämpfen. Dieses Mal aber gelingt es ihnen das Feuer endgültig zu löschen. Nach einem letzten großen Löschangriff steigen keine neuen Rauchsäulen mehr aus der Brandruine auf. Bis zum Dienstagnachmittag können die Feuerwehrleute auch die letzten Glutnester in dem Haus freilegen und ablöschen. Um 15:15 Uhr kann die Feuerwehr die Einsatzstelle formell an die Polizei übergeben. Diese setzt in der Wellesweilerstraße ihre bereits sonntags eingeleiteten Ermittlungen fort. Im Rahmen des Polizeieinsatzes können auch die Leichen der beiden noch Vermissten gefunden und geborgen werden.

Am Ende war die Freiwillige Feuerwehr Neunkirchen ununterbrochen fast 60 Stunden, vom frühen Sonntagmorgen bis zum Dienstagnachmittag, in der Wellesweilerstraße zum Einsatz. In einem regelrechten Schichtbetrieb wurden ab Sonntagabend die eingesetzten Kräfte vor Ort regelmäßig ausgetauscht, um Regenerationspausen von dem physisch und psychisch sehr fordernden Einsatz zu schaffen. Alle sieben Neunkircher Löschbezirke kommen über den langwierigen Einsatz teils mehrfach in der Wellesweilerstraße zum Einsatz. Unterstützt werden sie unter anderem durch die Feuerwehr Ottweiler und die Werkfeuerwehr Bosch mit weiteren Hubrettungsfahrzeugen. Logistische Unterstützung in Form von Atemschutzausrüstung und Schaummittel leisten unter anderem die Feuerwehren Blieskastel, Mandelbachtal, Schiffweiler, Illingen sowie die Werkfeuerwehr Saarstahl aus Neunkirchen. Schon früh am Sonntagmorgen eilten nicht nur Landesbrandinspekteur Timo Meyer und Kreisbrandinspekteur Michael Sieslack an die Einsatzstelle, sondern auch Landrat Sören Meng und der Neunkircher Bürgermeister Jörg Aumann. Über Stunden hinweg begleiten Meng und Aumann den Einsatz, um sich über seinen Fortgang zu informieren und den Einsatzkräften beratend zur Seite zu stehen. Am Montagmorgen kommt auch Oberbürgermeister Jürgen Fried in die Wellesweilerstraße, um mit den Einsatzkräften zu sprechen und sich zu informieren. In der Anfangsphase des Einsatzes befand sich gemeinsam mit der Feuerwehr auch ein Großaufgebot des Rettungsdienstes, darunter auch der Organisatorischer Leiter Rettungsdienst und der Leitende Notarzt, im Einsatz. Sie übernahmen die Versorgung und den Abtransport der Verletzten in die Krankenhäuser. Die medizinische Absicherung der eingesetzten Kräfte sowie auch deren Versorgung mit Essen und Getränken übernahm in den drei Einsatztagen das Deutsche Rote Kreuz (DRK) mit Kräften aus Ortsvereinen aus dem ganzen Landkreis Neunkirchen sowie darüber hinaus. Sechs Ortsverbände des THW waren am Sonntag und Montag durch den Aufbau von Gerüsttürmen in den Einsatz mit eingebunden. Die Polizei befindet sich mit Kräften der Polizeiinspektion Neunkirchen, des Polizeilichen Ordnungsdienstes sowie auch der entsprechenden Fachdienststellen, unter anderem für die Ermittlung der Brandursache, durchgehend vor Ort. In Spitzenzeiten sind am Sonntag über 100 Einsatzkräfte in der Wellesweilerstraße gleichzeitig im Einsatz.


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